(Minghui.org) Seit meiner Kindheit trug ich einen tief verwurzelten Knoten in meinem Herzen mit mir herum. Er war schon so lange da, dass ich mich daran gewöhnt hatte: Ich mochte meinen Stiefvater nicht.
Mein Vater starb, als ich sieben Jahre alt war. Da ich noch so jung war, empfand ich nicht viel Trauer. Doch seit mein Stiefvater in unsere Familie trat, war ich voller Verachtung und Groll ihm gegenüber. Oft hatte ich das Gefühl, dass wir vielleicht schon aus einem früheren Leben eine negative Schicksalsbeziehung zueinander hatten. Er schien fast alle Eigenschaften zu besitzen, die ich an einem Menschen nicht mochte.
Und doch war er jemand, mit dem ich jeden Tag unter einem Dach leben musste. Ich fühlte einen tiefen inneren Schmerz. Wie sehr wünschte ich mir, er wäre kein Teil meines Lebens, damit meine Mutter und ich ganz allein zusammenleben könnten. So waren meine glücklichsten Zeiten, wenn mein Stiefvater geschäftlich unterwegs oder verreist war.
Da ich meinen Eltern keinen Kummer bereiten wollte, vergrub ich diese Gefühle tief in mir. Zugleich bemühte ich mich, meinem Stiefvater den gebührenden Respekt entgegenzubringen, auch wenn es zwischen uns häufig zu Auseinandersetzungen kam.
Nachdem ich erwachsen geworden und ins Ausland gegangen war, begann ich mit der Kultivierung im Falun Dafa. Aufgrund von Visaproblemen konnte mein Stiefvater Kanada nie besuchen, daher gab es keine direkten Konflikte mehr zwischen uns. Wenn gelegentlich Gefühle der Abneigung ihm gegenüber in mir auftauchten, nahm ich sie nicht ernst und beseitigte sie durch Kultivierung. Meistens ließ ich diese Gedanken jedoch einfach vorbeiziehen. Doch in diesem Jahr war es anders.
Mein Stiefvater erhielt endlich ein Visum und kam mit meiner Mutter nach Kanada. Wieder einmal lebten wir drei unter einem Dach. Sofort kamen all die alten Gefühle wieder hoch. Ich mochte nichts an ihm und wollte so weit wie möglich von ihm entfernt sein. Gleichzeitig zwang ich mich, das Unbehagen zu ertragen und ihn wie einen Vater zu behandeln.
Ich dachte sogar, ich hätte mich ganz gut geschlagen. Obwohl ich ihn so sehr ablehnte, versuchte ich dennoch, ihm Respekt entgegenzubringen und die üblichen Höflichkeitsregeln einzuhalten. Ich hatte den Eindruck, meine Sache ziemlich gut gemacht zu haben.
Nach einiger Zeit äußerte mein Stiefvater plötzlich seine Unzufriedenheit mit mir wegen einer Kleinigkeit. Er sagte, er habe das Gefühl, ich würde auf ihn herabblicken und ihn nicht mögen, außerdem könne er von mir keine Nähe als Tochter spüren. Als ich hörte, wie er seinen Groll zum Ausdruck brachte, kam auch all meine Unzufriedenheit zum Vorschein, die ich so viele Jahre lang in mir verborgen hatte. Der Konflikt zwischen uns kam schließlich ans Licht.
Als ich seinen Zorn sah, sagte ich ihm unverblümt, dass er sich eine andere Familie suchen und ein eigenes Kind bekommen könne, wenn er keine Hoffnung darin sehe, dass ich eine gute Tochter sei. Er meinte daraufhin, er würde mich nicht mehr als seine Tochter betrachten, nie wieder mit mir sprechen und wolle sofort nach China zurückkehren. Unsere familiäre Beziehung hatte ihren absoluten Tiefpunkt erreicht.
Jahrelang war ich Kompromisse eingegangen und hatte Ungerechtigkeiten ertragen, um den Familienfrieden zu wahren. Doch nun stand ich vor diesem Ergebnis. Diese schmerzhafte Realität zwang mich zum Nachdenken: Was hatte ich als Kultivierende falsch gemacht?
