(Minghui.org) Musik ist ein zentraler Bestandteil der traditionellen chinesischen Kultur. Im Buch der Riten ist geschrieben: „Darum waren die alten Könige bei der Gestaltung von Sitte und Musik nicht darauf bedacht, das Begehren von Mund und Magen, Ohr und Auge restlos zu erfüllen, sondern ihre Absicht war, das Volk zu lehren, seine Zu- und Abneigungen zu mäßigen, und es auf das rechte Ziel des Menschenweges zurückzubringen.“ [1]
Musik wurde also geschaffen und weitergegeben, um Harmonie zwischen Himmel und Erde zu erzielen, den eigenen Charakter zu verbessern und die Seele zu nähren – sie zu einer höheren Existenzebene zu erheben.
Der Ursprung eleganter Musik
Vor rund 5.000 Jahren nahm die chinesische Zivilisation mit dem legendären Gelben Kaiser ihren Anfang. Seinerzeit wurde der Kalender eingeführt, die Menschen lernten den Ackerbau, die Schrift, den Bootsbau und die Nutzung von Fuhrwerken. Außerdem entstanden damals die Arithmetik, die Medizin und die Musik.
Auf Anordnung des Gelben Kaisers schuf der Musiker Ling Lun Tonleitern. Er verwendete Bambusrohre aus dem Kunlun-Gebirge und schnitt sie in zwölf verschiedene Längen, damit diese einen bestimmten Ton erzeugten. Die Töne stimmte er auf den Gesang der Fenghuang [2] ab. Im Einklang mit diesen zwölf Bambusflöten wurden dann zwölf Glocken gegossen, die die Tonhöhen festlegten.
Ling komponierte auch Musik und inszenierte zur Frühlingszeit, als die Natur erwachte, früh am Morgen ein großes Musik- und Tanzereignis. Beeindruckt von der reinen Musik zum Sonnenaufgang gab der Kaiser ihm den Namen Xian Chi. „Die Musik Hiën Dschï war vollkommen“, so das Buch der Riten, und später im Text: „In der Musik freut man sich seines Ursprungs, und in der Sitte kehrt man zurück zu seinem Anfang. Die Musik preist die Tugend, und die Sitte dankt der Gnade; das ist die Rückkehr zum Anfang“ [1].
Mit ihrer Musik haben Chinas Vorväter einerseits die Tugendhaftigkeit sowie die Schöpfung gepriesen und sich andererseits ihrer Ahnen erinnert. So komponierte Kaiser Zhuanxu das Stück Cheng Yun als Hommage an den Gelben Kaiser. Die Kaiser Yao und Shun komponierten ebenso ihre eigenen Stücke Da Zhang respektive Shao Yue. Die musikalische Tradition der Hofmusik war also dem Ausdruck der Dankbarkeit für die himmlische Schöpfung und ihrer Segnungen gewidmet.
In der Zhou-Dynastie etablierte der Herzog von Zhou Etikette und förderte und bereicherte die Kunst der Musik. Neben dem Respekt für das Göttliche legte er auch Wert darauf, das Volk mittels Musik zu harmonisieren. Das Buch der Riten sagt dazu: „Die Sitte bringt Rhythmus in die Gesinnung des Volkes. Die Musik bringt Harmonie in die Laute des Volkes.“ [1] Zu Ehren des Göttlichen und für das Wohl des Volkes förderte er die Tugend und schuf ein umfangreiches Ritualsystem zum Erhalt moralischer Werte.
Konfuzius betonte ebenfalls die Wichtigkeit der Moral: „Ein Mensch ohne Menschenliebe, was hilft dem die Form? Ein Mensch ohne Menschenliebe, was hilft dem die Musik?“ [3] Er glaubte, dass gute Musik Emotionen in angemessener Weise Ausdruck zu verleihen vermag: „Das Guan Dsü Lied ist fröhlich, ohne ausgelassen zu sein, ist sehnsuchtsvoll, ohne das Herz zu verwunden.“ [3]
Obwohl sie etwa 500 Jahre trennten, glichen sich die Ansichten des Herzogs von Zhou und von Konfuzius in bemerkenswerter Weise. Beide betonten die Wichtigkeit der Etikette und der Musik. Konfuzius sagte: „Der Prozess der Selbstkultivierung beginnt mit dem Studium der Poesie, Selbstdisziplin kommt vom Lernen der Rituale, und Erfüllung kommt vom Lernen der Musik.“ [4] Diese Tradition hatte Jahrtausende Bestand.
