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Aus der Ukraine: Trotz des Krieges standhaft bleiben

4. Juni 2022 |   Von einer Falun-Dafa-Praktizierenden in Kiew, Ukraine

(Minghui.org) Ich bin eine russische Falun-Dafa-Praktizierende und lebe seit 15 Jahren in der Ukraine. Mein Mann und ich haben vor 20 Jahren begonnen, Falun Dafa zu praktizieren. In Kiew wissen bereits viele Menschen über Dafa und die Verfolgung in China Bescheid. Viele Jahre lang haben die Praktizierenden regelmäßig Aktivitäten an den belebtesten Orten organisiert und hatten an mehreren Tagen in der Woche, auch am Wochenende, einen festen Übungsplatz an der wichtigsten Straße in der Hauptstadt.

Doch eines Morgens wurde das Land durch Explosionen erschüttert. Raketen flogen über uns hinweg, Bomben explodierten. Überall schien das totale Chaos zu herrschen.

Zuerst wussten wir nicht, was wir davon halten sollten. Was da geschah, konnte ich mir nicht erklären. Doch als Praktizierende sollten wir auch weiter die drei Dinge gut machen und unsere Kultivierungsumgebung aufrechterhalten, indem wir das Fa lernen, die Übungen praktizieren und über die wahren Umstände aufklären.

Deshalb ignorierte ich den Kriegslärm einfach. Außerdem schlief ich, um ehrlich zu sein, schon, als der Krieg begann. Aus irgendeinem Grund weckten mich die allerersten Explosionen nicht, obwohl ich normalerweise einen sehr leichten Schlaf habe. Als man mir am nächsten Morgen davon erzählte, konnte ich es nicht glauben. Wie konnten die Bomben mich nicht aufwecken? Dadurch lernte ich, dass das, was um uns herum geschieht, uns nicht beeinflussen sollte und dass wir inmitten dieses Chaos unseren eigenen Weg gehen können.

Mein Mann und ich wollten meine Mutter in Russland besuchen, aber im letzten Moment beschloss ich, die Reise um eine Woche zu verschieben. Das war genau die Woche, in der der Krieg ausbrach. Das hat mir klar gemacht, dass wir in dieser historischen Zeit unbedingt in der Ukraine bleiben müssen.

Trotz des Chaos standhaft bleiben

Am fünften Tag spitzte sich die Situation zu. In unserer Nähe gab es mehrere starke Explosionen. Einmal explodierte eine von einem Flugzeug abgeworfene Bombe: Mehrere Privathäuser brannten nieder, eine Frau wurde getötet. Außerdem wurde ein Marschflugkörper direkt über unserem mehrstöckigen Gebäude abgeschossen: Die Eingangstüren wurden herausgerissen und die Fensterrahmen beschädigt. Dabei blieben überraschenderweise alle Fensterscheiben in unserem Gebäude heil und es wurde niemand verletzt. Unsere Wohnung nahm überhaupt keinen Schaden.

Wir hörten von überall den Lärm von Explosionen, das Pfeifen von Raketen über uns und das Klirren von zerbrechendem Glas. Von Zeit zu Zeit erzitterte unser Haus, wenn die Druckwellen gegen die Fenster schlugen. Alles wurde sehr unruhig und schien einzustürzen, auch unser Haus. Wir schliefen in unserer Kleidung und trugen unsere Dokumente und Telefone sogar in der Wohnung mit uns herum, für den Fall, dass wir plötzlich aus unserem einstürzenden Gebäude rennen müssten. Es schien wirklich so, als ob wir dem Tod ins Auge blicken würden.

Mein Mann und ich lernten weiterhin gemeinsam das Fa, machten jeden Tag die fünf Übungen und arbeiteten weiter. Als es Nacht wurde, konnten wir wegen der ständigen Drohung von Bombenangriffen nicht einmal das Licht anmachen.

Zu dieser Zeit verließ etwa die Hälfte der Einwohner Kiew. Etwa zehn Prozent der Bewohner blieben in unserem Gebäude. Wir waren die einzigen in unserem Stockwerk von insgesamt zehn Wohnungen. Etwa die Hälfte der Praktizierenden blieb ebenfalls in Kiew. Über das Internet bieten wir einander ständig unsere Unterstützung an. Wir alle spüren, wie wichtig jeder Einzelne von uns in dieser Zeit ist.

