(Minghui.org) Als ich noch Schülerin in der Mittelstufe war, kamen mir eines Tages eine Reihe von Fragen in den Sinn. Warum existiere ich? Warum erlebe ich Freude, Trauer, Wut und Glück? Warum spüre ich die Kälte, Hitze, Trockenheit oder Feuchtigkeit beim Wetter? Warum fühlen sich Gegenstände um mich herum weich, hart, eiskalt oder heiß an? Warum sind gerade diese Menschen um mich herum und nicht andere? Warum wurde ich hier geboren und nicht woanders? Jeder wird sterben – warum leben wir also?
Manchmal verspürte ich ein Kribbeln zwischen meinen Augenbrauen, wenn ich über diese Fragen nachdachte. Ich versuchte, meine Fragen und Erfahrungen mit einer Freundin zu besprechen, aber sie verstand mich nicht.
Meine Verbindung zu Dafa
Meine Tante und mein Onkel kamen 1998 zu Besuch – das war in meiner letzten Klasse der Mittelstufe. Sie unterhielten sich mit meiner Mutter, aber ich wusste nicht, worüber sie sprachen. Sie schenkten ihr ein Exemplar eines Buches mit dem Titel Zhuan Falun, und nachdem sie abgereist waren, las ich es. Es beantwortete meine Fragen. Dennoch hatte ich Zweifel, da ich vom Atheismus beeinflusst war.
Meine Mutter und ich gingen zum Haus eines Falun-Dafa-Praktizierenden, um uns Videos von den Vorträgen des Meisters anzusehen und zu meditieren, und morgens machten wir die Stehübungen auf dem Stadtplatz. Mir war nicht bewusst, dass Falun Dafa eine Form der Kultivierung war, und ich dachte, ich würde lediglich mit meiner Mutter Übungen machen. Zuvor hatten wir auf dem Stadtplatz von älteren Menschen das Tanzen gelernt, die uns chinesische Fächertänze und mongolische Essstäbchentänze beibrachten.
Ich dachte nicht gerne lange über Dinge nach, wurde aber oft in die Konflikte zwischen meinen Eltern, meiner Großmutter und meinen Onkeln hineingezogen. In der Situation versuchte ich, den Prinzipien des Fa zu folgen, andere an die erste Stelle zu setzen, eine gute Schülerin zu sein und mich weiterzuentwickeln. Ich bemerkte, dass ich fröhlicher war und mich so leicht fühlte, als könnte ich wie ein Vogel fliegen. Meine Mutter hörte auf, ständig auf negativen Dingen herumzureiten. Jahre später wurde mir klar, dass ich diese harten Erfahrungen aufgrund meines Karmas gemacht und dass der Meister uns beschützt hatte.
Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) leitete am 20. Juli 1999 die Verfolgung von Falun Dafa ein. Am 19. Juli 2000 erzählten Praktizierende meiner Mutter, dass die Stadtbehörden kürzlich ihre gekauften Bücher Hong Yin beschlagnahmt hatten. Sie wollte sich einer Gruppe von Dafa-Praktizierenden anschließen, die vorhatten, die Bücher wiederzubeschaffen.
Meine Mutter kam zuerst bei uns zu Hause vorbei und gab mir einige Ratschläge. Ich betrachtete mich selbst als Praktizierende, da ich das Fa lernte, die Übungen praktizierte und mich an die Maßstäbe der Fa-Prinzipien hielt. Ich sagte meiner Mutter, dass ich mit ihr gehen wolle, deshalb nahm sie ihr Fahrrad und ich setzte mich hinten drauf.
Als wir bei der Behörde ankamen, in der die Dafa-Bücher beschlagnahmt worden waren, warteten bereits viele Praktizierende draußen. Es war Sommer, der Himmel war klar, und es war sehr heiß und trocken. Es gab nur sehr wenige schattige Stellen, doch nach und nach zogen große Wolkenfelder auf, die gelegentlich die Sonne verdeckten und die Luft abkühlten.
