Ein langer Winter fand endlich sein Ende

(Minghui.org)

Verehrter Meister!Liebe Mitpraktizierende!

Eine kurze Geschichte: Im Sommer 2016 – bei fast 30 Grad im Schatten – endete mein ganz persönlicher Winter.

Wenn wir die gemeinsame Zeit, die wir Dafa-Jünger in der Zeit der Fa-Berichtigung zusammen verbracht haben, als ein Buch betrachten, dann haben wir alle kleinere und größere Geschichten zu diesem Buch beigetragen, die von unseren Erfahrungen erzählen, und ich möchte euch jetzt an einer dieser Geschichten teilhaben lassen.

Im vorletzten Jahr fand eine große Dafa-Veranstaltung in Berlin statt, und ich hatte mich dazu entschlossen, an diesem Veranstaltungswochenende nach Berlin zu reisen, um zu unterstützen. Ich erinnere mich noch gut an den Tag, es war an einem schönen sonnigen Freitag Ende Juli und wir hatten fast 30 Grad im Schatten. Weil ich mir diesen Freitag freigenommen hatte, hatte ich genügend Zeit, um noch einmal vor der Abfahrt einen meiner Lieblingsplätze in meiner Heimatstadt aufzusuchen. Ich fuhr von zu Hause los, und am Ziel angekommen, suchte ich mir einen Parkplatz in der Nähe und ging den restlichen Weg zu Fuß weiter. Ich spazierte gemütlich über das alte Kopfsteinpflaster und ließ mir Zeit, um alle meine Sinne auf den Moment gerichtet wirken zu lassen. Das Licht der Sonne war an diesem Tag besonders schön und so kam die mittelalterliche Architektur meiner Heimatstadt sehr gut zur Geltung und bot mir einen besonders schönen Anblick.

Es hätte ja alles so schön und wunderbar sein können, wie die Stimmung und wie das Wetter, wenn mir da nicht immer wieder der Satz in den Sinn gekommen wäre, den ich einige Tage zuvor von einer Mitpraktizierenden per Email erhalten hatte: „Wo ist nur deine Barmherzigkeit?“

Dieser Satz war das Ergebnis einer längeren Vorgeschichte, die immer wieder mal aufkochte und mir während meiner Kultivierung mehrmals serviert wurde, nur diesmal war alles irgendwie anders.

Ich bin seit circa sieben Jahren für den Versand einer Pressemitteilung zuständig, und der Versand dieser Pressemitteilungen ging mir in der Regel ganz gut von der Hand. Als ich damals diese Aufgabe übernahm, hatte ich mir ein System überlegt, mit dem ich relativ einfach diese Mitteilungen erstellen und versenden kann – wenn da nur nicht immer wieder - von Zeit zu Zeit - besagte Mitpraktizierende mit ihren Sonderwünschen an mich herangetreten wäre, um es für mich dann doch etwas anspruchsvoller werden zu lassen. Ja, anspruchsvoller, es war für mich ein Anspruch, den sie stellte, eine Extrawurst, ein Sonderwunsch. Denn ich habe es jedes Mal so gesehen und so kam es mir vor, wenn ich extra für sie diese Pressemitteilungen in unterschiedlichen Formaten - zusätzlich und ausschließlich - an sie schicken musste. Ich habe über die Jahre hinweg viele Male per Email mit ihr darüber debattiert, aber ich hatte, egal, wie gut ich aus meiner Sicht auch argumentierte, kaum eine Chance und habe ihr dann meistens die Zusatzdokumente wunschgemäß zugeschickt. Was ich aber in all den Jahren versäumt hatte, war, einmal darüber nachzudenken, warum sie mir diese Schwierigkeiten bereitete. Mein Herz war einige Male wegen ihr und ihrer „Sonderwünsche“ bewegt, aber einen genaueren Blick auf diese Angelegenheit hatte ich irgendwie immer versäumt.

