(Minghui.org) Chinas Kulturrevolution (1966–1976) war ein Jahrzehnt des Chaos. Fast jeder – von hohen Beamten bis hin zu einfachen Bürgern – wurde dazu angehalten, sich gegenseitig anzugreifen. Selbst Familienangehörige wandten sich gegeneinander.

Seitdem sind sechzig Jahre vergangen und obwohl viele Menschen die enormen Verluste bedauern, haben nur wenige über die zugrundeliegenden Ursachen dieser großen Katastrophe nachgedacht.

Mädchen im Teenageralter werden zu Mörderinnen

Kurz nach Beginn der Kulturrevolution diente die der Pekinger Pädagogischen Universität angegliederte Oberstufe (heute bekannt als Experimentelle Oberschule der Pekinger Pädagogischen Universität) als Sammelpunkt für die Roten Garden, angeführt von Kindern hochrangiger Funktionäre der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Bian Zhongyun, die stellvertretende Schulleiterin, wurde am Nachmittag des 5. August 1966 ins Visier genommen.

Bian Zhongyun, eine der ersten Pädagoginnen, die während der Kulturrevolution zu Tode geprügelt wurden

Die Schülerinnen schlugen Bian zunächst mit Schlagstöcken. Später übergossen sie sie mit Tinte und einige trampelten sogar auf ihr herum. Um 17 Uhr verlor Bian das Bewusstsein. Obwohl sich direkt gegenüber der Schule ein Krankenhaus befand, hinderten die Roten Garden das Schulpersonal daran, sie dorthin zu bringen. Als sie schließlich nach 19 Uhr ins Krankenhaus gebracht wurde, war ihr Körper bereits steif.

Jahrzehnte später, im Jahr 2014, entschuldigte sich Song Binbin, eine der führenden Roten Garden, die an dem Vorfall beteiligt war, für das Unrecht, das sie damals den Lehrern angetan hatte. Bians Ehemann Wang Jingyao veröffentlichte online eine Antwort, in der er sich weigerte, die Entschuldigung anzunehmen. „Solange der Vorfall vom 5. August nicht vollständig aufgeklärt ist, akzeptiere ich keine heuchlerische Entschuldigung von diesen Roten Garden“, schrieb er. „Das war ein Verbrechen, kein Fehler. Verbrecher sollten zur Rechenschaft gezogen werden.“

Allerdings wurde weder gegen Song noch gegen die anderen Roten Garden ermittelt. Der Grund dafür ist einfach: Song Renqiong, Song Binbins Vater, war General der Volksbefreiungsarmee und wurde später Minister der Organisationsabteilung des Zentralkomitees der KPCh. Zeugenaussagen zufolge waren auch Deng Rong und Liu Tingting an der Prügelattacke beteiligt. Deng Rong war eine Tochter von Deng Xiaoping, dem Vorsitzenden der KPCh nach der Kulturrevolution. Liu Tingtings Vater war Liu Shaoqi, Chinas Staatspräsident zu jener Zeit.

Dies erklärt, warum dieser Vorfall nie vollständig untersucht wurde, wie es Bians Ehemann gehofft hatte. 

Dabei gibt es ein noch tieferliegendes Problem: Wie wurden diese Teenager-Mädchen überhaupt zu Mörderinnen?

Man erntet, was man sät

Die Mädchen wurden zu Mörderinnen aufgrund der Doktrin der KPCh von Klassenkampf und Brutalität und Mao Zedongs Anweisungen zur Kulturrevolution. 

Vor und nach ihrer Machtübernahme stellte die KPCh Großgrundbesitzer und Kapitalisten oft als böse dar, was deren Misshandlung und Ermordung für die KPCh rechtfertigte. Laut dem Historiker Song Yongyi etablierten Liu Shaoqi und seine Frau während der „Vier-Säuberungs-Bewegung“ im Jahr 1964 eine systematische Methode zur Misshandlung von Gegnern. Gemeinsam leitete das Ehepaar die Kampagne, die 78.000 Todesopfer forderte und mehr als 5,3 Millionen Menschen ins Visier nahm.

Vor diesem Hintergrund war es nicht überraschend, dass Liu Tingting zwei Jahre später, als die Kulturrevolution begann, diesem Beispiel folgte und dasselbe tat. Ironischerweise startete Mao die Kulturrevolution teilweise, um gegen Liu vorzugehen. Doch Liu war sich dessen nicht bewusst und leitete im Mai 1966 sogar die Sitzung, in der Maos Befehl für der Beginn der Kampagne verkündet wurde.

Es gibt ein Sprichwort: „Man erntet, was man sät.“ Als die Roten Garden ein Jahr später, im Sommer 1966, gegen Liu vorgingen, griff Liu nach einer Ausgabe der Verfassung auf dem Tisch und erklärte: „Ich bin immer noch der Vorsitzende der Volksrepublik China! Ihr dürft mich persönlich beleidigen, aber ihr dürft den Staat nicht beleidigen! Die Verfassung garantiert die Rechte jedes Bürgers; wenn ihr gegen die Verfassung verstoßt, werdet ihr zur Rechenschaft gezogen!“ Sein Versuch war jedoch vergeblich – die Roten Garden zögerten eine Weile, machten dann aber weiter.

