(Minghui.org) Die Odyssee ist eines der ältesten Epen der Menschheit. Die einzelnen Erzählungen wurden zunächst mündlich überliefert und erst im 8./ 7. Jahrhundert v. Chr. vom mutmaßlich blinden Homer in der jetzigen Form schriftlich festgehalten.
Die Odyssee hat bei der Erziehung vieler Generationen eine wichtige Rolle gespielt; selbst heute noch nach ca. dreitausend Jahren beeinflusst sie das Denken und die Moral der Menschen. Die Odyssee wurde über 30-mal in Film- und Fernsehproduktionen wiedergegeben. Der jüngste Film läuft derzeit im Kino und sorgt unter Kennern von Homers Originalwerk für zahlreiche Diskussionen.
Es liegt nicht in meiner Absicht, den Film zu kritisieren; ich möchte lediglich mein Verständnis auf der Grundlage des Fa mitteilen.
Homers Odyssee
Odysseus ist der König der griechischen Insel Ithaka. Er segelt mit seiner Flotte über das Meer, um am Krieg gegen die Stadt Troja teilzunehmen.
Die Belagerung Trojas dauerte der Überlieferung nach zufolge zehn Jahre. Schließlich ersannen die Griechen unter Odysseus‘ maßgeblicher Beteiligung eine List: Sie bauten ein großes, hölzernes Pferd und schenkten es den Trojanern, wobei sich eine Gruppe griechischer Krieger im hohlen Bauch versteckte. Die Trojaner brachten ihr Geschenk in die Stadt. In der Nacht stiegen die Krieger aus dem Pferd, öffneten die Stadttore und ermöglichten so dem griechischen Heer, in Troja einzudringen.
Die Odyssee erzählt von der Heimreise Odysseus‘, die zu einer Irrfahrt wird. Durch widrige Winde und andere Umstände gerät Odysseus mit seinen Gefährten immer wieder vom Kurs ab und erlebt zahlreiche Abenteuer, bevor er schließlich nach Ithaka heimkehrt.
Aus meiner Sicht handelt es sich nicht nur um Abenteuer, sondern auch um eine spirituelle Reise.
Für die alten Griechen waren Glück und Unglück eng mit dem Willen der Götter verbunden. Menschliches Handeln beeinflusste, ob die Götter einem wohlgesonnen waren oder sich gegen einen wandten. Ohne die Gunst des Zeus und der anderen Götter schien es kaum möglich, ein Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Viele denken vielleicht: „Wenn wir nicht selbst für uns sorgen, weshalb sollten es dann die Götter tun?!“
Odysseus und seine Gefährten müssen sich auf ihrer Reise immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Dabei schwanken sie zwischen menschlichen Gedanken und dem Glauben an die Götter. Einige Schwierigkeiten meistern sie erfolgreich und ohne Verluste erleiden zu müssen.
Vom Fa aus betrachtet, wissen wir, dass die Schwierigkeiten, denen wir begegnen mit unseren Anhaftungen zusammenhängen. Zum Beispiel führt die Gier einiger Gefährten dazu, dass sie von der Zauberin Kirke in Schweine verwandelt werden.
Äolus, der Gott der Winde, hilft Odysseus. Er gibt ihm einen Lederbeutel, in dem er die ungünstigen Winde eingeschlossen hat. Nur der günstige Westwind bleibt frei und soll Odysseus direkt nach Ithaka treiben. Aber seine neugierigen Gefährten öffnen den Beutel heimlich und somit entkommen die Winde. Das Schiff treibt dadurch weit vom Kurs ab. Die Neugierde war die Ursache.
Als seine Männer die heiligen Rinder trotz seiner Warnung aus Hunger schlachteten und aßen, gerieten sie in einen von Zeus gesandten gewaltigen Sturm. Ein Blitz zertrümmert das Schiff, seine Gefährten sterben. Odysseus überlebt und treibt auf einem Teil des Schiffwracks davon. Er wird schließlich auf die Insel der Nymphe Kalypso verschlagen.
Während er die Zeit mit der schönen Nymphe Kalypso verbringt, gerät Odysseus durch Kalypsos übernatürliche Macht in einen Zustand des Vergessens, der Trägheit und Sentimentalität. Sie lässt ihn trotz seines Wunsches, den er im Gedächtnis behält, nicht mehr gehen. Auf diese Weise sitzt er sieben Jahre auf der Insel fest, bis die Götter schließlich eingreifen und ihn ziehen lassen.
