(Minghui.org) Seit 2011 arbeite ich beim Shen Yun-Projekt mit. Im Hinblick auf die Kultivierung hat der Meister mir in den letzten Jahren viele Gelegenheiten zur Erhöhung geboten, dafür möchte ich mich bedanken. All diese Gelegenheiten gehören zu unserer Kultivierungsumgebung, wir können sie unter den gewöhnlichen Menschen nicht bekommen. Diese Kultivierungsumgebung ermöglicht es uns, nach innen zu schauen. 

2011 nahm ich zum ersten Mal an der Promotion von Shen Yun in meiner Stadt teil. Ich hatte damals keinerlei Erfahrung. In Bezug auf die persönliche Kultivierung war ich selbstgefällig. Wenn ich unter den gewöhnlichen Menschen den Kürzeren zog, fiel es mir meistens leicht, es nicht ernst zu nehmen; ich trachtete auch nicht nach Ansehen und Reichtum.

Ich war stolz, bei diesem Projekt teilzunehmen, weil es meine erste freiwillige Arbeit in meinen Leben war. Auch die Mitpraktizierenden nahmen meine Bereitschaft freundlich an. In der ersten Zeit meiner Mitarbeit machte ich Vorschläge und suchte Lösungen mit der Denkweise und den Erfahrungen der gewöhnlichen Menschen, die ich in der westlichen Gesellschaft gesammelt hatte. Einige Mitpraktizierenden wiesen mich darauf hin, dass Shen Yun ein Dafa-Projekt ist und keine Angelegenheit der gewöhnlichen Menschen. Außerdem müssen wir uns kultivieren, während wir die Menschen erretten.

In all den Jahren erkannte ich, dass die aufrichtigen Gedanken und Handlungen eines Kultivierenden und die gemeinsame Kooperation am wichtigsten sind. Mein Verhalten,  gerne Ratschläge zu erteilen, war auf die Gesinnung der Geltungssucht zurückzuführen.

Die Geltungssucht hatte ich unter den gewöhnlichen Menschen nicht bemerkt. Im  Allgemeinen dachte ich, dass ich mich recht gut kultiviert hätte. Im Grunde verglich ich mich mit dem Maßstab der gewöhnlichen Menschen. Die Geltungssucht zeigte sich erst in der Zusammenarbeit mit den Praktizierenden. Der Kultivierungsweg ist noch lang. Der Meister hat uns diese Kultivierungsumgebung eingerichtet, damit wir voneinander lernen und unsere Kultivierung mit dem Fa vergleichen.

2. Eigensinne loslassen und an andere denken

Einmal arbeitete ich beim Verkauf der Tickets mit. Wir hatten mehrere Verkaufsstände eingerichtet. Praktizierende aus anderen Städten beteiligten sich daran. Das erforderte eine gute Planung, damit die Verkaufsstände zu jeder Zeit besetzt waren. Wer kam mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto? Wer konnte beim Auf- und Abbau mithelfen? Eine westliche Mitpraktizierende war die Koordinatorin für die Promotionsstände.

Weil ich an mehreren Tagen beim Verkauf der Tickets mitarbeitete, machte ich mir Gedanken über die organisatorische Abwicklung. Ich fand das Arrangement der Koordinatorin nicht ideal. Deshalb rief ich sie öfters an und bat sie um Änderungen. Ich hatte vorher meine Ideen mit anderen Praktizierenden besprochen und war der Meinung, dass meine Ratschläge ideal seien. Am Anfang war die Koordinatorin meinen Vorschlägen gegenüber aufgeschlossen und wollte die Änderungen auch vornehmen. Aber nach einigen Telefonaten fragte sie mich: „Findest du, dass ich diese Faktoren nicht berücksichtigt hätte?“

Ich war sprachlos. Mir wurde bewusst, dass ich mir keine Gedanken mehr über ihre Organisation machen sollte, um Zeit und Mühe zu sparen. Alle meine Überlegungen betrafen mein eigenes Interesse und das einer kleinen Gruppe. Mein Ausgangspunkt war egoistisch, weil ich es nicht vom Standpunkt der Koordinatorin und der gemeinsamen Planung betrachtet hatte. Ich erkannte, dass meine sogenannten Ratschläge aus dem Egoismus resultierten, was anderen dann Umstände und Probleme bereitete. 

Wenn ich wirklich mein Bestes getan und zuerst an die anderen gedacht hätte, hätten viele Umstände und Probleme vermieden werden können. 

3. Nicht um Worte kämpfen – wenig argumentieren

Bei uns Mitpraktizierenden gibt es unterschiedliche Verständnisse und verschiedene Handlungsweisen. Ich handelte oft nicht wie eine Praktizierende und war zum Beispiel nicht demütig und barmherzig genug; ich berücksichtigte die Situation der anderen Praktizierenden nicht und dachte nicht zuerst an sie. Wenn ein Mitpraktizierender mich korrigierte, konnte ich es manchmal sofort erkennen, manchmal nicht. Dann fühlte ich mich unausgeglichen. 