Um 16 Uhr hatten wir immer noch keine Antwort von den Behörden erhalten, so betraten wir den Innenhof. Wir stellten uns in Reihen auf und begannen mit den Übungen. Eine große Wolke zog vor die Sonne und schirmte uns vor der sengenden Hitze ab. Einige Praktizierende sagten, der Meister wache über uns.
Am Abend kamen die Leiter und Verantwortlichen der örtlichen Organisationen vorbei, um nach ihren Leuten zu suchen. Mein Vater und mein Schulleiter kamen, um mich nach Hause zu holen. Obwohl sie mir drohten, ich dürfe nicht zur Schule gehen, machten sie mir danach keine Schwierigkeiten.
Später informierten die Praktizierenden die Menschen über die Verfolgung. Meine Mutter ging hinaus, um die wahren Umstände von Falun Dafa und der Verfolgung zu erläutern und Informationsmaterialien zu verteilen. Sie erzählte mir nichts davon und ließ mich auch nicht daran teilnehmen.
Als meine Mutter und ich im Sommer 2000 zum ersten Mal Informationsmaterialien über Dafa verteilten, stand ich mitten in der Nacht auf und sah, wie meine Mutter auf eine große Tüte mit Flugblättern starrte. Sie wollte sie verteilen, während die Menschen schliefen, aber sie hatte Angst vor der Dunkelheit – ich auch. Wenn ich allein zu Hause war, machte ich alle Lichter im Haus an und setzte mich an die Wand, bis jemand nach Hause kam. Ich wusste nicht, woher ich den Mut nahm, aber ich sagte ihr, dass ich mit ihr hinausgehen würde. Wir teilten die Materialien und die Bereiche der Wohnblocks auf und machten uns in der Dunkelheit auf den Weg.
Die Haupteingänge zu den Wohnblöcken waren damals nicht verschlossen, und in den Fluren gab es kaum Bewegungsmelder. Ich konnte in der Dunkelheit nichts sehen, weshalb ich mich die Treppe hinauftasten musste. Aber ich war jung und konnte die Treppen daher schnell nehmen. Ich tastete mich an den Wänden entlang und stellte die Sachen vor die Türen. Jedes Mal, wenn ich ein Haus betrat, flüsterte ich leise: „Ich bin hier, um euch von Dafa zu erzählen. Schlaft weiter.“ Dabei verspürte ich keine Angst und empfand es als meine Mission, dies zu tun. Manchmal bellte ein Hund, und ich dachte: „Ich bin hier, um euch zu erretten. Bell nicht.“
Die Bewohner in den obersten Stockwerken eines Gebäudes hatten Blechtüren angebracht. Da ich mich so schnell bewegte, sah ich sie nicht und prallte gegen eine dieser Türen. Es ertönte ein lautes Geräusch in der stillen Nacht. Sofort dachte ich: „Ihr könnt nichts hören. Schlaft weiter.“ Ich legte die Materialien vor die Türen und ging die Treppe hinunter. Als ich fertig war, war es bereits hell geworden. Ich ging fröhlich nach Hause und sah, wie meine Mutter mich mit einem Lächeln ansah.
Als meine Mutter rechtswidrig verhaftet wurde, tauchte sie später unter. Mein Vater erzählte mir am Telefon nichts davon, aber ich wusste, dass etwas passiert sein musste. Mein erster Gedanke war: „Mama wird es gut gehen. Der Meister wacht über sie!“
Zwei Polizisten aus meinem Bezirk hatten die Kontaktdaten meines Vaters ausfindig gemacht und mich aufgespürt. Ich arbeitete zu dieser Zeit außerhalb der Stadt, und sie wollten überprüfen, ob meine Mutter bei mir wohnte. Zunächst kontaktierten sie meinen Vorgesetzten am Arbeitsplatz, und er sagte, er würde mir so gut wie möglich helfen. Ich sagte zu meinem Vorgesetzten: „Danke, dass Sie auf mich aufpassen. Machen Sie sich keine Sorgen. Sie werden meine Mutter nicht finden. Ich bin bereit zu kündigen, wenn Sie glauben, dass dies dem Unternehmen schaden könnte.“ Der Vorgesetzte war überrascht, dass eine junge Frau, die erst seit wenigen Monaten in der Firma war, in dieser Situation so ruhig bleiben konnte.
