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Wie ich im Frauenzwangsarbeitslager dem Tod entkam (Foto)

2. Dezember 2010 |   Von Chen Zhenbo

(Minghui.de) Ich heiße Chen Zhenbo. Am 25. Dezember 2008 wurde ich rechtswidrig festgenommen, nachdem ich wegen des Verteilens von Flyern über Falun Gong bei den Behörden angezeigt worden war. Ich wurde eineinhalb Jahre im Frauenzwangsarbeitslager Nr. 2 der Provinz Shandong festgehalten. Weil sie mich „umerziehen“ wollten, folterten mich die Arbeitslagerbeamten seelisch und körperlich. Durch die Folterungen wurde ich behindert und musste am 2. Juli 2010 nach Hause getragen werden.

Ich berichtete über die brutale Folter und besonders über die drei Runden bestialische Prügel in dem Artikel „Körperbehindert durch wiederholte Prügel und Folter - Frau Chen Zhenbo berichtet über ihre entsetzliche Verfolgung“ (http://www.minghui.de/artikel/61983.html). Jetzt schreibe ich, um noch andere Methoden ans Tageslicht zu bringen, die das Arbeitslager anwendete, um mich leiden zu lassen, während sie mich am Leben hielten.

Foto von Frau Chen Zhenbo, als sie nach Hause gebracht wurde

 

Wärter fügten heimlich Drogen in das karge Essen, das man mir gab

Während der zwei Monate, in denen ich drei Runden brutaler Prügel unterzogen wurde, und der sieben Tage, in denen ich an einem Fenster angekettet war, gaben mir die Lagerbeamten nur kärgliches Essen, das mich kaum am Leben hielt. An den meisten Tagen erhielt ich eine Mahlzeit, doch ich musste auch mehrere Tage ohne jegliches Essen ertragen. Wenn das eine Dampfbrötchen und die paar Stück Gemüse in den Toilettenraum gebracht wurden, in dem man mich festhielt, gaben mir die Überwacher (Häftlinge, die zu meiner Bewachung abgeordnet waren) nur einen kleinen Bissen von dem Brötchen und aßen das Gemüse selbst.

Ich bestand nur noch aus Haut und Knochen, als sie mich an einem Fenster festketteten. Ich bemerkte, dass sie dem Essen irgendeinen unbekannten Inhaltsstoff beigemischt hatten, weil jedes Mal, nachdem ich etwas gegessen hatte, meine Hände und Arme blau wurden, meine Lippen anschwollen und sich mein Kopf drehte. In einer einzigen Nacht blähte sich mein ganzer Körper auf wie ein Ballon. Ich hatte das Gefühl, sterben zu müssen. Ich sagte zu Häftling Wang Fuqin, dass mich die Wärter wahrscheinlich tödlich vergiften wollten.

Bald darauf bestätigte sich mein Verdacht. Ich bat einmal um Teigspiralen (eine chinesische Sorte von fettgebackenem Teig). Kurz nachdem ich einen Bissen davon gekaut hatte, fühlte ich mich taub, geschwollen und kraftlos. Mein Gesicht, meine Hände und Füße wurden mehrere Tage später ganz dunkel. Ich fühlte, wie meine Lippen und meine Nasenlöcher anschwollen und ich kaum atmen konnte. Meine geschwollenen Füße passten nicht mehr in meine Schuhe. Die Zellengenossin Liu Hailan, eine verurteilte Räuberin, aß zwei von diesen Teigspiralen und bekam die gleichen Symptome.

Da die Schwellung blieb, behielten mich die Wärter in der Toilette oder im Büro, damit mich die anderen Häftlinge nicht sehen konnten. Wenn ich hinausgehen musste, musste ich warten, bis alle zur Werkstatt gegangen waren oder sich zum Schlafen hingelegt hatten. Zwei Bewacher mussten mich begleiten.

Nach ein paar Tagen bot die stellvertretende Direktorin Zhao Lili plötzlich an, dass sie mir eine rote Bohnensuppe machte. Ich musste diese Suppe zweimal innerhalb von drei Tagen trinken und meine Schwellungen gingen zurück. Ich habe keine Ahnung, was für eine Droge sie in meine Suppe gegeben hatte.

