(Minghui.org) Das Thema Organraub an Gefangenen aus Gewissensgründen in China zog vor kurzem erhöhte Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf sich. Im Juli veröffentlichte das American Journal of Transplantation, das Top-Magazin auf dem Gebiet der Transplantation, einen Artikel mit dem Titel „Organbeschaffung von exekutierten Gefangenen in China“ und wies darauf hin, dass „diese Praktik 2014 unvermindert weitergeht“.

In dem Artikel wurden drei Paradoxa bei Organtransplantationen in China besprochen. Erstes Paradoxon ist die Diskrepanz zwischen der Zahl der Organspender und der Zahl der Organtransplantationen. Das zweite Paradoxon ist die Frage, ob ein Pool von herausgefilterten Gefangenen existiert und die dritte Frage ist die, warum die Wartezeit auf Organe in China im Allgemeinen nur ein paar Wochen dauert.

Die Autoren analysierten die Daten in Bezug auf Organquellen von exekutierten Gefangenen und auf Organhandel in China, beantworteten die Fragen und kamen zu dem Schluss, dass Gefangene aus Gewissensgründen, im Besonderen Falun Gong-Praktizierende, eine „unerkannte und unterschätzte Organquelle“ sind.

Dem Artikel zufolge gab 2005 der damalige stellvertretende Gesundheitsminister Huang Jiefu zu, dass über 90 Prozent der Organe von zum Tode verurteilten Gefangenen stammten. Wie jedoch die Autoren aufzeigten, würden die Organe von zum Tode verurteilten Gefangenen überhaupt nicht genug sein, um die große Anzahl an Organtransplantationen in China zu tragen. Die Zahl der Organtransplantationen nimmt hinter den USA Rang zwei weltweit ein.

Laut Zahlen, die von chinesischen Beamten präsentiert wurden, werden „jährlich fast 10.000 Transplantationen in China durchgeführt“. Doch die chinesische Quote von Organspenden ist traditionell niedrig – „zwischen 2003 und 2009 gab es nur 130 völlig freiwillig gespendete Organe in China bei einer riesigen Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen.”

Somit betonten die Autoren, dass „wenn man es auf die Gefangenengruppe anwendet, die durchschnittliche Zustimmungsquote der chinesischen Bevölkerung jedes Jahr Millionen von Exekutionen erfordern würde, um eine genügende Menge an Organspendern für die 10.000 Transplantationen pro Jahr sicherzustellen.“

Auch wenn alle exekutierten Gefangenen (jährlich zwischen 3.000 und 5.000) gewillt sein sollten, ihre Organe zu spenden, stellten die Autoren darüber hinaus die Frage: „Woher wird die verbleibende Zahl der Organe genommen, um den großen Umfang an jährlichen Transplantationen zu erreichen?“

Darüber hinaus weist der Artikel darauf hin, dass „es außerdem nicht plausibel erscheint, dass jeder Gefangene, der gesund genug ist, um brauchbare Organe zu spenden, auch zufällig genau an dem Tag zur Exekution angemeldet ist, an dem ein passender Empfänger verfügbar ist.“

Laut Autoren ist diese Fragestellung Grund zu großer Besorgnis, weil es darum geht, „ob das Todesurteil der Nachfrage von Organen folgt, die aus einem Pool von herausgefilterten Gefangenen beschafft werden.“

Der Artikel liefert die Antwort, dass „bestimmte Minderheitengruppen in China verfolgt werden, um Transplantationen zu ermöglichen. Die umfassendsten Untersuchungen der mutmaßlichen Organbeschaffungen von unfreiwilligen Minderheitengruppen konzentrierten sich auf Falun Gong-Praktizierende und kamen zu dem Schluss, dass eine große Anzahl von Falun Gong-Gefangenen aus Gewissensgründen auf der Grundlage von nicht nachweisbaren Vergehen zu Tode gekommen ist.“

Neben Falun Gong-Praktizierenden zählen auch andere Minderheitengruppen in China zu den Opfern, wie uighurische Muslime, Tibeter und Christen.

Die Analyse des chinesischen Arbeitslagersystems (Laogai) in dem Artikel geht auch der Frage zu den kurzen Wartezeiten auf Organe in China nach. Das System bietet „einen ohne weiteres zugänglichen Vorrat an Organen, um die Nachfrage zu befriedigen.“

Die Autoren legen dar, dass die chinesischen Behörden widersprüchliche Behauptungen über die Transplantationsreform aufstellten, indem sie angaben, dass 2014 immer noch Gefangene die Quelle für die Organe seien.

Laut dem Artikel wurde in der Resolution Hangzhou, die beim China Transplantationskongress 2013 verkündet wurde, behauptet, dass bis Juni 2014 stufenweise auf die Organe von exekutierten Gefangenen verzichtet werde.

Die Autoren betonen jedoch, dass „die jüngsten Entwicklungen jede Hoffnung auf positive Veränderungen zerstört haben. In einem Interview deutete nämlich Huang Jiefu an, dass Organe von exekutierten Gefangenen weiterhin zu Recht benutzt werden, in dem sie als ‚freiwillige‘ Spenden wie von jedem anderen Bürger eingestuft werden.“

Außerdem bestätigte Wang Haibo, der Direktor des China Forschungszentrums für das Organtransplantations-Reaktionssystem am Gesundheitsministerium „auch kürzlich in einem Journalisteninterview den Mangel an Programmen, um die Abhängigkeit von den Organen exekutierter Gefangener einzustellen.“

Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse kamen die Autoren zu dem Schluss, dass die „neu verkündeten Initiativen Chinas (z.B. computerisierte Organfindungssysteme) Mechanismen sind […], um noch stärker die Vergabe von unethisch beschafften Organen zu verschleiern, zu billigen und zu ermöglichen. Wie vorgeschlagen, wird das neue System schlicht eine riesige, ausgeklügelte Einrichtung zur „Organwäsche“, wobei die Organe von Gefangenen verwendet werden, um der weiter ansteigenden inländischen und internationalen Nachfrage gerecht zu werden.“

Die Autoren schlugen Empfehlungen vor, damit die Zwangs-Organbeschaffungen beendet werden, und sie riefen die internationale Gemeinschaft auf, „ein konsequentes Vorgehen gegen die grauenvollen Praktiken des Organraubs einzuschlagen und eine vollständige und sofortige Beendigung zu fordern.“

Der Artikel wurde verfasst von A. Sharif vom Queen Elizabeth Hospital in Großbritannien, M. Fiatarone Singh aus Sydney von der Medical School an der Universität Sydney, T. Trey von Doctors Against Forced Organ Harvesting, Washington, DC und J. Lavee vom Klinikum Sheba und der Medizinischen Fakultät Sackler, Universität Tel Aviv. Der erste, der zweite und der vierte Autor sind außerdem Mitglieder des Beratungsausschusses von Doctors Against Forced Organ Harvesting.