(Minghui.org) Im Osten und im Westen gilt gleichermaßen familiäre Zuneigung als Grundpfeiler der gesellschaftlichen Moral. Wird sie jedoch als Druckmittel oder gar als Waffe eingesetzt, um andere dazu zu zwingen, ihre Prinzipien und moralischen Grundsätze aufzugeben, hat dies sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich äußerst schwerwiegende Folgen.

Instrumentalisierung familiärer Zuneigung und dadurch Verzerrung der Ethik

In der traditionellen chinesischen Ethik steht im Zentrum familiärer Zuneigung die „Pflichterfüllung“ (Yi). Die sogenannte „große moralische Pflicht in den zwischenmenschlichen Beziehungen“ bedeutet: „Wer jemanden liebt, kann ihm gegenüber nicht untätig bleiben; wer ihm treu ist, weist ihn auf Fehler hin.“

Wenn familiäre Zuneigung jedoch dazu benutzt wird, jemanden zu zwingen, gegen sein Gewissen zu handeln – etwa seinen aufrichtigen Glauben aufzugeben oder seinen Lehrer zu verraten –, dann wird dies zu einem Akt, der Angehörige in Ungerechtigkeit verstrickt. Es ist Ausdruck von Ungehorsam, Unmenschlichkeit und fehlender Liebe.

Aus der Perspektive der westlichen Philosophie handelt es sich bei der Instrumentalisierung familiärer Bindungen um typische emotionale Erpressung, auch als moralischer Zwang bezeichnet. Der Ausübende macht die familiären Gefühle des Gegenübers zu einem Werkzeug, um die eigenen Interessen durchzusetzen, und verletzt damit dessen moralische Autonomie.

Die Folgen: Zusammenbruch auf mehreren Ebenen

Die Folgen dieses Verhaltens sind häufig verheerend und kaum rückgängig zu machen.

Für die „Betroffenen“ bedeutet es Zerstörung des Selbstwertes. Wird ein Mensch gezwungen, seine moralischen Grundsätze aufzugeben, entstehen starke Gefühle von Selbstverachtung und Scham. Dieser innere Konflikt kann zu Depressionen, Angstzuständen oder einer Verflachung der Persönlichkeit führen. Es ist ein moralisches Trauma und führt zu Vertrauensverlust; das heißt, die Betroffenen erkennen, dass selbst die ihnen am nächsten stehenden Menschen nicht ihre Werte und Würde achten, sondern nur kurzfristige Interessen verfolgen. Dies führt zu einem tiefgreifenden Verlust des Vertrauens in die menschliche Natur und in gesellschaftliche Normen.

In den Beziehungen kommt es zu Erschöpfung und dem Tod der Gefühle. Emotionale Bindung wird zur Fessel. Familiäre Zuneigung, die einst ein sicherer Hafen war, wird zu einem Gefängnis, das die eigene Handlungsfreiheit einschränkt. Um sich selbst zu schützen, ziehen sich Betroffene emotional zurück oder fliehen aus der Beziehung, was letztlich zum Zerbrechen familiärer Bindungen führt.

Wird familiäre Bindung eingesetzt, um andere dazu zu zwingen, ihre Prinzipien und moralischen Grundsätze aufzugeben, hat dies auf gesellschaftlicher Ebene eine Aushöhlung der Moral zur Folge. Wenn eine Gesellschaft allgemein toleriert, dass im Namen familiärer Zuneigung Unrecht begangen wird, verlieren Gesetz und öffentliche Moral ihre Wirkung.

Innerhalb kleiner Gruppen könnte sich eine Art „Cliquenethik“ herausbilden, nach der für die eigenen Leute alles erlaubt ist. Das bedroht direkt die Grundlagen eines rechtsstaatlichen, zivilisierten Gemeinwesens.

Lehren aus der Geschichte

Während der Kulturrevolution wurde familiäre Zuneigung durch politische Loyalität ersetzt. Die familiäre Ethik wurde dadurch schwer beschädigt: Kinder denunzierten ihre Eltern, Ehepartner beschuldigten einander; das gesellschaftliche Vertrauen brach vollständig zusammen und zwischen den Menschen herrschte Misstrauen. Viele standen vor der Wahl: Sollten sie ihrem Gewissen folgen oder sich selbst schützen? Sie sahen sich gezwungen, sich von ihren Angehörigen zu distanzieren, um zu überleben. Dies führte nicht nur zum moralischen Zusammenbruch des Einzelnen, sondern auch zu einem Zustand allgemeiner Gleichgültigkeit und einem Zustand von Misstrauen in der gesamten Gesellschaft.

Seit 1949 hat es in China immer wieder politische Kampagnen gegeben, die die zwischenmenschlichen Werte zerstörten. Heute zeigt sich dies in einer Gesellschaft, in der zwischenmenschliche Beziehungen von Misstrauen geprägt sind, in der man einer Autorität gehorcht, ihr aber nicht vertraut, und in der die Menschen einander schaden und ausnutzen. Aufrichtigkeit und Güte sind selten geworden, Loyalität ist verzerrt.

