(Minghui.org) Verehrter Meister, liebe Mitpraktizierende,

es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ich heute hier stehe und über meine Kultivierung berichten darf. Der Weg hierher war weit – nicht nur, weil ich zehn Stunden entfernt im Norden Deutschlands lebe. Auch dieser Bericht, um den mich die Koordinatorin Monate vor der Fahui gebeten hatte, war eine Herausforderung. Mehrere Wochen nahm ich immer wieder Anlauf. Bis die immer weiter verschobene Deadline sich einem Datum näherte, das keinen Aufschub mehr duldete. Mit meinem Bericht möchte ich darüber Zeugnis ablegen, dass die Arrangements des Meisters die besten sind, und ich möchte unterstreichen, wie wichtig es ist, sich seiner Verantwortung bewusst zu werden.

Wie ich zu Falun Dafa kam

Als mein Mann im Sommer 2017 nach einem Seminar im Ausland nach Hause kam, ahnte ich nicht, dass sich unser Leben binnen einer Woche komplett ändern würde. Drei Tage herrschte Funkstille in unserem kleinen Haus mitten im Naturschutzgebiet, wo wir sonst stundenlang über Gott und die Welt philosophierten. Keine gemeinsamen Spaziergänge, keine gemeinsamen Gespräche wie früher. Ständig war mein Mann in einem blauen Buch versunken. Am dritten Tag platzte mir am frühen Morgen der Kragen, als er mit jenem blauen Buch die Küche betrat. „Was zum Kuckuck liest du da?“

„Schatz, dieses Buch hat mir der Seminarleiter am Wochenende empfohlen. Dreimal wurde es mir dort aus der Hand gerissen – und jetzt kann ich es endlich lesen. Es ist so faszinierend.“

„Aber was ist mit mir? Was ist mit uns? Ständig liest du nur in diesem Buch. Worum geht es eigentlich darin?“

„Das kann ich dir nicht erklären, Schatz – ich, ich muss es noch einmal lesen.“

Ich war sprachlos. Bevor mein Mann mit seinem Kaffee verschwand, warf er mir noch einen Blick zu und sagte: „Es geht um Falun Dafa.“

Ich kochte innerlich. Was ist Falun Dafa? Ich setzte mich an den Computer und tippte: „Falun Dafa“. Plötzlich öffnete sich wie von Zauberhand ein YouTube-Video, in dem ein Chinese in einem gelben Anzug Übungen praktizierte. „Oh, das kenne ich“, erinnerte ich mich. Ich hatte genau diese Übungen fünf Jahre zuvor gemacht. Damals war ich schwanger und durchlebte eine schwierige Phase. Aus irgendwelchen Gründen hatte ich mit den Übungen aufgehört – aber wie ein Boomerang waren sie nun in meinem Leben zurück. Und sofort stellte ich mich hin und folgte den Übungsbewegungen. Es war wunderbar. Energie durchströmte meinen Körper und die Wut auf meinen Mann verflog. Auch mein Groll wegen dieses blauen Buches trat in den Hintergrund.

Als mein Mann mich am nächsten Tag bei den Übungen sah, fragte er verwundert: „Schatz, was machst du da?“ – „Ich praktiziere die Falun-Dafa-Übungen!“ - „Welche Übungen? Ich kenne nur dieses blaue Buch.“ – „Und ich wusste bis gestern nicht, dass es ein Buch über Falun Dafa gibt“, antwortete ich. Und so setzten wir die Puzzleteile zusammen. Ich zeigte meinem Mann die Übungsvideos und im Gegenzug durfte ich in seinem blauen Buch lesen. Es war wirklich faszinierend. Fragen, die ich mir mein ganzes Leben lang gestellt hatte, wurden sehr tiefgründig mit einfachen Worten beantwortet. Das war die Woche, in der mein Mann und ich begannen, uns im Falun Dafa zu kultivieren.

Als ich von der Verfolgung erfuhr

Um die Übungsbewegungen korrekt zu lernen, beschlossen wir eines Tages, zum nächstgelegenen Übungsplatz zu fahren. Enttäuscht mussten wir feststellen, dass dieser in Berlin lag, über 200 km entfernt. Da unser Dorf am Wochenende nicht ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen war, bedeutete dies, früh um 4.30 Uhr aufzustehen und zweieinhalb Stunden mit meinem vierjährigen Sohn zum nächstgelegenen Bahnhof zu wandern, um von dort aus zwei weitere Stunden mit dem Zug zu fahren. Aber so verrückt uns die Idee auch schien, wir wussten: Es ist den Aufwand wert.

