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„So wurde ich im Gefängnis misshandelt“ – Bericht einer Falun-Dafa-Praktizierenden nach 3,5 Jahren Haft

14. März 2026 |   Von einer Falun-Dafa-Praktizierenden in der chinesischen Provinz Sichuan

(Minghui.org) Anmerkung der Redaktion: Dies ist der persönliche Bericht einer Falun-Dafa-Praktizierenden über ihre Misshandlungen aufgrund ihres Glaubens. 2014 wurde sie zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, 2015 verlor sie ihre Arbeit. Das Sozialversicherungsamt löschte ihre 30-jährige Dienstzeit von ihrem Rentenkonto.

Im Dezember 2022 wurde sie zu weiteren dreieinhalb Jahren Haft verurteilt und in das Frauengefängnis der Provinz Sichuan im Bezirk Longquanyi in Chengdu eingeliefert. Dort wurde sie mit verschiedenen Methoden misshandelt. Am 19. November 2024 brach sie sich das linke Handgelenk, als sie während einer Strafarbeit stolperte und stürzte, da man sie zur Eile angetrieben hatte. Sie wurde vor Kurzem freigelassen, jedoch für einen Zeitraum von fünf Jahren unter Aufsicht gestellt. Außerdem verbot man ihr, Sozialhilfe zu beantragen und setzte zugleich ihre Rente aus. Sie hat in der linken Hand nicht einmal mehr genug Kraft, um einen kleinen Topf zu heben.

Nach meiner zweiten Haftstrafe unter fünfjährige Aufsicht gestellt

Nach 3,5 Jahren Haft brachte mich die Leiterin der Erziehungsabteilung Liao Qiongfang am Tag meiner Freilassung aus dem Gefängnis in ein Büro, wo vier Beamte des örtlichen Straßenkomitees auf mich warteten. Einer von ihnen, namens Huang, befahl mir, mehrere Erklärungen zu unterschreiben, in denen ich Falun Dafa aufgeben und verunglimpfen sollte.

Da ich mich weigerte, wies Liao die vier Beamten an, mich streng zu überwachen. Sie erklärte ihnen, dass mein gebrochenes Handgelenk noch nicht verheilt sei und ich kein Einkommen hätte.

Auf der Fahrt zum Büro des Straßenkomitees sicherte mir Huang alle möglichen Subventionen zu – ich müsse lediglich auf meinen Glauben verzichten. Ich lehnte ab und wies darauf hin, dass kein Gesetz in China Falun Dafa kriminalisiere. Daraufhin drohte er, dass er mir nach der Rückkehr in meine Heimatstadt nicht einmal das Anbauen von Feldfrüchten zu meiner eigenen Ernährung erlauben würde.

Nach der Ankunft im Büro des Komitees brachten mich Huang und Sekretär Du zum Verhör zur Justizbehörde und auferlegten mir eine fünfjährige [nicht gerichtlich angeordnete] rund um die Uhr-Überwachung. Erst dann ließen sie mich gehen.

Eine Woche später kam Huang mit dem stellvertretenden Polizeichef Lu zum Büro des Straßenkomitees, wo ich gelegentlich arbeitete, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie forderten mich auf, meine Haushaltregistrierung in einen anderen Bezirk zu verlegen, damit sie mich nicht mehr überwachen müssten. Ein Beamter namens Wang fotografierte mich heimlich.

Sie verlangten meine Telefonnummer und meine Adresse, aber ich nannte sie ihnen nicht. Daraufhin durfte ich keine der vom Straßenkomitee vermittelten Gelegenheitsarbeiten mehr verrichten.

Später ging ich zur Justizbehörde und fragte, warum man mich nach dem Ableisten meiner Haftzeit unter eine fünfjährige Aufsicht gestellt hätte. Direktor Chen konnte mir keine Antwort geben.

Das Sozialversicherungsamt teilte mir mit, dass ich 15 Jahre lang Beiträge nachzahlen müsse, um wieder Anspruch auf meine Rente geltend machen zu können, da meine 30-jährige Beitragszahlung bereits gelöscht worden sei. Weder habe ich eine Arbeit noch die finanziellen Mittel zur Leistung dieser Beiträge. Ich erfuhr vom Inkrafttreten einer neuen Art von Zuschuss, dem sogenannten „Sozialversicherungszuschuss 4050“, wurde jedoch in Kenntnis gesetzt, dass ich nicht anspruchsberechtigt sei.

