(Minghui.org) Die chinesische Malerei blickt auf eine über 2.000-jährige Geschichte zurück und ist eng mit der chinesischen Kalligrafie verbunden. Während die Kalligrafie in der Jin-Dynastie ihren Höhepunkt erreichte, erlebte die chinesische Malerei in der Tang-Dynastie ihre Blütezeit. Trotz ihrer langen Entwicklungsgeschichte ist das Wesen beider Kunstformen bis heute unverändert geblieben.

„In der Malerei kommt es vor allem auf den Umgang mit Wasser und Tusche an. Indem sie dem Weg der Natur folgt, bringt sie die schöpferische Kraft der Begabung zum Ausdruck“, schrieb Wang Wei, ein chinesischer Musiker, Maler und Dichter der Tang-Dynastie.

Die chinesische Malerei wird häufig auch als Danqing bezeichnet. Dan steht für Zinnoberrot, qing für Azuritblau. Aufgrund ihrer leuchtenden und beständigen Farben wurden diese Pigmente im alten China verwendet, um Verdienste (dan) und historische Ereignisse (qing) festzuhalten. Im Laufe der Zeit wurde Danqing daher auch zu einem Sinnbild für Menschen, deren herausragende Verdienste dauerhaft in die Geschichte eingegangen sind. Die Bedeutung von Danqing reicht somit weit über die Malerei selbst hinaus.

Die Verbindung zwischen chinesischer Malerei, Ritualen und Musik

Bis zur Qin- und Han-Dynastie waren Farben eng mit Riten und Musik verbunden. Für Malerei und Farbgestaltung galten strenge Regeln der Etikette, sodass die Kunsthandwerker ihre eigenen Vorstellungen nicht nach Belieben zum Ausdruck bringen konnten. Sorgfältig gestalteten sie glückverheißende himmlische Symbole und Darstellungen mythischer Tiere auf Seide, Stein und Dachziegeln.

Auf Wandmalereien, Seidenbildern und Steinreliefs aus der Han-Dynastie finden sich häufig Darstellungen von Gottheiten und himmlischen Wesen wie der Königinmutter des Westens, dem Königsvater des Ostens und geflügelten Unsterblichen sowie des Azurblauen Drachen und des Weißen Tigers. Dem Han Wudi Neizhuan (Die innere Biografie des Kaisers Wu von Han) zufolge übermittelte die Königinmutter des Westens Kaiser Wu von Han Schriften zur Kultivierung. Außerdem übergab sie ihm das „Diagramm der wahren Gestalt der Fünf Heiligen Berge“, das über Generationen hinweg weitergegeben wurde.

Unter den Steinreliefs im Stelenwald von Xi’an befindet sich auch das „Diagramm der wahren Gestalt der Fünf Heiligen Berge“. Dies verdeutlicht, wie tief der Glaube an die Unsterblichkeit und die Ehrfurcht davor in der Gesellschaft der Han-Dynastie verwurzelt und verbreitet waren. Mit beständigen Farben und nach strengen Regeln der Malerei hielten die Menschen im alten China ihr spirituelles Streben nach dem Aufstieg zur Unsterblichkeit und der Rückkehr zu ihrem wahren Wesen lebendig fest und hinterließen damit ein bleibendes visuelles Zeugnis.

Migration in der Jin-Dynastie

Während der Jin-Dynastie (266–420 n. Chr.) löste sich die chinesische Malerei aus dem Kontext der Ritualkultur und entwickelte sich zu einer eigenständigen Kunstform. Diesem Wandel lagen tiefgreifende gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen zugrunde.

Im Jahr 311 drangen Truppen nicht-han-chinesischer Volksgruppen aus dem Norden in die Hauptstadt der Jin-Dynastie, Luoyang, ein und töteten den Kronprinzen, Minister sowie insgesamt mehr als 30.000 Zivilisten. Im Jahr 317 gründete Sima Rui in Jiankang (dem heutigen Nanjing) die Jin-Dynastie neu, die allgemein als Östliche Jin-Dynastie bezeichnet wird. Die vorangegangene Jin-Dynastie mit ihrer Hauptstadt Luoyang wird dagegen Westliche Jin-Dynastie genannt.