Gesagt, getan, am nächsten Tag weckte ich noch vor Sonnenaufgang meinen Sohn. Um schneller voranzukommen, trugen wir ihn zwischendurch abwechselnd auf den Schultern. Wie froh waren wir, als wir nach zweieinhalb Stunden völlig aus der Puste den Bahnhof erreichten und unsere Reise für weitere zwei Stunden im Zug fortsetzten. Um 10.00 Uhr trafen wir auf dem Übungsplatz in Berlin-Tiergarten ein. Eine ältere chinesische Praktizierende zeigte uns die Übungen. Ich spürte, wie die ganze Erschöpfung von der Reise von mir abfiel. Nach den Übungen fühlte ich mich voller Energie. Jede Zelle war mit Freude erfüllt. Als eine vietnamesische Praktizierende fragte, ob wir noch zum Informationsstand am Brandenburger Tor mitkommen wollen, stimmten wir begeistert zu. „Super – noch mehr Informationen über diese großartige Meditationslehre“, dachte ich. Doch was ich dann erfuhr, verschlug mir die Sprache.

Als wir am Brandenburger Tor ankamen, zog mich ein riesiges Transparent in seinen Bann. Es war von Organraub die Rede und eine nachgestellte Szene verdeutlichte, wie brutal Praktizierende in China verfolgt werden. Während ich wie angewurzelt auf dieses Transparent starrte, drückte mir eine chinesische Praktizierende ein paar Flyer in die Hand und gab mir zu verstehen, dass ich sie an die Passanten verteilen sollte. Ich blätterte kurz durch. Auch darin ging es um Organraub und die Verfolgung – doch damit wollte ich nichts zu tun haben. Es dauerte eine Weile, bis ich mich gefasst hatte. Dann gab ich ihr die Flyer zurück: „Vielleicht beim nächsten Mal – wir müssen jetzt los.“

Auf der Heimreise hämmerte es in meinem Kopf. Wie konnte es sein, dass diese wundervolle Kultivierungsmethode so brutal verfolgt wird?

Wieder zu Hause setzte ich mich an den Computer und ging auf die Minghui-Website, die uns eine Praktizierende empfohlen hatte. Traditionelle Geschichten aus China, Nachrichten aus aller Welt, Falun Dafas göttliche Kraft – all das interessierte mich nicht. Direkt öffnete ich die Kategorie Verfolgung – und stieß auf einen „offenen Brief an die Menschen in Shanghai“ vom 28. September 2017.

Darin ging es um die wenige Monate zuvor verstorbene 66-jährige Chinesin Bai Gendi, die unschuldig inhaftiert worden war. Im Gefängnis wurde sie gefoltert und schikaniert. Während sie vier Jahre in Isolationshaft lebte, hatte sie keinen Zugang zur Toilette, sondern musste sich in einem Gefäß erleichtern. Die Wärter setzten nicht nur sie, sondern auch ihre Mitgefangenen unter Druck, damit sie die Praktizierende dazu bringen, Falun Dafa aufzugeben. Sie quälten sie auf grausame Weise und schreckten nicht davor zurück, ihr ins Essen zu urinieren. Eines Tages sagte die Praktizierende zu einer Gefangenen: „Wenn ich das Essen esse, wirst du nicht bestraft.“ Die Insassen waren zu Tränen gerührt – und ich auch.

Diese Praktizierende saß unschuldig im Gefängnis, umgeben von Kriminellen, die sie schikanierten. Dennoch wollte sie verhindern, dass diese Mitgefangenen Ärger bekamen, und stellte deren Bedürfnisse über ihre eigenen. Woher nahm sie die Kraft? Wie konnte diese Frau angesichts einer solchen Situation so barmherzig und nachsichtig mit den Mitgefangenen umgehen? Sie war nicht einmal wütend auf diese Mitgefangenen, die sich daran beteiligten, sie unter Druck zu setzen – was für eine bemerkenswerte Einstellung. „Falun Dafa muss wirklich außergewöhnlich sein“, dachte ich mir.

