Beseitige Eigensinn, ohne irgendetwas auszulassen

(Minghui.de) Ich teilte mir ein großes Haus mit zwei Mitbewohnern, die jedoch vor kurzem ausgezogen sind, sodass ich jetzt in dem großen Haus alleine bin. Von Anfang an mochte ich die Stille und deshalb fand ich es gut, alleine zu wohnen. Es war angenehm, in dieser ruhigen Umgebung zu sein und das Fa in aller Abgeschiedenheit lesen und lernen zu können.

Kurze Zeit nachdem meine Mitbewohner ausgezogen waren, hörte ich eines Tages, als ich arbeitete, das Fa lernte und die Übungen praktizierte, ein ständiges Tropfgeräusch. Ich wusste, dass ich den Wasserhahn in der Küche zugedreht hatte; wo konnte es also herkommen? Ich suchte das Problem, aber der Wasserhahn war zugedreht und dort tropfte nirgendwo Wasser. Ich machte mich wieder an die Arbeit, aber nach einer kurzen Weile hörte ich es erneut. Ich dachte, dass ich es ignorieren sollte und dass vielleicht die Wasserleitung ein wenig verstopft wäre, sodass sich in Abständen einige Tropfen ergießen würden. Ich schenkte dem keine weitere Aufmerksamkeit. Allerdings hörte ich zwei oder drei Tage lang immer gegen Mitternacht, wenn ich mit meiner Übersetzungsarbeit anfing, das Geräusch von Tropfwasser. Das belästigte mich und ich dachte: „Ist dies eine dämonische Störung?” Ich sendete aufrichtige Gedanken aus, aber das Tropfgeräusch hielt weiter an. Mir kam sogar eine Geistergeschichte in den Sinn, die ich einmal als Kind gehört hatte. Ich dachte: „Ich bin ein Kultivierender, wovor sollte ich mich fürchten? Der Meister wacht über mich, wer wagt es, mich zu stören? Wenn etwas auftaucht, werde ich es beseitigen; sie sollten vor mir Angst haben, nicht ich vor ihnen.”

Am vierten Abend hörte ich es wieder. Plötzlich war ich sehr ungehalten. Ich sprang auf und lief in die Küche, doch beide Wasserhähne waren fest zugedreht ohne eine Spur von Tropfwasser. Ich war sehr verwirrt und hörte das Geräusch plötzlich aus dem Badezimmer kommen. Erst jetzt erkannte ich, dass es von oben aus dem Badezimmer kam. Normalerweise benutze ich nur das Bad im unteren Stockwerk; das andere Bad hatten die beiden Mitbewohner benutzt. Ich ging hinauf und sah, dass das Wasser von dem Duschkopf tropfte. Der Abfluss war durch einige Handtuchfasern verstopft und nach vier Tagen des Tropfens hatte sich in der Badewanne einiges Wasser angesammelt. Das Wasser war von dem Duschkopf in das Wasser in der Wanne getropft, wodurch das Geräusch erzeugt wurde, das mich belästigt hatte. Ich reinigte den Abfluss und das Wasser floss allmählich ab. Nachdem ich in mein Zimmer zurückgekehrt war, dachte ich sorgfältig darüber nach. Was sollte mir dieser „Zufall” sagen? Schließlich erkannte ich, dass es aufgrund meiner Lücke geschehen war.

Ich machte die drei Dinge regelmäßig und tauschte mich während des Fa-Lernens und in Diskussionen oft über mein Verständnis aus. Ich mochte es, auf die versteckten Eigensinne der anderen Praktizierenden hinzuweisen und war bestrebt, jedem in unserer Fa-Lerngruppe dabei zu helfen, jeden ihrer Kultivierungsschritte gut zu gehen. In diesem Prozess wurde mein eigener großer Eigensinn enthüllt - der Eigensinn auf mich selbst. Insbesondere alarmierte mich eine Prüfung der Xinxing (geistige Natur), die ich vor kurzem erlebt hatte; es war wie ein Schlag auf den Kopf.