Eine bekannte Website in China führte einst eine Online-Umfrage durch mit der Frage: „Soll man einem gestürzten älteren Menschen auf der Straße helfen?“ Fast 130.000 Menschen nahmen an der Umfrage teil. 62,54 Prozent antworteten: „Auf keinen Fall – aus Angst vor Schwierigkeiten“, während nur 4,01 Prozent meinten: „Natürlich sollte man helfen. Das ist eine grundlegende moralische Pflicht.“ Dies zeigt deutlich den moralischen Verfall und die Gleichgültigkeit in der Gesellschaft.

Die Folgen in der Gegenwart

Emotionale Erpressung im Namen familiärer Zuneigung ist heute in vielen gesellschaftlichen Gruppen zu beobachten. Sie reicht von Eltern, die ihre Kinder unter dem Vorwand „Ich meine es gut mit dir“ zu etwas zwingen, bis hin zur Ausnutzung familiärer Bindungen, um Falun-Gong-Praktizierende dazu zu bringen, ihren aufrichtigen Glauben aufzugeben.

Diejenigen, die ihre Angehörigen unter Druck setzen, sind oft selbst Opfer von Angst. Unter dem Druck des Systems geben sie diese Angst an ihre engsten Verwandten weiter. Wenn sie später das Leid sehen, das sie ihren Angehörigen zugefügt haben, bereuen sie ihr Handeln oft zutiefst.

Die schwerwiegendsten Folgen treffen jedoch häufig diejenigen, die solche „emotionale Erpressung“ initiieren. Beispielsweise tragen einige Strafverfolgungsbeamte, die die Güte und familiären Bindungen von Falun-Gong-Praktizierenden ausnutzen, um ihnen die sogenannte „Umerziehung“ aufzuzwingen, letztlich die Konsequenzen ihres Handelns – auch wenn sie lediglich Werkzeuge der Verfolgungspolitik sind.

Betrachten wir einige Beispiele aus der Realität:

Guo Yuansheng, ehemaliger politischer Kommissar der Gefängnisverwaltung Lingyuan in der Provinz Liaoning sowie Hauptverantwortlicher des sogenannten Büro 610, setzte verschiedene Mittel ein, um Falun-Gong-Praktizierende zur Aufgabe ihres Glaubens zu zwingen. Dazu gehörten Drohungen im Zusammenhang mit dem Hochschulzugang ihrer Kinder, dem Verlust des Arbeitsplatzes, der Beförderung, der Einstellung von Gehaltszahlungen usw. Dies verursachte bei den Praktizierenden und ihren Familien enormes körperliches und seelisches Leid.

Ende 2003 erlitt Guo Yuansheng während einer Versammlung plötzlich eine massive Hirnblutung und verstarb am 6. Februar 2004 in einem Krankenhaus in Peking im Alter von 58 Jahren.

Liang Junhong, ehemaliger Leiter der Miliz im Ort Anzhuang der Stadt Feicheng in der Provinz Shandong, beteiligte sich aktiv an der Inhaftierung, Misshandlung und Verfolgung von Falun-Gong-Praktizierenden. Kindern von Praktizierenden verweigerte er grundsätzlich den Eintritt in die Armee. Dazu äußerte er: „Wer Falun Gong praktiziert, wird mit seiner ganzen Familie dafür bestraft! Zur Armee zu gehen oder zu studieren – das könnt ihr vergessen!“ Liang Junhong verstarb im Mai 2000 im Alter von 46 Jahren an Krebs.

Diese Menschen erlitten nicht nur körperliche Schmerzen, sondern hinterließen auch in der Geschichte einen Makel für ihre Familien und Nachkommen.

Schlusswort

Wenn familiäre Zuneigung dazu benutzt wird, Angehörige zur Aufgabe von Prinzipien und moralischen Grenzen zu zwingen, ist dies im Wesen ein Verrat an der Liebe selbst. Wahre familiäre Zuneigung sollte eine Stütze für die moralische Vervollkommnung des Einzelnen sein – nicht ein Seil, das ihn in den Abgrund zieht.

Ob man Familienmitglieder dazu zwingt, ihren Glauben und ihre Prinzipien aufzugeben, oder die familiären Bindungen anderer ausnutzt, um sie zu einem unmoralischen Verhalten zu drängen – all dies zerstört die familiäre Zuneigung als Fundament von Familie und Gesellschaft.

Das menschliche Leben währt nur kurz und Macht ist stets vergänglich. Wie sich die Welt entwickeln wird, ist unvorhersehbar. Wer könnte sagen, wie lange die Komunistische Partei in China noch an der Macht sein wird? Über allem steht das Himmelsgesetz. Der Mensch kommt mit leeren Händen und geht mit den Konsequenzen seines Handelns.

Abschließend gilt: Der Kern familiärer Zuneigung ist die Pflichterfüllung. Wird sie zur Ausübung von Ungerechtigkeit missbraucht, hat sie bereits ihre Natur verloren. Der Mensch lebt nicht, um sich in familiären Bindungen zu verlieren oder von ihnen gefangen zu werden, sondern um andere zu lieben (auch seine Angehörigen) und ihnen Orientierung zu geben. Wer das Wesen familiärer Zuneigung erkennt, lässt sich nicht mehr durch sie moralisch erpressen.