(Minghui.org) Was bedeutet es, ein guter Mensch zu sein? Es kann bedeuten, sich um die Familie zu kümmern, in der Nachbarschaft zu helfen oder sein Land zu schützen. Doch immer wieder werden wir auf die Probe gestellt, ob unsere Worte und Taten unserem Gewissen folgen.
Eine Geschichte aus dem antiken Rom
Laut Epiktets „Diskurse“ war Helvidius Priscus ein Staatsmann im antiken Rom. Vespasian, der 69 n. Chr. Kaiser wurde, schickte ihm eine Aufforderung, nicht in den Senat zu kommen.
„Es liegt in Eurer Macht, mich nicht Senator sein zu lassen, solange ich aber Senator bin, muss ich in den Senat kommen“, antwortete Priscus.
„Nun gut, aber wenn du kommst, dann schweige“, entgegnete der Kaiser.
„Fragt mich nicht nach meiner Meinung und ich werde schweigen“, sagte Priscus.
„Aber ich muss dich fragen“, beharrte der Kaiser.
„Und ich muss sagen, was ich für richtig halte“, erwiderte Priscus.
„Doch wenn du sprichst, werde ich dich hinrichten lassen“, drohte der Kaiser.
„Habe ich Euch jemals gesagt, dass ich unsterblich bin? Ihr werdet das tun, was in Eurer Macht steht und ich werde das Meine tun“, erklärte Priscus. „Ihr könnt mich töten, ich aber kann sterben, ohne zu zittern. Ihr könnt mich verbannen, ich aber kann gehen, ohne zu trauern.“
Schließlich wurde Priscus vom Kaiser verbannt und hingerichtet.
Vier Historiker
Eine vergleichbare Form von Integrität zeigte sich bereits im alten China. Im Zuozhuan (Überlieferung des Zuo), dem frühesten Werk narrativer Geschichtsschreibung Chinas, wird berichtet, dass Cui Zhu, ein hoher Beamter des Staates Qi zur Zeit der Zhou-Dynastie, Herzog Zhuang von Qi ermordete.
Als der Hofhistoriker dieses Verbrechen pflichtgemäß in den Annalen verzeichnete, geriet Cui Zhu in Zorn und ließ ihn töten. Daraufhin übernahm der jüngere Bruder des Historikers dessen Amt und hielt die Tat ebenfalls schriftlich fest – auch er wurde hingerichtet. Dasselbe geschah mit dem zweiten jüngeren Bruder.
Obwohl bereits drei seiner Brüder ihr Leben verloren hatten, schrieb schließlich auch der jüngste Bruder die Wahrheit über Cui Zhus Verbrechen nieder. Er erklärte: „Die Wahrheit über die Ereignisse zu berichten, ist die Pflicht eines Historikers. Ohne diese Pflicht zu leben, ist schlimmer als der Tod.“
Angesichts dieser unbeirrbaren Haltung wagte Cui Zhu es nicht, auch ihn zu töten.
Moderne Zeiten
Die Zeiten änderten sich – insbesondere in China, nachdem die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) 1949 die Macht übernommen hatte. Während der sogenannten Anti-Rechts-Kampagne (1957–1959) wurden zahlreiche Intellektuelle zum Schweigen gebracht oder gezwungen, die Parteilinie zu übernehmen, um zu überleben. Die Kulturrevolution ging noch weiter und zerstörte die traditionellen Werte der chinesischen Gesellschaft, darunter Ehrlichkeit und Loyalität.
Mit der Einführung von Falun Dafa, einem Meditationssystem, das auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht beruht, fühlten sich viele Menschen wieder an diese traditionellen Werte erinnert. Eine Praktizierende ist Chen Yan, eine Einwohnerin von Benxi in der Provinz Liaoning.