In der Fa-Lerngruppe bemerkte ich, dass eine der Praktizierenden ein schlechtes Erleuchtungsvermögen hatte, und ich machte mir Sorgen um sie. Andere Praktizierende fanden ebenfalls, dass sie kein gutes Erleuchtungsvermögen hatte und es ihr an aufrichtigen Gedanken fehlte. Ich spürte immer mehr, dass ich Verantwortung übernehmen und dieser Praktizierenden helfen sollte, ihren Eigensinn aufzubrechen. Ich glaubte noch mehr, dass mein Verständnis richtig sei und dass ich auf der Grundlage des Fa handeln würde. Ich wollte, dass jene Praktizierende die Dinge gemäß meinem Verständnis tat und hoffte außerdem, ihr zu helfen, sodass sie sich schnell erhöhen und aufholen konnte. Jedoch erkannte ich nicht, dass ich bereits in meinem eigenen Eigensinn der Ichbezogenheit eingeschlossen war. Ich dachte immer an mich und beeinflusste und beschränkte die Mitpraktizierenden durch meine Gedanken, anstatt sie wirklich mit reinen Gedanken der Selbstlosigkeit und mit Rücksicht zu behandeln. Eines Tages konnte diese Praktizierende mit dem Druck, den ich auf sie ausübte, nicht mehr umgehen und wurde sehr böse auf mich. Erst in diesem Moment war ich imstande, meinen grundlegenden Eigensinn deutlich zu sehen. Die Mitpraktizierende war sehr bewegt, aber jedes Wort, das sie sprach, deutete geradewegs auf meinen tiefen Eigensinn.

Ich trat einen Schritt zurück und betrachtete mich selbst von einem ganz neuen Standpunkt aus. Ich erkannte, dass meine Handlungen sie in Wirklichkeit hinuntergezogen hatten, während es an der Oberfläche so aussah, als würden sie ihr helfen. Wenn der Meister den Ausbruch jener Praktizierenden für mich nicht arrangiert hätte, würde ich dann diesen großen Fehler immer noch begehen? Um die Menschen in ihrer Kultivierung nicht auf der Ebene des Tathagata oder unterhalb der Ebene des Tathagata zu beschränken, lehrte Shakyamuni: „Es gibt kein festes Fa.” Dies ist die großartige Barmherzigkeit eines erleuchteten Wesens, das Verantwortung für die Menschen übernimmt, die sich nach ihm kultivieren würden. Was mich betrifft, einem Praktizierenden bei der Kultivierung, was ist in mir, das andere Praktizierende einschränkt? Wir alle sind Kultivierende; wir kultivieren dasselbe kosmische Dafa. Wir können das Fa nur auf der Ebene erkennen, die wir durch Kultivierung erreicht haben. Die höheren Fa-Grundsätze können erst gesehen werden, wenn wir unseren Eigensinn beständig beseitigen und unsere Xinxing erhöhen. Es ist barmherzig, Praktizierenden bei der Erhöhung helfen zu wollen, aber wir dürfen die Mitpraktizierenden nicht mit unserem Verständnis beschränken. Wenn wir das tun, ist es nicht das gleiche wie eine dämonische Störung der Fa-Berichtigung? Alle Kultivierenden hoffen, sich ohne eine einzige Auslassung kultivieren zu können. Um dies zu erreichen, müssen wir die Wurzel unserer Eigensinne ausfindig machen, alle Störungen beseitigen und den Eigensinn ablegen.

Vielleicht kennen wir diesen Grundsatz bereits, aber manchmal, wenn Probleme auftreten, betrachten wir sie möglicherweise nur einseitig und sind weiterhin beunruhigt, warum das Problem nicht gelöst werden kann. In diesem Moment sollten wir innehalten und es aus einer anderen Perspektive betrachten; wir sollten unsere eigene Einstellung berichtigen, dann finden wir womöglich die Ursache des Problems.