Bei meinen Recherchen stieß ich auf Hunderte solcher und ähnlicher Berichte. In jener Nacht bekam ich kein Auge zu. Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Vor wenigen Stunden noch war ich der glücklichste Mensch gewesen. Ich lebte mit meiner Familie ein ruhiges Leben mitten in der Natur. Ich hatte gemeinsam mit meinem Mann den Weg der Kultivierung beschritten und sogar den weiten Weg nach Berlin auf mich genommen, um die Übungen unter Anleitung zu praktizieren. Ich hatte die Schönheit von Falun Dafa erlebt. Doch nun saß ich zusammengekauert in meiner Ecke am Schreibtisch. Den frisch aufgebrühten Pfefferminztee hielt ich ganz fest, so als könnte er mir angesichts dieser furchtbaren Geschichten Halt geben. Da saßen unzählige Praktizierende, die dieselbe Schönheit von Falun Dafa in sich trugen, unschuldig in China im Gefängnis und wurden gequält. Wie kann das sein? Warum spricht niemand darüber? Die Informationen dazu sind doch alle auf der Website Minghui.org öffentlich zugänglich?

In jener Nacht erkannte ich, dass ich auf etwas wirklich Bedeutsames gestoßen war. Ich fragte mich, ob ich die Einzige war, die diese Berichte las. Je mehr ich darüber nachdachte, desto größer wurde meine Entschlossenheit. Ich wusste zwar nicht, wie und was ich tun konnte. Für mich stand nur fest: „Die ganze Welt muss von Falun Dafa erfahren.“

Inzwischen sind neun Jahre vergangen. Hätte mir früher jemand gesagt, dass ich einmal Journalistin werden, mit Doktoren und Professoren Interviews führen und einen Verlag leiten würde, hätte ich ihn sicherlich ausgelacht.

Sich seiner Verantwortung stellen

Als ich damals gemeinsam mit meinem Mann die Kultivierung begann, begleitete mich ein überwältigendes Gefühl der Freude. Ich stellte mir vor, wie es sein würde, jeden Tag mit ihm das Fa zu lernen und die Übungen zu praktizieren. Einerseits fand ich die Vorstellung beängstigend, dass ich auch in 15 Jahren immer noch früh um 5.00 Uhr im Zhuan Falun lesen und danach die Übungen praktizieren würde. Andererseits verlieh mir dieses Gefühl Sicherheit in Bezug auf eine beständige Partnerschaft. Die Verbindung mit meinem Mann war so stark, dass ich glaubte, nicht einmal der Tod könnte unsere Beziehung trennen.

Umso erschütterter war ich jedoch, als ich durch Falun Dafa erfuhr, dass jeder Praktizierende nach der Vollendung seinen eigenen Weg gehen würde. Als Dafa-Jünger wären wir alle verantwortlich für unsere Welt, wir wären Könige dieser Welt und jeder würde in seine eigene Welt zurückgehen.

Im seinem Gedicht „Mission“ sagt der Meister:

„Jeder Mensch kommt zur Welt mit einem Auftrag von seinem HimmelreichDie himmlischen Reiche erwarten ihren König“ (Mission, 14.11.2014, in: Hong Yin IV)

Ich war entsetzt. Mich überkam der Gedanke, dass ich nach erfolgreicher Kultivierung allein dastehen würde. Denn mein Mann würde in seine und ich in meine Welt zurückgehen. Bei diesem Gedanken musste ich unweigerlich schluchzen. Eine tiefe Traurigkeit stieg in mir hoch, eine Traurigkeit, die ich noch nie gespürt hatte.

Als ich dieses Gefühl von Traurigkeit näher betrachtete, stellte ich fest, dass sie nicht daher rührte, meinen Mann eines Tages verlassen zu müssen, sondern daher, dass ich mich dieser immensen Verantwortung nicht im Geringsten gewachsen fühlte. Gleichzeitig spürte ich plötzlich die vielen Wesen, die einerseits auf meine Rückkehr in meine Welt warteten oder andererseits mit mir in meine Welt aufsteigen wollten. Ich spürte ihre Blicke und auch ihre Zuversicht, dass ich meine Mission hier auf der Erde erfolgreich meistern würde. Und: Ich spürte einen enormen Druck, der auf meinen Schultern lastete – für eine Mission, die ich zu erfüllen hatte.