Nach der dritten Runde mit brutalen Schlägen behielten mich die Wärter in einem Beratungszimmer. Zu der Zeit konnte ich nicht mehr gehen. Zhao Wenhui und die neu ernannte Gruppenleiterin Xia Li befahlen, dass ich ein Drittel eines normal großen Dampfbrötchens mit ein wenig Gemüsesuppe zu jeder Mahlzeit bekommen sollte. Ungefähr sechs Monate lang bekam ich nicht genug zu essen.

Am Abend des chinesischen Neujahrs 2010 ließ die Gruppe zwei alle Häftlinge zu einem Treffen im Konferenzsaal versammeln, der gleich neben dem Beratungszimmer war, in dem ich gefangen gehalten wurde. Ich nahm all meine Kraft zusammen und rief: „Falun Dafa hao!“ Da beide Zimmer nebeneinander lagen, hörten sie es sehr deutlich. Liu Yulan eilte sofort herbei und gab mir zwei Dampfbrötchen. Ungefähr zwei Monate vor meiner Freilassung fingen sie schließlich damit an, mir genug zu essen zu geben.

Die Wärter verboten mir eine lange Zeit, mich zu waschen

117 Tage lang wurde mir verboten, mich auch nur einmal zu waschen. Das war vom Tag meiner Verhaftung, dem 25. Dezember 2008, bis zum Ende der zweiten Prügelrunde am 19. April 2009. Ich hatte einen extremen Geruch an mir und war sehr schmutzig.

Eines Tages im Juni 2009 erlaubte mir plötzlich Zhao Lili, mich zu waschen, und befahl Wang Qian, einen Behälter zu bringen, der halb voll mit Wasser war. Bevor ich jedoch überhaupt die Möglichkeit hatte, mich zu reinigen, erklärte Xu Jin, dass die Zeit abgelaufen sei. Sie stieß den Wasserbehälter um und das Wasser schwamm überall im Büro herum.

Als die dritte Prügelrunde Mitte August 2009 endete, sagte Zhao Lili, dass ich mir die Haare waschen könne. Häftling Xue Lianxi brachte einen halben Eimer Wasser, den dann Xu Jin umstieß. Am zweiten Abend brachte mir Xu Jin gerade einmal genug Wasser, dass ich mir den Oberkörper waschen konnte.

Während der eineinhalb Jahre Haft erlaubten sie mir nie, mich selbst im Waschraum oder dem Badezimmer zu waschen. Ich durfte mir auch meine schmutzige Kleidung nicht waschen. Während meiner Periode wurde meine Unterwäsche äußerst schmutzig. Mir blieb nichts anderes übrig, als gebrauchte Unterwäsche von Personen zu tragen, die bereits entlassen worden waren. Die Strafgefangene Hou Baoqin tauschte ihre Hose mit mir, als eine Aufsichtsperson einmal einen kurzen Augenblick hinausging. Als ich meine Hose auszog, bildeten die Hautschuppen, die von meinen Beinen fielen, eine dicke Schicht am Boden.

Als an einem Wintertag im Jahr 2009 Häftling und Überwacherin Zhang Xiaoli schlief, drehte ich den Wasserhahn auf, um meine Haare zu waschen. Durch das Geräusch wurde sie wach und meldete das bei Xia Li. Als sie wieder hereinkam, drehte sie den Wasserhahn ab, als mein Haar noch voller Seife war.

Als ich darum bat, am Tag vor meiner Freilassung meine Haare zu waschen, verbot es Xia Li zunächst. Sie änderte jedoch ihre Meinung, als ihre Videokamera bereitlag. Es zeigte sich, dass sie und Song Min heimlich filmten, wie ich mir die Haare wusch. Ich stützte eine Hand gegen den Boden des Waschbeckens, um mich selbst zu stützen. Mit der anderen Hand schäumte ich meine Haare ein. Zwischendurch rieb ich meinen Kopf mit beiden Händen.

Nachdem ich behindert nach Hause zurückgekehrt war, reichte mein Mann eine Klage beim Zwangsarbeitslagerumerziehungsbüro der Provinz Shandong ein, das ein Untersuchungsteam in das Arbeitslager entsendete. Nachdem diese Gruppe dort fünf Tage verbracht hatte, kam sie zu der Schlussfolgerung, dass ich nie verprügelt worden und nicht behindert sei. Als Beweismaterial ihrer Untersuchungen gaben sie das heimlich gefilmte Video an, in dem ich mir mein Haar mit beiden Händen wusch.

