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Journal of the Royal Society of Medicine (Großbritannien): Falun Gong, Organtransplantationen, der Holocaust und wir

31. März 2007 |   Von Tom Treasure

(Minghui.de)

März 2007, Ausgabe100, Heft 3, S. 119-121

Die Anzahl von Organtransplantationen in China und die Geschwindigkeit, wie schnell Organe erhältlich sind, hat internationale Besorgnis über die Quelle der Organe hervorgerufen. Es wurde öffentlich erklärt, dass Organe von exekutierten Verbrechern stammen und dass dafür eine Einwilligung erfolgen muss, doch es existieren Anschuldigungen, die ein grausigeres Szenario beschreiben, „dass Gefangene systematisch operiert werden, um ihre Organe für Transplantationen zu entfernen". In diesem Artikel untersuche ich die Plausibilität dieser Behauptung, angesichts unseres Wissens über die Mittäterschaft von Ärzten in den Vorfällen, die zum Holocaust geführt haben und die Praktikabilität der derzeitigen Organtransplantation.

Organtransplantationen haben in China merklich zugenommen. Eine Einrichtung berichtet von 647 Lebertransplantationen in ungefähr einem Jahr. Die Wartezeit beträgt laut Webseite der chinesischen Hospitäler zwischen ein und zwei Wochen. Die Preislisten sind in Dollarbeträgen erhältlich, welche weit unter den Preisen auf dem globalen Gesundheitsmarkt liegen und unter einem Zehntel der Preise in den USA (1). Um Organspender zu werden, müssen die Menschen jung und unter bestimmten Umständen gestorben sein, so dass Organe im Allgemeinen knapp sind und die Wartezeit sehr lang sein kann. In China gibt es eine große Lücke zwischen der Anzahl der Spender und der Anzahl der verfügbaren Organe, trotz der Tatsache, dass Organspenden in der chinesischen Kultur auf Widerstand stoßen. Seit Mai 2006 unterliegen Organtransplantationen erstmalig gesetzlichen Regelungen (2), doch es bleibt trotzdem die Frage: Wie können diese Transplantationsteams so schnell fortschreiten und mit solch kurzen Wartezeiten? Es wurden Anschuldigungen vorgebracht, dass in China die Körper von gesunden lebenden Menschen systematisch ausgenommen und ihre Organe für Transplantationen verwendet worden sind (3).

Es ist heutzutage eine Tatsache, dass Organe von exekutierten Verbrechern in China zur Transplantation verwendet werden (2). Behauptet wird, dass sie ihre Einwilligung gaben, doch kann dies freiwillig geschehen? Dabei beruft man sich auf das Argument des größeren Guten gegenüber dem kleineren Übel: Wenn ein Mensch aufgrund eines Justizprozesses das Recht zu Leben verloren hat, hat er vielleicht auch das Recht verloren, mit seinen Nieren begraben zu werden. Warum sollten sie vergeudet werden, wenn zwei unschuldige Opfer mit Nierenausfall ein besseres und verlängertes Leben bekommen könnten? Doch es gibt noch eine weitaus größere Angelegenheit. Als Teil einer Zunahme religiöser Aktivitäten in dem ideologischen Vakuum, das beim Zerfall des Kommunismus hinterlassen wurde, erwuchs eine spirituelle Bewegung, die sich Falun Gong nennt. Die Praktizierenden treffen sich, um ihre Übungen zu machen und um zu meditieren [Anm. der Redaktion: Sie machen fünf körperliche Übungen und folgen in ihrem Alltag den Prinzipien „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht”. Seit 1999 hat die Kommunistische Partei Chinas die Praktizierenden brutal verfolgt.] [...] Anscheinend werden sie nach ihrer Verhaftung routinemäßig einem Bluttest unterzogen. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass es zum Vorteil von Falun Gong ist, doch passende Blutgruppen sind für Organspenden entscheidend. Der Verdacht, dass Falun Gong-Praktizierende als Organquelle behandelt werden, ist Hauptgegenstand der Untersuchungsarbeit von David Matas und David Kilgour, die die Anschuldigungen formuliert haben (3).

Die Empfänger sind überwiegend jene, die weltweit für ihre medizinische Versorgung reisen; wenn Matas und Kilgour Recht haben, stammen die Organe von inhaftierten Mitgliedern einer unschuldigen [Gruppe] und die Übeltäter sind somit praktizierende Ärzte. Als die Anschuldigungen an die Öffentlichkeit gebracht wurden, war die Nachricht so schockierend, dass sie außerhalb jeglicher Glaubhaftigkeit stand. Auch ich war alarmiert, als ich von diesen Anschuldigungen hörte, so dass ich damit kämpfte, einen Sinn darin zu finden. Der Teil des Berichts, der mich am meisten schockiert, wenn es der Wahrheit entspricht, ist, dass meine medizinischen Kollegen, die Ärzte, es sind, die diese Taten ausführen. Das ist der einzige Teil, an dem ich die Möglichkeit habe anzuknüpfen. Da ich nicht mehr Beweise bekommen kann als die, die mir geboten werden (3), kann ich wenigstens diese Anschuldigungen auf ihre Glaubwürdigkeit überprüfen.

