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Über mich selbst hinauswachsen und bescheiden bleiben

31. August 2026 |   Von einem Falun-Dafa-Praktizierenden in China

(Minghui.org) Ich praktiziere Falun Dafa seit fast drei Jahrzehnten. Vor Kurzem stellte ich mich einer neuen Herausforderung: dem Verfassen juristischer Dokumente, um zu Unrecht verfolgten Praktizierenden und ihren Familien dabei zu helfen, Gerechtigkeit zu erlangen. Mit der Hilfe meines Teamleiters und der Praktizierenden im Justizforum (einer Initiative zur Aufklärung über die Verfolgung) habe ich juristische Kenntnisse erworben und mich dabei selbst erhöht.

Die Herausforderung annehmen

Eine Praktizierende übermittelte mir die Nachricht, dass die örtliche Koordinatorin nach mir suche, und bat mich, sie aufzusuchen. Die Bitte machte mich etwas nervös, da ich mich meist zurückhielt und nicht sehr oft mit der Koordinatorin zu tun hatte. Ich fragte mich, warum sie mit mir sprechen wollte.

Als ich ankam, sagte die Koordinatorin zu mir: „Es gibt ein Projekt, das Unterstützung beim Verfassen formeller Texte gebrauchen könnte. Ich habe deine Meinungsartikel gelesen und weiß, dass du die nötigen Fähigkeiten hast. Deshalb habe ich dich dem Teamleiter Tian empfohlen. Er ist gerade auf dem Weg hierher, um dich zu treffen und das Projekt mit dir zu besprechen.“

Tian erzählte mir ausführlich von dem Projekt und berichtete mir von den Fortschritten, die das Team erzielt hatte, sowie von den Herausforderungen, denen es in den vergangenen Jahren begegnet war. „Was soll ich tun?“, fragte ich.

„Du würdest uns beim Verfassen juristischer Dokumente helfen“, antwortete er. Meine unmittelbare Reaktion war, dass ich mich dafür nicht geeignet hielt – ich wusste nichts über das Recht und hatte keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet. Ich glaubte nicht, dass ich für diese Aufgabe geeignet war, und lehnte deshalb ab.

Tian antwortete ruhig: „Sag nicht, dass du es nicht kannst. Damit würdest du dir selbst Grenzen setzen. Wir sind Kultivierende. Wir haben den Meister und das Fa. Solange du es versuchst, kannst du es und wirst es gut machen. Am Anfang wusste ich auch nichts über all das. Auf der Minghui-Website gibt es ein Forum mit Diskussionen zu allen möglichen Themen. Dort findest du Fragen und Antworten, Fallstudien, Dokumentvorlagen und rechtliche Informationen – alles, was du dir vorstellen kannst. Du kannst dich auf der Plattform auch an Juristen und Experten wenden, die dir fallbezogene Ratschläge und Vorschläge geben.“

Tian half mir, über meine eigenen Grenzen hinauszublicken, und ich fühlte mich nicht mehr hilflos. Ich begann zu verstehen, wie Mitpraktizierende Hindernisse überwinden und Schritt für Schritt vorankommen können. Nun zögerte ich nicht mehr, das Angebot anzunehmen – ich wollte Teil des Projekts sein und mich der Herausforderung stellen, mit rechtlichen Mitteln über die wahren Umstände aufzuklären, der Verfolgung entgegenzuwirken und Lebewesen zu erretten.

Auf dem Heimweg schossen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ich verspürte großen Druck und hatte kein Vertrauen darin, die Aufgabe gut bewältigen zu können. Ich wollte nicht, dass meine mangelnden Fähigkeiten das Projekt beeinträchtigten und die anderen aufhielten. Meine Gedanken kehrten immer wieder zu dem zurück, was ich anfangs zu Tian gesagt hatte: „Ich kann das nicht.“ Das war schon lange meine gewohnte Denkweise gewesen – wann immer ich vor einer Herausforderung und etwas Schwierigem stand, war mein erster Gedanke stets: „Ich kann das nicht.“

Doch dann beschloss ich, dass es an der Zeit war, diese Gewohnheit zu ändern. Als Praktizierender musste ich selbst auferlegte mentale Barrieren und meine passive Denkweise überwinden. Sobald ich von dem Projekt erfahren hatte, war meine erste Reaktion gewesen, dass ich es nicht schaffen würde. Bedeutete das nicht, aufzugeben, ohne es überhaupt versucht zu haben, und mir selbst jede Möglichkeit zu nehmen? In der Kultivierung gibt es keine Zufälle – vielleicht hatte der Meister dies arrangiert.

