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Jahrzehntelange Verfolgung endet mit dem Tod

8. Juli 2019 |   Von einem Minghui-Korrespondenten in der chinesischen Provinz Shandong

(Minghui.org) Am 5. Mai 2019 wurde ein Falun-Dafa-Praktizierender aus der Stadt Qingdao in der Provinz Shandong verhaftet. Der 45-jährige He Lifang hatte sich geweigert, seinen Glauben an Falun Dafa [1] aufzugeben.

Um gegen die willkürliche Haft zu protestieren, trat He in einen Hungerstreik. Daraufhin wurde er zwangsernährt. Als sein Anwalt und seine Familie ihn besuchten, war er nicht mehr ansprechbar. Trotz seines Zustands wurde ihm am 25. Juni 2019 der Prozess gemacht. Eine Woche später war er tot.

He Lifang

He Lifangs Familie erhielt am 1. Juli 2019 einen Anruf vom Untersuchungsgefängnis Pudong. Man sagte ihnen, dass He in ein kleines Krankenhaus in Jimo, einem Stadtteil von Qingdao, gebracht worden war. Seine Familie eilte ins Krankenhaus. Sie sahen, dass viele Schläuche an seinen Körper angelegt waren. Der Arzt verabreichte He eine Spritze mit einem unbekannten Medikament. Als die Droge in seinen Körper gelangte, begann er zu zittern. Es sah aus, als ob er einen Stromschlag erleiden würde.

Die Wärter des Untersuchungsgefängnisses ließen seine Eltern nicht nahe an ihn heran. Nachdem sie ihren Sohn kurz gesehen hatten, wurden sie in einen kleinen Raum gebracht. Während der Nacht bewachten einige Beamten die beiden.

Am nächsten Morgen gingen die Wärter des Untersuchungsgefängnisses fort. Dafür kamen Polizisten des Polizeireviers Beian, die He verhaftet hatten. Bei ihrer Ankunft warfen sie Hes Eltern aus dem Krankenhaus.

Am 3. Juli gegen 10:00 Uhr informierte die Polizei Hes Eltern darüber, dass ihr Sohn gestorben sei. Die Polizei verweigerte die Herausgabe seines Leichnams. Sie sagten, sie würden sich um ihn kümmern.

Hes Eltern

Verhaftung nach Täuschung durch die Polizei

Dem tragischen Tod von He ging ein jahrzehntelanges Leiden voraus. Weil er an seinem Glauben festhielt, wurde He immer wieder verhaftet, eingesperrt und gefoltert. 

2001 schlugen ihn 17 Häftlingen zusammen. Man hatte ihn damals eingesperrt, weil er Transparente mit Informationen über Falun Dafa aufgehängt hatte.

Um den ständigen Schikanen und Überwachungen zu entgehen, verließ He nach seiner Freilassung seinen Wohnort. Die Polizei zog seinen Personalausweis ein. Mehrmals fragten seine Angehörigen nach, ob man Hes Personalausweis wieder aktivieren könne, aber jedes Mal wurden die Gesuche abgelehnt.

Kurz vor seiner Verhaftung reiste He nach Hause, um seine Eltern besuchen. Weil er keinen Ausweis mit sich führte, verhängte die Verkehrspolizei eine Geldstrafe von 2.000 Yuan (260 Euro). Für eine arme Familie ist das sehr viel Geld.

Die Polizei sagte zu He, dass sie den Ausweis wieder aktivieren würde, wenn er zur Polizeiwache käme. Er erkannte nicht, dass es sich um eine List handelte.

Als He am 5. Mai 2019 auf die Polizeiwache kam, wurde er verhaftet.

Im Untersuchungsgefängnis verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch.

He trat in einen Hungerstreik, woraufhin man ihn zwangsernährte. Die Wärter forderten seine Eltern zweimal auf, ein Video aufzunehmen, in dem sie ihn zum Essen überreden sollten. Sie lehnten ab und verlangten stattdessen, ihren Sohn zu sehen.

Am 5. Juni ging Hes Anwalt zum Untersuchungsgefängnis. Den ganzen Vormittag über redete er mit den Wärtern, doch sie ließen ihn nicht zu He. Als am Nachmittag Hes Eltern kamen, erlaubten die Wärter dem Anwalt schließlich, He aufzusuchen.

He wurde von vier Personen auf einer Trage in den Raum gebracht. Er konnte sich nicht bewegen. Als der Anwalt mit ihm sprach, antwortete er nicht.

Nach mehrmaligen Gesuchen der Eltern konnten sie ihn am 10. Juni sehen. Eingehüllt in eine Bettdecke wurde er von Häftlingen hereingetragen. Wie beim letzten Mal konnte sich He nicht bewegen. Als seine Eltern mit ihm sprachen, antwortete er nicht.

Am 13. Juni gingen Hes Eltern mit seiner Schwester zur Polizeistation Jimo. Sie forderten vom Büro 610 und der Staatssicherheitsabteilung seine Freilassung.

