The Boston Globe: Das wirre chinesische Internet

16. Januar 2006

(Minghui.de) In der Silvesternacht stellte Microsoft die Internetseite des chinesischen Dissidenten und Journalisten Zhao Jing ab. Unter dem Pseudonym Michael An Ti hatte er Kritik an den chinesischen Behörden geübt, die kürzlich die Kündigung von Editoren der Pekinger Zeitung veranlasst hatten. Microsoft stimmte damit überein, Zhao den Hahn abzudrehen, aus Respekt vor dem chinesischen Gesetz. Jedoch können die technischen Konzerne in den USA, die ihre Geschäfte im Ausland machen, moralisch nichts bewirken, während die Hauptanbieter die Menschenrechte zerstören.

Das enorme, unüberschaubare Internet stellt eine größere Bedrohung für die unterdrückten Länder dar, als z. B. Demokratieproteste oder Streiks, egal ob für China, Myanmar oder Singapur. Bereits 100 Millionen Chinesen benutzen das Internet und verbreiten so augenblicklich Informationen, die die Regierung eigentlich vertuschen möchte. Im November 2005 wurde das Internet für die Pekinger Führung zu einem großen Ärgernis, weil es über das ausgelaufene Benzol in der Stadt Harbin berichtete.

Die chinesische Regierung versucht Feuer mit Feuer zu bekämpfen und benutzt raffinierte Filtersoftware, um Webseiten zu blockieren. Unzugängliche, „gesperrte” Wörter sind Tibet, Tiananmen oder Falun Gong. Cisco Systeme wurden stark kritisiert, weil sie die Filtergeräte an China, Yahoo, Google, Sun Microsysteme und andere amerikanische Firmen verkauft haben, womit sie sich indirekt an der Zensur, welche ausländische Regierungen betreiben, beteiligen.

Die Interessengruppe „Reporter ohne Grenzen” bringt eine Petition in Umlauf, welche den Kongress und das Außenministerium auffordert, sich zusammenzuschließen, um eine freiwillige Richtlinie zu erstellen. Die technischen Unternehmen können sich beteiligen oder es gesetzlich schwieriger machen. Der Kongresstermin ist festgesetzt; für die Unternehmen reicht es nicht mehr länger aus, zu glauben, dass sie nur anwesend zu sein brauchen, damit sich die unterdrückende Gesellschaft öffnet.

Bis jetzt ist das Firmenimage von Hightech eher freundlich: relativ umweltfreundlich, bietet anständige Arbeitsbedingungen, gesellschaftliche Verantwortung. Dies dürfte sich jedoch ändern.

Am Wochenende war An Ti wieder online, [...] ist aber in China immer noch nicht verfügbar, außer durch Emails. „Es ist so schwierig, ein freier Chinese zu sein.” schreibt er seinen Befürwortern. [...]