Die Wärter verboten mir, die Nägel zu schneiden

Da ich mehr als zwei Monate lang meine Nägel nicht schneiden konnte, bat ich Häftling Su Xiuhui im Mai, dies den Wärtern zu melden und mir einen Nagelknipser zu besorgen. Xia Li saß am Schreibtisch und lehnte dies ab, ohne auch nur ihren Kopf zu heben. Acht Tage später bat ich einen anderen Häftling namens Liu Changai, eine zweite Anfrage für mich zu machen. Am nächsten Morgen konnte ich endlich meine Nägel schneiden.

Die Wärter unterbanden die Kommunikation mit meiner Familie

In den eineinhalb Jahren Haft verweigerte die Lagerleitung sämtliche Familienbesuche für mich. Als meine Tochter und zwei ihrer Klassenkameraden im Januar 2009 kamen, um mich zu besuchen, sagte Zhao Lili: „Ihr könnt sie ohne einen Brief vom örtlichen Büro 610 nicht besuchen.“ Mein Mann kam im September 2009. Zhao sagte zu ihm: „Wegen einer H1N1-Epidemie benötigen Sie die Erlaubnis der Provinzregierung.“ Mein jüngerer Bruder und meine Eltern reichten mehrmals die Bitte ein, mich sehen zu können und wurden viele Male abgelehnt. Zhao sagte zu meiner Familie, dass keine Besuche erlaubt seien, solange ich mich weigern würde, meinen Glauben aufzugeben. Sie verbot auch, dass mein Mann mit mir telefonisch Kontakt aufnahm. In meiner gesamten Haftzeit schickten sie einen einzigen Brief, den ich geschrieben hatte, los. Darin bat ich meine Familie, mir etwas Geld zu schicken, damit ich meinen durch brutale Prügel verletzten Halswirbel behandeln lassen konnte. Alle anderen Briefe, die ich an Eltern, Ehemann und Tochter schrieb, wurden konfisziert, einfach weil das Lager die Kommunikation mit meiner Familie abbrechen wollte.

Mein Mann schickte mir im Juni 2009 einen Brief, doch Zhao Lili gab im August an, dass sie keinen Brief erhalten hätten. Daraufhin schickte mein Mann noch einmal einen Brief per Einschreiben mit dem gleichen Inhalt. Davon berichtete mir Zhao erst im September: „Wir bekamen den Brief. Er blieb am Boden des Briefkastens stecken.“ Xu Jin nahm mir den 5000 Worte langen Brief, der acht Seiten umfasste, nach fünf bis sechs Minuten weg, bevor ich ihn zu Ende lesen konnte. Sie sagte später zu mir: „Ich habe diesen Brief mehrmals gelesen und mich auch mit den anderen darüber ausgetauscht.“ So verletzte sie meine Privatsphäre und mein Recht auf Kommunikation.

Trotz meiner Lähmung befahlen mir die Wärter, harte Arbeit zu verrichten

Als ich im Januar 2009 im Arbeitslager ankam, musste jeder um 05:30 Uhr aufstehen und hatte drei Minuten Zeit für seine Gesichtswäsche und zum Zähneputzen. Wir arbeiteten normalerweise 16 Stunden am Tag und hatten nur fünf Minuten Mittagspause und zwei Minuten Toilettenpause. Manchmal mussten wir die ganze Nacht aufbleiben, um die Fristen einzuhalten. Dieser Zeitplan wurde erst im Oktober 2009 geändert, als eine Lagerinspektion stattfand. Der neu eingeführte 8-Stunden-Arbeitstag dauerte aber nur ein paar Tage lang. Sobald die Inspektoren wieder weg waren, arbeiteten wir 12 Stunden am Tag. Aufgrund dieses harten Arbeitspensums hatten die älteren Personen Rückenverletzungen und mehrere jüngere Leute bekamen deformierte Finger. Da die elektronischen Produkte, die wir bearbeiteten, aus toxischen Substanzen bestanden, hatten mehr als zwei Drittel von uns juckende Hautstellen mit roten Beulen. Zhong Yuhua, eine der Häftlinge, hatte Asthma und große Schwierigkeiten beim Atmen. Außerdem war ihr Gesicht geschwollen.

Nach der zweiten Runde von brutalen Prügeln waren mein Rückgrat, meine Rippen und meine Lendenwirbel verletzt. Das Rückgrat war so sehr falsch ausgerichtet, dass mein Kopf nicht mehr richtig an Ort und Stelle war und sich immer nach links wendete. Meine Zähne passten einige Zeit nicht richtig aufeinander und es war schwer zu kauen und zu schlucken. Ich platzierte eine Rolle Toilettenpapier zwischen meine Schulter und meinen Kopf, um ihn zu stützen. Fast ein ganzes Jahr lang war mein Kopf so geneigt, bis ich mich hinlegen musste und nicht aufstehen konnte.