Mit einer derart finanziellen Verfolgung nach dem Verbüßen meiner zweiten Haftstrafe hatte ich nicht gerechnet. Im Folgenden schildere ich meine Erfahrungen im Gefängnis, um das kommunistische Regime, das gesetzestreue Bürger nur wegen ihres Glaubens an Falun Dafa ins Visier nimmt, abermals anzuprangern.

I. Strenge Aufsicht

1. Rund um die Uhr überwacht

Im Dezember 2022 wurde ich wegen der Verteilung von Informationsmaterialien über Falun Dafa zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt und am 31. August 2023 in das Frauengefängnis der Provinz Sichuan eingeliefert. Dort wies man mich nicht dem Team für neu aufgenommene Häftlinge zu, sondern direkt der fünften Abteilung mit strenger Aufsicht. Vermutlich, da es sich um meine zweite Inhaftierung handelte.

Zwei Gefangene wurden angewiesen, mich rund um die Uhr zu überwachen. Eine von ihnen war Long Qingmei, eine Schwerverbrecherin mit Universitätsabschluss, die wegen Veruntreuung von Geldern der Krankenversicherung verurteilt worden war. Die andere war Huang Xiaoyan, die einen Berufsschulabschluss hatte und wegen Drogenhandel einsaß.

Ich befand mich Tag und Nacht in Einzelhaft und musste dort essen, schlafen und meine Notdurft verrichten. Long und Huang zwangen mich täglich, Videos anzusehen und Audioaufnahmen anzuhören, die Falun Dafa und seinen Begründer diffamierten. Sie drehten die Lautstärke voll auf, sodass es in meinem Gehirn hämmerte, Herzrhythmusstörungen bei mir hervorrief und jede Zelle meines Körpers Qualen litt. Dabei schrien sie mir ins Gesicht, dass alle Praktizierenden „umerzogen“ werden müssten.

2. Dinge des täglichen Bedarfs verwehrt

Nach meiner Ankunft im Gefängnis besaß ich keinerlei Dinge des täglichen Bedarfs, weder Handtücher, Zahnbürste, Zahnpasta, Spülmittel, Shampoo, Duschgel, Toilettenpapier oder Kleiderbügel. Die Wärterinnen gaben mir nichts und erlaubten mir nicht, Gegenstände zu kaufen oder zu leihen. Als ich um Papier und Stift bat, um eine Beschwerde einzureichen, wurde meine Bitte abgelehnt. Long und Huang hinderten mich auch daran, mit der Gefängnisleitung zu sprechen, damit ich keine Beschwerde einreichen konnte.

Das Gefängnis bezeichnete meine Behandlung als „Sonderstatus“. Man sagte mir, dass sich meine Lebensbedingungen erst dann verbessern würden, wenn ich auf Falun Dafa verzichtete.

3. Schlafentzug

Normale Häftlinge durften um 21:30 Uhr schlafen gehen, Falun-Dafa-Praktizierende unter strenger Aufsicht jedoch erst um 23 Uhr. Im Sommer wurde den Häftlingen ein 30-minütiger Mittagsschlaf gewährt, Falun-Dafa-Praktizierende hatten keine Pause.

Wenn ich die Toilette benutzen wollte, musste ich um Erlaubnis bitten, und zwar folgendermaßen: „Ich bin die Kriminelle X und bitte um Erlaubnis, [diese Aktivität] ausführen zu dürfen.“

4. Physische Misshandlung

Ich wurde gezwungen, in militärischer Haltung auf einem kleinen, runden Hocker von 20 cm Höhe und 20 cm Durchmesser zu sitzen. Das lange regungslose Sitzen war unerträglich und führte an meinem Gesäß zu Vereiterungen. Manchmal musste ich stundenlang stehen oder in der Hocke verharren. Ohne die Erlaubnis der Aufseher durfte ich mich nicht bewegen. Während dieser Art Folter, welche die Wärterinnen als „Übungen“ bezeichneten, brach ich mehrmals zusammen. Sie verursachte zwar keine äußeren Verletzungen, war aber extrem grausam.