Am nächsten Tag folgten mir zwei Polizisten bis zu meiner Wohnung. Ich ließ sie nicht herein. Ich verlangte, ihre Dienstausweise zu sehen, und notierte mir ihre Namen. Sie versuchten, mich einzuschüchtern, aber ich blieb standhaft, und sie gingen wieder.
Als mein Vorgesetzter erfuhr, dass ich Dafa praktiziere, schenkte er mir großes Vertrauen. Eines Tages, als ich an seinem Büro vorbeiging, hörte ich, wie er zu einem Abteilungsleiter sagte: „Du kannst ihr (gemeint war ich) das Geld anvertrauen. Sie wird es nicht veruntreuen.
Unser Unternehmen hatte keine Einkaufsabteilung, doch wir mussten für die Erweiterung viele Artikel beschaffen. Mein Chef beauftragte mich mit den Einkäufen, und ich nutzte die Gelegenheit, um mit den Lieferanten über Dafa zu sprechen. Wenn wir neue Mitarbeiter einstellten, diente unser Büro als Warteraum für die Bewerber, so konnte ich mit den Bewerbern über Dafa sprechen. Damals war ich ziemlich fleißig.
Meine Verbindung zu Dafa erneuern – Groll loslassen
Meine Mutter wohnte weit entfernt von mir, wir hatten mehrere Jahre lang keinen Kontakt. Da ich noch an zwischenmenschlichen Beziehungen hing, verbrachte ich immer mehr Zeit damit, mit meinen Kolleginnen einkaufen zu gehen und auswärts zu essen. Ich begann, mich mit einem Nicht-Praktizierenden zu treffen und ließ nach und nach das Fa-Lernen und das Praktizieren der Übungen schleifen. Ich wurde immer mehr wie ein gewöhnlicher Mensch.
Bis zum Ausbruch der COVID-Pandemie Ende 2019 kultivierte ich mich nur halbherzig. Mir wurde klar, dass ich nicht länger nachlassen durfte, und ich zog zurück zu meiner Mutter, um mich ganz der Kultivierung widmen zu können. Dort lernte ich meinen zukünftigen Ehemann kennen und durchlief einen schwierigen Prozess, bei dem ich meinen Groll beseitigen musste.
Mein Mann ist Praktizierender und ein paar Jahre älter als ich. Zunächst hoffte ich, er würde sich um mich kümmern und mich beim Fa-Lernen und bei den Übungen anleiten. Es kam jedoch genau umgekehrt. Ich konnte mich nicht auf ihn verlassen. Er stammte aus einer Familie mit drei Kindern, und seine Eltern hatten ihn verwöhnt – er war es gewohnt, sich selbst an die erste Stelle zu setzen. Er konnte keine Hausarbeit verrichten, hatte schlechte Angewohnheiten und es mangelte ihm an grundlegenden Umgangsformen und Manieren. Das waren die Dinge, an denen ich nach unserer Heirat Anstoß nahm.
Wir renovierten unser neues Zuhause, während ich schwanger war. Mein Mann hatte keine Ahnung von Renovierungsarbeiten, unternahm keinen Versuch, etwas zu lernen, und half schon gar nicht freiwillig mit – ich musste jeden einzelnen Schritt überwachen. Als die Haushaltsgeräte installiert wurden, sah mich der Techniker mit meinem dicken Bauch an und fragte: „Wohnt noch jemand bei Ihnen?“
Ich antwortete hilflos: „Eigentlich kann mir hier niemand helfen.“ Von den täglichen Konflikten wegen Kleinigkeiten bis hin zur geistigen und körperlichen Erschöpfung durch die Betreuung unseres Kindes wuchs mein Groll gegenüber meinem Mann.
