20 Jahre Verfolgung – die Geschichte einer zerstörten Familie (Teil II)

(Minghui.org) 

Teil I

Der Leidensweg von Jiang Tao begann, als das kommunistische Regime 1999 die Verfolgung begann. Die Behörden überwachten sie nicht nur ständig, sondern zwangen sie auch, ihre Arbeit im Einkaufszentrum aufzugeben. Sogar ihr Lohn wurde eingezogen.

Insgesamt wurde Jiang Tao siebenmal gesetzwidrig verhaftet, zweimal einer Gehirnwäsche unterzogen und zweimal inhaftiert. Sie sah sich gezwungen, ihre Heimatstadt zu verlassen, um der Verfolgung zu entgehen, und war zwei Jahre auf der Flucht. Im Jahr 2004 wurde sie zu drei Jahren Zwangsarbeit verurteilt; 2017 zu drei Jahren Gefängnis.

Wegen Jiangs Verfolgung standen auch ihr Mann und ihr Sohn unter Druck, besonders wenn die Polizei beliebig auftauchte und sie schikanierte. Die beiden lebten in der ständigen Angst, dass Jiang jederzeit wieder verhaftet werden könnte. Sorge und Angst wurden Teil ihres Lebens.

2001 war Jiangs Sohn, Zhao Xiaodong, in der fünften Klasse. Als sie eines Tages im August nach Hause kam, sagte der Junge zu ihr: „Mama, beeil dich! Geht jetzt! Sieben oder acht Polizisten waren hier und haben nach dir gesucht!“ Auch ihr Mann war sehr nervös und sagte, dass sie schnell wieder gehen solle.

Um einer Verhaftung zu entgehen, verließ Jiang die Wohnung. Zwei Jahre war sie auf der Flucht. Die Polizei überwachte Jiangs Mann, ihren Sohn und andere Verwandte ständig und belästigte sie in dieser Zeit über ein Dutzend Mal, in der Hoffnung, die Praktizierende aufzuspüren.

Nachdem die Beamten Jiang monatelang gefolgt waren, fanden sie ihren Aufenthaltsort schließlich heraus. Im April 2003 wurde sie verhaftet und inhaftiert. Die örtliche Behörde Büro 610 [1] unterzog sie eine Gehirnwäsche. Dabei wurde Jiang misshandelt und missbraucht. Nach 58 Tage konnte sie fliehen.

Weniger als eineinhalb Jahre später wurde Jiang im Oktober 2004 erneut verhaftet und war einer weiteren Runde Gehirnwäsche ausgesetzt. Im November 2004 verurteilte sie das Gericht zu drei Jahren Zwangsarbeit.

Zu dieser Zeit war Jiangs Sohn in der achten Klasse. Während seine Mutter fort war, hatten sich seine Zensuren dramatisch verschlechtert. Er war oft allein zu Hause, weil der Vater arbeiten musste. Der einst aufgeschlossene Junge zog sich immer mehr zurück. Einige Male sagte er seinem Vater unter Tränen, dass er nicht mehr zur Schule gehen wolle. Jiangs Mann kümmerte sich ganz allein um den Haushalt und den Sohn. Er stand unter finanziellem Druck. Familie und Freunde sahen auf ihn herab und machten spöttische und verletzende Bemerkungen.

Als Jiang im Juli 2007 freigelassen wurde, war ihr Sohn gerade auf dem Gymnasium. Er hatte von der fünften bis zur elften Klasse die Fürsorge und Liebe seiner Mutter vermisst. Die Sorge und Sehnsucht nach seiner Mutter war Teil seines Lebens geworden. Seine Kindheit war von Traurigkeit geprägt. Jetzt, in der Pubertät, konnte Zhao keine Lebensfreude spüren. Er litt unter Einsamkeit, Ängsten und geringem Selbstwertgefühl.

Am Ende des Abschlussjahres schnitt Zhao bei dem Einstufungstest zur Hochschule schlecht ab. Er beschloss, in Korea zu studieren. Aber das Leben in dem freien Land konnte seine Sorgen und Ängste nicht lindern. Oft rief Zhao zu Hause an, um mit seiner Mutter zu sprechen und zu fragen, wie es ihr ging.

