(Minghui.org) Eine Mitpraktizierende namens Jia (Pseudonym) und ich hatten viele Konflikte. Jetzt, da 20 Jahre vergangen sind, wird mir klar, dass diese Konflikte gute Gelegenheiten für mich waren, mich in meiner Kultivierung zu erhöhen. Aber ich hatte sie immer wieder beiseitegeschoben, weil ich starke menschliche Anschauungen hatte und nicht wusste, wie ich mich kultivieren und die Dinge aus der Perspektive des Fa betrachten sollte.
Als ich im Zwangsarbeitslager inhaftiert war, fragte mich eine Praktizierende: „Was ist Kultivierung?“ Als Antwort rezitierte ich den Artikel des Meisters „Was ist Kultivierung?“ (06.09.1996, in: Essentielles für weitere Fortschritte I). Sie sagte nichts dazu. Nachdem ich den Artikel aufgesagt hatte, wurde mir bewusst, dass ich zwar das Fa rezitiert hatte, ihr aber nicht erklärt hatte, was sie tun sollte. Ich hatte auch nicht meine eigenen Erfahrungen genutzt, um ihr zu helfen, wirklich zu begreifen, was es bedeutet, sich zu kultivieren. Jetzt verstehe ich, dass ich selbst nicht wirklich wusste, was es heißt.
Nachdem ich aus dem Zwangsarbeitslager entlassen worden war, wurde ich obdachlos. Ich nahm Gelegenheitsjobs an, um über die Runden zu kommen. Die Praktizierende Feng (Pseudonym), die ich im Zwangsarbeitslager kennengelernt hatte, schlug mir vor, bei der Herstellung von Informationsmaterialien über die Verfolgung von Falun Dafa mitzuhelfen. Sie praktizierte sehr fleißig und erledigte den Großteil der Arbeit. Sie war ein gutes Vorbild und ich befolgte stets ihre Anweisungen. Um den Produktionsort zu schützen, waren wir sehr wachsam, hielten uns bedeckt und standen mit nur wenigen Praktizierenden in Kontakt.
Um unseren Standort geheim zu halten, verteilten wir die Materialien nicht und gingen auch nicht hinaus, um den Menschen die wahren Umstände zu erklären. Wir lernten das Fa, praktizierten die Übungen und stellten dann Materialien her. Das war unser Alltag. Feng kümmerte sich gut um die Produktionsstätte und tat alles, um sicherzustellen, dass sämtliche Materialien bereitstanden, damit andere Praktizierende sie verteilen konnten. Es schien, als ob der langfristige Betrieb des Standorts zur Materialproduktion unsere Verantwortung war. Das war unser Kultivierungsweg.
Bis Feng verhaftet wurde, als sie eines Tages nach draußen ging.
Nach Fengs Verhaftung übernahm ich alle Aufgaben vor Ort und wurde zur Koordinatorin. Später kam Jia dazu. Ich dachte, ich sollte sie anleiten, so wie Feng es bei mir getan hatte. Dabei betrachtete ich die Herstellung von Informationsmaterialien als Arbeit und vergaß, dass es sich dabei um Kultivierung handelte.
Jia hatte völlig unterschiedliche Vorgehensweisen und eine andere Mentalität. Ich erkannte, dass sie sich in einem anderen Kultivierungszustand befand. Als sie ankam, war sie niedergeschlagen, ärgerte sich über unsere Einschränkungen und wollte die Produktionsstätte wieder verlassen. Als sie jedoch ihr Gepäck mitbrachte, dachte ich, sie hätte ihre Probleme überwunden und beschlossen zu bleiben. Aber sie bestand darauf, die Dinge auf ihre Weise zu tun. Wenn sie zum Beispiel nach draußen ging, sprach sie mit den Leuten über Falun Dafa, selbst wenn sie Informationsmaterialien dabeihatte. Ich machte mir Sorgen um die Sicherheit unseres Standorts. Sie beharrte jedoch darauf, dass wir, egal wo sich der Produktionsstandort befand, selber auch Materialien verteilen und mit den Menschen in dieser Gegend sprechen sollten.
Außerdem hielt sie sich nicht an meine Vorgehensweise bei der Herstellung der Materialien. Das ärgerte mich. Sie war der Meinung, wir sollten nicht alles für die anderen Praktizierenden erledigen, sondern einen Teil der Arbeit an sie delegieren. Sie sagte zum Beispiel, wir sollten Mitpraktizierende damit beauftragen, die Materialien zu binden. Später meinte sie, wir sollten aufhören, die Materialien selbst zuzuschneiden, und stattdessen die übrigen Praktizierenden bitten, Papierschneider zu kaufen, die Materialien zuzuschneiden und zu binden. Wir würden dann nur noch die Materialien drucken, damit wir Zeit hätten, das Fa zu lernen.
