(Minghui.org) Schon seit meiner Kindheit hatte ich mit Wut zu kämpfen. Ich hatte ein „schlechtes Temperament“, wie man so sagt.

Ich bin zur Hälfte Puerto-Ricaner und gehöre damit zur Gruppe der Latinos. Latinos – oder Hispanics – sind für ihr „heißblütiges“ Wesen bekannt; das hat Vor- und Nachteile, bringt aber negative Folgen mit sich.

Als ich jung war, ärgerte ich meinen älteren Bruder. Manchmal tat ich ihm sogar weh. Er war etwas übergewichtig und ungeschickt. Ich fühlte mich von ihm genervt, wenn er mich mit Spitznamen verspottete. Als Teenager zog ich zu meinem Vater und meiner Stiefmutter. Mein Bruder blieb bei meiner Mutter. In der Familie meines Vaters wurde mir schnell klar, dass Wut nicht akzeptiert wurde. So lernte ich, sie gut zu verbergen.

Als ich 17 Jahre alt war, erhielt ich das Fa. Mit Beginn der Kultivierung legte sich mein Zorn etwas. Ich hatte meine Emotionen besser im Griff und war im Reinen mit der Welt. Dies verdankte ich dem vom Meister gelehrtem Fa, dass mein Leben zum Positiven veränderte. Es half mir, nachsichtiger zu werden, indem ich dem folgte, was der Meister sagte:

„Mancher sagt: ‚Es ist sehr schwierig für mich, nachsichtig zu sein. Ich habe mein Temperament nicht im Griff.‘ Wenn du dein Temperament nicht im Griff hast, dann ändere es doch einfach. Ein Praktizierender muss Nachsicht üben.“ (Zhuan Falun, 2019, S.471)

Dennoch gab es in mir weiterhin eine tief verwurzelte Anhaftung, eine Substanz im Zusammenhang mit Wut, die auf meinem Kultivierungsweg schließlich beseitigt werden musste. Deshalb begann der Meister, sie aus mir zu entfernen, Schicht für Schicht aufzuzeigen und an die Oberfläche zu bringen, als ich meine eigene Familie gründete.

Der Meister sagte:

„Unsere jungen Praktizierenden werden doch noch Familien gründen.“ (ebenda, S.287)

Nachdem ich geheiratet und eine Familie gegründet hatte, mangelte es mir nicht an Gründen, mich über meine Frau oder meine Kinder zu ärgern. Nun gab es Menschen, die ständig meinen persönlichen Raum und meine Gedankenwelt in Beschlag nahmen. Ich konnte mich nicht vor ihnen verstecken.

Im Allgemeinen war ich zu Hause ausgeglichen, umgänglich und verantwortungsbewusst. Meine Familie hielt mich für ruhig und gelassen. Doch hin und wieder explodierte ich, verlor die Beherrschung und geriet in irrationale Wut. Wenn ich mich beruhigt hatte, sah ich es als eine Erfahrung, die mich zur Demut mahnte. Es führte dazu, in mich zu gehen und meine Kultivierung ernster zu nehmen.

Dennoch geschahen diese Wutausbrüche weiterhin, wenn auch nur selten. Ich dachte über mich nach und bemühte mich um Veränderungen bei mir selbst. Jedoch verspürte ich weiterhin jedes Mal einen starken Drang, mich zu rechtfertigen. Wenn es zu einem solchen Vorfall kam, begründete ich mein Verhalten. Die Gründe, die ich anführte, bezogen sich tatsächlich darauf, dass meine Familie etwas falsch gemacht hatte oder die man besser hätte machen können. Irgendwie hielt ich es für notwendig, ihr Verhalten zu korrigieren, indem ich die Beherrschung verlor. Ich dachte, es gäbe keinen anderen Weg. Mit anderen Worten: Es schien gute Gründe dafür zu geben, wütend zu werden – auch wenn der Wutausbruch an sich offensichtlich falsch war. So blieb meine Anhaftung im Hintergrund bestehen und trat einige Male im Jahr wie ein hässliches Ungeheuer zutage, sodass meine Familie sie zu sehen bekam.

So machte ich viele Jahre lang weiter ..., bis Weihnachten 2021. Während des COVID-Lockdowns wurde hitzig über den Einsatz von Impfstoffen, Gesichtsmasken und Quarantänemaßnahmen debattiert. Ein Teil der Gesellschaft schien anderen Impfungen und Masken aufzwingen zu wollen. Das führte zu Spannungen. Wir hatten geplant, über Weihnachten meine Familie in Michigan zu besuchen, wie wir es oft taten. Meine Mutter und mein Bruder standen uns bereits feindselig gegenüber, da wir dem Thema Impfung eher gelassen gegenüberstanden. Berufsbedingt hatten meine Frau und ich uns kurz vor Weihnachten impfen lassen, unsere Kinder jedoch nicht.

Als wir am Haus meiner Mutter ankamen und durch die Eingangstür traten, sagte ich: „Frohe Weihnachten!“ Mein älterer Bruder fuhr mich daraufhin scharf an: „Setzt jetzt eure Masken auf!“ Er, meine Mutter und einige Verwandte trugen keine Masken – vermutlich, weil sie geimpft waren und sich nur unter Geimpften aufgehalten hatten. Ich weiß es nicht genau. Ich empfand sein Verhalten als ungerecht und reagierte mit einem sehr aggressiven „Nein!“. Daraufhin schlug er mir ins Gesicht. Meine Nase begann zu bluten. Einige Verwandte gingen dazwischen – ich weiß nicht, ob ich mich sonst gewehrt hätte. Die ganze Zeit über fühlte sich der Familienbesuch wie ein völliges Desaster an.

