(Minghui.org) Das 6. Parlamentarische Forum für Religionsfreiheit fand am 3. April 2017 in Ottawa statt. Im Fokus der Veranstaltung stand die Religionsfreiheit in China. 

Das Forum wurde von den Abgeordneten David Anderson und Garnett Genuis geleitet; ein Grundsatzreferat kam von Anastasia Lin (Miss World Canada 2015). Akademische Perspektiven brachten Dr. Andrew Bennett und David Mulroney ein. Es waren rund 120 Personen anwesend: Abgeordnete, China-Experten, Reporter sowie die breite Öffentlichkeit.

Das 6. Parlamentarische Forum für Religionsfreiheit findet auf dem Parlamentshügel in Ottawa statt.

Der Abgeordnete David Anderson leitet das Forum.

Ehemaliger Botschafter für Religionsfreiheit: Keine Illusionen bezüglich China

Dr. Andrew Bennett ist der ehemalige kanadische Botschafter für Religionsfreiheit. Er ist außerdem leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Forschungsprojekt über Religionsfreiheit am Berkley-Zentrum für Religion, Frieden und Weltangelegenheiten an der Universität Georgetown. In seiner Rede konstatierte er, dass China weiterhin einer der ungeheuerlichsten Verletzer der Religions- und Glaubensfreiheit ist. Er wies darauf hin, dass China laut Pew Forum [1] beständig an der Spitze oder in der Nähe der Spitze der Länderliste steht, die die schlechteste Bilanz bei den staatlichen Einschränkungen gegenüber religiösen Gemeinschaften aufweist. In dem jüngsten Bericht des Pew-Forums aus dem Jahr 2015 führte China die Liste der Länder mit den gravierendsten und schwerwiegendsten Beschränkungen für Religionsgemeinschaften an.

Dr. Bennett sagte: „Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass Chinas wachsende Beschäftigung mit den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen der Welt Auswirkungen auf seine Menschenrechtsbilanz hat. Je mehr sich China in internationalen Foren engagiert – so würde man eigentlich hoffen, dass auf China Druck ausgeübt wird, seine Menschenrechtsbilanz und seine Bilanz bezüglich Religionsfreiheit zu verbessern. Aber diese Bilanzen bleiben davon unbewegt.“

Herr Mulroney, ehemaliger kanadischer Botschafter sowie Präsident und Vizekanzler der Universität St. Michael's College, sagte in seiner Rede: „Etwas so Einfaches wie Interesse und Unterstützung aus Kanada kann – wie es mein Kollege, der deutsche Botschafter, so treffend formuliert hat – wie einer Kerze im Dunkeln sein für Menschen, die sonst allein und verlassen wären.“

Dr. Andrew Bennett (links) und David Mulroney beantworten nach ihren Reden Fragen.

Abgeordneter: Unseren Einfluss geltend machen

Personen aus dem Publikum kommentierten, dass das Forum ihnen die Augen über die religiöse Verfolgung in China geöffnet habe.

Die Abgeordnete Judy Sgro sagte dem Reporter nach dem Forum: „Kanada muss sehr vorsichtig sein, dass es nicht naiv in seiner Beziehung ist. Und es muss den Umständen entsprechen, wenn wir uns bezüglich der rechtlichen Situation vorwärts bewegen. Die Gewährleistung der Religionsfreiheit ist eine Sache. Auch Sicherheit muss ein Thema sein, wenn man zum Beispiel über Falun Gong spricht. Organraub, diese unglaublich schrecklichen Dinge, von denen wir immer wieder hören ... Ich halte es für wichtig, dass diejenigen von uns, die in Kanada leben, ihre parlamentarische Verantwortung ausüben. Es liegt in der Verantwortung aller Kanadier, aufzustehen und sich dem entgegenzustellen.“

Der Abgeordnete David Anderson sagte in einem Interview: „Was mich am meisten aufgerüttelt hat, war, dass eine unserer Zeugen sagte, dass Kanada ein Licht im Dunkeln sein kann. Wenn wir uns also engagieren und diese Fragen aufwerfen, wirft das tatsächlich Licht auf diese Angelegenheit und ermutigt die chinesische Regierung, es besser zu machen als in der Vergangenheit. Wir haben einen beträchtlichen Einfluss, und wir können diesen Einfluss nutzen und hoffentlich eine große Veränderung für einige der Menschen in China bewirken, die einfach nur verfolgt werden, weil sie einen Glauben haben.“