Beim Fa-Lernen konnte ich mich nicht konzentrieren und schaffte es nicht, die fünf Übungen zu bewältigen. Ständig war ich erschöpft. Allerdings schaute ich bedingungslos nach innen, wenn mein Groll aufkam.
Obwohl ich jeden Tag etwas an meinem Mann auszusetzen hatte, wusste ich, dass ich das nicht tun sollte. Mein Mann kümmerte sich weder um mich noch um unser Kind oder unser Zuhause, und er machte nichts richtig – daher war es nicht falsch von mir, ihn zu kritisieren. Aber ich wusste auch, dass ich mich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen sollte und dass ich meine Anhaftungen noch nicht erkannt hatte.
Der Meister sagte:
„KultivierenderBei sich die Fehler suchtViele menschliche Gesinnungen beseitigenGroßer Pass, kleiner Pass, nicht vermeidenRecht hat erUnrecht habe ichWozu streiten“(Wer hat recht, wer hat unrecht, in: Hong Yin III)
Was habe ich falsch gemacht? Ich steckte lange Zeit fest und kam nicht weiter. Das war wirklich schmerzhaft. Hätte ich Dafa nicht praktiziert, wäre ich ziemlich depressiv geworden.
In dieser Situation hatte ich das Gefühl, den Verstand zu verlieren. Deshalb suchte ich auf der Minghui-Website nach Erfahrungsberichten über die Kultivierung bei familiären Konflikten. Ich wollte erfahren, wie andere Praktizierende mit solchen Situationen umgingen. In den Berichten las ich, dass ihr Groll gegenüber ihren Ehemännern verschwunden war, nachdem sie begonnen hatten, Falun Dafa zu praktizieren, und dass sie Verständnis für ihre Männer entwickelt hatten. Doch wie war es ihnen gelungen, diesen Zustand zu erreichen? Dahinter musste doch ein Prozess stehen, bestimmte Schritte oder Wege, die zu dieser Veränderung geführt hatten.
In einem Artikel berichtete eine Praktizierende, dass ihr Mann sie jedes Mal schlug, wenn sie die Übungen praktizierte. Eines Tages brach sie in Tränen aus, als ihr Mann sie schlug, weil sie spürte, was er ertragen musste, damit sie sich kultivieren konnte. Plötzlich verstand ich, was mich blockierte, konnte es aber nicht in Worte fassen. Warum konnte ich nicht erkennen, dass mein Mann mir eigentlich half? All meine Beschwerden über ihn schmolzen schließlich wie Schnee dahin und ich fühlte mich leichter und klarer.
Allmählich hörte ich auf, mich darüber zu beschweren, dass mein Mann nicht bei der Hausarbeit half. Ich hörte auf, ihn beim Kochen zu kritisieren, und half ihm gelegentlich beim Gemüsewaschen oder bei anderen Aufgaben. Ich räumte die Küche auf, die nach dem Kochen wie ein Schlachtfeld aussah.
Außerdem erkannte ich, dass er sich sehr wohl um mich kümmerte, unser Kind liebte und sich um unser Zuhause kümmerte – nur auf seine eigene Art und Weise. Mein Mann hat mir geholfen, meinen Groll, meinen Hass, mein Ego, meinen Stolz und meine Eitelkeit loszulassen.
Nun verstand ich, warum ich meinen Kultivierungsweg nicht mit denen anderer Praktizierender vergleichen konnte, von denen ich in ihren Erfahrungsberichten gelesen hatte. Es waren ihre Wege, während ich meinen eigenen Weg in der Kultivierung gehen musste. Erst wenn ich die Erkenntnisse selbst gewinne und wirklich verinnerliche, werden sie zu einem Teil meines eigenen Kultivierungsweges. Ich bin meinem Mann dankbar.
Ich habe noch viele Anhaftungen, die ich ablegen muss. Da die Fa-Berichtigung in ihre letzte Phase eintritt, werde ich mich noch fleißiger kultivieren und den Meister nicht enttäuschen.
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