Auch andere Praktizierende waren ähnlichen Misshandlungen ausgesetzt: Die über 60-jährige Zhang Xunju, die vor mir freigelassen wurde, sowie die 74-jährige Xie Zicheng, mussten drei Tage lang in einer militärischen Haltung stehen, wobei ihnen der Schlaf entzogen wurde. Peng Huanying, eine Statistikbeamtin der Regierung, die eine vierjährige Haftstrafe verbüßte, hielt trotz der Misshandlungen an ihrem Glauben fest und wurde, obwohl sie gesund war, wie eine psychisch Kranke behandelt. Ihre Bewacher hielten sie rund um die Uhr in ihrer Zelle fest und zwangen sie, über lange Zeiträume unbekannte Tabletten einzunehmen. Infolgedessen wurde sie psychisch krank, stand mitten in der Nacht auf und lief unruhig umher. Deshalb wurde sie von den Insassinnen in ihrer Zelle verspottet und gedemütigt. Als ich wegen meines gebrochenen Handgelenks ins Gefängniskrankenhaus eingeliefert wurde, wurde sie gerade aus der Psychiatrie entlassen.

II. Gehirnwäsche-Verfahren

Um eine hundertprozentige „Umerziehungsrate“ zu erreichen, entwickelte die Erziehungsabteilung ein ausgeklügeltes Gehirnwäscheverfahren, das von der Aufnahme bis zur Freilassung reichte. In der ersten Woche nach ihrer Ankunft wurde eine Praktizierende gezwungen, Propagandamaterialien zu lesen, die Falun Dafa und seinen Begründer verleumdeten. Am Ende dieser Woche wurde ihr außerdem befohlen, vier vorbereitete Garantieerklärungen zu unterzeichnen, in denen sie Falun Dafa abschwor und verurteilte. Anschließend musste sie wöchentliche Gedankenberichte schreiben. Zwei Monate später musste sie selbst Garantieerklärungen gegen Falun Dafa verfassen, ohne Verwendung einer Vorlage. Das Gefängnis bewertete dann den Fortschritt ihrer „Umerziehung“. Danach musste sie einen Test mit Fragen absolvieren, die Falun Dafa verunglimpften. Im Anschluss folgte ein einmonatiges „Studium“ zur Festigung des Gelernten. Die letzten vier Wochen vor ihrer Freilassung musste sie sich erneut dem Studium verleumderischer Materialien widmen und wurde schließlich gezwungen, die vier Erklärungen zu unterzeichnen.

1. Gedankenberichte schreiben

Wärterin Chen Jing wies mich mehrmals an, meine Gedankenberichte, die sie für unzureichend hielt, neu schreiben. Zudem rügte sie die Aufseherin Huang, weil diese mir erlaubt hatte, diese Berichte einzureichen. Daraufhin schrieb Huang ebenfalls Berichte, die Falun Dafa beschmutzten und befahl mir, meine Fingerabdrücke darauf zu setzen. Liao stellte diese Berichte zusammen und veröffentlichte sie in einem Buch.

2. Evaluation

Nach zwei Monaten intensiver Gehirnwäsche wurden die Praktizierenden hinsichtlich ihrer „Umerziehungsfortschritte“ evaluiert. Die Aufseher führten Probeevaluationen durch, um sicherzustellen, dass die Praktizierenden die Fragen korrekt beantworten würden. Die Wärterinnen warnten uns davor, von den einstudierten Antworten abzuweichen.

Liao überwachte diese Evaluationen persönlich. Sie befahl den Praktizierenden oft, ihre Garantieerklärungen vor allen Anwesenden vorzulesen, während sie den Vorgang filmte. Sie bombardierte die Praktizierenden außerdem mit Fragen wie: „Hast du die vier Erklärungen selbst unterschrieben? Hast du die Kritik selbst verfasst? Du bist Analphabetin [oder: „Du hast nur einen Grundschulabschluss“] – wie hast du es geschafft, diesen langen und tiefgründigen Kritikartikel zu schreiben? Ist Falun Dafa eine Sekte? Ist Meister Li ein Betrüger? Wie hat er dich überlistet? Ist er ein Mensch oder ein Gott? Du hast dich so viele Jahre lang nicht ‚umerziehen‘ lassen – wie konnte dies seit deiner Inhaftierung nun so schnell geschehen? Was hat dich dazu bewogen, deine Meinung so schnell zu ändern und zu erkennen, dass Falun Dafa eine Sekte ist? Bereust du deine ‚Umerziehung‘? Fürchtest du dich davor, Vergeltung zu bekommen, weil du deinen Meister und Falun Dafa verflucht hast? Warum fürchtest du dich nicht vor Vergeltung? Wirst du nach deiner Freilassung weiter praktizieren? Was wirst du tun, wenn deine Mitpraktizierenden dich besuchen?“