Rückblickend aus der Sicht eines Kultivierenden war all dies eine unglaublich heilige Gelegenheit. Heute erkenne ich das, auch wenn es mir in dem Moment, als es geschah, nicht so klar war. Die Fügungen waren äußerst präzise gestaltet: Ich konnte ausgleichen, was ich meinem Bruder all die Jahre in der Kindheit angetan hatte und ihm daher aus karmischen Gründen schuldete. Mein Zorn wurde für alle sichtbar offengelegt. Es war demütigend und schrecklich für mich, aber zugleich auch eine hervorragende Gelegenheit zur Kultivierung.

Zum damaligen Zeitpunkt war es jedoch emotional äußerst schmerzhaft. In den darauffolgenden Wochen wachte ich mitten in der Nacht mit Herzrasen auf. In meinen Träumen kämpfte ich gegen meinen Bruder – und siegte. Danach fühlte ich mich aber schrecklich, weil ich ihn so schwer zugerichtet hatte, dass er ins Krankenhaus musste. Zudem befürchtete ich sogar verhaftet zu werden. Ein solches Verhalten entsprach eindeutig nicht dem eines Praktizierenden.

Der Meister sagte:

„Wenn du deine Kinder erziehst, brauchst du doch nicht so zu sein. Du sollst dich wirklich nicht ärgern, sondern sie mit Vernunft erziehen, erst dann kannst du die Kinder wirklich gut erziehen. Wenn du noch nicht einmal mit diesen Kleinigkeiten locker umgehen kannst und dich darüber ärgerst, wie kannst du dann erwarten, dass deine Kultivierungsenergie wächst?“ (ebenda, S.471)

Mein älterer Bruder gilt als übermäßig emotional. Sein Verstand ist durch den Konsum von Cannabis geschädigt. In mancherlei Hinsicht verhielt er sich manchmal wie ein Kind. Schon seit unserer Kindheit hatte ich mich stets im Recht gefühlt, ihn für seine Verfehlungen zu bestrafen.

Durch das beständige Lernen des Fa wurde mir dieser Punkt viel klarer. Es fiel mir jedoch schwer, diesen Zustand zu durchbrechen. Durch die Erfahrungen im Traum wurde der schlimmste Teil meiner Anhaftung an die Oberfläche geholt und mir vor Augen geführt. Da begriff ich, wie absolut menschlich und gewöhnlich ich in dieser Hinsicht war. Vielleicht hatte der Meister bereits meine guten Anteile herausgelöst und drang nun in tiefere Schichten vor. So trat dieser Teil schließlich an die Oberfläche und sollte umgewandelt werden. Doch einfach war das nicht.

In jener Zeit fand ich großen Trost darin, Artikel auf Minghui zu lesen. Ich wusste zwar schon vorher, dass es gut ist, die Erfahrungsberichte auf Minghui zu lesen, doch ich hatte nie so recht einen Zugang dazu gefunden oder es mir zur Gewohnheit gemacht. Jetzt spürte ich beim Lesen wahrhaftig, wie kostbar jedes einzelne Wort war. Jedes Wort wirkte wie reiner Regen, der auf mich herabfiel und den ganzen Schmutz der menschlichen Welt abwusch. Selbst wenn sich das Verständnis der Autoren von meinem unterschied, waren ihr Ausgangspunkt und ihre Absicht wahrhaft kostbar und kraftvoll. Sobald man das wirklich verstanden hat, ist man kein gewöhnlicher Mensch mehr, sondern hat eine Ebene erreicht, die über das Menschsein hinausgeht. Im Gegensatz dazu können nicht kultivierende Menschen dem Leiden nicht entkommen. Sie führen ein eher elendes Dasein, gefangen in ihren Anhaftungen und damit beschäftigt, Karma abzutragen.

Ich habe auch verblüffende Erfahrungen beim Lesen von Minghui-Artikel gemacht. Es zeigte sich darin genau das Thema, das ich gerade durchlebte – oder welches ich bei meiner Familie beobachtete. Meine Angehörigen sind ebenfalls Praktizierende und so konnte ich die Artikel mit ihnen teilen. Das erinnert mich auch an frühere Zeiten, als ich persönlich anwesend war, wenn der Meister das Fa lehrte. Seine Worte schienen sich oft auf eine bestimmte Sache oder Situation zu beziehen. Dennoch trafen sie eindeutig auch auf mein Leben und meine Kultivierung zu.

Bei meinem Bruder habe ich mich entschuldigt und in den darauffolgenden Jahren haben wir einige Male gemeinsam Weihnachten gefeiert. Mir ist klar: Ohne Dafa wären mein Bruder und meine Mutter mir heute entfremdet. Dank der großen Barmherzigkeit des Meisters, durch seine Lehre des Fa und Führung in meiner Kultivierung, ist meine Familie trotz aller Widrigkeiten harmonisch geworden.

Dies ist mein begrenztes Verständnis. Bitte weist mich auf etwaige Fehler hin.

Danke, Meister! Danke, Minghui! Danke an alle!