Ich erinnerte mich selbst: „Von jetzt an darfst du nicht mehr sagen: ‚Ich kann das nicht.‘ Schau dir die über siebzig- und achtzigjährigen Praktizierenden an. Sie haben gelernt, mit dem Computer Informationsmaterialien über Dafa herzustellen. Mit dem Meister und dem Fa habe ich vor nichts Angst. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mutig voranzuschreiten.“

Meine tief verwurzelte Anhaftung aufdecken

Bei dem ersten Fall, an dem ich arbeitete, ging es darum, Yang, einer älteren Praktizierenden, dabei zu helfen, Gerechtigkeit für ihren Mann zu erlangen. Er war infolge von Folter gestorben, während er wegen des Praktizierens von Falun Dafa inhaftiert gewesen war. Yang hatte reichlich aufrichtige Gedanken. Sie ging persönlich zum Gefängnis sowie zu anderen Justiz- und Strafverfolgungsbehörden, um über die wahren Umstände von Dafa aufzuklären. Außerdem rief sie bei verschiedenen Behörden an.

Das Team traf sich persönlich, um Möglichkeiten zu besprechen, wie wir mit der Staatsanwaltschaft Kontakt aufnehmen könnten, die für das Gefängnis zuständig war, in dem Yangs Mann gestorben war. Nach dem Treffen berichtete Tian Yang von den besprochenen Punkten. Yang sagte, sie könne sich nicht alles merken, und fragte, ob ich es aufschreiben könne, damit sie es später noch einmal durchgehen könne. Als ich an diesem Abend nach Hause kam, listete ich alles auf, was wir besprochen hatten, und schickte es Yang per E-Mail.

Einige Tage später schrieb mir Tian eine E-Mail und bat mich, aus der Liste ein formelles Beschwerdeschreiben zu machen. Mir sank das Herz – ich hatte noch nie ein solches Beschwerdeschreiben gesehen und keine Ahnung, wie man eines verfasste. Ich würde viel recherchieren müssen, um aus der Liste einen formellen Text zu erstellen, der den Formatvorgaben entsprach, und ich wollte mir diese Mühe einfach nicht machen. Ich antwortete Tian und schlug vor, auf das Beschwerdeschreiben zu verzichten.

Nachdem ich auf „Senden“ geklickt hatte, kamen mir Zweifel. Ich fragte mich: „Warum sagst du schon wieder ‚Nein‘ und versuchst, schwierigen Dingen aus dem Weg zu gehen? Hast du dir nicht versprochen, das nicht mehr zu tun?“ Oberflächlich betrachtet war es nur ein einfacher Vorschlag an Tian, doch dahinter verbargen sich meine Ausreden dafür, dass ich den Brief nicht verfassen wollte. Auch mein Ton war schroff und nicht akzeptabel. Deshalb öffnete ich meinen Ordner „Gesendet“ und löschte die E-Mail.

Nun blieb mir nichts anderes übrig, als mit der Arbeit anzufangen! Ich richtete ein Konto im Justizforum auf Minghui ein und suchte nach entsprechenden Themen. Ich fand ein Muster für ein Beschwerdeschreiben, das ein anderer Praktizierender verfasst hatte, und übernahm dessen Format. Ich entwarf den Brief, überarbeitete ihn und schickte ihn anschließend an Tian. Am nächsten Tag antwortete er und machte mir einige Vorschläge zur Verbesserung. Ich war ein wenig verärgert, wusste aber, dass meine Anschauungen und Anhaftungen dabei eine Rolle spielten.

Ich beruhigte mich, analysierte meine emotionale Reaktion und entdeckte meine Anhaftung daran, Anerkennung zu suchen. Was ist der Kern einer solchen Anhaftung? Sie ist ein Ausdruck meiner Geltungssucht und meiner mangelnden Bereitschaft, jene Seite von mir zu zeigen, die ich selbst nicht akzeptierte. Dahinter standen Scham und der Wunsch, mich vor der Welt zu verstecken.

Diese Denkweise entsprach jedoch nicht dem Fa, sie spiegelte keine Wahrhaftigkeit wider. Denn sich verstecken zu wollen und sich zur Schau zu stellen sind zwei Seiten derselben Medaille – gerade weil man sich zur Schau stellen möchte, versucht man, etwas anderes zu verbergen. Erst wenn ich meine Anschauungen von Gut und Schlecht beseitige, kann meine wahre Natur zum Vorschein kommen. Als ich schließlich zu dieser Erkenntnis gelangte, wurde mein Herz wieder ruhig.