Die Wärter mussten mich sogar dann noch überwachen, als die Hälfte meines Körpers schon taub war. Sie schlugen mich, wenn ich mich weigerte, die harte Arbeit zu verrichten. Da ich in meiner linken Hand kein Gefühl hatte und sie nicht richtig funktionierte, musste ich den Faden zwischen meinen Zähnen halten und meine rechte Hand benutzen, um die Arbeit zu verrichten. Nach zwei Monaten dieser grausamen Qualen schmerzten alle meine Knochen und ich verlor oft mein Bewusstsein. Anfangs konnte ich mich noch bewegen, wenn ich mich auf einem kleinen Hocker festhielt. Später musste ich von zwei Personen herumgetragen werden. Am Ende konnte ich mich überhaupt nicht mehr bewegen und lag fünf Monate lang auf einem Holzbrett. Zum Zeitpunkt meiner Entlassung wickelten mich Xia Li, Li Xiuyun und zwei andere Wärter in eine Decke und trugen mich aus dem Arbeitslager.

Gründe, warum ich im Arbeitslager nicht starb

Am 4. Februar 2010, genau zehn Tage vor dem chinesischen Neujahr, war ich Augenzeugin, wie Zhang Chengmei einen Monat nach ihrer Ankunft zu Tode geprügelt wurde. Sie war eine Praktizierende aus der Großgemeinde Yeyuan, Kreis Linju, Provinz Shandong, die in einer Zelle gegenüber von mir war.

Ich rechnete mir aus, dass ich aus folgenden Gründen dem Tod entkommen war, obwohl ich so brutal gequält wurde:

Erstens wurde die Folterung, die ich erlitt, viele Male auf der Minghui-Webseite veröffentlicht. „Die Weltorganisation zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong“ veröffentlichte am 1. April 2010 einen Untersuchungsbericht über meine Lage. Wang Qian und Xu Jin sagten einmal zu mir: „Dein Fall wurde im Internet veröffentlicht und die Namen der Wärter wurden öffentlich bekannt gegeben.“ Xu Jin verriet auch, dass Zhao Wenhui und Zhao Lili darüber debattiert hätten, ob sie mich weiterhin Prügel unterziehen sollten oder nicht.

Zweitens sorgten sich alle meine Familienangehörigen um mich. Sie riefen oft im Arbeitslager an und schrieben Briefe, um meine Lage zu erfahren. Dadurch wurde Druck  auf das Arbeitslager ausgeübt.

Drittens arbeitete mein Mann fast 30 Jahre lang in einer Regierungsorganisation und hatte einige Verbindungen aufgebaut. Daher wagte das Arbeitslager nicht, mich zu Tode zu prügeln.

Viertens studiert meine Tochter in den USA, wo ihre Tante lebt, die der oberen Gesellschaftsschicht angehört. Ihr Mann und ihr Schwiegervater gehören bekannten internationalen akademischen Verbindungen an. Wenn die Wärter mich zu Tode verprügelt hätten, wären sie weiterem Druck durch die internationale Gemeinschaft ausgesetzt gewesen.

Fünftens hat mein Mann eine sehr weit verbreitete Großfamilie von mehr als 100 Personen auf dem Lande. Einige von ihnen wollten mich im Arbeitslager sehen. Wärter Song Lijuan und andere Häftlinge erfuhren von unseren Familienverhältnissen, so dass sie eventuelle heftige Reaktionen befürchteten, wenn sie für meinen eventuellen Tod verantwortlich gewesen wären.

Zhao Lili versuchte einmal, meinen Ehemann dazu zu überreden, sich von mir scheiden zu lassen. Er weigerte sich jedoch. Als die Wärter nicht wagten, mich zu Tode zu prügeln, aber Angst hatten, dass ich ihre Verbrechen bloßstellen würde, planten sie insgeheim, mich in ein Nervenkrankenhaus zu bringen. Doch meine Familie verweigerte dies strikt und somit wurde ihr Plan verhindert. Nach meiner Freilassung fragte ein örtlicher Beamter des Büro 610 bei meinem Mann nach, ob ich psychische Probleme hätte. Mein Mann verneinte dies fest.