Bis dahin befanden sich die Hauptstädte verschiedener Dynastien vorwiegend in Nordchina, wobei sowohl die Hauptstädte der Qin- als auch der Han-Dynastie im Gebiet der heutigen Provinz Shaanxi lagen. Regionen südlich des Jangtse galten allgemein als unzivilisiert und als „wildes und von Seuchen heimgesuchtes Land“. Der Historiker Sima Qian beschrieb das Gebiet als „ein weitläufiges Land, das jedoch dünn besiedelt ist. Die Menschen ernähren sich von Reis und Fischsuppe, und manche betreiben Brandrodungslandwirtschaft und Pflanzenanbau im Wasser.“

Um ihr Überleben zu sichern, wanderten während der Gründung der Östlichen Jin große Teile des nordchinesischen Adels – darunter Angehörige der gesellschaftlichen Elite, Literaten und einflussreiche Familienclans – in den Süden aus. Dieses Ereignis ging als „Südwanderung des Adels“ in die Geschichte ein. Mit dieser Migration gelangte die nordchinesische, von Riten und Musik geprägte Kultur erstmals in großem Umfang in den Süden.

Nachdem die Einwanderer aus dem Norden den Zerfall ihrer Heimat und beispielloses Leid selbst erlebt hatten, fanden sie in den eindrucksvollen Bergen, Wäldern und Flüssen ihrer neuen Umgebung neue Inspiration. Die Schönheit dieser Landschaften bot den nordchinesischen Literaten, die ihre materielle Heimat verloren hatten, zugleich eine neue geistige Heimat.

Kalligraphie und Malerei haben denselben Ursprung

Vor diesem Hintergrund entstand die erste künstlerische Blütezeit in der chinesischen Geschichte. Tatsächlich geht man allgemein davon aus, dass Kalligraphie und Malerei einen gemeinsamen Ursprung haben, was bedeutet, dass sie gleichzeitig entstanden sind. So trat Wang Xizhi, der berühmteste Kalligraph der chinesischen Geschichte, in der Östlichen Jin-Dynastie in Erscheinung.

Wang ist bekannt für sein im Jahr 353 verfasstes Werk „Lantingji Xu“ (Vorwort zum Orchideepavillon), das weithin als das schönste Beispiel für die Laufschrift (xingshu) in der Geschichte gefeiert wird. Wang wurde 303 geboren und erfuhr im Alter von acht Jahren, dass sein Onkel Wang Yan von den einfallenden nicht-han-chinesischen Truppen zu Tode getrampelt worden war; auch sein Vater kam im Kampf ums Leben, und man hörte nie wieder etwas von ihm. Nachdem er 313 mit dem Rest seiner Familie nach Süden gezogen war, widmete er sich der Kalligraphie und fand Trost in der Landschaft des Südens.

„Was einst Freude bereitete, ist in einem kurzen Augenblick bereits Vergangenheit geworden; doch man kann nicht umhin, von der Erinnerung tief bewegt zu sein. Darüber hinaus wird die Spanne des Lebens – ob lang oder kurz – von der Natur bestimmt, und alles muss letztendlich ein Ende finden. Wie die Alten schrieben: ‚Tod und Leben sind in der Tat bedeutsame Ereignisse.‘ Wie könnte man da nicht trauern?“, reflektierte Wang in „Lantingji Xu“, was seine tiefgründige Erkenntnis nach diesen Ereignissen war.

Zong Bing, ein 375 geborener Maler aus der Zeit der Nördlichen und Südlichen Dynastien, bewunderte Wangs Lebensweise und fand ebenfalls Trost in der Natur. Über dreißig Jahre lang reiste er durch Berge und Flüsse, ohne sich um Ruhm und Reichtum zu kümmern. Zong war auf dem Gebiet der Kultivierung außerordentlich erfahren. In „Über die Erleuchtung im Buddhismus“ formulierte er ausdrücklich Erkenntnisse wie: „Der Geist ist unsterblich, man kann die Buddhaschaft erlangen.“ Als Künstler verfasste er das „Vorwort zur Landschaftsmalerei“, das zum wegweisenden Werk in der Theorie der chinesischen Landschaftsmalerei wurde.

„Wenn nun eine Seidenrolle ausgebreitet wird, um in die Ferne zu blicken, lassen sich die Umrisse von Kunlun und Lang auf einem Quadratzoll einfangen“, schrieb er in dem Artikel. „Ein vertikaler Strich von drei Zoll kann eine Höhe von Tausenden von Yards darstellen; ein horizontaler Strich von mehreren Fuß könnte eine Entfernung von hundert Meilen verkörpern.“

Kunlun und Lang sind riesige Berge, in denen angeblich zahlreiche Gottheiten wohnen. In dem Artikel erwähnte Zong auch den Gelben Kaiser, Guang Chengzi, Dawei und andere Geschöpfe, bei denen es sich um alte Weise oder taoistische Gottheiten handelte. Dies deutet darauf hin, dass die chinesische Landschaftsmalerei tief mit der göttlichen Kultur der chinesischen Zivilisation verbunden ist.