Im vergangenen Jahr hatten eine Mitpraktizierende und ich bei einer Sache unterschiedliche Meinungen. Jeder von uns fand, dass er Recht hätte. Wir beide trugen unsere persönlichen Argumente auf der Konferenz der Koordinatoren vor. Diese Uneinigkeit führte zu einer Trennung zwischen uns. Vom Fa her wussten wir, dass dieser Zustand nicht richtig war. Wir hatten den Wunsch, den Konflikt zu lösen. Die anderen Praktizierenden betrachteten unseren Konflikt mit dem Maßstab des Fa und mit Barmherzigkeit, sie tauschten sich auch auf der Basis des Fa mit uns aus. Trotzdem beharrte ich weiter darauf klarzustellen, wer Recht und wer Unrecht hatte. Ich blieb dabei, dass ich Recht hatte. Mein Herz war bewegt.

Nach der Konferenz nahm ich am wöchentlichen großen Gruppen-Fa-Lernen teil. Während des Lesens musste ich plötzlich weinen und konnte nicht mehr aufhören. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass alle unrichtigen Faktoren von der großen Barmherzigkeit des Meisters aufgelöst wurden. Nach dem Fa-Lernen waren alle Unstimmigkeiten in mir verschwunden. Danach gab der Meister mir und der betroffenen Praktizierenden mehrmals Gelegenheit, uns miteinander auszutauschen. Es war ein anderer Austausch als die zuvor, weil wir beide nach innen geschaut hatten. Auf diese Weise beseitigten wir unsere Vorurteile und negative Gedanken. Inzwischen habe ich nur noch eine verschwommene Erinnerung an diese Angelegenheit. Geblieben ist nur der tiefe Eindruck an den Prozess der Kultivierung.

Der Meister sagte: 

„Mancher hebt immer hervor, dass er recht hat. Du hast recht, du hast nichts Falsches gemacht, na und? Hast du dich erhöht im Verständnis vom Fa? Dass du mit einem menschlichen Herzen betonst, wer recht hat und wer nicht, das an sich ist schon falsch, weil du dich an einem Grundsatz der gewöhnlichen Menschen misst und verlangst, dass die anderen diesem Grundsatz entsprechen. Nach Ansicht der Gottheiten ist es für einen Kultivierenden auf der irdischen Welt gar nicht wichtig, ob du recht hast oder nicht. Wichtig ist es, die Eigensinne der menschlichen Gesinnungen abzulegen. Wie du deine Eigensinne der menschlichen Gesinnungen ablegst, das erst ist das Wichtige.“ (Li Hongzhi, Fa-Erklärung in Manhattan, 26.03.2006)

4. Mit Weisheit gemeinsam voranschreiten 

Jeder Praktizierende trägt eine große Verantwortung. Jeder hat persönliche Stärken. Dass ich mir einige Fähigkeiten in der Gesellschaft der gewöhnlichen Menschen angeeignet habe, könnte vom Meister arrangiert worden sein. In Bezug auf meine Mitpraktizierenden  haben wir wirklich gut ausgebildete Personen in allen Bereichen. Das Arrangement des Meisters ist geordnet. 

In diesen wenigen Jahren wurden mir ich immer mehr Aufgaben bei der Promotion von Shen Yun übertragen. Zu Beginn war ich verantwortlich für die Verteilung der Plakate und die Unterbringung der Praktizierenden in Frankfurt. Danach bekam ich die Aufgabe, die Ausbildung der Mitpraktizierenden zu organisieren. In diesem Jahr kam eine weitere Aufgabe dazu: die Bestellung des Materials für Shen Yun.  

Weil ich meine Nase gerne in die Angelegenheiten der anderen steckte, erinnerten mich die Praktizierenden manchmal daran, nicht das Herz, „der Chef zu sein“ zu entwickeln. Manche Praktizierende sagten mir auch, dass ich mich gerne als „guten Mensch“ zeigen wolle. Am Anfang debattierte ich mit ihnen und rechtfertigte mich. Später bemerkte ich allerdings, je mehr ich diskutierte, desto mehr wurde ich kritisiert. Unsere Diskussionen kosteten Zeit. Das, was gemacht werden musste, wurde dann nicht erledigt. Was entschieden werden musste, wurde nicht entschieden. Das beeinträchtigte den Fortgang des Projekts. Ich erkannte, dass es an der Zeit war, meinen Kampfgeist loszuwerden. 