Beim letzten Vorfall war alles wie gehabt, es kam eine Mail von ihr, und ich habe dann wieder nach bestem Technikverständnis versucht, haargenau zu erklären – zugegeben, meine Mail an sie war relativ lang –, wie sie selbst ihre gewünschten Dokumente erzeugen kann; ich hoffte, dass sie endlich mal Einsicht zeigen und das Thema ein Ende finden würde. Ihre Antwort-Mail ließ auch nicht lange auf sich warten und als ich sie dann öffnete, sah ich ihn, diesen Satz: „Wo ist nur deine Barmherzigkeit?“. Sonst kein weiteres Zeichen. Kein Hallo am Anfang, kein Gruß am Schluss. Im ersten Augenblick ärgerte ich mich; mein Herz pochte und das lag auch daran, dass sie meine lange Mail, die mich sehr viel Zeit gekostet hatte, nur mit diesen fünf Wörtern honorierte – kein Hallo am Anfang, kein Gruß am Ende. Ich war fast schon etwas beleidigt und fühlte mich sehr ungerecht behandelt, denn ich hatte mir wirklich viel Mühe gegeben, ihr alles ganz genau per Mail zu erklären und fand, dass ich sehr barmherzig mit ihr war und dass sie hier total falsch lag. Im Gegenteil, ich fand, je mehr ich nachdachte, dass sie ja total unbarmherzig sei – kein Hallo am Anfang, kein Gruß am Ende – ich war mehr mit der Form ihrer Email als mit dem Satz, den sie mir geschrieben hatte, beschäftigt und ich dachte und dachte. Bis meine innere Stimme mit mir sprach: „Ja, wo ist nur deine Barmherzigkeit?“ Erst jetzt fing ich an, über meine Barmherzigkeit nachzudenken – und ich fand heraus, dass es um meine Barmherzigkeit wirklich nicht gut bestellt war. Ich versuchte zu verstehen, zu erfassen, wie ich barmherziger werden könnte, fand aber darauf zu diesem Zeitpunkt keine für mich stimmige Antwort.

Zwischen dem Vorfall mit der Mail und dem Moment, an dem ich mich an meinem Lieblingsplatz befand – es lagen ein paar Tage dazwischen – habe ich häufiger darüber nachgedacht, wie ich denn mein „Barmherzigkeits-Problem“ lösen könnte, wusste aber einfach nicht, wie ich es umsetzen, wie ich es ändern konnte.

Erinnern wir uns zurück an den Anfang meiner Geschichte, ich war gerade in Richtung Lieblingsplatz unterwegs und war inspiriert von der Stadt, der Architektur, vom schönen Wetter, hatte aber den Satz mit meiner Barmherzigkeits-Frage im Gedanken und immer noch keine Lösung für mich gefunden. Und als ich so in meinen Gedanken versunken meinen Lieblingsplatz erreichte und die mächtige, große alte Kirche erblickte, sah ich zur Kirche hoch, und ich konnte es kaum glauben, denn an dieser Kirche war ein riesiges Plakat angebracht. Das Plakat muss circa vier bis fünf Meter groß gewesen sein und man konnte es aufgrund seiner Größe unmöglich übersehen. Und genau auf diesem Plakat stand – in großen Druckbuchstaben (hellblauer Hintergrund, die Schrift war dunkelblau): Barmherzigkeit! Ich war sehr oft an diesem Platz gewesen, hatte aber in all den Jahren nie so ein großes Plakat an dieser Kirche gesehen, aber heute hing es hier, unübersehbar, ignorieren war unmöglich und es stand dort, es kam mir so vor, als stünde es nur für mich dort riesengroß an der Wand: Barmherzigkeit! Ohne Zweifel hatte ich ein „Barmherzigkeits-Problem“ und ich musste lachen. Denn ich verstand, dass es der Meister war, der mir diesen Hinweis gab. Und in diesem Augenblick sprach ich zu mir selbst: „Ja, ich will nicht mehr unbarmherzig sein, ich habe keine Lust mehr auf Unbarmherzigkeit!“ Und das war dann auch gleichzeitig meine Lösung – ich lehnte meine Unbarmherzigkeit ab, ich wollte sie wirklich nicht mehr; es war wirklich an der Zeit, sie abzulegen.

Seitdem sind schon fast wieder eineinhalb Jahre vergangen, und meine Barmherzigkeit hat sich, wenn ich es rückblickend betrachte, durch die Ablehnung meiner eigenen Unbarmherzigkeit wirklich verbessert. Dennoch bin ich mir auch darüber bewusst, dass ich mich in diesem Bereich immer noch verbessern kann. Ich bin dem Meister wirklich dankbar, dass er mir hilft, so dass ich meine Mängel finden und beseitigen kann.

Wunderschön und sehr passend zu meinem Thema, diese Zeilen von unserem Meister:

„Barmherzigkeit lässt Frühling zwischen Himmel und Erde werdenAufrichtige Gedanken erretten Menschen in der Welt“(Li Hongzhi, Das Fa berichtigt das Universum, 06.04.2002, in: Hong Yin II)

Danke, Meister!Danke, liebe Mitpraktizierende!