Mit einem Bachelorabschluss und einer gut bezahlten Anstellung hätte Chen ein komfortables Leben führen können. Doch nachdem sie selbst von Falun Dafa profitiert hatte und seit Juli 1999 die staatliche Verfolgung der Praktizierenden miterlebte, entschloss sie sich, öffentlich über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Im Jahr 2015 wurde sie verhaftet, zu drei Jahren Haft verurteilt und in das Frauengefängnis Liaoning gebracht. Berichten zufolge war sie dort Folter, Zwangsernährung und psychiatrischen Misshandlungen ausgesetzt. Dennoch blieb ihr Glaube ungebrochen.
Im Juli 2024 wurde Chen erneut verhaftet, weil sie mit anderen über Falun Dafa gesprochen hatte. Im Untersuchungsgefängnis Benxi stachelten Wärter Mitgefangene dazu an, sie zu foltern. Die Anwälte ihrer Familie sahen die Verletzungen, als sie sie besuchten. Obwohl sie keine Straftaten begangen hatte und gesundheitlich angeschlagen war, verurteilte das Gericht in Xihu sie im Juni 2025 zu fünf Jahren Haft.
Beamte hinderten Chens Anwälte daran, sie zu vertreten, und brachten sie am 5. November 2025 erneut in das Frauengefängnis Liaoning. Ihr Vater fragte besorgt: „Meine Tochter ist sehr schwach und musste im Rollstuhl gebracht werden. Wird das Gefängnis sie trotzdem aufnehmen?“– „Ihr fehlt nichts, sie wird aufgenommen“, entgegnete Li Tingting, stellvertretende Leiterin der Haftanstalt. Sie behauptete, Chen simuliere lediglich eine Erkrankung und sei haftfähig.
Drei Tage später informierte das Gefängnis die Familie über den Tod der 45-jährigen. Ein Gerichtsmediziner führte eine Obduktion durch, doch der Bericht wurde den Angehörigen nicht ausgehändigt. Chens Eltern berichteten zudem, aus ihrem Leichnam sei eine schwarze, zähflüssige Flüssigkeit ausgetreten; der Gerichtsmediziner ging darauf nicht ein.
Die Mutter fragte: „Meine Tochter wurde am Nachmittag des 5. November hierher gebracht. Die Beamten sagten, es gehe ihr gut und sie erfülle die Aufnahmekriterien. Warum ist sie nur drei Tage später gestorben?“ Die Beamten antworteten nicht. Erst auf ihr Drängen hin gaben sie ihr eine Telefonnummer – doch die Nummer war nicht vergeben.
Unser Weg und unsere Zukunft
Seit Beginn der Verfolgung vor 27 Jahren werden Millionen Falun-Dafa-Praktizierende in China wegen ihres Glaubens und ihrer Lebensweise nach den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht diskriminiert. Viele wurden inhaftiert und misshandelt; einige Berichte dokumentieren zudem Zwangsarbeit, psychiatrische Zwangsmaßnahmen und sogar Organentnahmen. Daten von Minghui.org zufolge sind mehr als 5.300 Praktizierende, darunter auch Chen, infolge der Verfolgung gestorben.
Es heißt, dass die Entscheidungen, die wir als Einzelne und als Gesellschaft treffen, unsere Zukunft prägen. Im Laufe unseres Lebens begegnen wir immer wieder Situationen, in denen wir zwischen unserem Gewissen und äußerem Druck wählen müssen.
Von Priscus im alten Rom bis zu den Historikern des alten China hatte es große Anstrengungen erfordert, die menschliche Zivilisation aufzubauen, zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben.
Sokrates sagte in seiner letzten Rede: „Wenn ihr glaubt, dass ihr durch das Töten von Menschen verhindern könnt, dass jemand euer Unrecht anprangert, irrt ihr euch. Das ist weder ein möglicher noch ein ehrenhafter Ausweg. Der beste Weg besteht nicht darin, andere zu schädigen, sondern sich selbst zu bessern.“
Und weiter: „Ich bin gewiss, dass einem guten Menschen weder im Leben noch nach dem Tod etwas Böses widerfahren kann.“
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