Landschaftsmalerei in der Tang-Dynastie

In der Tang-Dynastie trat das Wesen der Landschaftsmalerei deutlich hervor. Sima Chengzhen war sowohl Daoist als auch Maler. Dem Taiping Guangji (Umfassende Aufzeichnungen aus der Taiping-Ära) zufolge ließ Kaiser Xuanzong der Tang-Dynastie Sima Chengzhen mehrmals nach Chang’an rufen. Er begegnete ihm mit großer Hochachtung und ließ ihn im inneren Palast verweilen, um sich mit ihm über Fragen der Kultivierung auszutauschen. Sima äußerte sich dabei in rätselhafter Weise, und Xuanzong gab diese Lehren nicht an Außenstehende weiter.

Später ließ Kaiser Xuanzong für Sima den Yangtai-Palast auf dem Berg Wangwu errichten, der während der Tang-Dynastie zu einem renommierten Kulturzentrum werden sollte. Hier verfasste Sima Bücher und praktizierte den Taoismus. Er erklärte, dass die Unsterblichkeit nicht im Dunkeln liege, sondern durch spirituelle Kultivierung erreichbar sei. Xie Ziran, eine Frau aus Shu (der heutigen Provinz Sichuan), folgte ihm auf dem Weg des Taoismus und stieg laut offiziellen Aufzeichnungen schließlich am helllichten Tag in den Himmel auf – ein in der Geschichte einzigartiges Ereignis.

In der Karte der Paläste von Himmel und Erde kennzeichnete Sima eigens die Orte daoistischer Kultivierungsgrotten, die für gewöhnliche Menschen nicht sichtbar sind. Nur Kultivierende konnten diese Orte betreten, da sie tatsächlich in anderen Dimensionen existieren. Das alte China wurde häufig als Shen Zhou („Land des Göttlichen“) bezeichnet, was auch seiner geografischen Beschaffenheit entspricht. Tatsächlich haben die berühmten Berge und großen Flüsse alle ihren Ursprung und ihre besondere Bedeutung. Oberflächlich betrachtet mögen sie gewöhnlich erscheinen, doch in anderen Dimensionen gibt es dort weitere, für das menschliche Auge unsichtbare Grotten.

Sima und der berühmte Dichter Li Bai verband eine langjährige Freundschaft. Dies wiederum förderte Verbindungen zwischen Meng Haoran, Wang Wei, He Zhizhang, Chen Zi’ang, Song Zhiwen und anderen, die gemeinsam als die „Zehn Freunde der Vereinigung der Unsterblichen“ im Yangtai-Palast auf dem Berg Wangwu bekannt waren. Sima hinterließ im Yangtai-Palast zudem ein riesiges Landschaftswandgemälde. Das Wandgemälde, das historischen Aufzeichnungen zufolge 16 Fuß hoch und 95 Fuß lang war (ungefähr 5 mal 29 Meter), zeigte Gebirgsbäche, Hügel, schwebende Wolken und Kraniche und strahlte eine erhabene Pracht aus. Nachdem Li es betrachtet hatte, verfasste er ein Gedicht, um das Kunstwerk zu preisen; dies war zugleich Lis einzige erhaltene Kalligraphie.

Die Landschaftsgemälde im Yangtai-Palast erweckten die zuvor fernen und geheimnisvollen Orte der Gottheiten zum Leben und machten sie mit Wolken, Kiefern, grünen Bergen und klarem Wasser greifbar und real. Simas Theorien und Werke zur Landschaftsmalerei beeinflussten direkt die Ästhetik einer ganzen Generation von Literaten während der Tang-Dynastie und wurden zu einer Quelle der Weisheit für die weitverbreitete Beliebtheit der Landschaftslyrik und –malerei der Tang-Dynastie. Von Kaiser Xuanzong der Tang-Dynastie bevorzugte Maler wie Wu Daozi und Li Zhaodao waren beide tief von Simas Ansichten zur Landschaftsmalerei geprägt.