Nachdem Qin Shihuangdi China vereint und die Qin-Dynastie errichtet hatte, führte er ein standardisiertes Schriftsystem ein, was den Weg für die Gelehrten bereitete, Musik einheitlich zu dokumentieren und weiterzugeben. Kaiser Wu von Han kreierte Yuefu, eine Musikbehörde, die sowohl Volksmusik als auch Hofmusik sammelte. Außerdem wurde die Musik von den Ethnien in entlegenen westlichen Regionen und von den nördlichen nomadischen Völkern aufgenommen. Die diversen musikalischen Traditionen ergänzten einander und bildeten ein filigranes und sehr umfassendes Musiksystem.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Etikette und die Musik im alten China tief verwurzelt und miteinander verknüpft waren. Riten wurden meist von Musik begleitet und nur sehr selten ohne Musik durchgeführt. Es gab bestimmte Musikformen, die eigens für religiöse Zeremonien, Feste oder auch für das Militär geschaffen wurden. Diese beständige Tradition reichte von der Zhou-Dynastie bis hin zur Qing-Dynastie.
Die Wahl der Musik
Zixia, ein ergebener Schüler von Konfuzius, verbreitete nach dem Ableben seines Lehrers den Konfuzianismus weiter. Die folgende Geschichte im Shiji [Aufzeichnungen des Chronisten, die Episode ist ebenfalls im Buch der Riten enthalten] gibt eine Begegnung zwischen Zixia und dem Fürsten Wen des Staates Wei wieder.
Fürst Wen, der den Staat Wei begründet hatte, war fleißig, gelehrig und ehrgeizig. Im Bewusstsein seiner eigenen Schwächen empfand er stets großen Respekt für die tugendhaften Gelehrten und war bereit, von ihnen zu lernen. Einmal fragte er Zixia: „Wenn ich in Feiergewand und Krone die alte Musik höre, so muß ich mich immer in acht nehmen, daß ich nicht einschlafe. Wenn ich aber die Töne von Dschong und We höre, so kenne ich keine Müdigkeit. Darf ich fragen, warum mich die alte Musik so langweilt und die neue Musik so amüsiert?“ [1]
Zixia antwortete, dass die alte Musik vom Gelben Kaiser und den Kaisern Yao und Shun stamme. Diese edle Musik war friedvoll, heilig und tiefgründig. „Die Töne sind harmonisch, schlicht und tief.“ [1], erklärte er. „Man beginnt mit dem Friedenstanz beim ersten Klang der Pauken. Man endigt mit dem Kriegstanz beim vollen Klang der Glocken. Man ordnet den Wirbel nach dem Taktstock und mäßigt die Schnelligkeit nach dem Plektron. Die Edlen unterhalten sich darüber und beginnen vom Altertum zu reden, wie die persönliche Bildung auf die Familie wirkt und schließlich auf diese Weise die ganze Welt in Frieden und Ordnung kommt.“ [1] Der Ablauf war schnell, elegant und frei von jeglicher Derbheit, was mit der Geisteshaltung der Menschen im alten China im Einklang stand. Diese bestand darin, sich selbst zu verbessern und zu erhöhen, die Familie zu harmonisieren und dem Land Frieden zu bringen.
Die zeitgenössische Musik der Staaten Zheng und Wei sei jedoch anders. „Wilde Laute ertönen rauschend und betäuben das Ohr ohne Aufhören. Gaukler kommen herein und Zwerge, die aussehen wie Affen, Männer und Frauen treten durcheinander auf, und man weiß nicht, wer Vater ist und wer Sohn. Wenn die Musik zu Ende ist, so kann man nicht darüber reden und kann nicht im Zusammenhang damit vom Altertum sprechen.“ [1] Es gebe eben einen Unterschied zwischen Tönen und Musik.
