Nach mehrfacher Festnahme und brutaler Folter: Praktizierende aus Liaoning erneut wegen ihres Glaubens verhaftet – Teil II

(Minghui.org) 

Teil I

Am 10. Mai 2001 kamen Zhou und acht weitere Praktizierende ins Zwangsarbeitslager Shenxin nach Shenyang, wo sie erneut misshandelt wurden.

Das verabreichte Essen dort war kaum genießbar. Es bestand oft aus matschiger Kohlsuppe und halbgaren, schimmeligen Maisbrötchen. Ununterbrochen mussten die Praktizierenden rennen, Gymnastik machen, Unkraut jäten oder zum Appell antreten. Zudem wurden sie gezwungen, Videos anzusehen, die Falun Dafa verleumdeten. Nach einer Gehirnwäschemaßnahme protestierte Zhou gegen die Verfolgung. Sie weigerte sich, zu arbeiten und beteiligte sich nicht länger an den Gymnastikübungen.

Eines Tages, als wieder ein Video lief, das Falun Dafa diffamierte, taumelte Zhou, die durch die langjährige Folter geschwächt und erschöpft war, zum Fernseher und zog den Stecker heraus. Die Wärter umringten und schlugen sie. Plötzlich stand eine weitere Praktizierende auf. Sie sagte: „Ich will das auch nicht länger sehen.“ Die Wärter steckten die beiden Frauen jeweils in Isolationshaft und hängten sie dort auf, während Guo Yong und Song Xiaoshi sie mehrfach schlugen.

Trotz ihres schlechten Zustands und im Angesicht der Folter erklärte Zhou den Wärtern mit schwacher Stimme, dass sie keine guten Menschen verfolgen sollten. Die Wärter lachten und spotteten: „Sie sieht wirklich hübsch aus.“ Drei Tage blieb Zhou in Isolationshaft gefangen.

Einmal kamen Zhous Mann und ihr Sohn zu Besuch. Der Wärter überredete ihren Mann, 500 Yuan (rund 70 Euro) da zu lassen, damit Zhou nahrhaftes Essen kaufen konnte. Von dem Geld bekam sie jedoch nie etwas zu sehen.

Folter im unterirdischen Gefängniskrankenhaus

Als Zhou zwei Tage aus der Isolation befreit war, brachte man sie in das Gefängnis Dabei und hielt sie im dortigen unterirdischen Gefängniskrankenhaus fest. Hier traf sie die Praktizierenden Yin Liping und Zou Guirong wieder.

Weil Zhou das Praktizieren von Falun Dafa nicht aufgeben wollte, verweigerten die Wärter ihr Familienbesuche. Auch Geld durften ihre Angehörigen nicht für sie einzahlen, sodass Zhou keine Dinge des täglichen Bedarfs wie Toilettenpapier oder Seife kaufen konnte.

Die Wärter folterten Zhou und andere Praktizierende. Sie fesselten ihre Hände und Füße an vier verschiedenen Ecken eines Bettes in der „Spreizadler-Position“. Aus Protest gegen die Folter traten die Frauen in Hungerstreik. Daraufhin wurden sie von den Wärtern verprügelt und mit Salzwasser und rohem Maisbrei zwangsernährt. Der eingeführte Schlauch verletzte Zhou an der Speiseröhre. Sie erbrach Blut. Büschelweise rissen ihr die Wärter Haare raus. Als eine Krankenschwester sah, wie Zhou gequält wurde, empfand sie Mitleid. Am nächsten Tag brachte sie ihr Milchpulver von zu Hause mit und erzählte ihr, dass sie in der Nacht zuvor lange geweint hatte und nicht schlafen konnte.

Am 11. Tag des Hungerstreiks hatte Zhou 40 Grad Fieber und einen Herzschlag von 150 bis 156 Mal pro Minute. Ihr EKG war unregelmäßig. Sie konnte nicht mehr gehen. Die Ärzte diagnostizierten Symptome von Herz- und Nierenversagen. Ein Häftling trug sie aus dem Kellergebäude hinaus.

Für Zhous Freilassung zahlte ihre Familie 3.000 Yuan (rund 400 Euro), damit sie lebend nach Hause kommt. Aus Angst, für ihren eventuellen Tod verantwortlich gemacht zu werden, ließ das Gefängnis die Praktizierende schließlich am 10. August 2001 frei.

