Auch kleine Anhaftungen beachten

(Minghui.org) Ich dachte immer, ich hätte keinen Groll. Doch oft beschweren sich meine Mutter und meine Schwester bei mir, besonders meine jüngere Schwester. Einmal ließ sie aus Versehen eine Tasse auf den Boden fallen. Normalerweise sollte man denken, dass es ihr eigenes Missgeschick ist. Aber sie rastete aus und beklagte sich, das sei nur passiert, weil andere geredet und sie abgelenkt hätten. Meine Angehörigen und ich fanden das eigenartig.

Neulich geschah etwas, wodurch ich bemerkte, dass ich mich genauso beschwere. Einmal hatte meine Mutter einen Ventilator auf den Boden hinter die Tür gestellt. Als ich die Tür zumachte, stieß ich aus Versehen das Gerät um. Der Ventilator stand so hinter der Tür, so dass ich die Tür von außen nicht aufmachen konnte. Innerlich beklagte ich mich: „Wer stellt denn den Ventilator so in den Weg?“

Beklagte ich mich jetzt nicht auch über andere? Schon so viele Tage stand der Ventilator hinter der Tür und aus Versehen hatte ich ihn jetzt umgestoßen. Wie konnte ich die Schuld noch auf andere schieben? Ich erkannte, dass die Beschwerde meiner Schwester mir zeigen sollte, dass ich dieselbe Unart auch in mir trug. Ich dankte dem Meister für seinen barmherzigen Hinweis.

Mir fiel auf, dass jeder mehr oder weniger Anhaftungen alltäglicher Menschen hat, sie sind nur unterschiedlich groß. Folglich sollte man nicht leichtfertig schlussfolgern, selber keine Anhaftungen mehr zu haben.

Lange hatte ich irrtümlich diesen Gedanken: „Da ich mithilfe meiner aufrichtigen Gedanken der Haft entkommen bin und so einen großen Pass auf Leben und Tod bereits überwunden habe, was zählen schon diese kleinen Eigensinne in der Gesellschaft der alltäglichen Menschen?“ Daher achtete ich nicht auf kleinen Dinge und legte auch keinen Wert darauf.

Als ich an jenem Tag das Fa lernte, las ich:

„Bei der Kultivierung im Tempel oder tief in den Bergen und Wäldern wirst du ganz von der Gesellschaft der gewöhnlichen Menschen isoliert. Dort wirst du gezwungen, die Gesinnungen eines gewöhnlichen Menschen abzulegen. Du sollst keine materiellen Vorteile bekommen, sondern sie verlieren. Doch diejenigen, die sich unter den gewöhnlichen Menschen kultivieren, gehen nicht diesen Weg. Für sie ist es erforderlich, diese Sachen eben unter den Lebensumständen der gewöhnlichen Menschen leicht zu nehmen. Natürlich ist es sehr schwierig, aber das ist auch das Entscheidendste in unserer Kultivierungsschule.“ (Zhuan Falun 2019, S. 180 f.)

Plötzlich wurde mir ein Grundsatz klar, den ich bisher nicht bedacht hatte. Die Kultivierung in einer bösartigen Umgebung unterscheidet sich von der Kultivierung in der (normalen) Gesellschaft der alltäglichen Menschen. Man darf beides nicht vermischen. Wenn man sich unter alltäglichen Menschen kultiviert und den großen Pass auf Leben und Tod schon überwunden hat, heißt das keineswegs, dass man sich im Alltag bei kleinen Dingen und menschlichen Anhaftungen nicht mehr zu kultivieren braucht. In der Tat wird keine Anhaftung von alleine verschwinden, wenn man sich nicht solide kultiviert, egal wie klein die Anhaftung ist.

Ich nenne ein Beispiel. Manchmal störte es mich, wenn ich sahehe, dass sich meine Familienangehörigen gutes Essen und feine Kleidung gönnten., stört mich das schon. Denn ich verglichich sie dann mit der extremen Situation, die ich in der Haft erlebte hatte. Da konnten mir meine Angehörigen nicht zustimmen und sagten, dass ich ins Extrem gehen würde. Erst später begriff ich, dass ihr normaler Lebensstandard eben so ist und ich sie nicht nach Gefängnisverhältnissen beurteilen darf.

Ein weiteres Beispiel: Auch wenn die Mitarbeiter der Haftanstalt mich zehn Stunden heftig beschimpften, machte mir das nichts aus. Aber wenn ich nur kleine Reibereien mit meinen Familienangehörigen hatte, konnte ich mich schon nicht mehr beherrschen. Mir und ihnen gegenüber zeigte ich Ungeduld und ein strebendes Herz.

Schließlich dachte ich über mich selbster nach. Es war nicht so, dass ich keine Fähigkeit hatte, solche kleinen Hürden zu überwinden, sondern es lag daran, dass ich innerlich nicht von Herzen darauf achtete. Bei mir daheim war ich lockerer und vergaß, hohe Anforderungen an mich zu stellen. Deswegen konnte ich meine Xinxing nicht bewahren, wenn Konflikte plötzlich auftauchten. 

Als ich diesen Grundsatz erkannte, hatte ich das Gefühl, dass ich mich etwas erhöhte. Seither achte ich besonders darauf, bei Konflikten mit meiner Familie „Nachsicht“ zu üben.

Nachdem ich mich eine Zeit lang solide kultiviert hattbe, nahmen die Konflikte bei mir zu Hause deutlich ab. Wir können harmonischer miteinander umgehen. Es ist wirklich so, wie der Meister sagt:

„Wenn du das wirklich schaffen kannst, wirst du feststellen, dass wieder Licht am Ende des Tunnels erstrahlt.“ (ebenda, S. 481)

Das sind meine persönlichen Erfahrungen, über die ich mich mit meinen Mitpraktizierenden austauschen möchte.