(Minghui.org) Im Mai 1999 habe ich begonnen, Falun Dafa zu praktizieren. Nur zwei Monate später leitete die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) ihre brutale Verfolgung gegen Falun Dafa ein. Dadurch wurde unser Umfeld fürs gemeinsame Fa-Lernen und Übungen zerstört. Ich kannte nur wenige Praktizierende. Doch durch einen Zufall traf ich auf eine Mitpraktizierende. Ich möchte einige Momente aus unserer gemeinsamen Zeit schildern, in denen wir unsere heilige Verbindung teilten und schätzten.

Ein ganz normaler Mensch

Im ersten Monat des Jahres 2020, als sich die „Wuhan-Virus“-Pandemie (COVID-19) rasch ausbreitete, verhängte meine Stadt strenge Ausgangssperren. Die Behörden sperrten Straßen und riegelten Wohnsiedlungen ab. Die Atmosphäre war von Panik erfüllt, und die Menschen verhielten sich, als wäre das Ende der Welt gekommen. Als ich durch die menschenleeren Straßen ging, überkam mich ein tiefes Gefühl der Trauer. Ich wusste, dass ich als Dafa-Praktizierender das tun sollte, was der Meister sagt.

Der Meister sagt:

„Ihr habt nur die Aufgabe, Menschen zu erretten“ (Fa-Erklärung in Chicago-City, 26.06.2005)

Aber wie sollte ich das unter diesen Umständen tun? Meine Tochter, ebenfalls eine Dafa-Praktizierende, erzählte mir, dass mehrere große Supermärkte noch geöffnet seien, also beschloss ich, dort nachzuschauen.

Am vierten Neujahrstag ging ich in einen großen Supermarkt. Drinnen war es kalt und unheimlich still, es waren nur sehr wenige Kunden da. Ich ging zum Milchregal, legte eine Packung Milch in meinen Einkaufswagen und sprach – wobei ich mich bewusst bemühte, meine Maske zurechtzurücken – die junge Verkäuferin an, die mich beobachtete. Ich sagte, dass das Tragen einer Maske unangenehm sei. „Angesichts der grassierenden Pandemie gibt es keinen anderen Weg“, antwortete sie.

Ich trat ein Stück näher, lächelte und sagte: „Ich habe eine großartige Lösung für Sie. Rezitieren Sie aufrichtig: ‚Falun Dafa ist gut, Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht sind gut.‘ Außerdem wird Ihnen der Austritt aus der Kommunistischen Partei Chinas und den ihr angegliederten Organisationen helfen, gesund und sicher zu bleiben.“ Während ich ihr die wahren Umstände erklärte, reichte ich ihr ein Amulett. Sie nahm das Amulett entgegen und sagte schüchtern, sie betrachte sich als ‚den Durchschnittsmenschen‘, wobei sie sich auf eine Passage aus der Lehre des Meisters im Zhuan Falun (Lektion 9) bezog. Da wurde mir klar, dass sie eine Praktizierende sein musste. Ich lächelte und sagte: „Dann lass uns nicht ‚Durchschnittsmenschen‘ sein“, und ging.

Als meine Familie sechs Tage später gemeinsam das Fa lernte, hörte ich meine Tochter die Passage aus dem Zhuan Falun vorlesen:

„Hört ein edler Mensch das Dao, handelt er danach mit Fleiß. Hört ein Durchschnittsmensch das Dao, folgt er ihm nur halbherzig. Hört ein unedler Mensch das Dao, lacht er lauthals darüber. Würde er nicht darüber lachen, so wäre es auch nicht das Dao.“ (Zhuan Falun, 2019, S. 479)

Die Worte der Praktizierenden hallten in meinem Kopf nach. War sie nur bescheiden oder meinte sie das wirklich so? Ich hatte das Bedürfnis, sie noch einmal zu besuchen.

Am nächsten Morgen gin ich wieder zum Supermarkt. Sie entdeckte mich schon von Weitem und rief: „Ich habe gerade gestern an dich gedacht und heute bist du schon da! Meine Wünsche gehen wirklich in Erfüllung.“ Als ich näherkam, flüsterte sie: „Ich habe die Minghui Weekly schon lange nicht mehr gelesen. Kannst du mir welche besorgen?“ Ich versprach es ihr.