Vor der Tang-Dynastie dienten Landschaftsbilder meist als Hintergrund für Figurenbilder. Ein Beispiel hierfür ist Gu Kaizhis „Nymphe am Fluss Luo“ aus der Östlichen Jin-Dynastie, in der die Berge kleiner als die Figuren waren und die Landschaft lediglich als Verzierung für die Figuren diente. Im Gegensatz dazu erfüllte Sima die Landschaften mit der taoistischen Weltanschauung von seligen Orten und Ruhe. Andererseits verwandelten Dichter wie Li Bai und Wang Wei dies in Poesie und machten Landschaften nicht mehr nur zu kalten Steinen, sondern zu spirituellen Trägern voller Lebendigkeit, Lebensfluss und Vitalität. Landschaftsbilder wurden so von Spiritualität durchdrungen.

Von da an wurden in der chinesischen Landschaftsmalerei die Berge groß und die Menschen klein dargestellt. Die Landschaft galt dabei als Abbild des gewaltigen Universums in der Menschenwelt und zugleich als Verbindung zu ihm. Der Mensch wurde als ein in der irdischen Welt verlorenes Wesen dargestellt, das sich nach geistiger Erhöhung und der Rückkehr zur Reinheit sehnt.

Das Zusammentreffen von Musik, Malerei und Poesie

Wang Wei, eine legendäre Persönlichkeit der Tang-Dynastie, zeichnete sich als Dichter, Maler und Musiker aus. Der berühmte Gelehrte Su Shi bemerkte einst, in Wang Weis Gedichten könne man Landschaften sehen und in seinen Gemälden Poesie entdecken. Neben seinen literarischen und künstlerischen Fähigkeiten bekleidete Wang Wei auch das Amt des stellvertretenden Direktors der Kaiserlichen Musikakademie.

Hier ist ein Beispiel dafür, was Wang uns hinterlassen hat:

Vogelgezwitscher am Bach In der Stille sah ich die Blüten fallen,in den ruhigen Bergen, wo die Zeit stillsteht;Der aufgehende Mond erweckte den Vogel aus seinem Traum,der von Zeit zu Zeit über dem Frühlingsbach zwitschert.

Wang wird oft als Begründer der chinesischen Malerei angesehen. „Im Bereich der Malerei ist der Umgang mit Wasser und Tinte das Wichtigste. Dem Weg der Natur folgend verkörpert sie die schöpferische Kraft der Kreativität“, schrieb er. „Entrollt man ein Gemälde – sei es weitläufig oder kompakt –, erfasst es Landschaften, die sich über Hunderte oder sogar Tausende von Kilometern erstrecken. Die Himmelsrichtungen erscheinen lebhaft vor den Augen, während die wechselnden Jahreszeiten unter dem Pinsel zum Leben erweckt werden.“

Einer Legende aus der Song-Dynastie zufolge litt der Gelehrte Qin Guan einst an Magen-Darm-Beschwerden. Ein Freund zeigte ihm Wangs berühmtes Gemälde „Die Villa Wangchuan“. Nachdem er es mehrere Tage lang betrachtet hatte, fühlte sich Qin, als wäre er tatsächlich in ein üppiges Tal eingetreten und atme die erfrischende Luft ein. Infolgedessen schienen seine inneren Organe gereinigt worden zu sein, und seine Stimmung verbesserte sich erheblich; seine Magen-Darm-Beschwerden verschwanden ohne medizinische Behandlung.

Der schneebedeckte Jangtse (Ausschnitt), von Wang Wei

Seit der Tang-Dynastie diente die Landschaftsmalerei den Menschen der Antike als „tragbare Landschaft“. Bis in die Song-, Yuan-, Ming- und Qing-Dynastien hinein wurde die chinesische Landschaftsmalerei ununterbrochen fortgeführt. Das Aufhängen einer ruhigen Rollbildmalerei in der Halle ermöglichte es dem Betrachter, innerhalb des Gemäldes zu „wandeln, zu schauen, zu leben und zu reisen“, um den Lasten weltlicher Angelegenheiten zu entfliehen.

Wie ein klarer, überirdischer Bach konnte ein Landschaftsgemälde sanft durch die Herzen unzähliger Gelehrter und spirituell Suchender fließen. Die weltliche Gesellschaft mag von Verfall geprägt sein, doch Berge und Flüsse bewahren ihre Reinheit. Angesichts beruflicher Rückschläge und gesellschaftlicher Unruhen konnte ein Landschaftsgemälde im eigenen Heim der Seele einen Ort der Zuflucht bieten. Die strohgedeckte Hütte im Bild oder der bescheidene Einsiedler, der allein an einem Gebirgsbach sitzt, konnten zum Sinnbild der eigenen inneren Welt werden. So glich ein etwa einen Meter langes Landschaftsgemälde einem kleinen Kloster auf einem Quadratmeter Fläche.