Die Sicherheitskräfte ließen die Drei nicht ins Gebäude. Als die Familie trotzdem in das Gebäude stürmte, wurde sie in einen Dienstraum gebracht. Man sagte ihnen, dass Beamte der Polizeistation Beian sich um sie kümmern würden. Doch niemand erschien.

Am Nachmittag gingen die Drei zur Polizeistation Beian. Die Beamten dort waren auch nicht bereit, mit ihnen zu sprechen. Hes Schwester fragte weinend: „Mein Bruder liegt im Sterben und Sie weigern sich noch immer, ihn freizulassen?“ Auch Hes Eltern brachen in Tränen aus. Die Polizei versuchte zunächst, die Drei in einen Raum zu zerren und einzusperren. Später wurden sie aus der Polizeistation geworfen.

Trotz seines kritischen Zustands vor Gericht gestellt

Am 25. Juni 2019 wurde He trotz seines kritischen Zustands vor das Bezirksgericht Jimo gestellt. Seinem Anwalt wurde ein Treffen mit ihm am Tag vor der Anhörung verweigert.

Im Untersuchungsgefängnis gab es einen behelfsmäßigen Gerichtssaal. He wurde von Gerichtsdienern hereingebracht. Sie stießen ihn auf einen Stuhl. Einer von ihnen wischte ihm immer wieder die Flüssigkeit ab, die aus der Nase trat.

He wirkte betäubt und teilnahmslos. Während der Anhörung sagte er kein Wort.

Seine Mutter war von dem Zustand ihres einst gesunden Sohnes erschüttert. Sie bat darum, He ins Krankenhaus zu bringen. Sie wurde nicht beachtet.

Der Staatsanwalt beschuldigte He, im Jahr 2001 Transparente mit Informationen über Falun Dafa aufgehängt und sich von der Familie entfernt zu haben, um der Verfolgung zu entgehen. Er beschuldigte ihn auch wegen der Strafanzeige, die seine Familie 2015 gegen den ehemaligen Parteivorsitzenden Jiang Zemin eingereicht hatte. Der Staatsanwalt hatte auch einige Zeugenaussagen aus dem Jahr 2001 aufgelistet.

Hes Anwalt plädierte auf „nicht schuldig“. Er brachte vor, dass kein Gesetz in China Falun Dafa jemals verboten habe. Indem sein Mandant das Transparent aufgehängt habe, sei der Gesellschaft kein Schaden zugefügt worden. Als die Zeugen nicht zum Kreuzverhör vor Gericht erschienen, stellte der Anwalt die Echtheit der Zeugenberichte aus dem Jahr 2001 infrage.

Der Vorsitzende Richter Gao Fei erhielt während der Anhörung immer wieder Zettel zugereicht. Einige Beamten kamen und flüsterten ihm etwas zu.

Am 28. Juni suchte Hes Familie das Gericht, das Untersuchungsgefängnis und die Petitionsstelle der Polizei auf, um eine Haftaussetzung zur medizinischen Behandlung zu erwirken. Sie wurden jeweils weiterverwiesen oder von den Behörden abgelehnt.

Die Qual der Eltern

Hes Eltern sind über 80 Jahre alt. In den vergangenen 20 Jahren lebten sie wegen der Verfolgung und der häufigen Schikanen und Überwachung durch die Behörden in Angst. Die Dorfbewohner meiden sie und sprechen selten mit ihnen aus Angst, in die Verfolgung verwickelt zu werden.

Vor Hes Tod starb ihre erste Tochter He Shurong im April 2014 im Alter von 50 Jahren. Sie wurde zweimal in Zwangsarbeitslager eingesperrt. Einmal wurde sie acht Tage hintereinander geschlagen. Hes zweite Tochter, He Xiuxiang, wurde im Juni 2015 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Hes Enkel wurde die Aufnahme in die Armee verweigert. Er scheiterte an der politischen Überprüfung, weil seine Familie Falun Dafa praktiziert.

Die Bemühungen des betagten Ehepaares, He in den vergangenen zwei Monaten zu retten, hat die beiden sehr erschöpft. Die Nachricht vom Tod ihres Sohnes hat sie zutiefst getroffen.

Früherer Bericht:Shandong: Erneut festgenommen! Traumatische Erlebnisse eines Mannes und seiner Familie - ein persönlicher Bericht


[1] Falun Dafa, auch Falun Gong genannt, ist eine buddhistische Selbstkultivierungsmethode. Sie wurde von Meister Li Hongzhi im Jahr 1992 in China eingeführt und verbreitete sich rasant. Viele Menschen konnten durch die Angleichung an die Prinzipien dieser Praktik – Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht – ihre Moral und ihre Gesundheit verbessern. Praktizierende dieses Kultivierungsweges werden seit 1999 auf Geheiß des damaligen Parteichefs Jiang Zemin in China verfolgt. Er ist der Hauptverantwortliche für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Falun-Dafa-Praktizierenden.