(Minghui.org) Im vergangenen Jahr machten meine praktizierende Frau und ich uns mit unserem großen, fast fünfzig Jahre alten Wohnmobil auf den Weg von Upstate New York nach Kanada. Wegen des sich verschlechternden Gesundheitszustandes meines Schwiegervaters konnten wir nicht länger in New York bleiben und fuhren in unsere ursprüngliche Heimat zurück.

Unser altes, aus verschiedenen Autoteilen selbst zusammengebautes Wohnmobil hatte allerdings längst seine besten Tage hinter sich. Immer wieder ging etwas kaputt, Ersatzteile waren kaum noch zu bekommen und nur wenige Mechaniker kannten sich überhaupt mit einem so alten Fahrzeug aus. Die zahlreichen Schwierigkeiten auf der fast 5.000 Kilometer langen Reise brachten nach und nach meine langjährigen Anhaftungen und meine falschen Vorstellungen in Bezug auf die Kultivierung ans Licht.

Lange Zeit war ich überzeugt, dass meine allgemeine Unfähigkeit, meine Begierden und der Wunsch nach einem bequemen Leben, die eigentliche Ursache meiner Depressionen, meiner Trägheit und Verzweiflung wären. Ich glaubte, mein Streben nach Komfort und weltlichen Vergnügungen würden zeigen, dass ich nicht würdig war, mich im Falun Dafa zu kultivieren. Meine Selbstverachtung erschien mir deshalb als eine ganz natürliche Folge.

Erst durch Reise erkannte ich, dass mein Gefühl, „nicht würdig zu sein“, und mein Selbsthass in Wirklichkeit nur Symptome waren, die aus viel tiefer liegenden Lücken in meiner Kultivierung stammten.

Dieses 48 Jahre alte Wohnmobil zu fahren, war eine ständige Belastung für meine Nerven. Meiner Frau verschwieg ich meistens meine Sorgen. Aber jedes ungewöhnliche Geräusch, jeder seltsame Geruch oder jede Veränderung der Motortemperatur versetzte mich in Alarmbereitschaft.

Allmählich menschliche Anhaftungen loslassen

Gerade diese Prüfung war jedoch genau das, was ich brauchte. Weil ich immer wieder mit meinen Gedanken und Gefühlen konfrontiert wurde, lernte ich Schritt für Schritt, menschliche Anschauungen loszulassen. Besonders hartnäckig verfolgte mich das Bedauern: Warum hatte ich dieses Wohnmobil überhaupt gekauft? Weshalb war ich damit überhaupt nach New York gefahren? Hatte ich wirklich gründlich darüber nachgedacht, ob sich ein solches Leben auf Dauer überhaupt verwirklichen ließ? Und hatte ich nicht eine enorme Menge Geld verschwendet?

Immer wieder musste ich mich diesen Gedanken stellen und sie wieder loslassen. Dabei hielt ich mir immer wieder vor Augen, dass alles im Leben vom Meister arrangiert wird. Selbst Entscheidungen, die im Nachhinein wie Fehler erscheinen, können Stufen sein, auf denen man sich erhöht. Doch das Bedauern kehrte immer wieder zurück – Kilometer für Kilometer, Stunde um Stunde. Gerade dieses ständige Ringen bereitete den Boden für die Erkenntnisse, die später folgen sollten.

Nachdem sich kleine und größere Defekte unaufhörlich aneinanderreihten, beschlossen wir schließlich, eine Werkstatt aufzusuchen, die sich auf genau diesen Wohnmobiltyp spezialisiert hatte und sogar maßgefertigte Ersatzteile herstellen konnte. Insgesamt kosteten uns die Reparaturen 2.700 Dollar.

Die Mechaniker dort waren nicht gerade freundlich. Trotzdem blieb ich ruhig und ließ keine negativen Gedanken aufkommen zu. Ich versuchte, dem Werkstattleiter die Hintergründe über die Verfolgung von Falun Dafa zu erklären. Doch es gelang mir nicht, einen guten Draht zu ihm zu finden. Als die Reparaturen abgeschlossen waren, gab ich den Mitarbeitern Informationsmaterialien über Falun Dafa, dann setzten wir unsere Reise fort. Zu meiner Erleichterung fuhr sich das Wohnmobil nun deutlich ruhiger und stabiler.