Ich war unzufrieden, weil wir bereits Zeit hatten, das Fa zu lernen. Die anderen Praktizierenden waren mit ihrer Arbeit beschäftigt. Ich fand, sie sollten sich auf die Verteilung der Materialien konzentrieren, während wir diese herstellten. Wenn sie keine Materialien herstellen wollte, warum war sie dann überhaupt hergekommen? Ich war weder mit ihrer Denkweise noch mit ihrer Vorgehensweise einverstanden. Auch ihre Gewohnheiten gefielen mir nicht. Ich fand, sie war bei Weitem nicht so gut wie Feng.
Im Zuge der Fa-Berichtigung wurden die Praktizierenden dazu ermutigt, eigene Produktionsstätten für Materialien einzurichten. Ich sprach mit den Praktizierenden vor Ort darüber. Sie waren damit einverstanden, jedoch verlief der Prozess nicht reibungslos. Einige Praktizierende sagten, sie würden versuchen, die finanziellen Mittel dafür aufzutreiben. Als ich sie das nächste Mal sah, erzählten sie, sie hätten die Ausrüstung noch nicht gekauft. Beim dritten Mal meinten sie, sie hätten es aus anderen Gründen wieder verschoben. Ich akzeptierte all ihre Erklärungen.
Jia wurde ungeduldig und sagte, sie hätten das Fa nicht klar verstanden und ihre menschlichen Anschauungen würden sie daran hindern, schnell zu handeln. Außerdem seien sie nicht wachsam genug, sodass die alten Mächte ihre Lücken ausnutzen würden, um sie am Errichten neuer Produktionsstätten zu hindern. Sie wollte die Materiallieferungen an sie einstellen, um sie unter Druck zu setzen, damit sie schnell Produktionsstätten einrichteten. Aber ich stimmte ihr nicht zu. Ich fand, dass wir sie unterstützen sollten, bis sie ihre eigenen Produktionsstätten eingerichtet hätten.
Zu manchen Themen hatten wir immer unterschiedliche Meinungen. Ich fühlte mich deswegen unwohl und beschwerte mich bei den Mitpraktizierenden über sie. Sie erinnerten mich daran, dass ich nicht über die Probleme innerhalb der Gruppe sprechen sollte. Aber ich fragte mich, wie ich die Probleme lösen sollte, wenn ich nicht darüber sprechen sollte. So steckte ich in meinen menschlichen Anschauungen fest.
Früher habe ich mich mit anderen Praktizierenden sehr gut verstanden, besonders im Zwangsarbeitslager. Obwohl wir uns zuvor noch nie begegnet sind, waren wir wie Familienmitglieder, als wir uns sahen. Wir halfen uns gegenseitig und hatten nie solche Konflikte, daher war diese Situation schwer für mich auszuhalten.
Eines Nachts hatte ich einen Traum, in dem der Meister sagte: „Oh, du stellst Materialien her. Komm her, ich werde dich dafür bezahlen.“ Ich war überrascht, aber auch glücklich, denn ich dachte, ich hätte noch nie gehört, dass ein Praktizierender für die Herstellung von Materialien bezahlt worden wäre. Dann sah ich, wie der Meister Jia zehn Yuan gab, während er mir nur sechs Yuan gab. Ich war enttäuscht, denn ich dachte, ich würde die Materialien nicht des Geldes wegen herstellen, aber wenn der Meister uns schon dafür bezahlte, warum bekam ich dann weniger? Das beunruhigte mich.
Nachdem ich aufgewacht war, fragte ich mich, ob der Meister mir damit andeuten wollte, dass Jia ihre Arbeit besser gemacht hatte als ich, weil er ihr einen höheren Lohn gezahlt hatte – was bedeutete, dass sie sich besser kultiviert hatte als ich. War ihr Fa-Verständnis richtig, während meines falsch war? Ich dachte, ich hätte doch immer zuerst an die anderen Praktizierenden gedacht. Es musste einen Grund geben, warum der Meister mir diesen Hinweis gab. Ich sagte mir, ich solle daran glauben, dass das, was Jia gesagt hatte, richtig war.
Einige Tage später kam eine Prüfung. Nachdem wir das Fa gelernt hatten, diskutierten wir über etwas, das mich nicht betraf. Jia sagte einen Satz zu diesem Thema. Sie zielte dabei nicht auf mich ab und es hatte nichts mit mir zu tun, dennoch reagierte ich heftig und wütend darauf. Ich war kurz davor, mit ihr zu streiten. Da erinnerte ich mich an meinen Traum und versuchte, meine Gefühle zu beherrschen und ihr keine Vorwürfe zu machen. Ich versuchte, mich zu beruhigen und weiter das Fa zu lernen. Jia bemerkte nicht, dass ich verärgert war.
