Noch eine Chance

(Minghui.org) Da ich in letzter Zeit in der Kultivierung nachgelassen hatte, schlug mir ein Mitpraktizierender vor, das Fa auswendig zu lernen. Als ich zu diesem Absatz gelangte, war ich schockiert:

„Wer auf diese Ebene gefallen war, sollte vollständig vernichtet werden. Aus Barmherzigkeit beschlossen die großen Erleuchteten jedoch, den Menschen in der leidvollsten Umgebung noch eine Chance zu geben, und so haben sie diesen Raum erschaffen.“ (Zhuan Falun, 2019, S. 133 f.)

Ich erkannte den Hinweis des Meisters: „noch eine Chance“. Früher achtete ich nur auf das Wort „Chance“ und überlas dabei „noch eine“. Ich ging stets davon aus, dass ich zahlreiche Chancen hätte. Jetzt weiß ich, dass dem nicht so ist.

Mein Kultivierungszustand war manchmal gut und manchmal schlecht. Nachdem ich eine Zeit lang fleißig praktiziert hatte, machte ich eine Pause. Hatte ich zum Beispiel einen Fa-Abschnitt auswendig gelernt, musste ich mich eine Weile ausruhen. Auch nach dem Lesen einer Lektion musste ich mich ausruhen. Wenn ich einige Tage lang das Fa gelernt und die Übungen praktiziert hatte, legte ich eine zweitägige Pause ein, um zu schlafen. Nach einigen Tagen des Ausruhens verspürte ich wieder die Dringlichkeit der Kultivierung und strengte mich mehr an. Danach entspannte ich mich wieder. Ich war mir darüber im Klaren, dass mich dieses Vorgehen in der Kultivierung nicht voranbrachte, glaubte jedoch fälschlicherweise, dass ich noch genug Chancen hätte. Ich dachte, solange ich die Kultivierung nicht aufgab, würde der Meister (der Begründer des Dafa) mir weitere Chancen geben. Deshalb sorgte ich mich nicht, wenn ich nicht fleißig war, da ich dachte, dass es noch genug Gelegenheiten gebe.

Trotz der Verfolgung schaffte ich es, kontinuierlich am Fa-Lernen in der Gruppe teilzunehmen, und so lernte ich das Fa täglich. In den drei Jahren des COVID-Lockdowns verbrachte ich jedoch weniger Zeit mit den Praktizierenden und mehr Zeit allein und ließ in der Kultivierung nach. Eine Zeit lang war ich sogar besessen von Online-Romanen. Manchmal las ich sie mehrere Tage hintereinander, bis meine Augen trocken wurden und schmerzten. Danach lernte ich dann sofort wieder das Fa und erholte mich innerhalb weniger Tage. Ein paar Monate später begann ich dann wieder nachzulassen und hing pausenlos am Mobiltelefon. Einmal konnte ich es während zwei Wochen nicht aus der Hand legen. Von mir selbst enttäuscht probierte ich verschiedene Methoden aus, indem ich zum Beispiel die Software löschte oder das Smartphone durch ein älteres Modell ersetzte; ich ließ es sogar an meinem Arbeitsplatz zurück. Das half zwar ein wenig, löste mein Problem aber nicht.

Als der Meister sah, dass ich mich erhöhen wollte, arrangierte er ein Gespräch mit einem Mitpraktizierenden. Dieser lernte das Zhuan Falun auswendig und ermunterte mich, es auch zu tun. Ich hatte das Buch in der Vergangenheit schon einmal auswendig gelernt, obwohl ich es nicht flüssig rezitieren konnte. Dieses Mal achtete ich weniger darauf, schnell voranzukommen, sondern mehr darauf, das Fa mit einem ruhigen Herzen zu rezitieren. Allmählich dämmerte es mir, warum ich nicht von meiner Handy-Sucht loskam: Erstens betrachtete ich das Lesen von Romanen irrtümlicherweise als unterhaltsam und Erholung und hielt es nicht für ein großes Problem. Zweitens behandelte ich das Aufgeben der Handy-Sucht nicht auf dieselbe Weise wie den Verzicht auf Alkohol. Wenn man auf Alkohol verzichtet hat, sollte man keinen mehr trinken. Dennoch ließ ich mich immer wieder stören. Als ich endlich aufwachte, erkannte ich die tiefe Kluft zwischen mir und den fleißigen Praktizierenden. Unser barmherziger Meister gibt uns immer wieder Gelegenheiten, uns zu kultivieren. Ich hatte jedoch die Barmherzigkeit des Meisters nicht ernst genommen und die Zeit, die der Meister mit großer Aufopferung für alle Lebewesen zur Verfügung gestellt hat, verschwendet! Wie konnte ich die mir vom Meister gegebenen Chancen als Ausrede benutzen und nachlassen?

Der Meister sagt:

„Es gibt nur eine Chance. Wenn die Illusionen vorbei sind, auf die du nicht verzichten konntest, wirst du begreifen, was du verloren hast.“ (Kultivierung nach der Pensionierung, 13.10.1995, in: Essentielles für weitere Fortschritte I)

Rückblickend auf meine Kultivierung habe ich mich meiner starken Anhaftung an die Bequemlichkeit hingegeben und nicht bemerkt, wie sehr mich mein Gedankenkarma beeinflusst hatte. Ich habe mich darauf verlassen, dass der Meister mir immer wieder Chancen geben würde. Ich darf keinesfalls mehr nachlassen, ansonsten könnte ich die vom Meister gewährte Chance verlieren!

Der Meister hat mir noch eine Chance gegeben – ich werde sie nutzen, mich fleißig kultivieren und der barmherzigen Erlösung des Meisters gerecht werden.

Das ist mein persönliches Verständnis. Bitte korrigiert mich, wenn ich etwas Unangemessenes gesagt habe.