Geschichten aus alter Zeit: Die Vorstellungen vom Schamgefühl im alten China

(Minghui.de) Konfuzius lobte einmal die gebildeten gelehrten Menschen, welche die Scham (Zurückhaltung) in allen Dingen, die sie taten, erkannten. Ein Mann mit Schamgefühl wird sich nicht von der Versuchung nach Geldgewinn überwältigen lassen. Auch wird er seinen Ruf im Angesicht von Bedrohung oder Gefahr nicht gefährden. Er ist bescheiden und gutherzig. Er nimmt Rücksicht auf andere Menschen und nimmt nur das, was er nötig hat. Ob es sich um die persönliche Ethik, Bestrebungen oder Patriotismus handelt, so ist die Vorbedingung für sein moralisches Gewissen sein Schamgefühl.

Konfuzius sagte: „Der Mensch sollte sein Verhalten durch sein Schamgefühl einschränken.” Er sagte außerdem: „Die Scham zu kennen ist so, als wenn man Mut hat.” Ein Mensch muss die Scham kennen, ehe er über seine Fehler nachdenkt und danach trachtet, seine Moral zu verbessern. Ein Mensch mit Scham ist mutig genug, um seine eigenen Fehler zu sehen und sie zu besiegen. Das ist eine mutige Tat.

Mencius sagte: „Ein Mensch ohne Schamgefühl ist kein menschliches Lebewesen mehr.”

Er behauptete, dass die menschlichen Wesen mit angeborenem moralischen Sinn auf die Welt kommen. Er glaubte, dass die Menschen mit Wohlwollen, Schamgefühl, Rücksicht und einem Sinn für das Böse und das Gute geboren werden. Daraus entstehen Güte, Zuverlässigkeit, der Sinn für Schicklichkeit und Weisheit. Nur Tiere sind nicht von Natur aus mit diesen Qualitäten der Liebenswürdigkeit geboren. Ein Mann mit Schamgefühl wird seine Moral beibehalten, wenn er durch Ansehen und Reichtum in Versuchung gerät.

Mencius sagte: „Menschliche Wesen sollten nicht ohne Schamgefühl leben ...”

Man braucht viel Mut, um seine eigenen Fehler zuzugeben. Ein Mensch fühlt sich beschämt, wenn er seine eigenen Unzulänglichkeiten aufdeckt. Es ist aber nie zu spät, wenn er den Mut hat, ihnen gegenüberzutreten und sie zu besiegen. Ein Mensch ist unübertreffbar, wenn er sich entscheidet, sich seiner Fehler zu schämen - oder wenn er sich entscheidet, sich seiner Fehler nicht zu schämen und dafür gerade steht.

Zhu Xi, ein berühmter chinesischer Philosoph der Song Dynastie, sagte: „Ein Mensch mit Schamgefühl wird nie etwas tun, was man nicht tun sollte.”

Ein Mensch mit Schamgefühl ist entschlossen, die richtige Entscheidung zu treffen, wenn es um Armut oder Reichtum, Gewinn oder Verlust, Schicklichkeit oder Eigensinn handelt. Er lässt seinen Wünschen nicht freien Lauf. Ein Mensch ohne Schamgefühl ist zu jeder Untat fähig.

Lu Kun, ein Gelehrter in der Ming Dynastie, sagte: „Selbst die Bedrohung durch fünf Folterungen kann nicht mit dem Schamgefühl verglichen werden.” Selbst die strengsten Strafgesetze und die grausamsten Strafen können kein Schamgefühl hervorbringen. Lu Kun glaubte, dass es wichtiger sei, den Menschen das Schamgefühl beizubringen als ihnen harte Strafen aufzuerlegen. Wenn einmal die Ebene der Moral eines Menschen erhöht ist und er einen Sinn für Scham hat, dann weiß er, was man tun sollte und was nicht. Er würde das Böse vom Guten unterscheiden können. Das ist ein wirkungsvollerer Weg, um Verbrechen zu vermeiden als die Menschen zu bestrafen, wenn sie ein Verbrechen begangen haben. Das ist einer der Gründe, weswegen man im Konfuzianismus daran glaubt, dass die Menschen zuerst erzogen werden sollten, ehe man sie bestraft.