Wenn die Praktizierende keine zufriedenstellende Antwort gab, erklärte Liao, dass sie die Prüfung nicht bestanden habe und dasselbe Prozedere der Misshandlungen und Gehirnwäsche erneut durchlaufen müsse, das sie in den ersten zwei Monaten ihrer Haft durchlaufen hatte. Oftmals peinigten die Aufseherinnen die Praktizierenden noch mehr, indem sie Bilder des Falun-Dafa-Begründers in ihre Unterwäsche, auf ihren Kopf, unter ihre Füße, auf ihren Rücken, ihre Brust, ihre Knie oder unter ihr Bettlaken klebten. Dies setzte die Praktizierenden unter enormen psychischen Druck.

3. Die aufgrund des Drucks unterschriebenen Garantieerklärungen später für ungültig erklärt

Unter dem immensen Druck unterzeichnete ich in der ersten Woche meiner Haft gegen meinen Willen die vier Erklärungen. Wärterin Chen gab mir schließlich ein Waschtuch, einen Mundspülbecher, eine Zahnbürste und Zahnpasta. Aufseherin Long gab mir eine Rolle Toilettenpapier, drohte mir jedoch, sie mir wieder wegzunehmen, falls ich mich „schlecht benehmen“ würde.

Zehn Tage später, verkündete ich in einem Gespräch mit Wärterin Chen, dass ich die erzwungenen Erklärungen für ungültig erklären und einen Antrag auf Überprüfung meiner Haftstrafe stellen würde. Ihr Kommentar dazu: „Offensichtlich hast du nicht gut gelernt und wirst deshalb einer Selbsthilfegruppe beitreten [ich gehe später darauf ein].“

4. Physisch und psychisch misshandelt

Da ich an meinem Glauben festhielt, zwangen mich die Aufseherinnen Huang und Long, vor dem Fernseher in der Hocke zu verharren, zu stehen oder zu sitzen. Der Fernseher war auf maximale Lautstärke eingestellt und strahlte Videos aus, die Falun Dafa verleumdeten. Außerdem legten sie ein Foto von Meister Li unter mein Bettlaken.

Ich ließ mich nicht einschüchtern, woraufhin sie von den Wärterinnen gerügt wurden. Daraufhin schlugen sie mich. Long drohte, mir das Toilettenpapier wieder wegzunehmen. Aus Protest trat ich drei Tage lang in einen Hungerstreik. Sie zwangen mich abermals, stundenlang in derselben Position zu verharren. Es war unerträglich und so bewegte ich mich ein bisschen. Daraufhin stießen sie mir ihre Knie in den Rücken und zwangen mich auf diese Weise, in die Hocke zu gehen oder mich hinzusetzen. Als ich mich dagegen wehrte, zogen sie mich an den Armen hoch. Ich brach mehrmals zusammen, aber sie beschuldigten mich, dies nur vorzutäuschen.

Sie befahlen mir, Fragen zu beantworten, die Falun Dafa diffamierten. Da meine Antworten ihnen missfielen, wiederholten sie die Tortur. Ich litt unter extremen seelischen und körperlichen Schmerzen.

5. Fortsetzung der Gehirnwäsche

Nachdem ich schließlich unfreiwillig zu einem „angemessenen Häftling“ erklärt worden war, musste ich täglich Zwangsarbeit verrichten. Doch damit war die Gehirnwäsche noch nicht beendet. Jeden Dienstagnachmittag wurden alle Praktizierenden zusammengerufen und gezwungen, Falun Dafa diffamierende Materialien zu studieren und anschließend ihre „Hausaufgaben“ zu erledigen. Bis zum Tag unserer Freilassung mussten wir jeden Monat einen Gedankenbericht schreiben.

Zwei Wochen vor meiner Entlassung wurde ich angewiesen, die vier Erklärungen, die ich bei meiner Einlieferung ins Gefängnis unterschrieben hatte, in eigenen Worten neu zu formulieren. Die Wärterinnen forderten mich zudem auf, den Evaluationstest zu wiederholen. Ich lehnte entschieden ab, woraufhin sie rund 20 Aufseherinnen zusammentrommelten, um mich umzustimmen.

Liao und Chen drohten, dass mein Widerstand gegen ihre Anweisungen zu einer negativen Bewertung in meiner Akte führen würde und nach meiner Freilassung wiederum eine Überwachung durch die lokalen Behörden zur Folge hätte.