Das angenehme ruhige Leben rückt in weite Ferne

Als wir am Abend in einen wunderschönen violett leuchtenden Sonnenuntergang hineinfuhren, kam mir plötzlich der Gedanke: „Endlich kehren wir in unser Zuhause zurück.“ Ein stilles Glück erfüllte mich. Vor meinem inneren Auge sah ich bereits die restliche Reise ohne Zwischenfälle vor mir. Bald würden wir unser Zuhause in Kanada erreichen und dort endlich wieder ein angenehmes, ruhiges Leben führen können.

Doch genau in dem Augenblick, als dieser Gedanke auftauchte, ertönte vorne am Fahrzeug ein lautes Krachen. Das Wohnmobil riss abrupt nach rechts. Ich trat sofort auf die Bremse, begleitet von einem schrillen Quietschen. Zum Glück gelang es mir noch, die nächste Ausfahrt zu nehmen.

Nachdem ich mich wieder gefasst hatte, dankte ich dem Meister von Herzen. Das Wohnmobil war unmittelbar vor einer Ausfahrt liegengeblieben. Wäre der Defekt nur wenige Augenblicke später aufgetreten, hätten wir mitten auf einer stark befahrenen Autobahn festgesessen.

Bei der Kontrolle stellte ich fest, dass genau das Bauteil gebrochen war, dessen Reparatur mich gerade einen ganzen Monatslohn gekostet hatte. Das Wohnmobil war vollkommen fahruntüchtig, und wir befanden uns eine Tagesfahrt von der Werkstatt entfernt.

Durch diese ganze Tortur erkannte ich Mehreres: Mein Wunsch nach einem sorgenfreien und bequemen Leben war deutlich offenbart worden. Auch die Wärme, die ich mit dem Gedanken an unser Zuhause verbunden hatte, erwies sich als eine Illusion, die ich loslassen musste. Mir wurde klar, dass ich Prüfungen nicht einfach dadurch umgehen konnte, dass ich Geld für Reparaturen ausgab.

Während wir auf den Abschleppwagen warteten, verwandelte sich meine Verzweiflung allmählich in Erleuchtung. Plötzlich erkannte ich, dass all diese Rückschläge im Grunde gar nicht das eigentliche Problem waren. Das eigentliche Problem lag in meinem Bedauern. Meine Sehnsucht nach der Behaglichkeit eines „Zuhauses“ war letztlich nur eine menschliche Anhaftung.

Letztlich wünschte ich mir nur eines: Diese Reise sollte endlich zu Ende gehen, damit ich mich wieder ganz meiner Arbeit widmen konnte. Zum ersten Mal seit langer Zeit verspürte ich den aufrichtigen Wunsch, an meinen Arbeitsplatz zurückzukehren und mich dort mit ganzer Kraft einzubringen. Diese Erkenntnis empfand ich als ein kostbares Geschenk.

Erst Stunden später traf der Abschleppwagen ein. Nach einer langen Fahrt kehrten wir in dieselbe Werkstatt zurück. Ich gönnte mir nur zwei Stunden Schlaf, bevor ich aufstand, um den Werkstattleiter zu sehen. Ich dachte, dass diese Situation auch für ihn alles andere als angenehm sein musste. Deshalb blieb ich ruhig und gelassen. Als ich jedoch mit ihm sprach, begegnete er mir mit erstaunlicher Gleichgültigkeit. Es schien ihn kaum zu interessieren, dass sein erst kürzlich repariertes Bauteil bereits wieder kaputt war und wir deshalb die ganze Nacht unterwegs gewesen waren.

Kurze Zeit später kam auch der Mechaniker. Zwar war er deutlich freundlicher als beim ersten Mal. Doch als ich ihm erklärte, dass genau das von ihm reparierte Teil erneut kaputtgegangen war, glaubte er mir nicht. Er war überzeugt, die Ursache müsse an einer anderen Stelle liegen und machte mit dem Wohnmobil mehrere Probefahrten. So oft ich auch erklärte, dass der Defekt eindeutig von dem reparierten Bauteil ausging, hielt er an seiner Vermutung fest. Nach mehreren Testfahrten begann ich allmählich ungeduldig zu werden. Erst als der Mechaniker seinen Mitarbeiter bat, nach draußen zu kommen und auf das Geräusch zu achten, bestätigte dieser, dass das Schleifen tatsächlich von den Vorderrädern kam. Nun erkannte auch der Mechaniker seinen Irrtum und machte sich an die Reparatur.