Mir wurde schnell klar, dass bei Auseinandersetzungen immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, mein Gegenüber sei feindselig, wolle mich unterdrücken oder herabsetzen, mein Kampfgeist zum Vorschein kam. Ich weigerte mich dann nachzugeben, wollte zurückschlagen und mein Gegenüber übertrumpfen.
Manchmal zeigte sich dieser Kampfgeist in einer anderen, verzerrten Form und ich dachte: „So bin ich nun mal. Was willst du schon dagegen tun?“
Außerdem hegte ich tiefe Gefühle der Verachtung und des Grolls. In Verbindung mit meinem Kampfgeist führten sie dazu, dass ich Dinge ohne Rücksicht auf die Gefühle meines Gegenübers aussprach. Ich sagte verletzende Dinge und ließ es an Freundlichkeit fehlen, von Güte ganz zu schweigen.
Mein Stiefvater sagte, er habe gespürt, dass ich auf ihn herabschaute und ihn nicht mochte, worüber er traurig war. Vorher hatte ich immer gedacht, ich würde das ganz gut hinbekommen, weil ich ihn nach außen hin höflich behandelt und die üblichen Höflichkeitsregeln eingehalten hatte.
Nun wurde mir klar: Wenn wir Abneigung und Groll gegenüber einer anderen Person hegen, wird diese innere unfreundliche Geisteshaltung – ganz gleich, wie höflich wir nach außen hin auch erscheinen mögen – unweigerlich Karma erzeugen und anderen Schaden zufügen. Vielleicht kann schon ein einziger Blick auf jemanden Karma erzeugen, ohne dass wir es merken.
Warum fordert uns der Meister auf, Anhaftungen zu beseitigen? Nach meinem derzeitigen Verständnis führen Anhaftungen uns von Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht weg. Sie führen dazu, dass wir Karma erzeugen, und sie ziehen uns nach unten.
Jemanden nicht zu mögen oder ihm gegenüber Groll zu hegen, ist eine Form von „Qing“. Starke Abneigung ist ebenso wie eine starke Vorliebe – eine Anhaftung. Wenn sich diese Einstellung nicht grundlegend ändert, dann ist es keine Kultivierung, ganz gleich, wie gut wir uns äußerlich verhalten.
Einige Tage später entschuldigte ich mich ruhig und aufrichtig bei meinem Stiefvater und er nahm meine Entschuldigung an. Innerhalb kurzer Zeit wandelte sich unsere völlig zerrüttete Vater-Tochter-Beziehung, als wäre nichts geschehen. Tatsächlich verstanden wir uns danach besser als je zuvor. Der gesamte Prozess dauerte nur etwa eine Woche. Es erschien mir wie ein Wunder und zugleich ganz natürlich.
Wenn ich nun Unbehagen oder Abneigung gegenüber meinem Stiefvater verspüre, denke ich ganz bewusst an ein einziges, bedeutungsvolles Wort: Güte. Ich lasse es meine Gedanken erfüllen, sodass es alle negativen Gedanken überdeckt und auflöst.
Eigentlich hatte ich mich schon einmal aufrichtig bei meinem Stiefvater entschuldigt, aber er schien mich damals nicht gehört zu haben und ignorierte mich weiterhin. In den folgenden Tagen kamen weitere Anhaftungen zum Vorschein. Ich hatte das Gefühl, dass meine Mutter meinen Stiefvater und mich nach unterschiedlichen Maßstäben beurteilte, und hielt das für ungerecht. Daraufhin erkannte ich auch mein „Qing“ gegenüber meiner Mutter. Nachdem ich das Fa gelernt hatte, verstand ich, dass mein Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, aus Selbstsucht herrührte.