III. Gewaltsame Verabreichung von Medikamenten

Das Gefängnis zwang mich und andere Häftlinge, unbekannte Medikamente zu nehmen.

1. Nach der Aufnahme

Auf dem Weg ins Gefängnis war ich gefesselt und musste mehrmals erbrechen. Anlässlich der obligatorischen körperlichen Untersuchung wurde bei mir ein zu hoher Blutdruck festgestellt, und ich bekam Tabletten verschrieben.

Als ich mich weigerte sie zu schlucken, kniff mir Wärterin Huang ins Kinn, öffnete gewaltsam meinen Mund und schob mir die Tablette in den Mund. Es fühlte sich an, als würde mein Kinn zerquetscht, und die Schmerzen waren unerträglich.

Ich litt unter starken Nebenwirkungen, aber die Wärterinnen und Gefängnisärzte reduzierten weder die Dosis noch erlaubten sie mir, die Tabletten abzusetzen. Auch der bereits erwähnten Praktizierenden Xie wurden gewaltsam blutdrucksenkende Medikamente verabreicht. Ihr Gesicht und ihr Hals waren jeden Nachmittag gerötet. Außerdem fühlte sie sich schwach, ihr war schwindlig und sie hatte starkes Herzklopfen. Die Gefängnisärzte behaupteten, dass solche Reaktionen normal seien und wiesen sie an, die Tabletten weiter einzunehmen. Einige Monate später bekam sie eine Herzkrankheit und ihre Sehkraft verschlechterte sich plötzlich. Sie war so schwach, dass sie beim Gehen und Treppensteigen Hilfe benötigte. Erst dann wurde ihr erlaubt das Medikament abzusetzen.

Eine Insassin litt angeblich an Depressionen und erhielt im Februar oder März 2025 ein Antidepressivum. Nach der Einnahme der Tabletten wurde sie ruhelos, hatte Albträume und schrie mitten in der Nacht. Später versteckte sie die Tabletten in ihren Ärmeln, jedoch wurden sie entdeckt. Daraufhin musste sie einen Monat lang an einer „Lernsitzung“ teilnehmen und bekam zwei Punkte von ihrem „Guten Benehmen“ abgezogen.

2. Nicht genug Zeit zum Essen

Diejenigen, die unter Zwangsmedikation standen, mussten sich für die Verabreichung der Tabletten täglich in der Lobby im zweiten Stock in einer Reihe aufstellen. Da dies während der Essenszeit geschah, hatten wir oft nicht genug Zeit zum Essen. Die Wärterinnen behaupteten zwar, dass wir danach essen könnten, wiesen uns aber im gleichen Atemzug an, alles aufzuräumen. Nach dem Aufräumen mussten wir Zwangsarbeit verrichten.

Einmal aß ich das gedämpfte Brötchen, das ich beim Frühstück nicht aufessen konnte, auf dem Weg zur Zwangsmedikation in der Lobby im zweiten Stock. Die Zellenleiterin, welche die in der Schlange stehenden Insassinnen beaufsichtigte, sah es und schrie mich ununterbrochen an. Ich aß in der Regel sehr wenig und war ständig hungrig. Schließlich erkrankte ich an Osteoporose.

3. Verabreichung der Tabletten – eine erniedrigende Prozedur

Vor der Verabreichung der Tabletten mussten wir uns als „Verbrecherin XY“ melden und um unsere Medikamente bitten. Während wir in der Schlange standen, erhielten wir einen Becher Wasser in die rechte Hand. Diejenige, die an der Reihe war, musste den Becher in die linke Hand wechseln und bekam die Tablette in die rechte gelegt, die sie dann sofort schlucken musste. Die Person, die die Tabletten ausgab, die Wärterinnen und die zu unserer Überwachung abbestellten Insassinnen befahlen uns, den Mund zu öffnen und die Zunge herauszustrecken, um sicherzustellen, dass wir die Tabletten auch wirklich geschluckt hatten. Außerdem mussten wir die rechte Hand öffnen und den Arm schütteln, als Beweis, dass wir sie nicht im Ärmel versteckten.

Wer sich diesen Anweisungen widersetzte, wurde beschimpft und körperlich misshandelt. Beispielsweise steckten die Insassinnen oft ihre Finger in meinen Mund, um zu überprüfen, ob ich die Tablette dort versteckt hatte.