Als Jiang ihren Sohn in Korea besuchte, gingen sie mit ihm in der Nähe seiner Hochschule spazieren. Dabei packte Zhao plötzlich seine Mutter und fragte misstrauisch: „Was hast du getan? Sag es mir!“ Als er Falun-Dafa-Praktizierende am Flughafen sah, wie sie mit Menschen über Falun Dafa sprachen, wurde der Junge sehr unruhig. Dieses merkwürdige Verhalten beunruhigte seine Mutter.

Zhaos Zustand verschlechterte sich weiter, bis seine Familie ihn 2014 aus Korea zurück nach Hause holen musste. Der junge Mann schien deprimiert und sprach nur selten. Er hatte eine negative Lebenseinstellung und war nicht motiviert, etwas zu tun. Um der Realität zu entkommen, spielte er den ganzen Tag lang Videospiele. Jiangs Mann hasste es, seinen Sohn so zu sehen. Oft schimpfte er mit ihm und schlug ihn sogar. Dadurch wurde Zhao leicht reizbar und verlor schnell die Beherrschung. Nur wenn er Zeit mit seiner Mutter verbrachte, schien es ihm gut zu gehen.

Jiangs Mann war ratlos. Er wusste, dass Falun Dafa eine gute Kultivierungspraktik war. Aber er traute sich aus Angst vor der Verfolgung nicht zu praktizieren. Da der Druck auf ihn wuchs, brauchte er ein Ventil. Schließlich wurde er gewalttätig und begann, seine Frau und den Sohn zu misshandeln und zu beschimpfen.

Im April 2017 wurde Jiangs Mann von einem Bewohner des Dorfes Jujia in der Gemeinde Guozhuang bei der Polizei angezeigt. Beamte nahmen ihn in Gewahrsam. Der stellvertretende Polizeichef, Li Jianghua, sowie Liu Jie vom Sicherheitsbüro und Guo Yucheng, Agent des Büros 610, leiteten die Durchsuchung von Jiangs Wohnung. Sie stellten die Wohnung auf den Kopf und beschlagnahmten persönliche Gegenstände. Jiang wurde festgenommen.

Jiangs Mann und der Sohn wurden eingeschüchtert und bedroht. Zhao war völlig aufgeregt und rief den Menschen, die sich vor dem Haus versammelten hatten, zu: „Meine Mutter wird bald zurück sein!“ Als sie nicht wie erwartet zurückkehrte, war Zhao so verzweifelt, dass er sich einen Finger abschnitt.

Jiangs Mann musste nicht nur arbeiten, um die Familie zu versorgen. Er reichte auch Beschwerden bei verschiedenen Behörden ein, um die Freilassung seiner Frau zu erreichen. Außerdem musste er sich um den geisteskranken Sohn kümmern. Freunde und Familie waren abweisend und machten gehässige Kommentare. Schließlich war Jiangs Mann nervlich und körperlich erschöpft. Seinen Sohn zurück in die Nervenklinik zu bringen, schien ihm die einzige Lösung. Der einst starke und optimistische Mann und Vater war gebrochen. Er beging Selbstmord am vierten Tag des chinesischen Neujahrsfestes – nur 42 Tage vor Jiangs Freilassung im April 2020.

Zwangsernährung in der Haftanstalt Qingdao Nr. 2

Am 11. April 2017 war Jiang erneut festgenommen worden. In der Nacht wurde sie in einen kleinen Raum der Polizeistation Guozhang gesperrt und von zwei Polizisten überwacht. Der stellvertretende Polizeichef, Li Jianghua, log sie an: „Morgen wird deine Familie dich nach Hause holen.“

In dieser Nacht schlief, aß und trank Jiang nichts. Ihr war übel und sie musste sich übergeben. Der stellvertretende Polizeichef und ein paar andere Beamte brachten sie am nächsten Morgen zur Untersuchung ins South Village Hospital und anschließend zurück zur Polizei. Am Folgetag versuchten zwei Beamte, ihr Fingerabdrücke abzunehmen. Als sie sich weigerte, packten die Beamte ihre Hand und drückten die Finger aufs Papier. Danach waren ihre Fingerknöchel geschwollen.