Vom Arbeitgeber entlassen

Als Zhou nach Hause kam, war sie nur noch Haut und Knochen. Familie, Freunde und Kollegen kamen bei ihrem Anblick die Tränen. Sobald es ihr etwas besser ging, bat sie Li Xuezhong, den Direktor des Krankenhauses, in dem sie früher gearbeitet hatte, sie wieder einzustellen. Der Direktor stellte eine Bedingung: Zhou musste auf ihren Glauben an Falun Dafa verzichten und eine entsprechende Erklärung verfassen. Sie weigerte sich.

Mehrfach traf sich Zhou mit Li Meng, dem Leiter der Personalabteilung, um ihre Rückkehr zum Arbeitsplatz zu besprechen. Schließlich teilte man ihr mit, dass sie nicht mehr angestellt sei. Als Zhou nach dem Grund fragte, antwortete Li Meng kurz: „Keine Formalitäten. Es ist eine mündliche Kündigung.“ Er rief sogar auf der Polizeiwache an und forderte, dass Zhou verhaftet wird.

Verhaftung, Verhör und Folter

Am 31. Oktober 2001 ging bei der Polizei eine Anzeige ein, weil Zhou Informationsmaterialien über Falun Dafa verteilt hatte. Erneut wurde sie festgenommen und zur Polizeiwache Yongzheng in Dalian gebracht. Ein junger Polizist fragte sie nach ihrem Namen. Als sie nicht antwortete, schlug er zu. Über Nacht fesselten die Beamten die Praktizierende auf eine sogenannte Tigerbank.

Am nächsten Morgen setzten zwei Zivilbeamte das Verhör fort und verprügelten Zhou brutal. Gegen 8 Uhr brachte man sie zur Bezirkspolizei Jinzhou, wo sie erneut verhört und geschlagen wurde. Zhou blieb standhaft. Weder gab sie ihren Namen preis, noch unterschrieb sie irgendwelche Dokumente.

Später verlegten die Behörden Zhou ins Untersuchungsgefängnis Jinzhou. Elf Tage trat sie aus Protest gegen die Verfolgung in Hungerstreik und wurde als Folge geschlagen und zwangsernährt. Als sie am 11. November 2001 extrem schwach war, ließen die Beamten sie frei.

Eine auseinandergerissene Familie

Auch nach ihrer Entlassung wurden Zhou und ihre Familie von Polizisten ständig schikaniert und überwacht. Der Mann ihrer Cousine wurde auf die Polizeiwache vorgeladen und verhört, weil Zhou die Familie einige Tage besucht hatte. Beamte vom Zwangsarbeitslager Shenxin riefen von Zeit zu Zeit an. Sie schikanierten und überwachten die Praktizierende und forderten von ihr, dass sie zurückkommt und ihre Haftstrafe beendet. Zhous Geschwister wurden ebenfalls belästigt.

Einmal rief der Wärter Deng Yang vom Zwangsarbeitslager Shenxin bei Zhou an und fragte nach dem Weg zu ihrer Wohnung. Aus Furcht, wieder ins Lager gebracht zu werden, tauchte sie unter. Sie wagte es auch nicht, zu Hause anzurufen.

Da die Polizei Zhou nicht finden konnte, riefen sie immer wieder bei ihr zu Hause an und belästigten ihren Mann am Arbeitsplatz. Auch das Zwangsarbeitslager und der Arbeitgeber seiner Frau setzten ihn unter Druck. Er lebte in ständiger Sorge, dass Zhou erneut festgenommen werden könnte. Als sie eines Nachts nach Hause kam, sagte er, er könne so nicht weiterleben und forderte die Scheidung. So brach die einst glückliche Familie entzwei.

Ohne Bleibe und ohne Einkommen schlug sich Zhou mit Gelegenheitsjobs durch und war auf die Unterstützung von Freunden und Verwandten angewiesen. Da sie sich vor der Polizei verstecken musste, war es schwer für sie, eine feste Arbeit zu finden. Einmal hatte sie gerade die Arbeit in einer Klinik angenommen, als sie am nächsten Tag wieder entlassen wurde. Ihr Chef hatte von ihrer Situation erfahren und stand unter Druck.

Untersuchungsgefängnis Tieling

Am 8. Oktober 2002 lud eine Freundin Zhou für einige Tage zu sich nach Tieling ein. Spät in der Nacht brachen vier Polizisten die Tür auf und drangen in die Wohnung ein. Sie schlugen Zhou und verhafteten sie und ihre Freundin.