Rückblickend lässt sich feststellen, dass Liu selbst zu dem gesetzlosen Chaos in China beigetragen hatte. So erließ Liu beispielsweise während eines Arbeitsberichts, den der Oberste Generalstaatsanwalt Zhang Dingcheng im Jahr 1955 vorstellte, eine verbindliche Anweisung: „Wenn ein Parteikomitee beschließt, dass eine Verhaftung gerechtfertigt ist, muss die Staatsanwaltschaft dies mit geschlossenen Augen genehmigen.“

„Auch wenn ein solches Vorgehen gelegentlich zu Fehlern führen kann – Angelegenheiten, die intern innerhalb der Partei geklärt werden können –, muss die Staatsanwaltschaft nach außen hin voranschreiten und die Verantwortung übernehmen“, erklärte er. „Wenn die Staatsanwaltschaft nicht als Schutzschild der Partei fungiert, werden diejenigen, die sich für Demokratie einsetzen, diese Tatsache ausnutzen und sich der Partei widersetzen. Die letztendliche Konsequenz unterscheidet sich nicht davon, dass die Staatsanwaltschaft selbst sich der Partei widersetzt.“

Was Liu nicht vorausgesehen hatte, war, dass, sobald der Staatsapparat zu einer gut geölten Tötungsmaschine geworden war, jeder – einschließlich ihm selbst – ihr Opfer werden konnte. Drei Jahre später, im November 1969, starb Liu elendig.

Die Tragödie geht weiter

Nach dem Ende der Kulturrevolution versuchten Deng Xiaoping und andere Funktionäre, einige Korrekturen vorzunehmen – doch nur oberflächlich. Da die Tötungsmaschine intakt blieb und mit der Zeit sogar noch an Macht gewann, zerschlug sie 1989 die Demokratiebewegung und unterdrückt seit 1999 Falun Dafa (auch Falun Gong genannt).

Der Verfolgung von Falun Dafa fehlt jegliche rechtliche oder moralische Grundlage. Das in der traditionellen chinesischen Kultur verwurzelte Meditationssystem stärkt den Körper und erhöht den Geist durch fünf Übungen und die Befolgung der Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht. Doch mit ihren Kernwerten Hass und Brutalität kann die totalitäre KPCh dies nicht tolerieren und verfolgt den Kultivierungsweg seit 27 Jahren. Jiang Zemin, der ehemalige Vorsitzende der KPCh, der die Verfolgung 1999 eingeleitet hat, erließ sogar den Befehl gegen die Praktizierenden: „ihren Ruf zu diffamieren, sie finanziell zu ruinieren und sie physisch zu eliminieren“.

Mit etwa 100 Millionen Falun-Dafa-Praktizierenden in China hat diese Katastrophe unzähligen Familien unermessliches Leid gebracht. Zu ihnen gehört die Familie von Herrn Qu Hui aus der Stadt Dalian in der Provinz Liaoning. Herr Qu arbeitete als Frachtabfertiger im Seehafen von Dalian, während seine Frau, Liu Xinying, Krankenschwester im Krankenhaus für Geburtshilfe und Gynäkologie in Dalian war. Zusammen hatten sie eine reizende Tochter.

Herr Qu und seine Frau Liu Xinying hatten eine Tochter

Einige Monate nach Beginn der Verfolgung, im Januar 2000, reiste das Ehepaar nach Peking, um gegen die Verfolgung von Falun Gong zu protestieren. Herr Qu wurde verhaftet und in die Haftanstalt des Hafens von Dalian gebracht, woraufhin er im Arbeitslager von Dalian inhaftiert wurde. Am 19. März 2001 folterten Wärter die Praktizierenden in der Einrichtung nacheinander, um sie zu zwingen, ihrem Glauben abzuschwören.

„Auch ich wurde um 21:00 Uhr in diesen Raum gezerrt. Die Beamten folterten mich ohne Unterbrechung bis 8:00 Uhr morgens. Ich weiß nicht, wie viele Elektroschocker sie bei mir einsetzten. Mein Körper war mit Wunden von ihren Schlagstöcken übersät. Mein Gesäß wurde so heftig geschlagen, dass die Wunden eiterten. Meine Knie waren von den Schlägen geschwollen und mein Rücken war gebrochen. Ich spuckte Blut und verlor immer wieder das Bewusstsein“, erinnerte sich Herr Qu.