Dieser Druck verstärkte sich, als ich auf das Gedicht „Deine Lebewesen warten auf dich“ stieß. Darin heißt es:

„Ich gab den Gottheiten das Versprechen, dich aufzuweckenDu kamst auf die Welt, um das Dafa zu erhaltenDie Katastrophen von den Lebewesen deines Himmelreiches abzuwendenDas war der Grund für dich, Mensch zu werdenLass den roten Dämon, der die ganze Welt betrügt, dir nicht schadenWahre Umstände erfahren, deine Lebewesen warten auf dich“(Deine Lebewesen warten auf dich, 11.12.2014, in: Hong Yin IV)

Doch was war diese Mission? Mit dieser Frage beschäftigte ich mich jahrelang. Die Antwort, dem Meister dabei zu helfen, Lebewesen zu erretten, erschien mir dabei sehr oberflächlich.

Plötzlich Verlagsinhaberin

Dass ich eines Tages einen Verlag leiten würde, war von mir nicht geplant. Es hat sich einfach so ergeben. Als eines Tages Übersetzungen für den englischsprachigen Minghui Report gesucht wurden, meldete ich mich freiwillig. Zur damaligen Zeit hatte ich durch meine Arbeit bei der Epoch Times schon ein paar Jahre Erfahrungen bei der Bearbeitung von Texten gesammelt. Doch die vielen Berichte über Leid und Schmerz der Praktizierenden im Minghui Report waren nicht nur Texte – es waren Schicksale von Gleichgesinnten, die in China erniedrigt und gefoltert wurden. Ihre Geschichten verfolgten mich in der Nacht als Albträume. Oft wachte ich schweißgebadet auf und fühlte mich außerstande, weiter zu übersetzen. Doch ich wusste, wie wichtig dieses Werk war. Kurz nach der Fertigstellung folgte der Erstausgabe eine überarbeitete gebundene Ausgabe. Die Verbreitung sollte über einen Verlag erfolgen. Da meine Arbeit als Journalistin und der Einsatz für Menschenrechte in Zusammenhang standen, bot ich meine Unterstützung an. Im Februar 2022 meldete ich den Minghui Verlag als Gewerbe an. Dem Minghui Report folgten weitere Veröffentlichungen wie mehrere Ausgaben der Minghui International sowie das im November 2025 erschienene Buch „Der Weg zu unseren kosmischen Wurzeln“ mit Geschichten über westliche Praktizierende.

Bis heute ist der Minghui Report (in englischer und deutscher Sprache) ein großartiges Werkzeug, um mit den Menschen über die Verfolgung zu sprechen. Schon oft habe ich dieses Buch an Informationsständen an interessierte Passanten verschenkt, in dem Bewusstsein, dass diese auch anderen von der Verfolgung durch die Kommunistische Partei Chinas berichten werden. Bei solchen Gelegenheiten spürte ich oft, wie eine große Gruppe Lebewesen, die in anderen Räumen versammelt war, in goldenes Licht eintauchte und dann verschwand. Es ist der barmherzigen Gnade und dem großartigen Arrangement des Meisters zu verdanken, dass wir durch die Verbreitung dieses Werkes Lebewesen erretten können.

Erfahrungen am Informationsstand in Zürich

Es zeugt auch von dem außergewöhnlichen Arrangement unseres Meisters, dass ich heute überhaupt hier stehe und über meine Erfahrungen berichten darf. Bereits die Teilnahme an der Fahui im vergangenen Jahr glich einem Wunder. Als mich damals die Schweizer Koordinatorin ansprach und fragte, ob ich mit meinem Mann kommen wolle, reagierte ich noch ziemlich empört. Zu jener Zeit hatten wir kein Auto und da ich mich nahezu rund um die Uhr um meine pflegebedürftige Mutter kümmern musste, schob ich die Idee, in die Schweiz zu fahren, erst einmal von mir.

Nach ein paar Stunden entfaltete sich jedoch in mir ein sehr aufrichtiger Gedanke. Er lautet: „Warum nicht? Warum sollte es mir nicht möglich sein, mit meinem Mann und meinem Sohn an der Schweizer Fahui teilzunehmen? Wenn diese Idee schon im Raum ist, dann hat der Meister bestimmt etwas arrangiert – ich muss nur fest darauf vertrauen.“ Und das tat ich dann auch.