Kurz darauf erzählte mir Tian, dass Yang mehrmals bei der Staatsanwaltschaft angerufen, aber niemanden erreicht hatte. Daraufhin rief sie den Bürgermeister der Stadt an, in der sich das Gefängnis befand. Die Mitarbeiter sagten ihr, sie solle einen formellen Antrag einreichen, damit sie sich bei der Staatsanwaltschaft nach dem Fall erkundigen könnten. Deshalb hatte Tian mich gebeten, das Beschwerdeschreiben zu verfassen.

Tian wies mich auf einige Dinge hin, die ich ändern könnte. Erstens sollten juristische Dokumente anders aufgebaut sein als ein Bericht über die Verfolgung, der bei der Minghui-Website eingereicht wird. Fragen, insbesondere rhetorische Fragen, sollten möglichst ganz vermieden werden. Er schlug vor, mir vorzustellen, dass wir unserem Zielpublikum gegenübersäßen, und mir bewusst zu machen, dass unser Gegenüber umso aufgeschlossener sein werde, je einfacher und neutraler unsere Sprache sei. Wir sollten uns nicht in Opposition zu den Behörden für öffentliche Sicherheit, den Staatsanwaltschaften und den Justizbehörden stellen. Wir sollten uns bewusst machen, dass dies zwar eine Gelegenheit ist, Gerechtigkeit zu erlangen und der Verfolgung entgegenzuwirken, das letztendliche Ziel jedoch darin besteht, über die wahren Umstände aufzuklären und diese Beamten zu erretten.

Nachdem ich Tian zugehört hatte, erkannte ich, dass die rhetorischen Fragen in dem Schreiben meine damaligen Emotionen widerspiegelten. Ich war zu leidenschaftlich und konnte keinen neutralen Ton bewahren. Das war meine Schwäche, und daran musste ich arbeiten.

Bei einem weiteren Treffen wies Tian darauf hin, dass ich mich so gut wie möglich an das Format eines Beschwerdeschreibens halten, juristische Fachbegriffe verwenden und aus der Perspektive eines Anwalts schreiben sollte. Er hatte vollkommen recht.

Ich war dem Meister und den Mitpraktizierenden sehr dankbar. Außerdem schätzte ich mich glücklich, meine tief verwurzelten Anhaftungen entdeckt zu haben und meine Denkweise ändern zu können. Wir führten ein angenehmes Gespräch, und ich nahm die Vorschläge der anderen an, ohne Groll zu hegen.

Mir wurde klar, dass ich bei der Zusammenarbeit mit anderen Praktizierenden meine ichbezogene Denkweise loslassen und mich selbst zurücknehmen sollte. Wann immer ich mich aufgrund der Einmischung meiner eigenen Anschauungen gereizt fühle, muss ich nach innen schauen. Nur dann kann ich gut mit anderen zusammenarbeiten und mit dem einen Körper harmonieren. Und nur dann kann ich mich erhöhen. Ich kann nicht einfach tun, was mir gerade gefällt. Das würde mich nur weiterhin in den Grenzen des Egoismus gefangen halten.

Juristische Dokumente im Justizforum veröffentlichen

Als ich mich dem Projekt gerade angeschlossen hatte, fühlte ich mich schlecht, weil ich Tian wegen allem fragen musste, was mir begegnete. Neben seiner Vollzeitbeschäftigung von neun bis fünf war er an etlichen Dafa-Projekten beteiligt. Das Team kommunizierte gewöhnlich per E-Mail und traf sich nur alle zwei Wochen persönlich. Nachdem Tian das Projekt mit allen besprochen hatte, nahm er sich die Zeit, alle Fragen zu dem Teil zu beantworten, an dem ich arbeitete. Statt ihm zu helfen, hatte ich das Gefühl, dass meine Mitarbeit in seinem Team ihm nur noch mehr Arbeit bereitete.

