(Minghui.org) Obwohl ich mich bereits seit über dreißig Jahren als Dafa-Jüngerin kultiviere, habe ich viele Anschauungen der gewöhnlichen Menschen noch immer nicht vollständig beseitigt. Erst heute habe ich ein wenig die innere Bedeutung von „Leiden“ erkannt.
Ich erinnere mich, dass ich früher einmal eine Kultivierungsgeschichte mit dem Titel „Die heilige Blume des Leidens“ gelesen habe. Und die ging so:
Ein Bettler, der von vielen Krankheiten geplagt und zudem körperlich behindert war, hatte in seinem Leben sehr viel Leid ertragen. In bitterer Kälte und sengender Hitze, Wind und Wetter ausgesetzt, lebte er jahrein, jahraus in einem Zustand unstillbaren Hungers und entsetzlichen Qualen. Obwohl er zu jeder Zeit Leid ertrug, konnte er doch nicht erklären, was Leid eigentlich ist. Manchmal empfand er das Schicksal als äußerst ungerecht, manchmal stellte er sogar voller Zorn den Himmel zur Rede, warum dieser ihn so grausam behandelte.
Zufällig begegnete der Bettler einem Meister. Täglich hörte er ihm beim Rezitieren buddhistischer Schriften zu und allmählich besserte sich sein geistiger Zustand. Eines Tages fragte er den Meister: „Was ist Leid?“ Der Meister streckte seine Hand aus und augenblicklich erschien darauf eine bunt schillernde Blume. Die Blume schwebte leicht auf seiner Hand und bewegte sich sanft hin und her – unvergleichlich schön. Der Bettler riss die Augen auf und betrachtete sie erstaunt. Er dachte: „Noch nie habe ich gehört, dass Leid so aussieht – und noch dazu so schön ist.“ Der Meister pflückte ein Blütenblatt und reichte es dem Bettler mit den Worten: „Koste es und sieh, wie es schmeckt!“ Der Bettler nahm es entgegen und schluckte es sofort hinunter. Durch den jahrelangen Hunger war er es gewohnt, hastig zu essen.
Kaum hatte er das Blütenblatt geschluckt, kam er wieder zu sich und bemerkte: Dieses so schöne Blütenblatt war in Wahrheit unglaublich bitter! Die Bitterkeit war so unerträglich, dass er sich vor Schmerz auf dem Boden wälzte und nicht wusste, was er tun sollte. Der Meister sagte: „Beweg dich nicht!“ Und tatsächlich konnte sich der Bettler nicht mehr bewegen. Allmählich durchdrang der bittere Geschmack jede seiner Adern, alle Knochen und Muskeln, danach ließ es allmählich nach. Erst da kam er wieder zu sich. Er dachte bei sich: „Mein ganzes Leben lang habe ich so viele Leiden ertragen – doch keines kommt diesem einen Blütenblatt gleich.“
Der Meister ließ den Bettler aufstehen. Da bemerkte dieser, dass sich sein zuvor gekrümmter Körper aufgerichtet hatte, seine erfrorenen Gliedmaßen geheilt und all seine Krankheiten verschwunden waren. Sein Körper war von innen bis außen rein und frisch geworden. Der Bettler war so glücklich, dass er in Tränen ausbrach, sich immer wieder vor dem Meister niederwarf und sich verbeugte.