Innerhalb von zwei Tagen fanden wir einen guten und preiswerten Gebrauchtwagen und organisierten die mehrtägige Betreuung für meine Mutter. Nach einer etwas holprigen Suche nach einer passenden Übernachtung stand unserer Fahrt nichts mehr im Wege. Ich freute mich auf unseren kurzen Familienurlaub. Doch dann kam es anders.

Wenige Tage vor der Fahui erhielt ich eine unerwartete Anfrage der Koordinatorin: „Könnt ihr auf dem Weg zur Fahui am Samstag noch beim Informationsstand in Zürich aushelfen?“ Wir waren verblüfft. So läuft eben Kultivierung ab. Es dämmerte mir, dass es kein Urlaub sein würde, sondern eine grandiose Möglichkeit, uns dem Fa anzugleichen und die Xinxing zu erhöhen – so, wie es dem Arrangement des Meisters entsprach. Also sagten wir zu. Wir spürten, dass ein „Nein“ auf diese Anfrage keine Option war.

Am späten Freitagabend machten wir uns auf den Weg. Mein Mann fuhr – abgesehen von einigen ganz kurzen Pausen – die ganze Nacht durch, bis wir nach ca. 11 Stunden Zürich erreichten – etwa eine Stunde, bevor wir uns mit den lokalen Praktizierenden trafen. Einige davon kannte ich bereits vom Minghui-Sommercamp. Und auch mein Sohn freundete sich schnell mit einem Mädchen an, das er schon einmal im Camp getroffen hatte.

Noch während die anderen beim Aufbau waren, stand ich an einer Straßenecke, um Flyer zu verteilen. Doch das war nicht so einfach. Anhaftungen an Scham, Schüchternheit sowie die Angst vor Zurückweisung hielten mich zurück. Die Gegend war fremd, die Menschen sprachen anders und zu allem Übel stieg noch dieses überwältigende Gefühl von Müdigkeit in mir hoch. Am liebsten hätte ich mich irgendwo in einem Café verkrochen und ausgeruht. Aber dann schaute ich auf meinen Mann. Obwohl er die ganze Nacht durchgefahren war, strahlte er Energie und Zuversicht aus. Mit einem Lächeln ging er scheinbar mühelos auf Passanten zu und verteilte die Flyer. Warum konnte ich das nicht?

Als ich nach innen schaute, erkannte ich meine Lücke: Ich hegte Groll – Groll, dass ich hier stehen musste, anstatt den Aufenthalt in der Schweiz zur Erholung zu nutzen. Hatte ich zuhause nicht schon genug um die Ohren? Seit über einem Jahr pflegte ich damals meine Mutter, die im August 2024 einen schweren Schlaganfall erlitten hatte und im Rollstuhl saß. Je mehr ich darüber nachdachte, desto größer wurde die Überzeugung, dass ich eine Pause verdient hatte. Dann fiel mein Blick auf den Informationsstand und die Praktizierenden. Ich schaute auf meinen Sohn und das Mädchen, die sich ebenfalls mit Flyern ausgerüstet hatten und sie mit einem Lächeln an Passanten verteilten – und dann riss ich mich zusammen, schob meinen Groll und die Wunschvorstellung von einem gemütlichen Familienurlaub zur Seite und dachte: „Meister, dank Ihres großartigen Arrangements ist es mir möglich, hier in der Schweiz, knapp 1.000 km entfernt von meinem Wohnort zu stehen. Ich bin bereit. Schicken Sie die Lebewesen vorbei, die errettet werden sollen.“

Dann holte ich tief Luft und mein ganzer Ärger verflog. Es war, wie der Meister sagt:

„[…] ein aufrichtiger Gedanke besiegt hundert Böse.“ (Zhuan Falun, 2019, S.238)