Nach der Einnahme der Tabletten mussten wir Dokumente unterschreiben. Einmal musste ich drei Mal unterschreiben, bis auf dem Bildschirm des Geräts das Wort „Erfolg“ für die bestätigte Unterschrift aufleuchtete. Da die Wärterinnen es jedoch nicht gesehen hatten, musste ich an drei aufeinanderfolgenden Tagen an „Lernsitzungen“ teilnehmen.

Nach der Unterschrift mussten wir uns für eine Durchsuchung unserer Kleidung und Taschen anstellen. Wir wurden aufgefordert, den Mund zu öffnen und die Arme zu heben, um sicherzustellen, dass wir nichts versteckt hatten. Außerdem mussten wir in einer geraden Linie mit maximal drei Schritten Abstand marschieren. Wer nicht innerhalb der Linie marschierte, wurde angeschrien.

Alle Insassinnen waren zum Zeitpunkt der Medikamentengabe angespannt und niemand wagte, einen Laut von sich zu geben. Die Wärterinnen behaupteten, dass sie dies aus Fürsorge täten, doch in Wirklichkeit verursachte es uns enormen psychischen Stress.

IV. Stehfolter, Lernsitzungen und unfreiwillige „Freiwilligenarbeit“

Die im Folgenden drei beschriebenen Methoden waren die am häufigsten angewandten Misshandlungsformen gegenüber denjenigen, die gegen die Regeln verstoßen oder ihr Arbeitspensum nicht erfüllt hatten.

1. Vor einem Spiegel stehen

Wer sein Arbeitspensum nicht erfüllte, musste oft dreimal täglich – nach dem Frühstück, nach dem Mittag- und nach dem Abendessen – vor dem Spiegel am Eingang zur Lobby im zweiten Stock stehen. An Feiertagen musste man den ganzen Tag stehen, hatte keine Zeit, sich zu waschen, warmes Wasser zu holen oder sein Bett zu machen. Wenn man bestimmte Aufgaben zugeteilt bekam, mussten andere die Mehrarbeit erledigen, was oft zu Wutausbrüchen führte.

2. Lernsitzungen

Lernsitzungen dienten dazu, diejenigen zu quälen, die ihr Arbeitspensum nicht erfüllt oder gegen bestimmte Regeln verstoßen hatten. Die Gefangenen wurden nach dem Abendessen auf verschiedene Stockwerke gebracht und mussten dort in militärischer Haltung sitzen. Anschließend mussten sie etwa eine Stunde lang die Gefängnisregeln studieren. Meist war es nach 21 Uhr, bevor sie in ihre Zellen zurückkehren durften.

Manche mussten siebentägige Lernsitzungen absolvieren, andere kürzere. Man musste vorgegebene Fragen beantworten oder die Gefängnisregeln abschreiben. Nach den Lernsitzungen wurde man evaluiert, um festzustellen, ob man die Anforderungen erfüllt hatte.

3. Unfreiwillige „Freiwilligenarbeit“

Wer gegen die Gefängnisordnung verstieß, wurde zu „freiwilliger Arbeit“ gezwungen, beispielsweise zum Reinigen der Waschküche, Fegen des Hofes, Decken der Tische, Wischen des Bodens, Geschirrspülen oder Waschen schmutziger Matten. Diese unbezahlte Arbeit musste man in den Pausen verrichten. Auch ältere Insassinnen wurden nicht verschont und mussten dreimal wöchentlich den Müll rausbringen.

Wenn einer Insassin zu viel Freiwilligenarbeit auferlegt wurde, konnte sie die Wärterinnen „bezahlen“ [sie bestechen], was für die Wärterinnen eine zusätzliche Einnahmequelle bedeutete.

4. Essenskontrolle

Diejenigen, die den oben beschriebenen Misshandlungen ausgesetzt waren, mussten alle zusätzlich mit eigenem Geld gekauften Lebensmittel abgeben. Wurden sie zudem unter strenge Aufsicht gestellt, erhielten sie nur die Hälfte der vom Gefängnis verabreichten Mahlzeiten.

Wenn die Wärterinnen eine Insassin eines schweren Verstoßes bezichtigten, musste oft die gesamte Abteilung oder Etage darunter leiden, wobei allen die Möglichkeit, zusätzliches Essen zu bekommen, verweigert wurde.