Dies war auch eine Prüfung an seine Ausdauer. Selbst nach sieben Jahren wollte er weiterhin in seine Heimat zurückkehren. Aber diesmal verlässt sich Odysseus nicht auf andere, er bereitet selbst alles sorgfältig vor. Mit Hilfe von Kalypso baut er sich ein Floß und lässt sich vom Meer treiben.
So erreicht er schließlich seine Heimat Ithaka.
Die Odyssee der Falun-Dafa-Praktizierenden
Dafa-Praktizierende sind auch auf einer Rückreise zu ihrem wahren zu Hause. Diese Heimreise ist sowohl geistig als auch körperlich gemeint.
Denn der Meister sagt:
„... in Wirklichkeit sind Materie und Geist eins.“ (Zhuan Falun, 2019, S. 34)
Einige von uns praktizierten zuvor andere Kultivierungswege. Das Erste, was wir auf dem Weg der wahren Kultivierung lernten, war, dass keine oberflächlichen Techniken oder Methoden uns weiterbringen können.
Odysseus ist sehr begabt, aber all seine Fähigkeiten und sein Wissen können ihm nicht helfen, nach Hause zurückzukehren. Als er in die Unterwelt hinabsteigt, erfährt er dort zwar, wie man sich von seinen Sünden befreit, aber letztendlich kann nur der Glaube helfen.
Als Dafa-Praktizierender beobachte ich, dass Praktizierende, die sich gut kultivieren und viele Menschen über Falun Dafa und die Verfolgung informieren, nicht unbedingt diejenigen sind, die menschlich betrachtet besonders fähig oder gebildet sind. Es sind vielmehr diejenigen, die ein reines Herz haben.
Ich gehöre nicht zu dieser Kategorie. Ich erwische mich oft dabei, die Dinge auf menschliche Weise zu lösen, anstatt den Arrangements des Meisters zu folgen. In diesen Fällen verlängere ich meine Heimreise genau wie Odysseus. Anstatt geradlinig vorwärtszugehen, wandere ich bildlich gesprochen durch die Meere und riskiere, die Orientierung zu verlieren. Die alten Mächte nutzen die Situation aus und fügen eine Prüfung nach der anderen hinzu. Während ich meine, Fortschritte zu machen, segele ich eigentlich nur von Insel zu Insel und erreiche das Festland nie.
Der Meister sagt:
„Ich mag die Schlichten, die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und die Dinge tun.“ (Fa-Erklärung auf der Fa-Konferenz in New York 2010, 05.09.2010)
War Odysseus bodenständig und aufrichtig, als er während einer seiner Strapazen an der Insel der Sirenen vorbeisegelte? Seine Männer stopften sich zum Schutz gegen die verführerischen Gesänge Wachs in die Ohren. Er selbst ließ sich lediglich an den Schiffsmasten binden, da er sie hören wollte. Nein, er war nicht bodenständig und aufrichtig. Er wollte beweisen, dass er stärker ist als andere. Das ist eine Anhaftung, nämlich die an Eifer und Angeberei.
Die Hauptursache für die zehnjährige Irrfahrt ist eigentlich die Angeberei. Denn zu Beginn des Abenteuers blendet Odysseus den einäugigen Riesen Polyphem und bei seiner Flucht gibt er triumphierend seinen eigenen Namen preis und verspottet den Besiegten. Polyphem ist ein Sohn des Meeresgottes Poseidon. Er bittet seinen Vater um Rache. Daraufhin erschwert Poseidon die Heimkehr des Odysseus nach Ithaka.
Wir sollten nicht wie Odysseus sein und unsere Kultivierungsreise unnötig verlängern. Schließlich war Odysseus nur 20 Jahre lang von seinem Königreich getrennt. Wir haben vor dem Meister ein Gelübde abgelegt und sind schon viel, viel früher aus unseren eigenen Königreichen hierher herabgestiegen. Unsere Odysseen dauern vielleicht schon Millionen von Jahre an.
Wenn man diese Tatsache im Hinterkopf behält, kann es dann wirklich so schwer sein?! Können wir in dieser letzten Inkarnation scheitern, jetzt, da wir der Heimat so nah sind?!
Danke, Meister, dass Sie uns im Laufe der Geschichte immer wieder wegweisende Zeichen gegeben und unseren Weg aufgezeigt haben. Danke an die Mitpraktizierenden.
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