Um mich möglichst schnell einzuarbeiten, lud ich eine große Menge an Dokumenten aus dem Justizforum herunter. Wenn ich die gesuchten Informationen trotzdem nicht finden konnte, schrieb ich den Praktizierenden auf der Plattform direkt eine Nachricht. Das Forum ist für Praktizierende in ganz China zugänglich. Ich konnte mir kaum vorstellen, wie viele Fragen die Praktizierenden mit juristischen Fachkenntnissen jeden Tag erhielten – sie mussten sehr beschäftigt sein. Die meisten meiner Fragen hielt ich für „dumme Fragen“ und fragte mich, ob ich sie wirklich stellen musste. Doch bei einigen grundlegenden Dingen kam ich einfach nicht weiter, und niemand in meiner Umgebung konnte mir helfen.

Schließlich überwand ich meine Bedenken und machte mir keine Sorgen mehr darüber, „dumm“ zu wirken. Wenn ich etwas nicht verstand, fragte ich einfach und rechnete damit, eine Antwort zu bekommen, sobald die Praktizierenden im Forum Zeit hatten. Zu meiner Überraschung erhielt ich fast immer innerhalb von 24 Stunden eine Antwort. Das half mir sehr dabei, beim Schreiben weiter voranzukommen. Ganz gleich, auf welches Problem ich stieß, die Praktizierenden beantworteten meine Fragen stets geduldig.

Sie fügten außerdem Links zu entsprechenden Informationen hinzu, damit ich das Gelernte vertiefen konnte. Zwischen unseren Treffen mit Tian erhielt ich Hilfe von den Praktizierenden im Forum. Dadurch lernte ich schneller und gewann mehr Vertrauen in meine Fähigkeit, juristische Dokumente zu verfassen.

Als ein Praktizierender mit juristischen Fachkenntnissen im vergangenen Jahr eine von mir verfasste Beschwerde las, sagte er, ich müsse in meiner Kultivierung große Fortschritte gemacht haben, um derart detaillierte juristische Dokumente verfassen zu können. Natürlich wollte dieser Praktizierende mich ermutigen, doch ich weiß, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe.

Einen Fehler in meinem Charakter entdecken

Ich hatte immer geglaubt, dass ich gut mit knappen Fristen umgehen könne, und hielt es für etwas Gutes, Dinge nicht aufzuschieben. Als ich jedoch begann, juristische Dokumente zu verfassen, erkannte ich, dass die Neigung, Aufgaben schnell abzuschließen, nicht immer zu den besten Ergebnissen führt.

Wann immer mir eine Aufgabe übertragen wurde, stürzte ich mich sofort darauf und versuchte, sie so schnell wie möglich zu erledigen – sogar so weit, dass ich das Fa-Lernen und die Übungen ausließ. Alles in einem Zug erledigen zu wollen, ist ein Zeichen von Ungeduld. Obwohl ich die Aufgaben häufig schnell erledigte, machte ich auch viele Fehler. Manchmal hatte ich noch nicht einmal alle Anforderungen vollständig verstanden, bevor ich anfing. Später stellte ich dann fest, dass ich die Aufgabe missverstanden und meine Zeit verschwendet hatte. Das führte zu Verzögerungen und bestätigte tatsächlich das Sprichwort: „Eile mit Weile.“

Ich erkannte, dass Ungeduld nicht der richtige Zustand für einen Kultivierenden ist und dass ich ihn berichtigen musste. Ich musste mich ständig in einem Zustand befinden, „das Herz reinzuhalten und den Atem zu regulieren“ (Zhuan Falun, S. 376). Deshalb beeile ich mich heute nicht mehr ständig, die jeweilige Aufgabe möglichst schnell abzuschließen.

Rückblickend erkannte ich, dass der Meister es arrangiert hatte, dass ich mich diesem Projekt anschloss, um mir zu helfen, meine tief verwurzelten Anhaftungen zu beseitigen. Sie waren so gut verborgen, dass ich sie nicht bemerkt hätte, wenn ich nicht durch die Zusammenarbeit mit meinem Team mit unangenehmen Situationen konfrontiert worden wäre. Erst durch die damit verbundenen inneren Qualen erkannte ich meine Anschauungen und Anhaftungen. Ohne dieses Arrangement hätte ich keine Möglichkeit gehabt, meine Anhaftungen und meine dämonische Natur zu erkennen.

Ich danke unserer Koordinatorin dafür, dass sie mich empfohlen hat, sowie meinem Teamleiter Tian und meinen Teammitgliedern für ihre Hilfe. Auch den Praktizierenden im Forum bin ich dankbar, dass sie mich angeleitet und mir die richtige Richtung gewiesen haben.

Mein Dank gilt Meister Li dafür, dass er mich barmherzig errettet.