(Minghui.de) Lange Zeit habe ich dem Praktizieren der Übungen nicht genug Bedeutung beigemessen. Als ich anfangs das Fa erhielt, praktizierte ich täglich alle fünf Übungen, mit der Zeit jedoch immer weniger. In der Firma praktizieren wir gemeinsam die erste, dritte und vierte Übung, daran nahm ich gerne teil. Die zweite Übung machte ich jedoch nicht oft und die Meditation noch seltener, hauptsächlich aus Faulheit. Zudem empfand ich sowohl die zweite Übung als auch die Meditation als anstrengend und schmerzhaft. Da ich keinen Nachteil darin sah, diese Übungen nicht zu praktizieren, ließ ich sie mit der Zeit immer häufiger aus.
Das einzige Problem war, dass ich gelegentlich Schmerzen durch Karmabeseitigung hatte. Es war jedoch nicht besonders schwerwiegend und beeinträchtigte meine tägliche Arbeit nicht. Ein paar Mal wurden die Schmerzen jedoch unerträglich, sodass ich den Meister um Hilfe bitten musste; danach ließen sie auch schnell wieder nach.
Schließlich dachte ich, dass es auch in Ordnung sei, Karma durch Krankheit abzubauen, wenn ich es nicht durch das Praktizieren der Übungen tat. Das erschien mir immer noch besser, als überhaupt kein Karma abzubauen und am Ende mit einer großen Katastrophe konfrontiert zu werden, der ich nicht gewachsen wäre.
In einer Nacht nach Weihnachten bekam ich plötzlich Kopfschmerzen, die immer stärker wurden. Als die Schmerzen unerträglich wurden, bat ich den Meister erneut um Hilfe. Nach einer Weile ließ der Schmerz allmählich nach und es ging mir langsam besser.
Später hatte ich einen Traum: Ich träumte, dass wir in einer Gruppe dem Meister folgten, um einen Ort zu besichtigen. Ich sah, dass der Meister zwischendurch immer wieder die Augen schloss, schenkte dem jedoch keine besondere Aufmerksamkeit. Nach einer Weile sagte der Gruppenleiter plötzlich zum Meister: „Sollen wir Sie vielleicht zuerst zurückbringen?“ Ein Praktizierender, der neben dem Meister stand, nickte daraufhin hastig zustimmend.
Erst da wurde mir bewusst, dass es dem Meister nicht gut ging. Dem besorgten Gesichtsausdruck des Praktizierenden nach zu urteilen, musste es dem Meister sehr schlecht gehen. Der Meister jedoch erwiderte: „Nein, nein, das ist nicht nötig, es ist in Ordnung.“
Als ich den Meister mit geschlossenen Augen sah, dachte ich: „So sehe ich auch aus, wenn ich Kopfschmerzen habe. Wenn sie stark sind, schmerzen meine Augen so sehr, dass ich sie nicht öffnen kann.“ In diesem Moment verstand ich plötzlich: Der Meister war dabei, Leiden für mich zu ertragen. In diesem Moment begriff ich plötzlich: Der Meister erträgt das für mich! Er zeigt es mir, damit ich mich erhöhe.
Als ich aufwachte, war die Szene aus dem Traum noch immer klar und deutlich vor meinem inneren Auge. Zum ersten Mal hatte ich ein wirkliches Empfinden dafür, was der Meister erträgt.
Mir wurde klar, dass ich mich lange geirrt hatte: Jedes Mal, wenn ich den Meister darüber sprechen hörte, wie er Karma für uns beseitigt und Leiden für uns erträgt, war ich zwar sehr dankbar, dachte aber zugleich, dass es für ihn als ein Wesen auf höherer Ebene leicht sein müsse, uns bei der Karmabeseitigung zu helfen. Doch diese Szene im Traum zeigte mir, dass das Leiden des Meisters real ist – ein Schmerz, der unserem entspricht oder sogar noch größer ist. Denn all das Leid, das wir selbst oft nicht ertragen können, erträgt der Meister.