Transplantationen von Nieren, Lebern, Augenhornhäuten, Herzen und Lungen bieten eine Überlebenschance bzw. eine Lebensqualität für Empfänger, die sich in einem absteigenden QUALYs-Wert [Anm.: Quality adjusted Life Years- „Qualitätsgleiche Lebensjahre”] befinden. Die Summe der Qualitätsgleichen Lebensjahre, die die tote Person anderen spendet, ist beträchtlich und sehr groß, wenn mehrere Organe gespendet werden und erfolgreich in unterschiedliche Personen transplantiert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Operation beim Spender und die Verteilung der Organe kompetent koordiniert werden. Ich bin sowohl bei der Entfernung als auch bei der Transplantation verschiedener Organe tätig. Meine persönliche Leistung erreichte am Wochenende ihren Höhenpunkt, als ich innerhalb von 72 Stunden erfolgreich Herzen in drei Patienten transplantierte. Für die Entfernung dieser Organe war eine Vorbereitung nötig, was nicht vergleichbar ist mit der Organentnahme nach einer Exekution. Dabei beobachtet und reguliert ein Anästhesie-Team kontinuierlich die lebenswichtige Physiologie der für hirntot erklärten Person, nur um die Organe für die Transplantation lebensfähig zu erhalten. Das Herz und die Lungen werden am Leben erhalten, während das äußerst genaue Sezieren und die Entnahme der Leber erfolgt. Dann werden die Organe Herz, Lunge, Leber, Niere und dann Augenhornhaut in einer schnellen Abfolge entfernt, eingepackt und weggebracht. Diese sind die notwendigen Vorbereitungen bei einer Spenderoperation und es sollte angemerkt werden, dass es nicht mit der Gewinnung von Organen nach einer Exekution durch einen Justizprozess vergleichbar ist. Die unvorbereitete normale Person wird es wahrscheinlich sowohl makaber als auch abstoßend finden, doch das Transplantationsteam muss sich von diesen emotionalen und körperlichen Reaktionen distanzieren.

Wie kann es nur so weit kommen? Medizinische Ethik ist weder absolut noch statisch. Im Westen haben wir mehrmals alte Glaubensvorstellungen herausgefordert und in den letzten Jahrzehnten die Verhaltensnormen erweitert. Beispielsweise haben Schwangerschaftsabbruch und Manipulation der Fruchtbarkeit (in beide Richtungen) umfassende Verhandlungen auf die Tagesordnung gerufen, und es gibt in vielen Punkten immer noch Unstimmigkeiten. Die Unterscheidung zwischen Leben und Tod ist besonders für die Transplantation umdefiniert worden. Eine Niere aus einer Leiche kann sich erholen, während der Empfänger an einer Dialysemaschine angeschlossen ist, doch wenn die Herzmuskel-Nekrose eintritt, ist das Herz irreparabel tot. Es war der Herzstillstand, der den Tod definierte, bis zum Aufkommen der Herztransplantation Ende der 60er Jahre, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog. Wenn der Sterbevorgang an dem Punkt beendet ist, wo das Herz aufhört zu schlagen oder flimmert, ist es wahrscheinlich unheilbar beschädigt. Wenn die Herztransplantation Erfolg haben sollte, musste der Tod als Hirntod umdefiniert werden. Transplantationen verschoben zweifelsohne die Grenzen dessen, was Ärzte tun und nicht tun würden, und im Gegenzug akzeptierte die Gesellschaft neue Definitionen. Denn was multiple Organspenden erreicht haben, was in einer anderen Zeit schockierend gewesen wäre, wird unter neuen Regeln nicht nur toleriert, sondern sogar bewundert. Die Abstumpfung unserer körperlichen Reaktionen und die Neudefinition der ethischen Grenzen sind Schritte, die uns, wenn wir nicht vorsichtig sind, zum moralischen Verfall führen und wir müssen es als solches anerkennen. Doch kann es überhaupt irgendeinen Präzedenzfall geben, der die Anschuldigung auch nur im Geringsten bestätigt, dass Ärzte sich an systematischen Organentnahmen von gesunden Opfern ohne deren Zustimmung beteiligt haben?