Um Shen Yun 2016 in Frankfurt zu promoten, beschlossen wir, eine Sonderausgabe von Epoch Times drucken zu lassen. Als Koordinator für das Material war ich dafür verantwortlich. Von Anfang an gab es in der Koordinationsgruppe Meinungsverschiedenheiten über die Gestaltung, den Inhalt und die Bilder in der Sonderausgabe. Alle Fragen über Inhalt, Bilder, den Umfang der Ausgabe bis zur Auswahl der Druckerei führte zu Diskussionen in unterschiedlichem Ausmaß. Durch unsere ständigen Diskussionen konnten wir unseren Plan nicht zeitgemäß durchführen. Der ursprünglich vorgesehene Ablieferungstermin musste verschoben werden. 

Beim Nach-innen-Schauen fand ich heraus, dass ich gerne schöne Worte hören wollte. Ich hatte auch die Gesinnung, mich zu erklären; ich versuchte, Anerkennung zu bekommen, und wich den Konflikten aus. Ich musste meine oberflächliche Haltung, „wer Recht hat“, aufgeben und mich wirklich selbst kultivieren, mit aufrichtigen Gedanken handeln und selbst die Verantwortung übernehmen. Wenn ich etwas nicht gut gemacht habe, soll ich meinen Fehler zugeben und mich verbessern. 

Obwohl ich dies erkannt hatte, tauchten immer noch Gedanken auf, in denen ich mich  gewohnheitsmäßig verteidigte und es nicht wagte, mir die Fehler einzugestehen. Meistens  konnte ich solche unaufrichtigen Gedanken rechtzeitig erkennen und sie beseitigen. Schließlich kam die Koordinationsgruppe in Frankfurt zu einer Einigung: „Ganz gleich welche Entscheidung der erste Koordinator nach dem Austausch mit der Gruppe getroffen hat, wir werden sie mit aufrichtigen Gedanken unterstützen. Wir werden eine Einheit bilden und beginnen, sie umzusetzen.“

Kurz danach hatte der erste Koordinator einen neuen Plan: Er wollte zuerst eine 8-seitige Broschüre über Shen Yun herausgeben und erst nach dem Neujahr die Sonderausgabe von Epoch Times. Wir arbeiteten zusammen und stellten innerhalb einer Woche den Entwurf fertig und erteilten der Druckerei den Auftrag. Mitte November 2015 begannen wir mit der Verteilung von 50.000 Broschüren. Mitpraktizierende von Frankfurt und außerhalb erledigten diese Aufgabe innerhalb von sechs Wochen. 

Da die Sonderausgabe von Epoch Times in mehreren Shenyun-Städten im deutschsprachigen Raum in die Briefkästen verteilt werden sollte, übernahmen wir bei der Herstellung der Sonderausgabe auch die Ideen der Mitpraktizierenden aus diesen Städten. Dabei kam es zu einer grundsätzlichen Veränderung. Durch diese Erfahrung erkannte ich, dass wir uns jetzt auf unser Ziel konzentrierten und es keine endlosen Diskussionen über ein Thema mehr gab. Wir hatten uns bei der Kultivierung erhöht, das eigene Ich losgelassen und waren uns einig geworden. Bei den Sonderausgaben lief alles planmäßig.  

Ich habe in diesem Prozess viel dazu gelernt. Hier einige Beispiele: bei Meinungsverschiedenheiten die Gefühle loszulassen, die Meinungen der anderen anhören zu können; bei Konflikten einen ruhigen Herzzustand zu bewahren, mich nicht zu verteidigen, nicht zu streiten, beim Nach-innen-Schauen keine negativen Gedanken gegen Mitpraktizierenden zu haben, sondern im Gegenteil versuchen, ihre Stärke zu finden und gut zusammenzuarbeiten.

Wenn ich Verantwortung übernehmen soll oder eine Entscheidung treffen muss, sollte ich dies nicht ablehnen; ich sollte einen Fehler offen und ehrlich zugeben können und bei Fehlern der anderen keine Schuldzuweisung machen, sondern mitzuhelfen, die Sache wieder gut zu machen. Eigentlich sind alle Konflikte und Probleme eine Chance, die der Meister uns gibt, um nach innen zu schauen und uns zu erhöhen.  

In den letzten Tagen las ich in der Fa-Erklärung auf der Fa-Konferenz im Westen der USA: 

„Erst mitten in den Konflikten können die menschlichen Gesinnungen beseitigt werden. Erst mitten in den Konflikten kann man seinen Fehler erkennen. Sobald du Konflikte mit anderen hast, taucht bestimmt dein Eigensinn auf, es ist sehr offensichtlich. Wenn du diesen Moment nicht zupacken kannst, sondern immer noch starrköpfig gegen andere handelst und mit anderen um dein Recht streitest, dann ist dieser Prozess, in dem du eigensinnig um dein Recht streitest, ein Prozess, in dem dein Eigensinn heftig gezeigt wird. Wenn du weiter in die Tiefe gehen und die Motivation herausfinden kannst, dann kannst du die Wurzel dieses Eigensinns finden.“ (Li Hongzhi, 29.10.2015)

Vielen Dank, Meister. Dank an die Mitpraktizierenden.