(Minghui.de) „Der Selbstmord Europas“ (The Strange Death of Europe) ist ein 2017 erschienenes Buch des britischen Autors Douglas Murray, das sich mit politischen und kulturellen Entwicklungen in Europa befasst. Im Zentrum steht die vom Autor vertretene Frage, ob Europa infolge von Masseneinwanderung, kultureller Selbstverleugnung sowie des Versagens seiner politischen Eliten allmählich sein kulturelles Erbe und seine Identität verliert.
Masseneinwanderung und Verlust des kulturellen Selbstvertrauens
Murray argumentiert, dass Europa nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere jedoch zu Beginn des 21. Jahrhunderts, eine beispiellose Welle der Masseneinwanderung erlebte. Diese habe zu tiefgreifenden Veränderungen des kulturellen Lebens geführt.
Die Zuwanderung stammte überwiegend aus dem Nahen Osten, Nordafrika sowie aus Südasien (dem indischen Kulturraum) und veränderte sowohl die kulturelle als auch die demografische Struktur Europas.
Darüber hinaus habe die Einwanderung weitreichende Auswirkungen auf die Rolle der Religion, insbesondere des Islam, gehabt. Auch grundlegende Prinzipien wie Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit seien davon berührt worden. Die ursprüngliche Annahme einer „natürlichen Assimilation“ der Einwanderer habe sich nach Ansicht des Autors nicht bestätigt. Stattdessen würden viele Einwanderer auf die kulturellen Muster ihrer Herkunftsländer zurückgreifen, wodurch sich parallele gesellschaftliche Strukturen herausbildeten.
Gleichzeitig haben die Europäer in einem seit Jahren andauernden Bildungs- und Meinungsklima, das von einer Ablehnung der europäischen Zivilisation geprägt ist, das Vertrauen in ihre eigene Zivilisation verloren und trauen sich nicht, sich zu den zahlreichen sozialen Problemen zu äußern, die durch die massive Einwanderung verursacht werden.
Die kulturellen und moralischen Grundlagen Europas
Diese oben skizzierte Entwicklung ist in der Tat befremdlich, denn Europa ist nicht nur die Wiege des Kommunismus, sondern auch die Quelle der antiken griechischen und römischen Zivilisation.
Die Kernwerte der antiken römischen Zivilisation spiegeln sich vor allem in den „mos maiorum “ wider, den „Sitten der Vorfahren“. Die Ehrfurcht vor den Göttern, dem Staat, den Eltern und der Familie sowie das Verantwortungsbewusstsein bildeten die Grundlage der römischen Werte. Gelassenheit, Gewichtigkeit und Ernsthaftigkeit, die Reife und Verantwortungsbewusstsein zum Ausdruck bringen, wurden von den alten Römern hochgeschätzt.
Sie glaubten, dass das Ansehen und der Respekt des Einzelnen und Familien in der Gesellschaft durch Verdienste und gutes Benehmen bewahrt werden müssen. In schwierigen Situationen ruhig, unerschütterlich und standhaft zu bleiben, galt als Inbegriff von Ausdauer und Willenskraft.
„Ein guter Römer sollte den Göttern, der Familie und dem Land treu ergeben sein; Ehre und Gemeinwohl mit Ernsthaftigkeit und Ausdauer anstreben; und wenn nötig, sich dafür opfern.“ Viele englische Wörter, die mit Tugend in Verbindung stehen (wie Tugend, Frömmigkeit, Treue, Ernsthaftigkeit und Würde), leiten sich direkt von diesen römischen Werten ab.
Und wie verhielt es sich im antiken Griechenland? „Ein hervorragender Grieche sollte durch Vernunft und Mäßigung nach persönlicher Vortrefflichkeit (aretē) streben, mit Ehre und in Verantwortung gegenüber dem Staat Lebenssinn finden und sich demütig gegenüber den Grenzen des Schicksals und der Götter verhalten, um wahres, vollkommenes Glück (eudaimonia) zu erlangen.“
Doch warum haben die europäischen Eliten in den letzten Jahren kollektiv das Vertrauen in ihre eigene Zivilisation verloren?
Der Autor von „Der Selbstmord Europas“ stellt fest, dass das Nachkriegseuropa aufgrund seines Kolonialismus, der faschistischen Gräueltaten und der NS-Vergangenheit unter tiefer moralischer Reue litt. Eigentlich sollte diese Reflexion eine Wiederholung verhindern.
Doch die gezielte Irreführung durch bestimmte Kräfte führte das europäische Bildungswesen und die öffentliche Meinung in das entgegengesetzte Extrem – ähnlich wie es in den Vereinigten Staate seit Langem zu beobachten ist, wo Schulen junge Menschen darauf trainieren, amerikanische Werte und Kultur abzulehnen.