Kurz darauf kam ein junges Pärchen auf einem Mofa vorbei. Als sie unseren Stand mit dem großen Plakat über die Verfolgung sahen, hielten sie an. Ich ging auf sie zu und gab ihnen einen Flyer. Schnell stellte sich heraus, dass der junge Mann aus Russland und seine Freundin aus Tschechien kam. Sie sprachen beide etwas Deutsch und Englisch, sodass ich sie gut über die Hintergründe der Verfolgung und Falun Dafa informieren konnte. Als sie hörten, dass auch ich rund 1.000 km entfernt im Norden Deutschlands lebte, waren sie sehr verwundert. „Es ist unfassbar. Wie groß ist die Möglichkeit, dass wir drei uns ausgerechnet heute hier an dieser Stelle in der Schweiz treffen? Das muss ein Wink des Schicksals sein!“, sagte der junge Mann, und mir kamen fast die Tränen. Mir wurde klar, dass der Meister mir dadurch zu verstehen gab, wie einzigartig seine Arrangements sind. In anderen Räumen sind die Schicksalsverbindungen mit den Lebewesen, denen wir von Falun Dafa erzählen sollen, schon längst geknüpft. Wäre ich meinem Wunsch nach Bequemlichkeit und mich in einem Café auszuruhen, gefolgt, hätte ich das Pärchen nicht treffen können. Ich dankte dem Meister für diese Ermutigung. Doch schon eine Minute später wurde ich auf eine weitere Probe gestellt und mein Herz rutschte mir buchstäblich in die Hose.

Als ich dem Mofa mit dem Pärchen hinterherwinkte, kam von der anderen Straßenseite plötzlich eine große Gruppe Asiaten auf mich zu. „Das müssen um die 20 Chinesen sein“, dachte ich. In meiner Heimatstadt gibt es keine Chinesen. Es gibt auch keine großen ausländischen Touristengruppen. Ich nahm ein inneres Geplapper in meinen Gedanken wahr. Mein Gedankenkarma lieferte mir etliche Gründe, warum ich ungeeignet wäre, mit dieser Gruppe ins Gespräch zu kommen. „Wie willst du sie denn ansprechen? Was machst du, wenn sie dich beschimpfen? Du weißt ja noch nicht einmal, wie du sie zum Austritt aus der Kommunistischen Partei Chinas und ihren beiden Jugendorganisationen bewegen sollst – dann hat es erst recht keinen Sinn, ihnen von Falun Dafa zu erzählen! Und: Hast du gerade gesehen, wie verachtend diese beiden Frauen über dich getuschelt haben?“ Hilflos sah ich zu, wie dieses Gedankenkarma das wenige Minuten zuvor aufgebaute Selbstvertrauen regelrecht torpedierte und binnen Sekunden zerstörte. Wieder wäre ich am liebsten im Erdboden versunken.

Zu allem Übel kam noch hinzu, dass einige aus der Gruppe mit den Fingern auf unseren Stand zeigten und merkwürdige Gesten machten. Doch dann stieg ein aufrichtiger Gedanke in mir auf: „Es ist kein Zufall, dass mir das gezeigt wird. Wenn ich diese Gruppe nicht anspreche, wird es keiner tun.“ Ich schnappte mir einen Stapel chinesischer Flyer und folgte der Gruppe, die sich etwa 100 m von unserem Stand entfernt versammelt hatte. Manche machten Fotos, andere standen herum und unterhielten sich, wiederum andere saßen auf einer Bank. Welche Gruppe sollte ich ansprechen? Ich entschied mich für die auf der Bank. Beherzt, aber etwas schüchtern, ging ich in Richtung einer älteren Frau um die 65. Sie hob ihren Kopf und lächelte mich an. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Der erste Kontakt war also geknüpft. Doch als ich ihr meinen Flyer übergeben wollte, wedelte sie abwertend mit ihren Händen und gab mir zu verstehen, dass ich verschwinden sollte. Ich war verwirrt, ließ mich aber nicht so schnell abschütteln. Schließlich saßen noch andere auf der Bank. Aber auch die drehten sich einfach weg. Was sollte ich nur tun?

„Meister, ich weiß, Sie haben mir diese Lebewesen geschickt. Ich muss nur die Person finden, mit der ich die stärkste Schicksalsverbindung habe.“ Mit dieser Einstellung schaute ich mich um. Plötzlich bemerkte ich auf einer anderen Bank eine weitere Frau aus dieser Touristengruppe, die mich anschaute. Ich ging zu ihr hinüber. Aber auch sie wollte meinen Flyer nicht.

Mit einem etwas verärgerten Unterton sagte sie: „Wir sind keine Chinesen. Wir kommen aus Korea!“ Ich entschuldigte mich und holte unverzüglich koreanische Flyer vom Informationsstand. Die Frau warf einen Blick darauf und sagte: „Oh, Falun Dafa“ und dann hob sie den Daumen. Andere aus der Gruppe kamen neugierig herüber und unterhielten sich mit ihr und nickten anerkennend. Nur eine Minute später erschien ein Reiseleiter, der die Gruppe Koreaner zu ihrem Bus begleitete. Hätte ich diese Frau nicht entdeckt, wäre es mir unmöglich gewesen, diesen Touristen den Flyer zu geben. Einmal mehr dankte ich dem Meister für seine Unterstützung.