Als ich diesmal die Anhaftungen hinter meiner Wut, meiner Traurigkeit und anderen Emotionen klar erkannte und losließ, nahm mein Stiefvater meine Entschuldigung sofort an. Er erzählte mir dann, dass er, als ich mich einige Tage zuvor entschuldigt hatte, Kopfhörer getragen und mich überhaupt nicht gehört habe.
Die Arrangements des Meisters sind so feinfühlig und tiefgründig. Um uns zu helfen, in der Kultivierung erfolgreich zu sein, nutzt der Meister viele verschiedene Wege, um uns unsere Anhaftungen und Unzulänglichkeiten erkennen zu lassen. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, dass wir unsere Anhaftungen nicht entdecken würden. Worüber wir uns Gedanken machen sollten, ist, ob wir bereit sind, uns ihnen zu stellen und sie loszulassen, wenn Konflikte auftreten.
„Überall, wo Buddhas Licht erstrahlt, herrschen Schicklichkeit, Redlichkeit, Harmonie und Klarheit“ – so ist das gemeint. (Zhuan Falun, 2019, S. 173)
Ohne Dafa wären meine familiären Beziehungen ein unlösbarer Knoten geblieben und für alle wäre das Leben schmerzhaft gewesen. Dafa wurde nicht gelehrt, um familiäre oder gesellschaftliche Beziehungen zu lösen. Doch Dafa bringt unzählige verzerrte Herzen grundlegend wieder in Ordnung und ermöglicht es den Menschen, wahre Errettung und Glück zu erlangen. Ich schreibe diese Erfahrung lediglich, um dem Meister meine Dankbarkeit auszudrücken.
Ich möchte auch eine persönliche Erfahrung mitteilen, die ich während der diesjährigen Shen- Yun-Aufführung gemacht habe. Sie hat mir ein sehr tiefes Verständnis dafür vermittelt, was es bedeutet, aufrichtige Gedanken auszusenden.
Meine Pipa-Lehrerin ist eine 86-jährige Professorin im Ruhestand. Sie verfügt über umfangreiche Bühnenerfahrung in China und ist zudem eine gläubige Christin.
In den vergangenen Jahren lehnte sie meine Einladung immer ab, wenn ich ihr Shen Yun empfahl. Sie sagte, sie habe bereits so viele Aufführungen gesehen, außerdem sei unsere Glaubensrichtung unterschiedlich. Auch dieses Jahr lehnte sie zunächst wieder ab. Doch im Laufe unseres Gesprächs änderte sie ihre Meinung und willigte ein, mit mir hinzugehen.
Am frühen Morgen des Vorstellungstages rief ich sie an, um zu bestätigen, wann ich sie abholen würde. Unerwartet teilte sie mir mit, dass sie nicht mitkommen könne. Sie war an diesem Morgen mit einer schweren Erkältung aufgewacht, fühlte sich körperlich sehr schlecht und sagte, sie könne das Haus einfach nicht verlassen.
Ich war überrascht, nicht nur wegen des Zeitpunkts, sondern auch, weil ich sie schon seit Jahren kannte und sie noch nie krank gesehen hatte. Sie hatte mir immer stolz erzählt, dass sie seit Jahrzehnten nicht mehr krank gewesen sei. Am Telefon sagte sie entschieden, dass sie nicht hingehen könne. Ich riet ihr, sich auszuruhen, und sagte, ich würde sie bald besuchen kommen.
Nachdem ich aufgelegt hatte, war ich erschüttert. Denn ich wusste, dass ich in letzter Zeit zu wenig aufrichtige Gedanken ausgesendet hatte. Nun wurde ein Lebewesen, das gerettet werden sollte, im allerletzten Moment daran gehindert. Der Kampf zwischen Gut und Böse spielte sich deutlich vor meinen Augen ab.
Dämonische Störungen müssen sich im Allgemeinen an die Prinzipien der menschlichen Welt halten und können manchmal sehr trügerisch sein. Doch eine so offensichtliche und extreme Störung zeigte mir, wie sehr sich das Böse ausgebreitet und wie unzureichend ich es beseitigt hatte.