Sobald ich nach Hause kam, lud ich die neueste Ausgabe der Minghui Weekly herunter und druckte sie aus. Außerdem stellte ich ein Paket mit Informationsmaterialien für sie zusammen, mit einer Broschüre und einem Flyer. Als ich das ordentlich verpackte Paket betrachtete, versank ich in tiefen Gedanken und war voller Selbstvorwürfe. Vor drei Jahren hatte ich eine andere Praktizierende in meinem Alter getroffen. Sie fragte mich freundlich, ob ich andere Praktizierende in der Nähe kennen würde, ob ich die Minghui Weekly lesen und ob ich an einer Fa-Lerngruppe teilnehmen würde. Erst nachdem sie zufriedenstellende Antworten erhalten hatte, ging sie, zufrieden, dass ich das tat, was ich als Kultivierende tun sollte. Im Vergleich zu ihr war mein Abstand in der Kultivierung groß. Warum konnte ich nach so vielen Jahren des Praktizierens nicht ganz selbstverständlich zuerst an andere denken? Ich dankte dem Meister, der mich barmherzig erleuchtete, so dass ich die Gelegenheit nicht verpasste, einer Mitpraktizierenden zu helfen.

Am nächsten Morgen brachte ich ihr die Materialien und sagte: „Ich werde jede Woche kommen. Sag mir einfach, was du brauchst.“ Sie drückte die Materialien an ihre Brust und flüsterte mir, glücklich wie ein Kind, zu: „Diese Materialien sind so gut. Ich hätte ein schlechtes Gewissen gegenüber den Praktizierenden, die so hart daran gearbeitet haben, wenn sie die Lebewesen nicht frühzeitig erreichen. Bitte bring' mir mehr; ich werde sie abends nach der Arbeit verteilen.“ Ich sah sie anerkennend an und fragte: „Wie viele Pakete brauchst du?“ Sie antwortete schüchtern: „Ich bin faul, also fangen wir einfach mit zwanzig an.“ – „Kein Problem“, sagte ich. „Ich bringe sie dir, sobald ich sie habe.“

Auf dem Heimweg war ich immer noch aufgewühlt. Im Laufe der Jahre hatte ich aufgrund meiner Anhaftung an Bequemlichkeit oft Ausreden gefunden, wenn ich es versäumt hatte, um Mitternacht aufrichtige Gedanken auszusenden, verschlafen hatte oder nach den Morgenübungen wieder ins Bett gegangen war. Ich weigerte mich, meiner Faulheit ins Auge zu sehen, und fand Gründe, dies zu vertuschen und zu nähren. Die Praktizierende gab ihre Faulheit offen zu, was mir meine eigene Anhaftung vor Augen führte. Mir wurde klar, dass sie die Praktizierende war, die mir half, und nicht umgekehrt.

„Du liegst falsch“

Ich begann, dieser Praktizierenden jede Woche Materialien zu bringen. Etwa ein Jahr später vereinbarten wir, einmal pro Woche bei mir zu Hause das Fa zu lernen, was wir dank des barmherzigen Schutzes durch den Meister bis heute fortsetzen.

Als wir anfingen, gemeinsam zu lernen, sah ich, wie sie dabei im vollen Lotussitz saß, und beschloss, es ebenfalls zu versuchen, anstatt im halben Lotussitz zu sitzen. Nach weniger als einer halben Stunde rutschte ihr Bein alle paar Minuten nach unten, aber sie bestand darauf, die volle Lotussitzhaltung wieder einzunehmen, bis wir mit dem Lesen der ersten Lektion fertig waren. Sie entschuldigte sich für die Störungen und meinte: „Ich habe dich abgelenkt.“ Als wir das nächste Mal zusammen Fa lernten, brachte sie einen Seidenschal mit, um ihren linken Fuß damit festzubinden, damit er nicht nach unten rutschte. Ihre Rücksichtnahme auf andere berührte mich.

Letzten Winter kam mir der Gedanke, dass ich meinen linken Fuß bei der Meditation ja auch so festbinden könnte wie sie. So meditierte ich über eine Stunde lang im vollen Lotussitz, aber es fühlte sich wie nur ein Augenblick an, ganz ohne Schmerzen. Ich fand die Idee genial. In den nächsten Tagen band ich mein Bein während des Fa-Lernens, beim Aussenden der aufrichtigen Gedanken und bei der Sitzmeditation fest.