Als ich mit einem Gefühl der Erleichterung zum Stand zurückging, wurde ich von einer Praktizierenden gefragt, ob ich die Übungen 1 bis 4 machen wolle. Ich stimmte zu – das war wie eine Belohnung für die erretteten Lebewesen. Ich konnte mich während der Übungen entspannen und gleichzeitig Energie tanken – so dachte ich. Und so zog ich meine Schuhe aus und stellte mich auf die bereitliegende Matte. Aber irgendetwas war merkwürdig. Ich hatte keinen festen Stand. Es fühlte sich an, als ob ich auf einem Boot stehen würde. Ich schaute auf meine Füße, stellte aber fest, dass ich auf einer Meditationsmatte stand. Wirklich merkwürdig. Ich schloss wieder meine Augen und begann mit den Übungen. Aber bei jeder Bewegung hatte ich das Gefühl, als würde der Boden unter mir beben. Ich musste ständig mein Gleichgewicht austarieren, um nicht ins Schwanken zu kommen. Die zweite Übung war besonders schwer. Es war tatsächlich, als würde ich versuchen, bei Wellengang in einem Boot die „Falun-Pfahlstellung“ zu praktizieren. Dieses Gefühl des Wankens wurde während der dritten Übung stärker. Immer wieder musste ich die Augen öffnen. Als ich mich bei der vierten Übung nach unten bückte, verlor ich fast das Gleichgewicht. Trotzdem machte ich die Übungen weiter. Schließlich hatte ich zugesagt, die Übungen eins bis vier zu machen.

Als die Übungen nach einer Stunde beendet waren, war ich völlig fertig. Meine Beine zitterten und ich wollte mich nur irgendwo hinsetzen. Es kam mir daher sehr entgegen, dass es kurz vor 12 Uhr war und somit Zeit zum Aussenden der aufrichtigen Gedanken. Ich setzte mich auf die Matte – und stellte fest, dass unter der Meditationsmatte noch ein kleines Stück Schaumstoff lag, was mir meinen unsicheren Stand während der Übungen beschert hatte.

Als ich später weiter darüber nachdachte, erkannte ich, dass mir der Meister anhand dieser Situation gezeigt hatte, wie wichtig Standhaftigkeit in der Kultivierung ist. Ohne aufrichtige Gedanken und die Klarheit und Entschlossenheit, Lebewesen zu erretten, hinterlassen wir Lücken, die von Gedankenkarma oder den alten Mächten für Störungen genutzt werden können. Je klarer unsere Ausrichtung ist, desto besser können wir dem Arrangement des Meisters folgen, um ihm bei der Errettung der Lebewesen zu helfen.

Ich möchte meinen Bericht mit einem Zitat des Meisters beenden.

Der Meister sagt:

„Die Wahrheit klarzustellen ist nicht einfach, es geht nicht nur um die Frage, das Böse zu entlarven. Dass wir die Wahrheit klarstellen, bedeutet, die Lebewesen zu erretten, gleichzeitig gibt es darin noch die Faktoren für eure eigene Erhöhung sowie für die Beseitigung der Eigensinne bei der Kultivierung, es gibt da noch den Faktor, dass die Dafa-Jünger bei der Kultivierung die Verantwortung für das Fa übernehmen, gleichzeitig stellt sich auch die Frage, wie du am Ende bei der Vollendung deine eigene Welt ausfüllen wirst, usw. Wenn du in Zukunft ein vollendeter großer Erleuchteter sein wirst, kann es in deinem Raum, im Bereich deiner eigenen Welt, nicht ohne Lebewesen gehen. Dazu ist es nötig, während deiner Kultivierung zu manifestieren, wie du mit Barmherzigkeit alle Lebewesen erlöst und wie du deine Welt füllst.“ (Die Fa-Erklärung auf der Internationalen Fa-Konferenz in Washington, D.C., 21.07.2001)

Ich danke dem verehrten Meister für die barmherzige Erlösung.Vielen Dank, liebe Mitpraktizierende.

Sollte es in meinem Bericht etwas geben, das unangemessen ist, bitte ich um einen gütigen Hinweis.