In den 1930er Jahren wurden die ersten Schritte zum Holocaust gegangen - und es wurde unter der Mittäterschaft von Ärzten getan (5). Wie dies geschah, verdient die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit; wenn wir die Fakten nicht anerkennen und verstehen, wie es passierte, woher sollen wir wissen, dass es nicht wieder passieren wird? In Deutschland, wie überall, gibt es Menschen, die langzeitige Pflege benötigen. Solche Patienten interagieren in unterschiedlichem Ausmaß mit ihren Pflegerinnen und Pflegern; an einem Ende des Spektrums gibt es keine Lebenszeichen oder irgendwelche Aufnahmefähigkeiten eines sinnlich wahrnehmbaren Wesens. Dann taucht unvermeidlich die Sicht auf, dass wenn ihr Leben langsam dahin geht, es keinen Verlust darstellt. Vielleicht wird es ein Segen sein. Es muss mit Sicherheit eine Entlastung für die Familie sein. Darüber hinaus kann dadurch wertvolle Zeit gespart werden, Geld und Liebe und die Hingabe von Eltern und Pflegepersonal, die befreit werden können, um sich besseren Aufgaben zu widmen. Ihr Zustand wird in dem deutschen Spruch „Lebensunwertes Leben” ausgedrückt. Die ethische Frage war, ob es erlaubt wäre, aktive Maßnahmen zu ergreifen, um bei ihnen ein Ende herbeizuführen; parallel wurde die Frage aus medizinischer Sicht gestellt, auf welche Weise dies getan werden sollte. Wie es getan werden sollte, ist an sich wichtig, denn wenn die endgültige Wahrheit unseres Handelns durch das Argument einer untergeordneten Absicht verdeckt werden kann, wird es wahrscheinlich erlaubt sein, das Ende des Lebens herbeizuführen. Unterschiedliche Methoden wurden in Betracht gezogen. Eine davon war, eine Praktik einzuführen, bei der eine erhöhte Dosis an Beruhigungsmitteln eingesetzt wird, um mögliche Leiden zu reduzieren. Eine andere war der Hungertod durch eine systematische Unterernährung oder durch eine Diäternährung, die ausschließlich dafür zusammengestellt wird, um in einigen wichtigen Teilen Mangelerscheinungen hervorzurufen. Doch wie soll die Praktik durchgeführt werden?

Ein Ärzteteam wurde darum gebeten, einen Fragebogen, ein Formular, zu entwerfen, in dem Informationen über das funktionale Niveau einer Person gesammelt werden konnten. Dieses wurde getan,k und die Kriterien wurden festgelegt. Eine andere Gruppe von Ärzten führte die Befragung bei allen potentiellen „Lebensunwertes Leben”-Patienten durch. Es schien so, als ob das Pflegepersonal, das diese Fragebögen ausfüllte, dahin tendierte, die Pflegestufe über zu bewerten, offensichtlich in dem Glauben, dass diese ihr Gehalt eher aufbessern würde als zu verschlechtern. Die Fragebögen kamen anschließend zu drei unabhängigen Gutachtern, die eine Stellungnahme zu den dargebotenen Kriterien beziehen sollten, von wegen ob es ein Leben wäre, das nicht Wert war zu leben. Der zweite und der dritte Gutachter konnte die vorangegangenen Meinungen auf dem Fragebogen sehen, was den Motivationseffekt mit sich brachte, Einstimmigkeit zu erzielen. Die Fragebögen wurden dann an ein Büro zurückgeschickt und Medizintransportteams wurden damit beauftragt, die Personen, die als "lebensunwertes Leben" identifiziert wurden, in eine andere Einrichtung zu bringen, wo die Behandlung durchgeführt wurde. Schließlich würde ein Arzt eine plausible Todesbescheinigung ausstellen. Und so geschah es. Die Zahnräder drehen sich, doch niemand kennt die Funktion der ganzen Maschine. Es gibt ein Protokoll, das bestätigen kann, dass meine Beschreibungen wahr sind (5). Es gab auch Auswege für diejenigen, die eine Ahnung von dem bekamen, was vor sich ging, und sich selbst als „nicht für die Aufgabe geeignet” ansahen. Sie konnten von dieser Pflicht befreit und einer anderen Arbeit zugeteilt werden. Mit dem Beginn des Krieges folgte unbegreifliches Entsetzen, doch es waren die Taktiken und Methoden, die für das lebensunwerte Leben entwickelt wurden, die eine Blaupause lieferten, für das was folgte, und die Ärzte waren überall beteiligt. Also im welchem Zusammenhang steht dies mit Transplantation? Es gibt Zahnräder, die von sich aus die Maschine auch zum Laufen bringen. Die Pfleger der potentiellen Spender sehen keine Zukunft für ihre Pflegebefohlenen. Sie informieren die Transplantationskoordinatoren, die den lobenswerten Auftrag haben, die Möglichkeiten abzuwägen und darauf hinzuarbeiten, die Zustimmung von den Familien zu bekommen. Ein internationales Netzwerk, das auf der Grundlage von Gerechtigkeit gegründet wurde, wird über die Verfügbarkeit der Spenderorgane informiert. Das ernannte Beschaffungsteam, in der Regel Assistenzärzte der Chirurgie oder so genannte „Forschungs-” oder Transplantationsbefürworter, gehen dorthin, wohin sie geschickt werden, um die Aufgabe zu erledigen. Es ist fast immer mitten in der Nacht, wenn die Operationssäle leer und die Straßen und Luftwege frei sind, und es geschieht immer unter extremen Zeitdruck, um die Qualität der Organe zu garantieren. In der Zwischenzeit ruft das Transplantationsteam die Empfänger auf der Warteliste an und führt dringende Transplantationsoperationen in mehreren verschiedenen Krankenhäusern durch, alles geschieht unter Zeitdruck. Der Zeitdruck, die geographische Verteilung, die Komplexität, bei multiplen Organen die Passenden zu finden, die Notwendigkeit, die Anonymität von Spender und Empfänger vertraulich zu behandeln, und die reine Logistik haben zur Folge, dass niemand vom medizinischen Personal einen Überblick über diesen ganzen Prozess hat. Erst recht würde dies in China nicht der Fall sein. Das ist es, was es so plausibel macht, dass es passieren kann und dass Ärzte es selber tun können, im Wesentlichen wohl unbewusst oder zumindest soweit, dass sie genug Distanz halten können, um wegzuschauen oder wegzuhören.