Plötzlich fiel mir die Praktizierende wieder ein, die mich im Zwangsarbeitslager gefragt hatte, was Kultivierung sei. Ich dachte: „Das ist Kultivierung!“
Da die Praktizierenden jetzt ihre eigenen Produktionsstätten für Informationsmaterialien einrichteten, konnten wir weniger Material herstellen und hatten mehr Zeit für andere Dinge. Wir beschlossen, das Material selbst zu verteilen. Ich betrachtete das Verteilen von Material als Arbeit und war mir nicht bewusst, dass es eine heilige Aufgabe war, da wir dem Meister dabei halfen, Menschen zu erretten. Weil ich mich nicht im Fa kultivierte, erkannte ich meine eigenen menschlichen Anschauungen und Vorstellungen nicht, sodass Jia und ich viele Konflikte hatten.
Eines Abends gingen wir hinaus, um Broschüren zu verteilen. Während wir unterwegs waren, sagte Jia immer wieder: „Wir müssen die Menschen in diesem Haushalt erretten“ oder „Wir müssen die Menschen in jenem Haushalt erretten.“ Sie wiederholte diese Worte ständig. Nach einer Weile ärgerte mich das sehr und ich sagte mir: „Unsinn. Welchen Haushalt sollten wir denn nicht erretten?“ Als wir in eine Gasse einbogen, bellte uns ein kleiner Hund an. Ich hatte Angst, dass die Person aus dem Haus herauskommen könnte, ließ das Haus aus und ging zum nächsten.
Ich sagte zu Jia: „Bitte häng keine Flyer an diesem Haus auf.“ Sie hörte nicht auf mich und ging direkt auf das Haus zu, während sie immer wieder murmelte: „Wir müssen die Menschen in diesem Haus erretten.“ Ich wurde unruhig und versuchte, sie aufzuhalten. Sie hörte nicht auf mich. Als ich schon richtig ungehalten war, steckte sie einen Flyer durch das Tor. Der kleine Hund hörte plötzlich auf zu bellen. Ich war überrascht. Dabei spürte ich die Kraft von Falun Dafa und die Kraft der aufrichtigen Gedanken. Mir fiel auf, dass Jias Herzenswunsch, Menschen zu erretten, die Umgebung verändert hatte. Ich hatte keine aufrichtigen Gedanken gehabt und nur aus menschlicher Sicht gehandelt. So verpasste ich viele Gelegenheiten, dem Meister dabei zu helfen, Lebewesen zu erretten. Seitdem habe ich meine Einstellung gegenüber Jia geändert.
Ein anderes Mal unterhielten wir uns über ein Thema. Ich setzte mich immer für diejenigen ein, die gemobbt wurden und schwach waren. Dabei hielt ich mich für sehr aufrichtig und glaubte, einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zu haben. Als ich leidenschaftlich und emotional sprach, warf sie mir einen kühlen Blick zu und sagte: „Du ärgerst dich, wenn anderen Menschen Unrecht widerfährt. Wenn dir selbst Unrecht widerfahren sollte, wirst du außer dir vor Wut sein.“
Ich war sprachlos und fühlte mich, als hätte mir jemand einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf gegossen. Auch wenn es mir unangenehm war, dass sie mich unterbrach, wurde mir klar, dass das, was sie sagte, vernünftig war. Ja, wenn mir etwas Unfaires widerfahren würde, könnte ich das einfach so hinnehmen? Würde mein Herz dabei ruhig bleiben? Ich war so sehr in diese Dinge vertieft, dass ich mich fast nicht mehr beherrschen konnte.
Nachdem ich einige Zeit mit Jia verbracht hatte, begann ich, meine eigenen Gedanken und Handlungen anzuzweifeln. Viele ihrer Einsichten und Handlungen erschütterten mich. Ich wollte sie nur ungern akzeptieren und versuchte, sie zurückzuweisen. Doch nach und nach verstand ich, dass ihre Einsicht richtig war und im Fa lag.
Sie sagte oft: „Güte hat auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Bedeutungen.“ Ja, sie hatte Recht. Früher hatte ich mich um alles gekümmert und gedacht, ich würde es den anderen Praktizierenden damit leicht machen. Mir war nicht bewusst, dass ich ihnen dadurch die Möglichkeiten nahm, sich selbst zu kultivieren. Ich war in menschlichen Anschauungen und meinem Handeln gefangen. Ich war nicht gütig zu Jia und hatte meine eigenen Anhaftungen, meinen Wettbewerbsdrang und meine Prahlerei nicht aus der Perspektive des Fa betrachtet. Außerdem war ich arrogant und wusste nicht, wie man demütig ist. Meine eigenen Unzulänglichkeiten sah ich nicht und durchschaute die Einmischung der alten Mächte nicht aus der Perspektive der Kultivierung. Ich hoffte immer, dass sich die Praktizierenden gut kultivierten, und erkannte nicht, dass ich ein Teilchen des Fa war. Wenn ich mich selbst nicht gut kultivierte, wie konnte ich dann anderen helfen?
