Eine Geschichte von der 60. Sitzung der UNHRC: Der 4. Geburtstag der kleinen Fadu


Durch das Fenster einer stillen Ecke des Hauptsaales der UN bei der 60. Genfer Sitzung der UN Menschenrechtskommission brach sich das Sonnenlicht auf dem Fußboden. Die gerade vier Jahre alt gewordene Fadu Chen lehnte aufgeregt am Glas und starrte ohne zu Blinzeln auf einen großen, schönen Pfau, von dem sie nur eine Schicht Glas trennte. In dem großen Hof der UNO werden mehrere Pfaue gehalten, welche diesem mit politischer Atmosphäre gefüllten Ort etwas Gemütlichkeit und Leben verleihen. Der vor Fadu stehende Pfau entfaltete in aller Ruhe seinen großen, bunten Schwanz, der das Licht in saphirblauen und grünen Farbtönen zurückwarf. Fadus Mutter Dai Zhizhen stand am Fenster ein paar Meter entfernt, die Hände am Kinderwagen mit dem Schimmer eines Lächelns auf ihren Lippen und beobachtete ihre Tochter und teilte mit ihr die Freude. In der Konferenzhalle diskutierten Vertreter verschiedener Länder miteinander, aber in der Ecke vor der Konferenzhalle war alles von Friede und Ruhe erfüllt.

Obwohl Fadu nur vier Jahre alt ist, ist sie schon eine häufige Besucherin in Genf gewesen. Im März 2002, als sie noch nicht ganz zwei Jahre alt war, kamen sie und ihre Mutter das erste Mal nach Genf. Am ersten Tag der Eröffnung der Menschenrechtskommission versammelten sich viele Falun Gong Praktizierenden aus der ganzen Welt vor der UNO und hielten eine Pressekonferenz auf dem Place des Nations ab, wo die Leute die Geschichte von Fadu und ihrer Mutter zum ersten Mal hörten:

"Mein Mann Chen Chengyong wurde zu Tode verfolgt, weil er für Falun Gong appelliert hatte. Er war damals erst 34 Jahre alt. Ich weiß bis heute noch nicht einmal die Todesursache. Ich weiß nur, dass er von Zuhause ohne Grund von der Polizei entführt worden war. Als sein Leichnam in einem kleinen Sarg in einer Vorstadt gefunden wurde, war er schon am Verwesen. Im Juni 2001 erhielt ich die traurigen Nachrichten vom Tode meines geliebten Mannes. Als Chen Chengyongs Schwester ging, um seine Asche zu fordern, wurde sie verhaftet und in eine Gehirnwäscheeinrichtung gesteckt, weil sie eine Falun Gong Praktizierende ist, dann wurde sie, weil sie sich weigerte, ihren Glauben aufzugeben, zu zwei Jahren Umerziehung durch Arbeit verurteilt. Chen Chengyongs alter Vater konnte den Schock, dass sein Sohn zu Tode gefoltert und seine Tochter wieder zu Arbeitslager verurteilt worden war, nicht ertragen und er starb im Krankenhaus. Die Behörden erlaubten es seiner einzigen Tochter nicht, den alten Man auf dem Sterbebett zu besuchen, und er starb schließlich kummervoll. In nur drei Monaten war eine gesegnete und fröhliche Familie auseinandergerissen worden."

Während sie ihre Tränen zurückhielt, rief Frau Dai gutherzige Menschen auf der ganzen Welt dazu auf, bei der Beendigung der Verfolgung von Falun Gong zu helfen.

In einem Augenblick sind mittlerweile zwei Jahre und drei UN Menschenrechtskommissionen vorbeigegangen. Frau Dai´s und klein Fadus´s Geschichte ist den Konferenzteilnehmern wohl bekannt. Am 1. April nahmen sie an einem Treffen bezüglich Frauenrechten teil. Während dieser Konferenz enthüllte Frau Dai einen weiteren Teil der Geschichte: "Meine Geschichte ist ihnen nicht mehr unbekannt, ich werde ihnen ein weiteres Stück Information geben. Gestern habe ich meine Mutter verloren. Sie starb in China an einer Krankheit, aber ich konnte weder zurückgehen, um sie ein letztes Mal zu treffen, noch konnte ich an dem Begräbnis teilnehmen. Meine Tochter fragte mich: "Warum können wir nicht zurückgehen?" Ich sagte ihr: "Wir konnten kein Visum bekommen." Sie fragte noch einmal: "Warum konnten wir kein Visum bekommen?" Ich antwortete: "Weil wir Falun Gong praktizieren. " Sie fragte wieder: "Warum können wir kein Visum bekommen, nur weil wir Falun Gong praktizieren?" Ich fing an zu weinen. Ich wusste nicht, wie ich es einem drei Jahre alten Kind erklären sollte."

Während Frau Dai einem Reporter über ihre Erlebnisse erzählte, saß die kleine Fadu in ihrem Kinderwagen neben ihrer Mutter und kaute an einem Stück Brot. Fadu´s Kindheit vom Alter von zwei bis vier Jahren verging schnell, da sie und ihre Mutter von einem Land ins nächste reisten und von einer Konferenz zur anderen. In den letzten zwei Jahren erzählte Frau Dai unablässig Politikern, Medien und Nichtregierungsorganisationen auf der ganzen Welt die Tragödie ihrer Familie und gab an die Welt die feierliche Nachricht weiter: Lasst nicht noch mehr Kinder vaterlos werden wie Fadu.

Frau Dai sagte: "Viele gutherzige Leute schickten mir, nachdem sie unsere Geschichte gehört hatten, Karten mit guten Wünschen für mich und Fadu und Ermutigung, um uns zu helfen, weiter zu machen. Am 2. April schenkte eine Frau von einer NGO, die am vorhergehenden Tag meine Geschichte gehört hatte Fadu eine Barbie-Puppe und ein Set Bundstifte." Am dritten Tag hatte Fadu Geburtstag während der UNHCR Sitzung. Frau Beutler, die Frau, von der sie ein Geburtstagsgeschenk bekommen hatte, ein Mitglied einer internationalen Frauenorganisation mit Sitz in Amerika, traf Frau Dai und Fadu bei einer anderen Konferenz wieder. Sie sagte einem Reporter: Ich habe zwei Enkel, wenn ich Fadu ansehe, ist es genauso als, wenn ich meine Enkelin ansehe. Bei der letzten Konferenz hörte ich die Geschichte der Familie von Frau Dai´s Mann und ihrer Mutter. Es tat mir sehr leid für sie. Ich denke, dass die Bindung zwischen der Mutter und dem Kind am wichtigsten ist, wie die Bindungen zwischen der Frau Dai und ihrer Mutter, Fadu und ihrer Mutter: Dies ist die Basis der Beziehung zwischen Menschen.

Frau Dai sagte: "Obgleich Fadu ihren Vater verloren hat, als sie nur ein Jahre alt war, sorgen sich mehr und mehr Leute um sie und immer mehr Leute sorgen sich um die Kinder in China, die dasselbe Schicksal erleiden wie sie." Frau Dai´s Blick fiel auf Fadu´s Gesicht, das seinem Vater gleicht. Während sie ihrem Brot in kaute, hob Fadu ihren Kopf und schenkte ihrer Mutter ein reines Lächeln .