Gemälde: „Panorama von Flüssen und Bergen“ (Ausschnitt), von Wang Ximeng (Song-Dynastie)

Als Maler hielten sich diese Künstler von Ideologien und Machtkämpfen fern. So konnten sie in ihren Landschaften etwas Zeitloses zum Ausdruck bringen und ihre Empfindungen mit Pinsel und Tusche auf Xuan-Papier festhalten. Nach der Song-Dynastie wurde die chinesische Malerei zunehmend weltlicher. Die Menschen erfreuten sich am Leben und daran, die Welt auf spielerische Weise zu erkunden. Darstellungen von Blumen, Vögeln, Fischen und Insekten erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Doch die Landschaftsmalerei bewahrte ihren über das Weltliche hinausweisenden Charakter. Wie eine reine Lotusblume, die sich über die weltliche Umgebung erhebt, verkörpert sie bis heute das Streben nach Transzendenz und wird seit Jahrhunderten hochgeschätzt.

Harmonie zwischen Mensch und Natur

In der Zeit der Ming- und Qing-Dynastien hatte sich das Niveau der gesellschaftlichen Moral im Vergleich zu den Han- und Tang-Dynastien erheblich verändert. Die Verehrung der Gottheiten durch die Menschen war mittlerweile rein zweckmäßig und oberflächlich geworden. Dennoch blieb die Verbindung zur Göttlichkeit. In den volkstümlichen Traditionen verwandelte es sich in Glücksmotive, Himmelskarten und Symbole für Glück, Wohlstand, Langlebigkeit und Zufriedenheit. Auch Landschaftsmalereien wurden in diese Glückskultur integriert. Porzellan, Möbel, Fächer, Neujahrsbilder, architektonische Skulpturen, Kleidungsstickereien und so weiter – ein grüner Berg, ein langgestreckter Pavillon, ein paar fliegende Wildgänse – waren fest im Alltag verankert und beeinflussten unmerklich die ästhetischen Vorstellungen der Menschen.

Selbst während der Kulturrevolution ließ sich diese Harmonie zwischen Mensch und Natur nicht vollständig auslöschen. So sind beispielsweise in einer Szene der revolutionären Modelloper „Shajiabang“ in der Mitte der Bühne ein traditioneller „Acht-Unsterbliche-Tisch“ und eine Teekanne aus violettem Ton zu sehen – beides Sinnbilder der traditionellen chinesischen Kultur. Selbst der blau bedruckte Stoff, den die Hauptfigur Schwester A-Qing trägt, bewahrt ursprüngliche traditionelle Elemente der Volkskultur Südchinas.

Die traditionelle chinesische Kultur besitzt eine bemerkenswerte Widerstandskraft. Sie fließt wie Wasser, ohne feste Form und gleicht einem tiefen Klang, der ohne Laut vernehmbar ist. Der Gedanke von der „Einheit von Himmel und Mensch“ zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die gesamte Kultur. Doch was ist der Himmel? Kann der Mensch in den Himmel aufsteigen? Im „Han Wudi Neizhuan“ (Die innere Biografie des Kaisers Wu von Han) befragte Kaiser Wu die Königinmutter des Westens und andere Gottheiten dazu, wie der Mensch in den Himmel aufsteigen könne.

Unter Berufung auf „Bao Pu Zi“ (Der Meister, der die Ursprünglichkeit bewahrt) von Ge Hong sagte die Königinmutter des Westens:

„Es ist nicht das Erlangen der Unsterblichkeit, das schwierig ist, sondern das Erkennen des Weges;es ist nicht das Erkennen des Weges, das schwierig ist, sondern seine Umsetzung;es ist nicht die Umsetzung selbst, die schwierig ist, sondern sie bis zum Ende zu gehen.“

Wenn die Zeit dafür reif ist, treten das reiche historische Erbe der chinesischen Landschaftsmalerei und ihre vielfältigen symbolischen Elemente hervor – wie Samen, die in unsere Seelen gelegt wurden. Inmitten des Strebens nach Ruhm und Reichtum wecken diese sanften Ströme der traditionellen chinesischen Kultur immer wieder die guten Gedanken in unseren Herzen und führen uns behutsam auf den richtigen Weg.