Nachdem Herr Qu das Bewusstsein wiedererlangt hatte, untersuchte ihn ein Arzt namens Han Qiong und sagte zu den Beamten: „Ihm geht es gut. Ihr könnt weiter auf ihn einschlagen.“ Während er Herrn Qu schlug, grinste ein Beamter namens Qiao Wei und sagte zu den Zuschauern: „Seit Jahren wurde mein Verlangen [nach Schlägen] nicht so gestillt wie jetzt.“

Infolge der brutalen Folter erlitt Herr Qu einen Bruch der Halswirbel und wurde querschnittsgelähmt. Die Wunden an seinen Genitalien – verursacht durch Elektroschocks – entzündeten sich. Sein Körper schwoll an und er bekam hohes Fieber. Da seine Lungen versagten und er nicht mehr atmen konnte, schnitten die Ärzte seine Luftröhre auf und legten einen Beatmungsschlauch. Auch seine Nieren versagten, sodass die Ärzte einen Katheter einführten. Er litt unter schwerem und anhaltendem Durchfall und wurde durch intravenöse Infusionen am Leben erhalten. Sein geschwächter Körper war überall mit Druckgeschwüren übersät.

Von diesem Zeitpunkt an bis zu seinem Tod im Februar 2014 wurde Herr Qu von seiner Frau gepflegt. Das Paar litt unermessliche Qualen. Einige Monate nach Herrn Qu’s Tod wurde auch Frau Liu verhaftet und in das Frauengefängnis von Shenyang gebracht. Als ihre Tochter Gerechtigkeit suchte, wurde sie in der Schule von der Polizei schikaniert. Nach anhaltender Haft und Folter sowie endlosen Schikanen verließ auch Frau Liu im April 2023 voller Trauer diese Welt.

Die Freiheit unserer Seele

Das oben Genannte umfasst nur zwei der unzähligen tragischen Geschichten, die sich in China abspielen. Eine Frage bleibt: Wer ist letztendlich für diese Verluste verantwortlich?

Von Song Binbin bis zu den Wachen im Arbeitslager Dalian glaubten viele, sie würden der Partei treu folgen und Befehle ausführen – doch eine große Zahl unschuldiger Menschen verlor ihr Leben. Obwohl Chinas Arbeitslagersystem offiziell im Dezember 2013 endete, dauern Tragödien wie die, die Herr Qu und seine Familie erlitten haben, bis heute in Haftanstalten, Gefängnissen und Gehirnwäschezentren an. Die Frage ist: Warum geschieht dies immer noch?

„Sklave – in der Vergangenheit glaubte ich immer, dass ich mit diesem Wort absolut nichts zu tun hatte; doch hatte ich unbestreitbar zehn Jahre lang als Sklave gelebt“, schrieb der renommierte Schriftsteller Ba Jin, als er über die Kulturrevolution nachdachte. „Ich war einer dieser geistigen Sklaven, der sich völlig in seine Knechtschaft gefügt hatte. Diese Erkenntnis erfüllte mich mit tiefer Qual! Mein Herz rang in mir; ich spürte, wie die Philosophie der Sklaverei mein ganzes Wesen so fest wie eiserne Ketten fesselte – ich war nicht mehr ich selbst.“

Im 1848 veröffentlichten Manifest der Kommunistischen Partei schrieb Karl Marx: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“ Siebzig Jahre später, im Jahr 1918, brachte dieses Gespenst eine Katastrophe über die Sowjetunion. Weitere 30 Jahre später verursachte es einen noch größeren, verheerenderen Albtraum in China. Jeder, der der KPCh oder ihren Unterorganisationen (Jugendliga und Junge Pioniere) beitritt, muss während der Aufnahmezeremonie seine unerschütterliche Loyalität gegenüber der Partei schwören. Durch dieses Ritual werden sie zu geistigen Sklaven, die gehorchen, wozu auch das Töten von Falun-Dafa-Praktizierenden gehört.

„Ich erinnere mich deutlich, dass ich mich einst von einem Menschen in ein Tier verwandelt hatte; manche sagten mir, das sei nichts weiter als ein zehnjähriger Traum gewesen. Werde ich wieder träumen? Warum sollte ich nicht? Mein Herz schmerzt noch immer, es blutet noch immer“, fuhr Ba Jin fort. „Doch ich weigere mich, weiterhin zu träumen. Ich werde nicht vergessen, dass ich ein Mensch bin, und ich bin entschlossen, niemals wieder zu einem Tier zu werden.“

Das erklärt, warum mittlerweile über 460 Millionen Chinesen ihre Mitgliedschaft in der KPCh und deren Unterorganisationen aufgegeben haben. Nur durch den Bruch mit der KPCh können wir unser unabhängiges Denken zurückgewinnen, unsere Menschlichkeit wiedererlangen und die Tugend hochhalten.

Ich bin auch der Ansicht, dass dies nicht nur das chinesische Volk betrifft, da die KPCh ihre Bemühungen um globalen Einfluss verstärkt hat. Früher oder später wird jeder vor der Entscheidung stehen, Position zu beziehen – entweder sich auf die Seite der KPCh zu stellen oder seinem Gewissen zu folgen.