V. Die Gruppe für gegenseitige Überwachung

In der „Gruppe für gegenseitige Überwachung“ waren die Insassinnen verpflichtet, alles gemeinsam zu tun, da ansonsten Konsequenzen drohten. In der fünften Abteilung waren rund 420 Personen untergebracht, die in Überwachungsgruppen von drei bis sieben Personen eingeteilt waren.

Jede Gruppe musste gemeinsam essen, „lernen“, die Toilette benutzen, mit ihren Familien telefonieren und schlafen gehen. Wenn eine Insassin etwas im Alleingang tat, wurde die gesamte Gruppe bestraft. Manchmal bezogen die Wärterinnen sogar die ganze Zelle, den ganzen Stock oder die gesamte fünfte Abteilung mit ein.

Zu den Strafen gehörten eine Woche „lernen“ und mehrere Tage „Freiwilligenarbeit“.

Einmal stieß ich beim Nähen von Bettlaken und Bettbezügen in der Werkstatt versehentlich gegen mein Namensschild, sodass er zur Seite kippte. Zufällig kam der Gefängnisdirektor zur Inspektion der Werkstatt, bemerkte mein schief hängendes Schild und notierte sich meinen Namen. Die gesamte „Gruppe für gegenseitige Überwachung“ schrie mich an, aus Angst, selbst in diese Sache verwickelt zu werden. Da es gerade Hochsommer war, verzichtete das Gefängnis darauf, uns mit „Lernsitzungen“ zu bestrafen.

Ein anderes Mal hängte unsere Gruppe gerade unsere Wäsche auf, als wir aufgefordert wurden, uns zur nächsten Aktivität zu beeilen. Die Gruppenleiterin rannte vor mir her und verstieß damit gegen die Regel, dass Gruppenleiter das Schlusslicht der Reihe bilden müssen. Obwohl wir unsere Formation sogleich korrigierten, wurden wir trotzdem von den Wärterinnen kritisiert. Es stellte sich heraus, dass ein Mitglied unserer Gruppe dies gemeldet hatte. Der Mechanismus der gegenseitigen Überwachung verzerrte die Denkweise der Menschen erheblich.

VI. Willkürliche Regeln, die Grundrechte verweigerten

Die eindringlichste Botschaft bei Gefängnisversammlungen, ob größere oder kleinere, lautete: „Ihr müsst euch darüber im Klaren sein, dass ihr Kriminelle seid und euren Platz im Gefängnis kennt.“ Wir hatten kein Recht, unsere Meinung zu äußern, und wurden wie in einer Ausbeuterfabrik missbraucht, um Geld für das Gefängnis zu verdienen. Die Wärterinnen stellten willkürlich Regeln auf, um uns zu schikanieren.

Eines Nachts filmte die Überwachungskamera eine Gefangene, die Nachtdienst hatte, wie sie ihre Hände hinter dem Rücken verschränkte. Ihre Abteilung wurde gerügt, und sie wurde zu zwei Wochen Lernsitzungen und einem Monat „freiwilliger Arbeit“ verurteilt. Daraus entstand eine neue mündliche Regel: Niemand durfte seine Hände hinter dem Rücken verschränken.

Eine andere Gefangene legte ein Handtuch auf ihr Kissen, woraufhin eine neue Regel dies untersagte. Als den Wärterinnen zu Ohren kam, dass jemand auf der Toilette war und sich deshalb zu spät zum Mittagessen anstellte, stellten sie die Regel auf, dass niemand während der Essenszeit die Toilette benutzen durfte.

Die Wärterinnen wurden ständig angewiesen, neue Regeln aufzustellen, wie zum Beispiel, sich nicht an die Nase zu fassen, sich nicht am Kopf zu kratzen oder die Hand nicht in die Tasche zu stecken.

Gegen diese willkürlichen Regeln konnte man sehr leicht verstoßen. Dann wurden die gesamte „Gruppe für gegenseitige Überwachung“, die gesamte Etage oder die gesamte Abteilung mit verschiedenen Strafen belegt.

Jedes Mal, wenn wir einer Wärterin begegneten, mussten wir „Melden“ sagen. Als die Gefangene Xu Mo dies einmal beim Betreten der Cafeteria vergaß, wurden sie und über zehn andere zu einer Woche Lernsitzung und mehreren Tagen „freiwilliger Arbeit“ verdingt.

Die Wärterinnen bereicherten sich außerdem durch Geldstrafen für Regelverstöße.