Während der Arbeiten erzählte er mir, dass er in seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung noch nie einen solchen Fall erlebt habe. Da wurde mir klar, dass auch diese Situation eigens für meine Kultivierung arrangiert worden war. Sie sollte meinen Wunsch nach einer reibungslosen Reise und einem komfortablen Zuhause offenlegen. Im tiefsten Innern hatte ich geglaubt, mit einem technisch einwandfreien Wohnmobil würden auch alle weiteren Schwierigkeiten verschwinden.

Über Falun Dafa gesprochen

Während der gesamten Reparatur bemühte ich mich, dem Mechaniker und dem Werkstattleiter mit Verständnis zu begegnen. Die Werkstatt musste die Kosten für das defekte Bauteil und die erneute Reparatur selbst tragen. Das war eine erhebliche Belastung. Deshalb zeigte ich ihnen deutlich, dass ich keinen Groll hegte und ihre Lage verstand. Als ich diesmal mit ihnen über Falun Dafa sprach, war die Atmosphäre eine völlig andere. Beide hörten aufmerksam zu und zeigten echtes Interesse. Der Mechaniker wurde sogar ausgesprochen herzlich. Er erzählte mir sogar von seiner Tochter und den Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatte. Er meinte, er könne sich gut vorstellen, dass Falun Dafa ihr helfen könnte.

Die Bremsen versagen – eine Innenschau

Nachdem die Reparatur abgeschlossen war, setzten wir unsere Reise erneut fort. Ich freute mich darauf, den höchsten Punkt der Rocky Mountains zu erreichen, denn dort würde endlich der lange Anstieg hinter uns liegen. Einige Tage später näherten wir uns dem Pass. Gerade als wir durch eine Baustelle fuhren, bemerkte ich plötzlich, dass die Bremsen versagten. Sofort schaltete ich in einen niedrigeren Gang, nahm den Fuß vom Gaspedal und ließ das Wohnmobil langsam ausrollen, bis es schließlich zum Stehen kam.

Noch ganz erschrocken über diese brenzlige Situation sagte ich zu meiner Frau: „Die Bremsen haben versagt!“ Sie erwiderte nur knapp: „Aber wir sind doch zum Stehen gekommen, oder?“ Dieser Moment traf einen wunden Punkt in unserer Beziehung, der sich schon oft gezeigt hatte. Sofort spürte ich, wie Ärger in mir aufstieg. Immer wenn wir in Schwierigkeiten gerieten und ich meine Sorgen zeigte, blickte meine Frau auf mich herab. Anstatt mir Vertrauen oder Zuspruch zu schenken, warf sie mir vor, zu emotional zu reagieren. Wenn ich ihre Ablehnung spürte, zog ich mich zurück und suchte Hilfe bei anderen.

Ihre Enttäuschung über mich rührte daher, dass ich ihrer Vorstellung nach nicht gelassen und entschlossen genug handelte. Ich hingegen wünschte mir in solchen Momenten einfach Fürsorge, Verständnis und Rückhalt. Gerade meine Schwäche schien sie jedoch zu verunsichern.

Über viele Jahre hatte ich mir angewöhnt, von meiner Frau keine Unterstützung mehr zu erwarten. Ich versuchte, alles allein zu bewältigen und jedes Problem als meine persönliche Angelegenheit zu betrachten, so als wäre sie gar nicht beteiligt und hätte nichts damit zu tun.

An jenem Abend fanden wir keine Werkstatt, die bereit gewesen wäre, unser altes, speziell angefertigtes Wohnmobil zu reparieren. Also versuchte ich, die Bremsen selbst instand zu setzen. Doch je länger ich daran arbeitete, desto tiefer versank ich in Frustration und Einsamkeit.

Während ich eine Pause machte, wurde mir bewusst, wie sehr mich dieser Zustand belastete. Schließlich sprach ich mit meiner Frau darüber, wie enttäuscht ich von ihrer Haltung war. Es war kein leichtes Gespräch. Immer wenn sie Schwierigkeiten hatte, war ich an ihrer Seite und versuchte, sie zu unterstützen. Sie dagegen erwartete von mir, jede Herausforderung allein und ohne Hilfe zu bewältigen. Sobald ich zeigte, dass mich etwas belastete, begegnete sie mir mit Geringschätzung. Noch schwerer wog jedoch, dass diese Situation einen tief verwurzelten Glaubenssatz in mir erneut bestätigte: „Ich bin nicht gut genug und letztendlich unwürdig.“

Neues Verständnis füreinander – die Schwierigkeiten akzeptieren

Unser Gespräch verlief nicht ohne Spannungen. Dennoch gewannen wir beide ein neues Verständnis füreinander. Später lag ich auf dem Sofa, ganz von Hoffnungslosigkeit erfüllt. Und genau in diesem Augenblick geschah etwas völlig Unerwartetes.

