Die Verfolgung meines Vaters (Foto)

(Minghui.de) Im Juli 2008 wurde mein Vater Zhang Xingwu von uns getrennt.

Zhang Xingwu

Während den Olympischen Spielen in Peking wurden viele unschuldige Menschen festgenommen. Am 16. Juli 2008 gegen Mitternacht wurde auch mein Vater von Polizisten des "Büro 610" (1) in unserer Wohnung inhaftiert. Er kam in Untersuchungshaft und durfte in den darauf folgenden 12 Monaten von seiner Familie nicht besucht werden.

Das letzte Mal, dass wir etwas von meinem Vater hörten, war am 31. März 2009. An diesem Tag wurde mein Vater vor Gericht gestellt. Meine Mutter und weitere Familienmitglieder beauftragten einen Strafverteidiger und gingen zur Verhandlung, zu der erst nach heftiger Auseinandersetzung ein Datum für eine öffentliche Gerichtsverhandlung festgelegt wurde. Nach acht Monaten Trennung hofften wir, ihn nun wieder zu sehen. Aber an diesem Morgen, gerade als sich meine Mutter auf den Weg zum Gericht machte, wurden sie und weitere Familienangehörige unter Hausarrest gestellt. Ihnen wurde nicht gestattet, bei der Verhandlung zugegen zu sein, und selbst der Rechtsanwalt durfte das Gerichtsgebäude nicht betreten. Man verweigerte ihm vor der Tür des Gerichtsgebäudes den Eintritt. Nur meiner Tante gelang es, das Gerichtsgebäude zu erreichen, aber als sie darauf bestand, das Gebäude betreten zu dürfen, wurde sie sofort festgenommen und darauf folgend zu 21 Monaten Arbeitslager verurteilt.

Dies alles passierte ohne das Wissen meines Vaters. Er kam aus der Untersuchungshaft, in der er 260 Tage eingekerkert gewesen war. Als er im Gerichtsgebäude ankam, sah er nicht ein einziges vertrautes Gesicht. Nicht einmal sein Verteidiger, der ihn einen Tag zuvor noch besucht hatte, war anwesend.

Ein Freund berichtete später, dass mein Vater unter massiven Polizeiaufgebot in den Gerichtssaal eskortiert wurde. In einer Verhandlung, in der weder Verteidiger noch Familienangehörigen erlaubt waren, wurde mein Vater zu sieben Jahren Haft verurteilt, einfach nur, weil er ein Falun Gong-Praktitizierender ist.

Als meine Familienangehörigen und der Verteidiger in Berufung gehen wollten, hinderte das Gericht den Verteidiger persönlich und mit Gewalt daran, mit meinem Vater Kontakt aufzunehmen. Sie behaupteten, mein Vater wünschte, dass der Anwalt entlassen werden sollte. Jedes Mal, wenn der Verteidiger versuchte, in die Haftanstalt zu gelangen, um die Unterschrift meines Vaters für die Berufung zu bekommen, wurde er weggeschickt.

Seit 1999 haben die örtlichen Polizisten und die Mitarbeiter des "Büro 610" nicht aufgehört, meine Eltern zu verfolgen. Sie inhaftierten sie illegal, brachen mehrfach in unser Haus ein und zwangen so meine Eltern, immer wieder für lange Zeit umzuziehen, um einer erneuten unrechtmäßigen Verfolgung zu entgehen. Sie erlitten drei Jahre Zwangsarbeit und nun droht meinem Vater eine noch längere Haftzeit.

Hintergrundinformationen:
Mein Vater Zhang Xingwu, 68, war Physikprofessor an der Universität in Jinan, Provinz Shandong. 1995 fing er an, Falun Gong zu praktizieren und seine geistige und physische Gesundheit verbesserte sich deutlich. Von da an lebte er nach den Prinzipien von Wahrhaftigkeit, Gutherzigkeit, Toleranz. Im Juli 1999 wurde er degradiert und sein Lohn gekürzt. Man nahm ihn oft fest und brach viele Male in sein Haus ein.

Im Jahr 2000 war er gezwungen, obdachlos umherzuwandern, um einer erneuten willkürlichen Verhaftung zu entgehen. Am 1. Januar 2001 wurde er wegen der Verbreitung von Falun Gong zu drei Jahren Arbeitslager verurteilt. Im Arbeitslager in Liuchangshan in der Stadt Jinan weigerte er sich, eine `Verzichtserklärung` zu Falun Gong zu unterzeichnen, deswegen entzog man ihm über 12 Tage lang den Schlaf und unterzog ihn einer Gehirnwäsche. Auch andere schwere Foltermethoden wurden bei ihm angewandt. Ende Dezember 2003, als er aus der Haft entlassen wurde, überwachte die Polizei ihn permanent. Er durfte weder die Stadt verlassen noch einen Pass mit sich führen. Am 16. Juli 2008 um 23 Uhr stürmten über 20 Polizisten der Polizeiabteilung von Jinan und der Polizeistation Weijiazhuang seinen Wohnsitz. Sie plünderten sein Haus, stahlen alles Bargeld, seine Scheckkarten und verhafteten auch seine Frau. Am folgenden Tag wurde Zhang in die Haftanstalt in Jinan überstellt und eingekerkert, wo er sich noch heute befindet.

Am 31. März 2009 war eine Gerichtsverhandlung für seinen Fall angesetzt. Außerhalb des Gerichtsgebäudes waren 70 Polizisten mit scharfen Munition stationiert. Ungefähr 100 Zivilfahnder waren in der Umgebung eingesetzt. Herrn Zhangs Ehefrau und weitere Familienangehörige wurden unter Hausarrest gestellt. Es war ihnen nicht erlaubt, die Gerichtsverhandlung zu besuchen. Zhu Xiaodong, Miao Peihua und Liu Lijie wurden vor dem Gerichtsgebäude festgenommen und auf das Polizeirevier gebracht. Später wurden sie zu einem Jahr und neun Monaten Arbeitslager verurteilt.


Anmerkung:
(1) „Büro 610”: Das „Büro 610” ist ein staatliches Organ, das eigens für die systematische Verfolgung von Falun Gong geschaffen wurde. Es untersteht direkt dem Komitee für Politik und Recht des Zentralkomitees der KP Chinas und besitzt uneingeschränkte Vollmacht gegenüber allen Verwaltungsbehörden und Justizorganen.