Der Meister sagte:
„... weil sich jeder unwohl fühlt, auf den das Karma fällt. Das ist mit Sicherheit so.“ (Zhuan Falun, 2019, S. 199)
Erst jetzt verstand ich, dass auch der Meister Schmerzen erleidet, wenn er für uns etwas erträgt.
Zuvor hatte ich in Erfahrungsberichten anderer Praktizierender gelesen, dass der Meister sehr, sehr viel für uns erträgt. Ich hatte immer gedacht, diese Schmerzen seien durch die Verfolgung der alten Mächte verursacht worden und seien allein auf deren Handeln zurückzuführen. Jetzt erkannte ich jedoch, dass ich selbst derjenige war, der dem Meister Schmerzen bereitete. Was sollte ich tun?
In diesem Moment dachte ich an das Praktizieren der Übungen. Wenn ich jeden Tag alle fünf Übungen praktiziert und das abzubauende Karma beseitigt hätte, hätte es sich vermutlich nicht bis zu einem unüberwindbaren Ausmaß angehäuft. Eigentlich war das etwas, das ich selbst vollständig hätte leisten können. Doch weil ich nicht fleißig gewesen war, hatte ich dem Meister zusätzliches Leid aufgebürdet.
In der Fa-Erklärung während der Fa-Konferenz in Houston wurde folgende Frage gestellt:
„Jünger: Wenn der Lehrer das Fa verbreitet und dabei die Verantwortung für so viele Lernende übernehmen kann, wie kann man dann noch diese große Freiheit verstehen?
Meister: Um der Erlösung euertwegen kann von großer Freiheit keine Rede mehr sein. Ich ertrage eure Sünden und manchmal beseitige ich euer Karma (Beifall). War es etwa damals bei Buddha Shakyamuni und Jesus anders? Manche sagen: Lehrer, Sie haben doch solche großen Fähigkeiten, wieso haben Sie dann noch Probleme? In Wirklichkeit sind das eure Probleme, zum Beispiel gibt es manche Lernende, für die prinzipiell schon Karma beseitigt wurde, das kleine bisschen, was übrig bleibt, soll er eigentlich selber überwinden, und doch kann er es aber immer noch nicht überwinden. Es kann doch auch nicht sein, dass er ruiniert wird, nur weil er dieses bisschen Probleme nicht überwinden konnte, dann ertrage ich es eben für ihn und dann kommt es so, dass die Probleme auf mich zukommen und mich stören.
Die Erlösung von Menschen ist sehr schwer, sehr bitter. Ich weiß, warum Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Ich weiß auch, warum Shakyamuni keine andere Wahl hatte, als ins Nirwana zu gehen, auch ist mir klar, warum Laotse in aller Eile fünftausend Zeichen schrieb und verschwand. Es ist einfach zu schwer, ein orthodoxes Fa zu verbreiten.“
Früher konnte ich diesen Abschnitt des Fa nur oberflächlich verstehen und hatte nicht daran gedacht, dass ich selbst genau solch ein Mensch war. Erst als ich dieses Mal das Ertragen des Meisters sah, begann ich ansatzweise zu begreifen, was der Meister mit seinen Worten meinte: „Menschen zu erlösen ist sehr schwer und sehr leidvoll.“
Ich denke, bei dem, was ich selbst wirklich nicht leisten kann, kann ich nur den Meister um Hilfe bitten. Doch das, was ich selbst tun kann – zum Beispiel täglich alle fünf Übungen zu praktizieren –, darf ich künftig nichts mehr unterlassen. Ich darf dem Meister keine weiteren Schwierigkeiten bereiten.
Dies sind einige meiner persönlichen Erfahrungen aus der Kultivierung. Aufgrund meiner begrenzten Ebene bitte ich um barmherzige Hinweise bei etwaigen Unzulänglichkeiten.