Ich erinnerte mich an mehrere der Schriften des Meisters und dachte: „Wir sind Praktizierende. Sollten wir dann nicht dem Lauf der Natur folgen und unsere Rolle hier spielen, da wir in dieser historischen Zeit an diesem Ort sind? Es liegt doch alles in den Händen des Meisters.“

Erkennen und Beseitigen meiner menschlichen Anschauungen

Zu dieser Zeit stand ich unter enormem Druck. Es fiel mir sogar schwer, meinen Rücken gerade zu halten, und ich hatte ständig Magenkrämpfe. Die Situation um uns herum war sehr bedrückend, auch das Wetter. Es schneite und schwarze Wolken, vermischt mit dem Rauch der Schlacht, hingen über der Stadt. Manchmal schien es, als wären wir allein am Rande des Universums, Auge in Auge mit einer riesigen Dunkelheit. Trotzdem wollte ich nicht aufgeben, sondern standhaft bleiben. Wenn wir jetzt Angst bekämen, uns aufregten, wütend würden oder andere menschliche Emotionen zeigten, wären wir nicht in der Lage, unsere Rolle als Praktizierende zu erfüllen.

Daher wog ich ständig alles sorgfältig ab und beseitigte solche menschlichen Gedanken wie Heldenmut, Angeberei, Prahlerei und „Helfersyndrom“. Am Ende gab es immer nur einen einzigen Gedanken: „Die Lebewesen erretten. Ganz gleich, was mit uns geschieht, ich will nur die Lebewesen erretten.“ Mit diesem einfachen Gedanken wurde ich innerlich ruhiger.

Wir erkannten, wie wichtig es war, alle Übungen regelmäßig zu machen (vorher waren wir in dieser Hinsicht nicht sehr fleißig gewesen), und beschlossen, hinauszugehen und die Stehübungen im Hof unseres mehrstöckigen Gebäudes zu praktizieren. Die Nachbarn sahen uns durch ihre Fenster und sagten uns später, dass sie sich dadurch ermutigt fühlen würden.

Wir fingen auch an, hinauszugehen und meine selbstgebastelten Lotosblumen aus Papier und eine Zeitung über Falun Dafa an die Leute zu verteilen. Zu dieser Zeit waren nur sehr wenige Menschen auf der Straße. Alle waren froh, einander zu sehen. Ich schenkte ihnen die Lotusblumen und sprach mit ihnen über die Prinzipien von Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht. In einer so trostlosen und scheinbar hoffnungslosen Umgebung ist jeder dafür zugänglich. Die Menschen sind jetzt sehr offen für solche freundlichen Dinge. Nachdem sie von den Grundsätzen des Dafa gehört und erfahren hatten, wie die Praktizierenden in China angesichts der bösartigen kommunistischen Verfolgung nicht aufgeben, fingen viele Menschen an zu weinen. Einige sagten uns, dass Gott uns zu ihnen geschickt habe.

Die Lotusblüten, die wird den Anwohnern überreichten.

Ich wollte die Angst beseitigen und schaute deshalb immer wieder nach innen. Bei dem Lärm des Krieges entdeckte ich bei mir den Kampfgeist und die Härte – das wollte ich beseitigen. Als sich die Dinge beruhigten, schien es, dass unsere Erhöhung eine direkte Auswirkung auf unsere Umgebung hatte.

Dadurch verstand ich die Praktizierenden in China nun besser. Ihre Tage sind straff durchgeplant und es gibt keine Zeit zu verlieren. Jetzt weiß ich, was es bedeutet, sich fleißig zu kultivieren.

Allmählich wurden wir ruhiger und gefestigter. Auf dem Bild des Meisters lächelte der Meister und wirkte sehr jung. Es war, als ob das, was um uns herum geschah, nichts mit uns zu hätte. Wir taten nur die drei Dinge, die Praktizierende tun sollen, und ansonsten lief da nur eine Art Film. Als Erstes reagierte ich in Gedanken nicht mehr auf die Kriegsgeräusche, dann auch nicht mehr der Körper. Bei Explosionen, die wir während der Übungen hörten, zuckte ich nicht mehr zusammen. Ich konnte meine Augen öffnen und fliegende Raketen sehen und dann einfach die Augen wieder schließen und mit den Übungen weitermachen: Das störte uns nicht weiter. Allmählich wurden die Kriegsgeräusche leiser und die Situation in unserer Gegend beruhigte sich, die Menschen gingen wieder in ihre Häuser zurück.

Einige Wochen später nahmen die Praktizierenden in Kiew die Übungen im Stadtzentrum an den Wochenenden und unser wöchentliches Fa-Lernen in der Gruppe wieder auf.

Dies ist mein Verständnis auf meiner Ebene und in unserer Situation. Inmitten der Gefahren des Krieges denke ich nicht, dass jeder bleiben muss. Ich tue das, was ich tue, nur auf der Grundlage meines eigenen Verständnisses.

Deshalb werde ich versuchen, in meiner Kultivierung nicht nachzulassen. Danke, Meister, für Ihre Barmherzigkeit für alle Lebewesen, dafür, dass Sie uns vor Gefahren beschützen und dass Sie uns die Möglichkeit geben, uns zu kultivieren und zu erhöhen!