VII. Extrem harte Arbeit zur maximalen Ausbeutung

1. Ständige Hektik

„Schnell, schnell, schnell!“ war der Befehl, den wir ständig hörten, während das Gefängnis unsere Zwangsarbeit maximal ausnutzte. Die „Gruppe für gegenseitige Überwachung“ setzte sich oft aus Menschen unterschiedlichen Alters zusammen. Ältere Insassinnen hatten Mühe, mitzuhalten, und wurden von den jüngeren Gruppenmitgliedern schikaniert. Viele Ältere stürzten aufgrund des ständigen Stresses und zogen sich Knochenbrüche zu, darunter auch die Praktizierenden Ling Junhui, Xie Zicheng und Wang Youping.

Am Morgen des 19. November 2024 sammelte unsere Gruppe hinsichtlich einer einmonatigen Strafe gerade den Müll ein, als die zu unserer Überwachung abbestellte Insassin uns drängte, uns zu beeilen, da wir uns bald für die Werkstatt aufstellen müssten. Eilig sammelten wir den Müll auf. Ich stolperte, stürzte zu Boden und verletzte mich am linken Handgelenk.

Mein Handgelenk war an zwei Stellen gebrochen, und das distale und radiale Ende waren ausgekugelt. Die Gefängnisärzte konnten meine Knochen nicht wieder einrenken und garantierte mir eine Genesung von maximal 70 Prozent. Bis heute bin ich nicht in der Lage, mit der linken Hand einen kleinen, leeren Topf zu heben.

Das Gefängnis weigerte sich, die Verantwortung für meine Verletzung zu übernehmen.

2. Verlängerte Arbeitszeiten und erhöhte Arbeitsbelastung

Wir mussten täglich mehr als zehneinhalb Stunden arbeiten, was die gesetzliche Höchstgrenze bei weitem überstieg. Das Gefängnis versprach uns Hühner- und Entenkeulen als Beilage zu unseren Mahlzeiten, doch diese Sonderbehandlung hielt nur drei Monate an. Die Arbeitszeiten wurden nie verkürzt.

Obwohl keine zusätzlichen Insassen aufgenommen wurden, beutete das Gefängnis die Inhaftierten so effektiv aus, dass die Produktionsleistung von 2023 bis 2024 um 11 % stieg. Solange der Gefängnisarzt einer Insassin keine Bettruhe verordnete, musste sie selbst im Krankheitsfall in der Werkstatt arbeiten. Die anderen Insassinnen mussten ihr beim Erfüllen ihres Arbeitspensums helfen und konnten kaum noch ihr eigenes Pensum zu erfüllen.

Da die Wärterinnen die Arbeitsbelastung für alle ständig erhöhten, gerieten immer mehr Insassinnen in Rückstand und wurden der Stehfolter in der Lobby im zweiten Stock unterzogen. Manchmal standen dort bis zu 160 Insassinnen zur gleichen Zeit.

Unser Trinkwasser wurde analog der Häufigkeit unserer Toilettengänge eingeschränkt und zugleich die Arbeitszeit zur Erfüllung unserer Quoten maximiert. Wir mussten unsere Produktionsleistung stündlich melden und wurden über die Grenze unserer Belastbarkeit getrieben. Manche versuchten, sich in diesem Umfeld durch psychologische Spielchen einen Vorteil zu verschaffen.

VIII. Vertuschung

Das kommunistische Regime ist berüchtigt für seine Vertuschungstaktiken, mit denen es die Menschen täuscht und verfolgt. Das Gefängnis verdiente durch das Ausbeuten der Insassinnen eine Menge Geld, daher wurde sorgfältig darauf geachtet, diese Sklaventreiberei zu verschleiern. Beispielsweise sollte laut Gesetz jede Gefangene einen Tag pro Woche frei haben. Die Wärterinnen zwangen uns, ein Formular auszufüllen, mit dem wir uns an den freien Tagen „freiwillig“ für einen halben Tag Arbeit meldeten. Die Gefängnisordnung sah außerdem einen „Studientag“ pro Woche vor, doch die Wärter befahlen uns, an diesen Tagen einen halben Tag zu arbeiten.

Die Vorgesetzten kamen oft zur Inspektion ins Gefängnis, ohne mitzubekommen, was sich dort tatsächlich abspielte. Wir wurden angewiesen, bestimmte Dinge zu sagen, ansonsten drohten uns Strafen.