Meine Frau bat mich in ruhigem Ton, ihr zu erzählen, was in mir vorging. In ihrer Stimme lag weder Vorwurf noch Urteil. Deshalb konnte ich mir Zeit lassen, bevor ich antwortete. Nach einer Weile sagte ich zu ihr, dass mir plötzlich etwas klar geworden sei: Ich hatte all meine Schwierigkeiten wie eine Strafe betrachtet.

Lange Zeit war ich überzeugt gewesen, dass ich Prüfungen erleben musste, weil ich von Grund auf unwürdig und kein guter Kultivierender war. Doch während ich mit meiner Frau darüber sprach, erkannte ich, wie grundlegend falsch diese Vorstellung war.

Die vielen Prüfungen auf dieser Reise hatten mich Schritt für Schritt zu neuen Erkenntnissen geführt. Was ich dabei gelernt hatte, ging weit über das hinaus, was ich überhaupt in Worte fassen konnte. Wie hätte ich all diese Erfahrungen also lediglich als Bestrafung ansehen können?

Zum ersten Mal begann ich, diese Schwierigkeiten wirklich anzunehmen und sie als kostbare Arrangements des Meisters zu betrachten. In diesem Augenblick schmolz etwas dahin, das lange Zeit tief in mir erstarrt gewesen war. Das Gefühl, von Dafa getrennt zu sein, verschwand. Mir wurde bewusst, dass auch ich es verdiente, mir selbst mit Barmherzigkeit zu begegnen – selbst dann, wenn ich meinen eigenen Erwartungen nicht gerecht wurde, eine Prüfung nicht bestand, meine Zeit mit belanglosen Videos im Internet verschwendete oder die Beherrschung verlor.

Dort oben, in den Rocky Mountains, spürte ich, wie sich innerlich eine wohltuende Wärme in mir ausbreitete und meinen ganzen Körper erfüllte. Sie löste den Selbsthass auf, der mich so viele Jahre begleitet hatte, das schenkte meiner erschöpften Seele tiefen Frieden.

Eine neue Ebene der Kultivierung

Als ich den Entschluss fasste, mir selbst mit Güte zu begegnen, fühlte ich mich wie neu geboren. Wenn ich heute an diesen Augenblick zurückdenke, steigen mir noch immer die Tränen in die Augen. Diese tiefgreifende Erkenntnis führte mich in meiner Kultivierung auf eine neue Ebene.

Von da an konnte ich meine Anhaftungen betrachten, ohne mich dafür zu verurteilen. Erst dadurch war ich in der Lage, ihre Ursachen, ihre Auswirkungen und die dahinterliegenden Anschauungen wirklich zu erkennen. Das war mir zuvor nie gelungen. Weil ich begann, sorgsam mit mir selbst umzugehen, hatte ich zugleich das Gefühl, auch von der Welt mit Fürsorge getragen zu werden. Mir wurde leichter ums Herz, und Freundlichkeit gegenüber anderen entstand ganz natürlich. Mir wurde klar, dass Barmherzigkeit für mich selbst die Grundlage dafür war, echte Barmherzigkeit für andere entwickeln zu können. Als ein Lebewesen, das Teil dieses Universums ist, musste ich die Prinzipien des Universums auch auf mich selbst anwenden. Früher hatte ich geglaubt, mich besonders ehrlich zu betrachten. Tatsächlich aber war mein Verständnis von „Wahrhaftigkeit" verzerrt gewesen. Es war eine schonungslose Ehrlichkeit, die keinen Raum für Nachsicht mit meinen eigenen Schwächen zuließ. Doch ohne Barmherzigkeit mir selbst gegenüber konnte ich den Grundsätzen Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht niemals wirklich entsprechen.

Obwohl ich lange versuchte, die Bremsen des Wohnmobils zu reparieren, hatte ich nicht das Gefühl, dass sie wirklich wieder in Ordnung waren. Umso erstaunlicher war, dass sie am nächsten Tag völlig einwandfrei funktionierten, so als hätte es den Defekt nie gegeben.