Die genaue Herkunft aller Spenderorgane mit einem vollständigen und transparenten Protokoll zu ermitteln, würde genügen, um die Anschuldigungen zu widerlegen, doch interessanterweise wird es sogar schwierig sein, dies in Ländern zu tun, die offener sind, als es China zurzeit ist. Bei den Fällen, an denen ich beteiligt war, gab es ein ausdrückliches Einvernehmen darüber, dass der Vorgang nur starten kann, wenn der Wille des Spenders erfüllt ist, aber Tatsache ist, dass ich nie in der Lage war, die Dokumentation des Zustimmungsprozesses zu überprüfen. Die Herzen kommen in unseren Operationsraum ohne Namen und bis dahin ist der Empfänger bereits unter Narkose, und wir sind bereits dabei, das kranke Herz zu entfernen. Faktoren, die die Anschuldigungen plausibel machen, sind die Aufteilung der logistischen Elemente und technischen Schritte, wie sie gerade für Transplantationen beschrieben werden und die Notwendigkeit zur Eile. Was es glaubwürdig macht, sind die zahlreichen Lücken zwischen der angegebenen Anzahl der Transplantationen im Vergleich mit den Möglichkeiten in anderen Ländern, die kurze Wartezeit und die Selbstverständlichkeit, mit der Operationen auf dem globalen Gesundheitsmarkt angeboten werden und die routinemäßigen Bluttests bei Falun Gong-Praktizierenden.

Quellenangaben:

1. China International Transplantation Network Assistance Center: The cost of the transplantation. http://archive.edoors.com/render.php?uri=http://en.zoukiishoku.com/list/cost.htm+&x=16&y=11 . 2006. Ref Type: Electronic Citation Last accessed 9th October 2006
2. Zhang Feng: New rule to regulate organ transplants. http://www.chinadaily.com.cn/china/2006-05/05/content_582847.htm . 2006. 23-9-2006. Ref Type: Electronic Citation Last accessed 9th October 2006
3. Matas D., Kilgour D.: Report into allegations of organ harvesting of Falun Gong practitioners. http://www.davidkilgour.ca/ . 2006. 23-9-2006. Ref Type: Electronic Citation Last accessed 9th October 2006 [...]
5. Lifton RJ.: The Nazi Doctors. Basic Books USA; 2000. Diese Hauptveröffentlichung der Royal Society of Medicine ist eine führende allgemein-medizinische Zeitschrift, die gegenwärtige Auffassungen und Praktiken über Fachrichtungen reflektiert. Mittels Peering überprüfte Originalberichte, Leitartikel und Überprüfungen werden von einer internationalen Autorenschaft beigetragen. Die Zeitschrift enthält auch ausgewählte Vorgänge der größeren Gesellschaftstreffen, Buchbesprechungen und Briefe. Gelegentliche Ergänzungen werden herausgegeben. Die große, weltweite Auflage der Zeitschrift und deren Auflistung im Index Medicus zeigen ihre Reichweite in der medizinischen Fachwelt.

Quelle: http://de.clearharmony.net/articles/200703/36973.html