(Minghui.org) Ich begann 2003, Falun Dafa zu praktizieren. In unserer Fa-Lerngruppe war ich der Letzte, der mit der Kultivierung begann. Da ich dem Fa-Lernen große Bedeutung beimaß, teilte ich bei unseren Treffen häufig meine eigenen Erkenntnisse und Einsichten mit.
Die anderen Praktizierenden sagten, obwohl ich erst spät mit der Kultivierung begonnen hätte, hätte ich das Fa gut verstanden. Deshalb tauschten sie sich gern mit mir über die Lehre aus. Ich empfand dies als Bestätigung meiner Bemühungen. Damals dachte ich jedoch nicht darüber nach, ob dieses Gefühl der Freude eine Anhaftung war, noch wusste ich wirklich, wie man sich kultiviert.
Weil ich mich weigerte, das Praktizieren aufzugeben, wurde ich rechtswidrig zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Unter dem Schutz des Meisters und mit der Unterstützung der aufrichtigen Gedanken meiner Mitpraktizierenden glaubte ich fest an das Fa und ging keinerlei Kompromisse mit den Verfolgern ein. Die anderen Praktizierenden lobten mich und bezeichneten mich als „Helden“.
Da ich bereits nach nur eineinhalb Jahren Kultivierung eine derart brutale Verfolgung erlitten und dennoch standhaft geblieben war, hielt auch ich dies für eine bemerkenswerte Leistung. Damals schaute ich zwar nach innen und erkannte, dass die Verfolgung mit meinem starken Eifer, Dinge zu tun, zusammenhing. Doch meine Anhaftungen an Selbstbestätigung und Geltungsbedürfnis übersah ich.
Erst im vergangenen Jahr, als ich meinem Vater (ebenfalls ein Praktizierender) half, eine Prüfung durch Krankheitskarma zu überwinden, erkannte ich, dass ich diese Erfahrung mit anderen teilen sollte. Dabei entdeckte ich meine tief verwurzelten Anhaftungen.
Obwohl meine Absicht gut zu sein schien und ich meinen Vater mit aufrichtigen Gedanken und aufrichtem Handeln ermutigen wollte, sprach ich ständig über meine eigenen Erfahrungen. Dabei bemerkte ich nicht, wie stark mein Geltungsbedürfnis war. Beim Aussenden der aufrichtigen Gedanken konnte ich mich nicht beruhigen; die Szenen aus meiner Zeit im Zwangsarbeitslager spielten sich immer wieder vor meinem inneren Auge ab.
Erst da erkannte ich, dass ich meine Anhaftung an das Geltungsbedürfnis und an die Selbstbestätigung genährt hatte, während ich glaubte, den anderen Praktizierenden zu helfen.
Als ich diese Gedanken sofort verneinte und begann, sie zu beseitigen, wurden sie besonders stark. Dennoch wies ich sie immer wieder zurück. Eine innere Stimme sagte: „Du machst es gut. Deine aufrichtigen Gedanken sind sehr stark. Wäre das jemand anderem passiert, hätte er diese Prüfung vielleicht nicht so erfolgreich bestanden!“
Früher hielt ich diese Gedanken für völlig normal. Doch diese beiden Anhaftungen waren sehr stark und tauchten immer wieder auf. Mir wurde klar, dass ich ihre Wurzel nicht erkannt hatte und meine Kultivierung nur oberflächlich gewesen war.
Diese Erkenntnis gewann ich, als ich begann, wirklich nach innen zu schauen. Meine Eltern sind bereits betagt und es fällt ihnen schwer, nach innen zu schauen. Nachdem ich meinem Vater geholfen hatte, die Prüfung durch Krankheitskarma zu überwinden, wurde mir bewusst, wie wichtig eine solide und echte Kultivierung ist.
Durch intensives Fa-Lernen und Anhören von Erfahrungsberichten meiner Mitpraktizierenden machte ich einen Durchbruch im Nach-innen-Schauen und verstand schließlich dessen wahres Wesen. Mir wurde klar, dass ich meine praktizierenden Eltern ermutigen musste, sich fleißig und bodenständig zu kultivieren.