Der Abgeordnete Harold Albrecht sagte in einem Interview: „Wir müssen immer wieder unsere Stimme gegen diese Art von Ungerechtigkeiten erheben. Wenn wir Handelsbeziehungen oder politische Beziehungen aufnehmen, ist es wichtig, dass wir keine Angst haben, den Mangel an Freiheit anzusprechen, den unsere chinesischen Brüder und Schwestern haben. Und wir müssen die internationale Gemeinschaft auf diese Ungerechtigkeiten aufmerksam machen. Es liegt an uns als Kanadier. Ich glaube, viele meiner Wähler, vermutlich 90% oder mehr, würden uns als ein Land dazu drängen, unsere Stimme stärker zu erheben, um unsere Sorge auszudrücken, dass die Chinesen die Grundfreiheiten brauchen, die wir in Kanada für selbstverständlich halten.“

Sprecher des Falun Dafa-Vereins von Kanada äußert sich zur Verfolgung

Joel Chipkar, der Sprecher des Falun Dafa-Vereins von Kanada, spricht auf dem Forum.

Joel Chipkar, der Sprecher des Falun Dafa-Vereins von Kanada, sagte: „Der damalige Präsident von China, Jiang Zemin, befahl, Falun Gong zu beseitigen, nachdem er herausgefunden hatte, dass 100 Millionen Menschen einen spirituellen Kultivierungsweg praktizierten, der nicht vom Staat kontrolliert wurde. Er schuf auch eine außerrechtliche Polizei, genannt das Büro 610, mit absoluten Machtbefugnissen, das Jagd auf Praktizierende macht, sie verhaftet und sie sogar ohne Prozess töten kann ... Jiang rief: ‚Glaubt ihr, dass unser Marxismus, Materialismus und der Atheismus das spirituelle Zeug nicht niederschlagen kann, das von Falun Gong ausgestrahlt wird?‘ Er mobilisierte daraufhin die gesamte Gesellschaft, um Falun Gong zu verfolgen. Er entfesselte mit mehreren Milliarden Dollar eine unermüdliche Propagandakampagne, die das Land bedeckte.“

Chipkar brachte die persönliche Erfahrung seines Freundes He Lizhi als Beispiel, um aufzuzeigen, wie die Kommunistische Partei Chinas in den vergangenen 17 Jahren die Verfolgung von Unschuldigen durchgeführt hat.

Chipkar wies darauf hin, dass die KP Chinas ihre Kampagne auch nach Übersee ausgedehnt hat: „Die Kommunistische Partei sendet gefälschte, irrationale E-Mails, die so aussehen sollen, als ob sie von Falun Gong-Praktizierenden kommen, an unsere gewählten Beamten, um sie zu manipulieren. Es soll erreicht werden, dass die Beamten glauben, dass Falun Gong-Praktizierende grotesk und instabil seien und die Kommunistische Partei eine Rechtfertigung für ihre Verfolgung habe. Sie zielen auf das moralische Gewissen der Abgeordneten, die durch diese E-Mails möglicherweise den Opfern der schrecklichen Verbrechen den Rücken kehren. Es ist ein teuflischer Plan, der unsere Regierungsbeamten hier auf kanadischem Boden angreift, um nochmals die Stimme der Opfer zum Schweigen zu bringen.“

Miss World Canada 2015: Verfolger können den menschlichen Geist niemals wegnehmen

Anastasia Lin spricht auf dem Forum.

Anastasia Lin, Miss World Canada 2015, die in dem Film The Bleeding Edge spielt, hielt eine Rede auf dem Forum. Um eine Falun Gong-Praktizierende, die verfolgt wird, am besten darstellen zu können, besuchte Anastasia mehrere Praktizierende, die in China gefoltert wurden. Unter ihnen waren zwei Schwestern, die 13 Jahre lang eingesperrt waren. Sie wurden in der Haft mit elektrischen Schlagstöcken geschockt und zwangsernährt, nachdem sie einen fünfzig Tage währenden Hungerstreik angefangen hatten. Die Gefängniswärter zwangen sie auch, jeweils zuzusehen, wenn die andere brutal zwangsernährt wurde. Diese Folter konnte die beiden aber nicht dazu bringen, ihren Glauben aufzugeben.

Anastasia sagte: „Sie mögen eine Weile Erfolg haben, Menschenrechtsanwälte und Gläubige verhaften, Bücher verbieten, Gebiete sperren und Webseiten blockieren, aber sie können den menschlichen Geist niemals zensieren. Sie können nie die Macht der Phantasie, den Geist der Kreativität, die Hoffnung und den Glauben in uns wegnehmen. Sie können den menschlichen Geist niemals wegnehmen.“

Der Film The Bleeding Edge, ein Gewinner bei den 51. Gabriel Awards, wurde auf der ganzen Welt gezeigt.


[1] Das Pew Forum on Religion & Public Life ist ein Projekt des Pew-Forschungszentrum, (engl. Pew Research Center). Das Zentrum ermittelt Informationen, Meinungen und Trends, die die Vereinigten Staaten und die Welt betreffen.