Am nächsten Tag brachten Beamte Zhou ins Untersuchungsgefängnis Tieling. Jeden Tag brüllten die Wärter sie über einen Lautsprecher an. Einen Monat lang war Zhou in der „Spreizadler-Position“ mit gespreizten Gliedern in einem Flur gefesselt. Rund um die Uhr musste sie Folter ertragen. Draußen waren minus 30 Grad Celsius. Die Wärter öffneten die Fenster, während Zhou nur mit dünner Kleidung bedeckt war. Den Gefangenen wurde befohlen, auf ihr herumzutrampeln.

Die Wärter ketteten Zhous Füße und ihren Hals aneinander. Dann fixierten sie die Kette am Boden. In dieser Position litt sie unerträgliche Qualen. Erst ein halbes Jahr später kehrte das Gefühl in ihrem rechten Bein zurück.

Der Arzt des Untersuchungsgefängnisses, Qian Dapeng, ließ Zhou zu Boden drücken, um sie brutal zwangszuernähren. Als es ihm schwer fiel, den Schlauch einzuführen, schlug er ihr ins Gesicht, während er gleichzeitig schimpfte und brüllte. Zhous Gesicht schwoll an und färbte sich blau. In kürzester Zeit verabreichte der Arzt der Praktizierenden eine große Menge Kochsalzlösung, damit sich ihr Magen aufblähte und um sie zu quälen. Einen Monat lang blieb der Schlauch in ihrem Magen, bis sie Magenblutungen bekam. Als der Schlauch herausgezogen wurde, war er voller Eiter und Blut.

Während ihrer Haft wurde Zhou dreimal ins Zwangsarbeitslager Masanjia gebracht. Jedes Mal wurde sie abgewiesen, weil ihre Untersuchungswerte zu schlecht waren.

Als bei Zhou erneut Symptome von Herz- und Nierenversagen auftraten, wurde sie am 9. Dezember 2002 freigelassen. Zuvor erpressten die Beamten von ihrer Familie 4.000 Yuan (rund 530 Euro).

Fast zu Tode gehungert während fünfter Inhaftierung

Nach ihrer Freilassung kam Zhou zunächst einen Monat lang bei ihrem Bruder unter. Am 11. Januar 2003 war sie bei einer Mitpraktizierenden zu Besuch, als Beamte der Polizeiwache Zhongshan auftauchten, um diese zu verhaften. Auch Zhou wurde festgenommen. Zwei Tage war sie im Keller der Polizeiwache gefangen. Dann brachten Polizisten sie ins Untersuchungsgefängnis Dalian.

20 Tage lang wurde sie ohne Nahrung oder Wasser ausgehungert. Ihr Körper war steif und kalt. Zhou konnte ihre Augen kaum noch bewegen. Die Polizei erpresste von ihrer Familie weitere 1.000 Yuan (rund 130 Euro) und ließ Zhou am Abend des chinesischen Neujahrsfestes, dem 30. Januar 2003, frei.

Das Leid der Familie und der Tod der Mutter

Zhous Schwager holte sie aus dem Untersuchungsgefängnis ab und brachte sie zu ihrem Bruder. Zhous Mutter, ihre Schwester mit ihrem Mann sowie ihr Bruder mit seiner Frau waren anwesend. Die Stimmung war erdrückend.

Neben dem ständigen psychischen Druck und den Sorgen durch die mehrfachen Festnahmen, musste die Familie auch finanzielle Not erdulden. Die Familien von Zhous Geschwistern waren nicht wohlhabend. Zhous Mutter bekam keine Rente. Jedes Mal war es schwierig, den Kautionsbetrag zu beschaffen, damit Zhou freigelassen wurde. Über 13.000 Yuan (rund 1.700 Euro) hatten die Beamten von der Familie erpresst.

Später zog Zhou mit ihrer Mutter in eine Mietwohnung. Aus Sicherheitsgründen brach sie den Kontakt zu allen anderen Angehörigen ab. Im Laufe der Jahre mussten die zwei Frauen mehrmals umziehen, um sich der Kontrolle der Behörden zu entziehen. Die schwierige Lage und die dauerhafte psychische Belastung forderten ihren Tribut. Zhous Mutter wurde krank und starb im Februar 2006.

Früherer Bericht:

Ehemalige Krankenschwester nach brutaler Folter zu vier Jahren Haft verurteilt