Als Fürst Wen fragte, was denn die Essenz von Musik sei, sprach Zixia: „In jenen alten Zeiten hatten Himmel und Erde ihren rechten Gang, und die vier Jahreszeiten trafen die rechte Zeit. Die Menschen hatten Tugend, und die fünf Kornarten gediehen. Krankheiten und Fieber erhoben sich nicht [...] Darauf erstanden die Heiligen und machten das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, zwischen Fürst und Diener zum allgemeinen Maßstab der gesellschaftlichen Beziehungen. Da diese Maßstäbe die rechten waren, kam die Welt in feste Geleise. Nachdem die Welt in festen Geleisen war, begann man die sechs Rohre zu ordnen und die fünf Klänge in Harmonie zu bringen und unter Saitenspiel Lieder und Psalmen zu singen.“ [1]
Musik sei also die Harmonie von Himmel und Erde, während die Etikette die Ordnung von Himmel und Erde repräsentiere. Die Harmonie erlaube es allen Geschöpfen, in dieser Welt zu koexistieren und die Ordnung gebe allem seine eigene Grenze, wie es im Shiji festgehalten ist. Die Musik sei von göttlichem Ursprung während die Etikette der gesellschaftlichen Stabilität diene.
Konträre, vulgäre Musik zeige sich auf verschiedene Arten, bemerkte Zixia: „Die Töne von Dschong sind geschickt, durch Überströmen den Willen mitzureißen. Die Töne von Sung ertränken durch Gelage und Weiber den Willen. Die Töne von We sind rasch und aufgeregt und verwirren den Willen. Die Töne von Tsi sind stolz und hochmütig und betören den Willen.“ [1] Diese Arten der Musik zeigten Maßlosigkeit, untergrüben die Moral und seien daher für zeremonielle Anlässe ungeeignet.
In der ursprünglichen chinesischen Musik gibt es fünf Grundtöne: gōng, shāng, jué, zhǐ, yǔ. Über die Töne sagt das Shiji: „Der Grundton Gung bewirkt bei seinem Anhören Milde und Weitherzigkeit, der Ton Schang Geradheit und Gerechtigkeit, der Ton Güo Mitleid und Sympathie, der Ton Dschï Freude am Guten und Wohltun, der Ton Yü Ordnung und Sitte.“ [1]
In der Geschichte wird weiter ausgeführt, dass die Etikette von außen wirke und die Musik von innen wirke. Ein Mann dürfe sich auch nicht für einen Augenblick von der Etikette trennen, andernfalls würden sich Arroganz und unangebrachtes Verhalten zeigen. Ebenso dürfe sich ein Mann nicht von der Musik trennen, andernfalls würden schlechte Gedanken in ihm aufkommen.
Eben weil ein Mangel an Etikette zu unangemessenem Verhalten führe, hätten die Weisen edle Musik für die Ohren und adäquate Riten für die Augen geschaffen. So vermöge jeder Schritt ein Schritt der Höflichkeit und jedes Wort das rechte Wort zu sein. Deshalb sei keine Arroganz und kein boshafter Gedanke in einem edlen Mann vorhanden, und wenn er auch den ganzen Tag reden würde.
Nachdem er diese Worte vernommen hatte, entschloss Fürst Wen sich dazu, edle Musik zu fördern und sich von vulgärer Musik zu distanzieren. Er hieß tugendhafte Menschen willkommen und verlieh ihnen Schlüsselpositionen, wodurch Wei zum seinerzeit stärksten Staat avancierte.
(Fortsetzung folgt)
[1] Konfuzius. Li Gi - Das Buch der Riten, Sitten und Gebräuche (Fernöstliche Klassiker) (German Edition) . Jazzybee Verlag. Kindle-Version.
[2] Ein mythologischer Vogel, Feng bezeichnet das männliche und Huang das weibliche
[3] Konfuzius. Gespräche (kommentiert) (German Edition) . Unknown. Kindle-Version.
[4] Konfuzius. Gespräche des Konfuzius: Klassische Neue Übersetzung (German Edition) (S.43). Kindle-Version.
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