Ich setzte mich sofort in den Lotussitz und begann, aufrichtige Gedanken auszusenden. Die Situation spielte sich direkt vor meinen Augen ab,und die Zeit drängte, daher war mein Geist äußerst konzentriert. Ich sandte ernsthaft aufrichtige Gedanken aus, um das Böse zu beseitigen, das meine Lehrerin daran hinderte, Shen Yun zu sehen – etwa eine halbe Stunde lang.
Wenig später fuhr ich zur ursprünglich vereinbarten Zeit zu ihr nach Hause, wobei ich mich immer noch etwas unsicher fühlte. Zu meiner Überraschung war meine Lehrerin bei meiner Ankunft bereits angezogen und bereit. Ohne ein weiteres Wort stieg sie in mein Auto und fuhr mit mir zur Aufführung.
Sie erzählte mir, dass es ihr nach unserem Telefonat plötzlich besser ging. Sie duschte und dachte, vielleicht könne sie doch noch ausgehen. Doch als ihre Tochter hörte, dass sie sich „Shen Yun“ ansehen wollte, hatte diese sie heftig ausgeschimpft. Meine Lehrerin war darüber so wütend geworden, dass ihr ganzer Körper zitterte. Das hatte ihren Entschluss hinzugehen, nur noch verstärkt.
Sie erzählte mir, dass sie sich nun viel besser fühle, aber nicht verstehen könne, wie die Krankheit so schnell gekommen und wieder verschwunden sei. Verwirrt sagte sie: „Habe ich nur so getan, als wäre ich krank?“ Ich musste unwillkürlich schmunzeln.
Während der Aufführung äußerte sich meine Lehrerin zu den Darstellern, schätzte, wie viele Jahre Training sie wohl hinter sich hätten, und bewertete den Gesang. Ich hörte einfach zu und lächelte, ohne viel zu sagen. Nach der Aufführung war sie jedoch so begeistert, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Sie sagte, die Tänzer hätten eine besonders aufrechte Haltung und seien völlig anders als die in China. Sie betonte wiederholt, dass die Szenen über die Verfolgung von Falun Gong besonders authentisch seien, was sehr real gewirkt habe. Was sie tief bewegte, war, dass trotz des großen Leids nicht die geringste Spur von Hass in der Aufführung zu spüren war.
Nachdem sie sich Shen Yun angesehen hatte, waren alle Beschwerden meiner Lehrerin vollständig verschwunden. Alle Symptome der schweren Erkältung waren verschwunden und sie strotzte nur so vor Energie. Am nächsten Tag erzählte sie mir, dass sich auch das Verhalten ihrer Tochter ihr gegenüber wieder normalisiert habe, als wäre nichts geschehen.
Ich war persönlich Zeuge, wie ein Leben an einem entscheidenden Punkt stand, an dem es darum ging, ob es gerettet werden konnte. Das Böse versuchte, ihre Errettung zu verhindern. Dafa-Jünger beseitigten das Böse, um Menschen zu erretten. Nachdem dieses Leben eine Prüfung durchlaufen und durch die Bedrängnis etwas Karma beseitigt hatte, durfte sie schließlich Shen Yun sehen. Nachdem sie gerettet worden war, zeigte sie einen völlig neuen Seinszustand.
Alles, was ich sah, war real und eindeutig. Mein Erleuchtungsvermögen ist nicht besonders gut und ich kultiviere mich mit geschlossenem Himmelsauge. Manchmal falle ich, ohne es selbst zu bemerken, wieder in die Denkweise und den Zustand gewöhnlicher Menschen zurück.
Der Meister hat es mir ermöglicht, den Prozess der Errettung eines Lebens hautnah mitzuerleben. So konnte ich verstehen, welche tiefgründigen himmlischen Geheimnisse und welche Verantwortung in dem verborgen liegt, was scheinbar wie ein ganz gewöhnlicher Alltag erscheint. Ich bin dem Meister zutiefst dankbar.
Danke, verehrter Meister! Danke, liebe Mitpraktizierende!