Meine Mutter ist Koordinatorin und hat im Laufe der Jahre viel getan, um Dafa zu bestätigen. Dennoch ist ihr Temperament nach wie vor sehr wechselhaft. Sie ist ein extrovertierter Mensch und gerät schon bei den kleinsten Anlässen in Rage. Immer wenn mir etwas auffiel, sprach ich sie darauf an. In letzter Zeit zeigten sich bei ihr besonders deutlich ein herrisches Verhalten, das Bedürfnis, sich selbst zu beweisen, sowie Geltungsbedürfnis. Ich versuchte immer wieder, mit ihr darüber zu sprechen, doch sie wollte mir nicht zuhören.
Durch das Fa-Lernen und das Anhören von Erfahrungsberichten anderer Praktizierender wurde mir plötzlich bewusst, dass ich jahrelang in Wirklichkeit versucht hatte, andere zu „kultivieren“. Ich hatte nie überprüft, ob ich diese Eigenschaften selbst besaß. Kein Wunder, dass meine Mutter ihre offensichtlichen Anhaftungen nicht erkennen konnte – der Meister wollte, dass wir uns gemeinsam erhöhen!
Ich bestand immer darauf, dass ich recht hatte, und verlangte, dass der andere meine Ansicht akzeptierte. War das nicht genau Geltungsbedürfnis und der Wunsch, meine eigenen Erkenntnisse zu bestätigen? Wie konnten Worte, die aus so vielen Anhaftungen heraus gesprochen wurden, überhaupt rein sein? Dennoch behauptete ich sogar noch, dies geschehe alles zu ihrem Besten.
Auch der Gedanke, ich hätte starke aufrichtige Gedanken und würde mich gut kultivieren, stammte keineswegs aus meinem wahren Selbst. Er entsprang vielmehr meinem Geltungsbedürfnis und dem Wunsch nach Selbstbestätigung – Gedanken, die von meinem „falschen Selbst“ hervorgebracht wurden.
Als ich dies erkannte, empfand ich tiefe Reue gegenüber dem Meister. Es ist der Meister, der alles berichtigt. Ohne den Segen des Meisters – wie könnte ich überhaupt aufrichtige Gedanken haben? Der Meister hat meine Kultivierung bedingungslos geführt, doch ich ließ mich von meinen Anhaftungen täuschen und schrieb mir die Verdienste selbst zu. Dafür schäme ich mich zutiefst. Bitte verzeihen Sie mir, Meister. Ich war töricht und erkenne nun meinen Fehler!
Dadurch gewann ich auch ein tieferes Verständnis dafür, warum manche Menschen Mitpraktizierende verehren, anstatt das Fa gut zu lernen. Mir wurde klar, dass wir uns leicht von dem Wunsch, uns selbst zu bestätigen, in die Irre führen lassen.
Wir richten unsere Aufmerksamkeit darauf, wie gut sich jemand scheinbar kultiviert hat oder wie beeindruckend und kraftvoll seine aufrichtigen Gedanken wirken. Dabei übersehen wir die Arrangements des Meisters und die gewaltige Kraft des Dafa.
Diese Gesinnung stellt die eigentliche Reihenfolge auf den Kopf. Sie ist äußerst trügerisch und raffiniert und bringt eine Vielzahl scheinbar überzeugender Gründe hervor, um uns glauben zu lassen, dieses Denken sei richtig. Sind die menschlichen Anhaftungen stark, hält man solche Gedanken leicht für die eigenen. Was für eine erschreckende Anhaftung das doch ist! Wir müssen stets wachsam bleiben.
Letztlich entspringen sowohl der Wunsch nach Selbstbestätigung als auch das Geltungsbedürfnis dem Egoismus. Sie sind Eigenschaften des alten Universums, die wir nicht haben wollen. Wir sollten zu Wesen des neuen Universums werden – selbstlos und uneigennützig. Kultivieren wir uns fleißig, berichtigen wir uns selbst und führen wir gemeinsam mit dem Meister alle Lebewesen auf den Weg zurück in ihre wahre Heimat!
Dies ist mein Verständnis auf meiner derzeitigen Ebene. Bitte weist mich gütig auf alles hin, was unangemessen ist.