Die Ablehnung der europäischen Zivilisation beziehungsweise Kultur, die Weigerung, die „europäische Kultur“ zu verteidigen, die Stigmatisierung jeglicher Kulturkritik als „fremdenfeindlich und diskriminierend“ sowie die Bevorzugung von „politischer Korrektheit“ als Form des Selbstschutzes in Einwanderungsfragen prägen diesen Wandel.
Murray nannte als Beispiele die offene Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Merkel im Jahr 2015 sowie die anfängliche Verharmlosung der sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht durch Regierung und Medien. Damit verdeutlicht er, wie „politische Korrektheit“ die öffentliche Sicherheit sowie eine offene und ehrliche Diskussion verdrängt hat.
London ist ethnisch stark gespalten. Nach dem Skandal um sexuelle Übergriffe in Rotherham – gemeint sind mehrere Fälle sexueller Nötigung weißer britischer Mädchen zwischen 1997 und 2013 – verweigerten die Behörden aus Angst vor Vorwürfen rassistischer Diskriminierung 1.400 vergewaltigten britischen Mädchen die strafrechtliche Verfolgung der Täter.
Weitere Folgen institutionalisierter Selbstzensur zeigen sich in Fällen islamistischen Extremismus in Großbritannien. Auch die hohe Aufnahme von Flüchtlingen in Schweden hat zu stark steigenden Kriminalitätsraten, wachsendem sozialem Misstrauen sowie langfristigen Einschränkungen des öffentlichen Diskurses geführt.
Offensichtlich ersticken Selbstzensur und die zu ihrer Bekämpfung erlassenen Gesetze das geistige Leben der Europäer. Sie schränken die Gedankenfreiheit ein und verwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse sowie zwischen Recht und Unrecht.
Ist dies noch eine westliche, zivilisierte Gesellschaft, wenn sie Respekt und Verantwortung gegenüber Gott, Nation, Eltern und Familie aufgegeben hat?
Historische Vergleiche und der Verlust des Göttlichen
Der „Selbstmord“, auf den der Autor im Buchtitel anspielt, bedeutet keinen sofortigen Zusammenbruch. Vielmehr handelt es sich um einen allmählichen, gewaltlosen Niedergang einer Zivilisation, der sich durch die fortdauernde Verleugnung der eigenen Kultur vollzieht.
Murray argumentiert, dass die Europäer nicht durch die Gewalt eines Krieges „besiegt“ worden seien. Stattdessen hätten sie sich selbst dazu entschieden, ihre Zivilisation aufzugeben und nicht fortzuführen. Dabei spielten „politische Korrektheit“ und „Selbstzensur“ eine zentrale Rolle.
Vergleicht man den „Selbstmord“ der europäischen Zivilisation mit der zehnjährigen Kulturrevolution in Festlandchina – einem fanatischen Beispiel landesweiter Selbstverleugnung, gewaltsamer Unterdrückung der Gedankenfreiheit, gewaltsamer Aufhebung der Meinungsfreiheit sowie der Zerstörung der traditionellen Kultur –, so erscheint Europa deutlich weniger extrem und gewalttätig. Doch so kultiviert die Rhetorik und das Verhalten auch sein mag, der Kern bleibt derselbe: die Auslöschung der traditionellen Kultur und die Zerstörung der Kernwerte einer göttlich inspirierten Zivilisation.
Betrachtet man die Geschichte vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit (etwa vom 5. bis zum 18. Jahrhundert), so verstanden die Europäer ihre Zivilisation im Allgemeinen als ein Geschenk Gottes und als Ausdruck seines Willens; das Christentum, insbesondere der Katholizismus, galt ihnen als ihr tragendes Fundament.
Das Römische Reich, die christliche Zivilisation und die christlichen Monarchien wurden als göttlich vorherbestimmte Fortsetzung der Geschichte verstanden. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert begaben sich die Europäer, angetrieben von der Vereinigung der Theologie und einem ausgeprägten Gefühl der Überlegenheit, auf maritime und koloniale Expansionsreisen.
Was damals in Europa kaum bekannt war: Im Herzen des Ostens, im Gebiet des heutigen China, erreichten die Nord- und Süddynastien des 5. bis 10. Jahrhunderts (darunter die Sui- und Tang-Dynastie) ein kulturelles und gesellschaftliches Entwicklungsniveau, das Europa deutlich übertraf – insbesondere in Urbanisierung, Technologie und Wirtschaftskraft.
Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert, zur Zeit der Song-Dynastie, besaß China den größten „zivilisatorischen Vorsprung“ gegenüber Europa. In dieser Epoche erreichten Verwaltung, Handel, Urbanisierung und technische Innovationen ein Niveau, das Europa erst deutlich später erreichte.
Vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, während der späten Yuan- und der frühen Ming-Dynastie, verringerte sich die Kluft zwar, doch China nahm weiterhin eine führende Stellung ein, vor allem in Fragen der Regierungsführung und der sozialen Organisation.
Erst im 17. und 18. Jahrhundert, zur Zeit der frühen bis mittleren Qing-Dynastie, trat Europa in eine neue Entwicklungsphase ein. Getragen vom Auftreten von Denkern wie Newton und Galilei sowie vom kolonialen System gewann es Zugang zu Ressourcen und Kapital und konnte China schließlich in technologischer, militärischer und institutioneller Innovationskraft überholen, was den Eintritt in die Industrielle Revolution ermöglichte.
Die Menschheit lebte sowohl im Osten als auch im Westen über lange Zeit unter dem Willen Gottes; was geschehen sollte, geschah, unabhängig davon, ob es Glück oder Unglück brachte. Mit der Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts vollzog sich in Europa jedoch ein entscheidender Wendepunkt: Der göttliche Wille wurde zunehmend durch die menschliche Vernunft ersetzt..
Zivilisation wurde fortan als Ergebnis menschlicher Vernunft, institutioneller Ordnungen und historischer Umstände verstanden, anstatt sie primär der „Gottesgnade“ zuzuschreiben. Denker wie der französische Philosoph Voltaire und der deutsche Philosoph Immanuel Kant – um nur einige zu nennen – vertraten die Auffassung, dass die Geschichte keinem göttlichen Drehbuch folge, sondern von der Menschheit selbst gestaltet werde.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstand jedoch eine neue Denkrichtung, die sich sowohl gegen die Französische als auch gegen die Industrielle Revolution wandte und den Rationalismus der Aufklärung als überzogen kritisierte. Fortschritte in Kunst und Wissenschaft galten ihr nicht mehr als Garant menschlichen Wohlergehens; vielmehr wurde die wachsende Fähigkeit, die Natur mithilfe von Wissen zu verändern, als Ursache des Niedergangs verstanden.
Die Dynastiewechsel in China und die historischen Zyklen im Westen lassen sich im Kern als ein fortwährender Prozess des Prüfens, Bewahrens, Verlierens und Wiederfindens des Göttlichen begreifen – ein Prozess, in dem die Menschheit auf die Rückkehr der Gottheiten wartet.
Ausblick: Politische Korrektheit, Glaube und Zukunft Europas
In der westlichen Gegenkulturbewegung der 1960er-Jahre entwickelte sich die „politische Korrektheit“ zu einer neuen Ideologie. Heute hat sie das kulturelle Selbstvertrauen vieler Europäer untergraben und ihnen die Meinungs- und Gedankenfreiheit genommen.
Ein weiteres Buch – „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ – kann die in „Der Selbstmord Europas“ angesprochenen Phänomene aus unterschiedlichen Perspektiven und mit größerer Tiefe erklären. Für viele westeuropäische Leser, die stark von Atheismus, Evolutionismus und Materialismus geprägt sind, dürfte dieses Werk jedoch eine erhebliche Lesehürde darstellen. Für engagierte Leser und für all jene, die die heutige Welt aus einer spirituellen und kulturellen Perspektive verstehen möchten, erweist es sich hingegen als eine wahre Fundgrube wertvoller Einsichten.
„Politische Korrektheit“ ist im Kern nichts anderes als eine Zensur des Denkens. Ihr Ziel besteht darin, den Menschen die Fähigkeit zu nehmen, über komplexe und tiefgründige Themen nachzudenken. Zugleich macht sie sie anfälliger für oberflächliche, vulgäre und reißerische Unterhaltung und untergräbt letztlich sowohl ihr persönliches wie auch ihr kulturelles Selbstvertrauen.
Optimistisch betrachtet gilt: Solange die Europäer ihren Glauben an Gott bewahren, können dieses neue Denken und das geistige Gefängnis der „politischen Korrektheit“ die tief verwurzelten Werte der Zivilisation in den Herzen der Menschen nicht auslöschen. Die europäische Tradition wird nicht untergehen. Wenn alle erkennen, dass Gott zurückgekehrt ist, wird diese Tradition glorreicher denn je sein.
Weniger optimistisch gesehen werden jedoch nicht alle diese zukünftige Herrlichkeit erleben. Nur jene, die den wahren Glauben und die Güte bewahren und den Mut besitzen, die Tradition zu verteidigen, werden daran teilhaben.
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