Als ich die Praktizierende wieder traf, meinte ich freudig: „Deine Methode ist gut. Es ist so bequem!“ Sie sah mich an und sagte unverblümt: „Du liegst falsch.“ Ich war erschrocken. Warum lag ich falsch? Da kam mir die Lehre des Meisters in den Sinn:

„Sobald es im Lotussitz schmerzt, bewegen sie sich und gehen dann wieder in den Lotussitz zurück. Wie wir sehen, verliert die Meditation dadurch ihre Wirkung“ (Zhuan Falun, S. 185)

Obwohl ich mein Bein nicht heruntergenommen hatte, versuchte ich, Schwierigkeiten zu vermeiden, fürchtete den Schmerz und suchte nach Bequemlichkeit. War ich nicht genau wie die Person, die der Meister erwähnt hatte? Ich sah zu ihr auf und sagte aufrichtig: „Danke, du hast recht; ich lag wirklich falsch.“

„Bist du nicht dazu fähig?“

Am Nachmittag des 26. Dezember letzten Jahres bat uns die Praktizierende, ihr dabei zu helfen, eine handgeschriebene Ausgabe des Zhuan Falun zu binden. Sie war ordentlich geschrieben. An jenem Abend las mein Schwiegersohn während unseres Fa-Lernens in der Familie aus ihrem handgeschriebenen Buch vor. Da er Lehrer ist, überprüfte er beim Lesen akribisch jedes Zeichen. Als wir fertig waren, sagte er: „Die Praktizierende hat das Schriftzeichen ‚neng‘ (fähig) im gesamten Buch falsch geschrieben.“

Die Praktizierende kam wieder zum Fa-Lernen zu mir nach Hause, nachdem das Schriftzeichen korrigiert worden war. Verlegen sagte sie aufrichtig: „Ich kann es nicht glauben. Mir wurde klar, dass der Meister mir einen Hinweis gab: ‚Bist du nicht so fähig (neng)?‘ Es ging darum, meine Anhaftungen an Prahlerei, meine Weigerung, Kritik anzunehmen, und meine Sturheit aufzudecken.“

Nachdem sie gegangen war, versank ich in tiefe Gedanken. Wollte der Meister mir nicht auch helfen, genau diese Anhaftungen an mir zu beseitigen? Ich praktiziere Falun Dafa seit über zwanzig Jahren, doch die Propaganda der KPCh, „immer richtig zu liegen“, ist immer noch tief in meinem Geist verwurzelt. Sie kommt häufig zum Vorschein, wenn ich in der Gesellschaft und innerhalb meiner Familie bin. Ich neigte dazu, damit zu prahlen, wie gut ich dies oder jenes gemacht hatte, und stellte gerne meine ‚Fähigkeiten‘ zur Schau.

Meine betagte Mutter sagte oft zu mir: „Du siehst dich selbst oft als Blume, alle anderen aber als Abschaum.“ Ich hatte mir ihre scharfsinnige Bemerkung nie zu Herzen genommen. Erst heute wachte ich endlich auf. Im Stillen sagte ich zum Meister: „Ich habe mich geirrt. Von nun an werde ich mich im Dafa fleißig und solide kultivieren. Ich werde meine Xinxing in jedem einzelnen Gedanken kultivieren, mich durch das Fa erhöhen und den letzten Abschnitt meiner Reise gut gehen.“

Es ist nun über fünf Jahre her, seit ich diese Mitpraktizierende zum ersten Mal getroffen habe. Wir sind gemeinsam gegangen, haben uns gegenseitig bei der Errettung von Lebewesen unterstützt und uns gemeinsam erhöht. In der begrenzten Zeit, die für die Fa-Berichtigung noch verbleibt, werde ich diese heilige Verbindung, die vor Äonen arrangiert wurde, in Ehren halten. Auf dem Weg, dem Meister bei der Fa-Berichtigung zu helfen, möchte ich mit meinen Mitpraktizierenden einen unzerstörbaren Körper bilden, die drei Dinge ernsthaft tun und unsere historischen Gelübde erfüllen.