Der Meister half ihm auf, schwenkte in der Meditationskammer die Hand und augenblicklich erschienen auf dem Boden, an den Wänden und an der Decke des ganzen Raumes verschiedenste Blumen in allen Formen und Farben, groß und klein, funkelnd und leuchtend. Ein wunderbarer Duft erfüllte den gesamten Raum. Der Meister sagte zu ihm: „Diese Blumen nennt man heilige Blumen des Leidens. Sie habe ich durch Ausdauer und strenge Askese über viele Leben hinweg hervorgebracht, indem ich die ganze Welt bereiste und sämtliches Leid der Welt ertrug. Gewöhnliche Menschen können durch bloßes Ertragen von Leid diese heiligen Blumen nicht hervorbringen. Nur unter dem Schutz und der Stärkung des Fa können sie entstehen. Doch für jedes einzelne Blütenblatt muss man viel Leid ertragen.“
Der Bettler fragte: „Meister, warum habt Ihr so viel Leid ertragen und so viel Mühe auf euch genommen, um diese heiligen Blumen hervorzubringen?“
„Für die Lebewesen“, antwortete der Meister mit ernstem Ton. „Auch du sollst künftig Leid ertragen und dich kultivieren, damit du ebenfalls solche heiligen Blumen hervorbringst und die Menschen rettest …“
Unser Meister hat uns unermüdlich und mit großer Barmherzigkeit die Beziehung zwischen dem Ertragen von Leid und der Kultivierung erklärt:
„Deshalb sage ich euch, dass es keine schlechte Sache ist, Leiden zu ertragen. Nur die Menschen meinen, dass es eine schlechte Sache ist und man nicht glücklich lebt, wenn man Leiden erträgt. Als Kultivierender beseitigt man durch die Leiden nicht nur das Karma, sondern man erhöht auch noch die Ebene und kann zur Vollendung kommen. Wenn du sagst, dass du einfach unter den Menschen Glück haben, kein bisschen Leiden ertragen und nur gemütlich praktizieren willst, dann kannst du das Karma nicht beseitigen und die Xinxing auch nicht erhöhen. So kannst du auch nicht zur Vollendung kommen. So ist der Grundsatz.“ (Erstmalige Erklärung in den USA, 05.10.1996)
Doch wie viele von uns haben es wirklich verstanden und in die Tat umgesetzt? Beim Fa-Lernen sind wir Kultivierende, doch im Alltag, sobald wir auf Schwierigkeiten stoßen, behandeln wir das Leiden zwar nicht wie gewöhnliche Menschen, tun dies aber oft aus einer Haltung der Hilflosigkeit heraus und zwingen uns selbst, indem wir uns sagen: „Ich bin ein Kultivierender, ich muss ertragen; ich bin ein Kultivierender, ich muss eine hohe Haltung bewahren.“ Wir betrachten das Fa als eine Art Einschränkung für uns selbst, anstatt im Fa aufzugehen, uns dem Fa anzugleichen und die Schwierigkeiten von Herzen als etwas Gutes anzunehmen, sie mit Freude zu durchlaufen und sogar denjenigen zu danken, die uns Prüfungen bereiten.
Selbst, nachdem wir begonnen hatten, uns zu kultivieren, berichteten viele von uns beim Erfahrungsaustausch oft davon, wie viel Leid sie vor der Kultivierung zu ertragen hätten, wie sie von Krankheiten geplagt gewesen seien und dass Dafa ihren Körper gereinigt habe, langjährige Krankheiten verschwunden seien und man sich frei von Krankheit fühle – wie glücklich man doch sei, Falun Dafa zu praktizieren! Dabei fokussierten wir uns darauf, dass Dafa uns das Glück im menschlichen Leben gegeben hat. Früher war ich ebenfalls so.
Wenn es sich um neue Lernende handelt oder wenn man gewöhnlichen Menschen das Fa näherbringt und die wahren Umstände erklärt, kann man nicht sagen, dass ein solches Verständnis falsch ist. Doch die meisten von uns sind bereits seit zwanzig oder dreißig Jahren Kultivierende. Wenn wir in unserem Verständnis und in unserer Erkenntnis des Dafa noch immer auf dieser Ebene stehen bleiben, dann ist das nicht angemessen.
Wenn wir über Leid sprechen und dabei im Verborgenen eine Klage über die „Ungerechtigkeit des Schicksals“ mitschwingt, ist das nicht ebenfalls ein Beschweren über die Arrangements des Meisters? Ganz zu schweigen davon, dass das Leid, das wir ertragen, nur ein winziger Teil des Karmas ist, das wir über viele Leben hinweg angesammelt haben. Ein viel größerer Teil der Schuld wird vom Meister für uns getragen.
Wenn wir unsere Erfahrungen für Beiträge zum 13. Mai aufschreiben, sollten wir selbst beim Schreiben über die Zeit vor der Kultivierung die Haltung eines Kultivierenden bewahren – eine Haltung der Dankbarkeit: Dankbarkeit gegenüber dem Meister dafür, dass er unser Karma beseitigt hat; Dankbarkeit dafür, dass er uns aus der Hölle herausgeholt und gereinigt hat, sodass wir genügend Tugend besitzen, um dieses Fa zu hören und zu erhalten. Doch viele von uns haben dieses Problem nicht erkannt – mich eingeschlossen.
Abschließend möchte ich ergänzen, dass die hier geäußerten Ansichten nicht bedeuten, dass wir alles passiv hinnehmen oder ohne Prinzipien handeln sollten. Noch weniger dürfen wir passiv in endlosen Schwierigkeiten verharren, ohne dass unsere klare Seite hervorkommt und das Fa berichtigt. Störungen aus anderen Räumen müssen wir rechtzeitig erkennen und mit aufrichtigen Gedanken beseitigen.
Dies sind lediglich oberflächliche Erkenntnisse auf meiner derzeitigen Ebene. Sollte etwas nicht im Einklang mit dem Fa stehen, bitte ich meine Mitpraktizierenden um barmherzige Korrektur.
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