Später wurde unsere Materialproduktionsstätte sabotiert. Meine Schicksalsbeziehung mit Jia ging zu Ende und wir trennten uns. Ich kehrte zu meinem normalen Leben zurück und war mit der Arbeit beschäftigt. Bei den Übungen sowie beim Fa-Lernen wurde ich nachlässig und verstrickte mich in alltägliche Probleme. Ich hatte kaum Zeit, über meine Kultivierung nachzudenken, und fiel wiederholt bei Prüfungen durch. Vor Kurzem erkannte ich, dass ich keine Zeit mehr verschwenden sollte. Ich kündigte meine Arbeitsstelle, praktizierte die Übungen, lernte das Fa intensiver und versuchte, meinen Rückstand in der Kultivierung aufzuholen. Außerdem habe ich nun Zeit, meinen Kultivierungsweg zu reflektieren.
Jetzt kann ich viele meiner Unzulänglichkeiten und Anhaftungen erkennen. Erstens hatte ich Angst. Ich traute mich nicht, Informationsmaterial zu verteilen oder den Menschen von Falun Dafa und der Verfolgung zu erzählen. Der oberflächliche Grund war, die Sicherheit der Produktionsstätte zu gewährleisten. In Wahrheit hatte ich jedoch Angst. Ich negierte die Verfolgung nicht mit aufrichtigen Gedanken. Ich hatte keine klare Vorstellung von den Fa-Prinzipien und hielt mit dem Voranschreiten der Fa-Berichtigung nicht Schritt. Zweitens betrachtete ich die Herstellung von Materialien als meine Aufgabe und den Meister als meinen Chef. Ich dachte, ich sollte dem Meister folgen und meine Arbeit am Produktionsstandort gut machen. Mir war nicht bewusst, dass dies eine Gelegenheit zur Kultivierung war und ich mein Herz kultivieren sollte. Deshalb hatte ich diesen Traum. Drittens sollte ich nicht einen Praktizierenden mit einem anderen vergleichen, um zu sehen, wer sich gut kultiviert hat und wer nicht. Jeder hat seine Vorzüge.
Feng war fest in ihrem Glauben und kultivierte sich fleißig. Nachdem sie aus dem Zwangsarbeitslager entlassen worden war, unternahm sie vieles, um das Fa zu bestätigen. Sie hat mich sehr ermutigt. Jia hatte ein klares Verständnis von den Fa-Prinzipien und verfolgte den Fortschritt der Fa-Berichtigung aufmerksam. Sie konnte meine Lücken in der Kultivierung erkennen.
Ich möchte dem Meister dafür danken, dass er es so arrangiert hat, dass Jia bei mir wohnen konnte. Ihr klares Verständnis des Fa und ihr entschlossener Wille haben meine tief verwurzelten menschlichen Anschauungen und meine Mentalität durchbrochen. Sie hat mir bewusst gemacht, wie begrenzt mein Kultivierungsniveau ist und wie unzureichend mein Fa-Verständnis ist. Ich habe das Gefühl, dass die grundlegende Ursache dafür, dass wir die Fa-Berichtigung behindern, darin liegt, dass wir uns nicht gut kultiviert haben. Ich verstehe, dass ich mich nur dann wirklich kultiviere, wenn ich nach innen schaue, mein Herz kultiviere und meine Unzulänglichkeiten erkenne.
Am Produktionsstandort war das Geld sehr knapp. Die Praktizierenden lebten sparsam, damit wir Materialien herstellen konnten. Im Winter war es sehr kalt. Mein Mantel hatte eine Kapuze, der von Jia hingegen nicht. Ich entschied mich jedoch, das Geld nicht dafür auszugeben, Jia eine Mütze zu kaufen. Dafür möchte ich mich bei ihr entschuldigen.
Jia hat mir nicht nur sehr bei meiner Kultivierung geholfen, sondern der Meister hat auch verschiedene Praktizierende beauftragt, mir zu helfen, sodass ich die Prüfungen bestehen und dem Fortschritt der Fa-Berichtigung folgen konnte.
Danke, verehrter Meister, für Ihre sorgfältigen Arrangements. Danke, liebe Mitpraktizierende.