Weil ich mich so viele Jahre für unwürdig gehalten hatte, fiel es mir schwer, in meiner Kultivierung voranzukommen. Ich sagte mir immer wieder, dass ich weiter praktizieren müsse, weil es unzählige Lebewesen gibt, die errettet werden sollten. Unabhängig davon, ob ich das Ziel der Kultivierung erreichen würde oder nicht, war diese kostbare Gelegenheit doch immer vorhanden. Seit ich den Entschluss gefasst hatte, mir selbst mit Barmherzigkeit zu begegnen, empfand ich wieder echte Freude an der Kultivierung und am Fa-Lernen. Selbst das Praktizieren der Übungen wurde zu einer Form der freundlichen Fürsorge mir selbst gegenüber.

Nur noch wenige Tage trennten uns von unserem Zuhause, als bereits die nächste Schwierigkeit auftauchte. Der Motor sprang immer häufiger erst nach mehreren Drehungen des Zündschlüssels an. Das deutete darauf hin, dass möglicherweise der Anlasser oder das Magnetschalterventil Probleme bereitete. Zu meiner eigenen Überraschung blieb ich bei diesem neuen Defekt jedoch völlig ruhig. Eines Abends nach dem Essen wollte das Wohnmobil überhaupt nicht mehr anspringen. Dennoch blieb ich gelassen.

„Dann übernachten wir eben hier“, sagte ich zu meiner Frau. Sie war etwas besorgt und bat mich, es noch einmal zu versuchen. Ich drehte den Schlüssel erneut und diesmal sprang der Motor sofort an. So konnten wir unsere Reise fortsetzen.

Weitere Prüfungen und Fazit

Doch auch bei unserer Ankunft zu Hause warteten bereits weitere Prüfungen. Unsere Untermieter hatten in unserem Bett geschlafen, das Haus in Unordnung gebracht, unsere Tür beschädigt und den Eingang zu unserem Haus mit ihren Fahrrädern versperrt. Unerwartet war auch der Onkel meiner Frau aufgetaucht, hatte seinen Lastwagen in unserer Einfahrt abgestellt und war anschließend betrunken in seinem Fahrzeug eingeschlafen. Dadurch hatten wir keinen Platz mehr, unser Wohnmobil abzustellen. Viele kleine Ärgernisse warteten auf uns. Diesmal nahm ich all diese Schwierigkeiten als ein Geschenk an.

Nach wie vor ringe ich mit Bequemlichkeit, Begierden und Trägheit. Ich fühle mich auch immer wieder traurig. Ebenso fordert mich meine Arbeit nach wie vor heraus, weil sie meine Schwächen deutlich sichtbar macht. Aber nun erkenne ich, welche große Rolle menschliche Gefühle bei all dem spielen. Und ich verstehe, dass sie sich nur durch Barmherzigkeit überwinden lassen. Ohne inneren Frieden und Barmherzigkeit fehlt mir die Fähigkeit, mir selbst mit Wärme zu begegnen. Dann kann auch jedes Leid, das ich erfahre, nicht zu meiner Erhöhung beitragen, weil ich es nicht als Teil meiner Kultivierung erkenne. Ohne die Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht reduziert sich Kultivierung auf ein bloßes Tun oder Nichttun. Sie wird zu einer mechanischen Übung, anstatt dass sich das eigene Wesen von Grund auf ändert.

Die vergangenen Wochen waren besonders herausfordernd. Der Gesundheitszustand meines Schwiegervaters verschlechterte sich so sehr, dass er zu uns ziehen musste. Da er nachts kaum schlafen kann, ist er fast die ganze Nacht hindurch wach und verursacht ungewollt immer wieder Geräusche. Der anhaltende Schlafmangel hat mein regelmäßiges Fa-Lernen, das Praktizieren der Übungen und auch meine Arbeit stark beeinträchtigt.

Diesen Erfahrungsbericht zu schreiben, war für mich eine wertvolle Gelegenheit, mich selbst erneut an dieses große Geschenk des Leidens zu erinnern und die Prüfungen, denen ich begegne, noch einmal mit einem neuen Blick zu betrachten. Ich freue mich darauf, zu erkennen, was der Kern all dessen ist und wie der Meister mir dabei hilft, mich weiterzuentwickeln.