Am Nachmittag wurde Jiang vom Vize-Polizeichef Li Jianghua sowie zwei weiteren Beamten – einem Mann und einer Frau – in die Haftanstalt Qingdao Nr. 2 in die Gemeinde Pudong gebracht. Während der Aufnahmeuntersuchung wich Li nicht von Jiangs Seite. Erst als sie in der Haftanstalt aufgenommen wurde, schien er sehr zufrieden. „Ich werde die Akte in einer Woche an die Staatsanwaltschaft schicken und einen Haftbefehl ausstellen lassen“, sagte er. Jiang erkannte, dass dies die ganze Zeit über sein Plan gewesen war. Sie gab Li den Rat, nicht das Gesetz zu brechen und sich nicht an der Verfolgung zu beteiligen. Aber ihm war das egal. Er freute sich auf seine Beförderung, die mit der Verhaftung verbunden war.

Jiang wurde in eine Zelle mit sechs verschlossenen Metalltüren gesperrt. Als sie dort ankam, hielten sechs Gefangene sie fest, entkleideten sie und zogen ihr die Häftlingsuniform an. Als man ihr die Haare kurz scheren wollte, widersetzte sie sich. Sechs Häftlinge brachten sie gewaltsam zum Friseur. Aus Protest gegen die Misshandlungen trat Jiang für drei Tage in Hungerstreik. Sie wurde von ihren Mitgefangenen beschimpft, bedroht und angefeindet. Der Ausbilder Wang Yufang schaltete den Fernseher ab und nahm jedem Häftling aus Jiangs Zelle das Recht, etwas einzukaufen. Das führte dazu, dass die Gefangenen Jiang angriffen und versuchten, sie zum Essen zu zwingen.

Als Jiangs Fall der Staatsanwaltschaft vorlag, wurde sie zur Anhörung vorgeladen. In dem Termin wurde sie gebeten, das Anhörungsprotokoll zu unterschreiben. Als Jiang äußerte, dass sie nicht schuldig sei und die Dokumente nicht unterschreiben würde, sagte die Staatsanwältin zu den Wärtern der Haftanstalt: „Sie weigert sich, die Dokumente zu unterschreiben. Sie sollen sie freilassen.“ Eine Wärterin antwortete: „Weigern sie [Falun-Dafa-Praktizierende] sich nicht alle zu unterschreiben?“ Dann brachten sie Jiang zurück in ihre Zelle.

Im Oktober 2017 wurde Jiang zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Sie legte Berufung ein und trat drei Tage lang in Hungerstreik. Am vierten Tag brachte der Wärter Du Yunge sie ins Krankenhaus, wo sie zwangsernährt wurde. Mehrere Mitarbeiter, darunter ein Mann, hielten sie fest. Sie führten die Ernährungssonde neunmal ein und zogen sie heraus. Der Schlauch stieß einige Male in Jiangs Lunge und verursachte Blutungen. Trotzdem wurde die Zwangsernährung fortgesetzt.

Jiang konnte nicht mehr atmen und dachte, sie müsse sterben. Am Nachmittag wurde die Zwangsernährung noch einmal wiederholt. Während Jiang im Hungerstreik war, wurde sie von der Gefangenen Lin Ning getreten, die wegen einem Wirtschaftsverbrechen verurteilt worden war.

Nach fast neun Monaten Haft wurde Jiang im Januar 2018 in das Frauengefängnis Shandong, das sich in der Stadt Jinan befindet, verlegt.

(Fortsetzung folgt)

Früherer Artikel:

Provinz Shandong: Zwei Praktizierende rechtswidrig verurteilt


[1] Das Büro 610 ist eine außergesetzliche Sicherheitsbehörde, die die Verfolgung von Falun-Dafa-Praktizierenden durchführt. Sie ist befugt, gesetzliche Anordnungen zu übergehen und ohne den Rechtsweg einzuhalten Falun-Dafa-Praktizierende zu verhaften.