(Minghui.org) Liu Wansheng befand sich in einem kritischen Zustand, als er nach sechs Jahren Haft wegen seines Glaubens an Falun Dafa am 22. April 2026 freigelassen wurde. Er starb acht Tage später, am 29. April, im Alter von 71 Jahren.

Liu, aus der Stadt Jinzhou, Provinz Liaoning, lag in den letzten Tagen vor seinem Tod im Koma. Nur für kurze Augenblicke lang schien er die Stimmen seiner Angehörigen gehört zu haben, unfähig sich zu bewegen oder zu sprechen. Er hatte Verletzungen an beiden Knöcheln und Handgelenken, die möglicherweise von der Fesselung ans Bett im Gefängnis stammten.

Liu Wansheng vor seiner Inhaftierung

Liu Wansheng, vier Tage nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis

Lius Frau, ebenfalls eine Falun-Dafa-Praktizierende, wurde nach der Verurteilung ihres Mannes zu sechs Jahren Haft im Jahr 2020 schwer krank. Als später auch noch seine Rente ausgesetzt wurde, brach sie zusammen. Sie erlag der psychischen Belastung und starb im Jahr 2024. Das Paar hinterlässt einen Sohn, der aufgrund der jahrelangen Verfolgung seiner Eltern an Depressionen leidet und arbeitsunfähig ist.

Jüngste Verhaftung und Verurteilung

Liu war am 23. April 2020 verhaftet worden, weil er an einem Busbahnhof mit Passanten über Falun Dafa gesprochen hatte. Polizisten durchsuchten seine Wohnung und beschlagnahmten seine persönlichen Gegenstände.

Am zweiten Tag von Lius Verhaftung ging sein Vater zum Polizeirevier, um seine Freilassung zu fordern, aber ohne Erfolg. Drei Tage später begab sich der 80-Jährige erneut zur Polizei. Ein Polizist sagte zu ihm: „Das ist anders als beim letzten Mal. Dieses Mal werden wir seinen Fall der Staatsanwaltschaft vorlegen.“

Das „letzte Mal“, das von dem Polizisten erwähnt wurde, betraf Lius frühere Verhaftung im Januar 2019, auch weil er mit Leuten über Falun Dafa gesprochen hatte. Die Polizei hatte ihn bald darauf freigelassen, ohne eine strafrechtliche Verfolgung anzustreben.

Lius Festnahme und die anschließende Strafverfolgung versetzten seinem Vater einen schweren Schlag. Der alte Mann verstarb bald darauf.

Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Linghe genehmigte Ende April den von der Polizei vorgelegten Fall und klagte Liu bald darauf an. Am 4. September wurde ihm per Videokonferenz in der Haftanstalt von Jinzhou der Prozess gemacht. Das Gericht der Stadt Linghai verurteilte ihn am 30. September zu sechs Jahren Haft und einer Geldstrafe von 10.000 Yuan (etwa 1.200 Euro). Liu legte Berufung beim Mittleren Stadtgericht Jinzhou ein, welches das ursprüngliche Urteil jedoch bestätigte.

Im März 2021 wurde Liu in das Gefängnis Panjin und später in das Gefängnis Jinzhou verlegt. Infolge der schlechten Bedingungen und der schweren Misshandlungen im Gefängnis ging es mit seiner Gesundheit bergab.

Am 23. November 2025 brachten die Wärter des Gefängnisses Jinzhou Liu ins örtliche Krankenhaus. Er wurde am 27. November um 15 Uhr entlassen, nur um drei Stunden später erneut in die Notaufnahme desselben Krankenhauses eingeliefert zu werden. Noch in derselben Nacht wurde er ins Gefängnis zurückgebracht. Seine Familie wurde über seinen stationären Aufenthalt und den Besuch in der Notaufnahme informiert, durfte ihn aber nicht besuchen.

Am 12. Dezember 2025 wurde Liu erneut in das Krankenhaus der Stadt Jinzhou eingeliefert, da er sich in einem Zustand kritischen Zustand befand.

Bittgesuch des Sohnes

Um für Liu nach seiner letzten Verhaftung Gerechtigkeit zu bekommen, schrieb sein Sohn an den Staatsanwalt und den Richter und berichtete ausführlich über die positiven Veränderungen seines Vaters durch das Praktizieren von Falun Dafa und das Leiden der Familie in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Er drängte die Behörden dazu, seinen Vater freizulassen.

Lius Sohn schrieb:

Bei meiner Mutter wurde 1995 Magenkrebs diagnostiziert. Unsere Familie gab ein Vermögen aus, um sie medizinisch behandeln zu lassen, aber es ging ihr nicht besser. Später fing sie auf Empfehlung anderer Menschen an, Falun Dafa zu praktizieren und erholte sich bald darauf vollständig.

Zu dieser Zeit litt auch mein Vater an vielen Krankheiten. Besonders mit seinem unregelmäßigen Herzschlag konnte er nachts nicht schlafen. Als er die Veränderungen bei meiner Mutter sah, lernte er auch Falun Dafa. In den vielen Jahren, die folgten, erfreuten sich beide einer guten Gesundheit und brauchten nicht zum Arzt zu gehen. Ich bin Falun Dafa von ganzem Herzen dankbar.

Obwohl ich selbst nicht Falun Dafa praktiziere, bin ich wirklich beeindruckt zu sehen, wie Falun Dafa meinen Vater zu einem besseren Menschen gemacht hat. Er hörte auf, andere im Geschäftsleben auszunutzen. Er wurde ehrlich und war immer bereit, anderen zu helfen. Er hat mich oft gelehrt, auch ein guter Mensch zu sein.

Seit die Kommunistische Partei Chinas 1999 begann, Falun Dafa zu verfolgen, habe ich nicht einen Tag in Frieden gelebt. In den letzten zwanzig Jahren sind mein Vater und meine Mutter nacheinander verhaftet worden. Deshalb habe ich jetzt die Instantnudeln so satt, weil ich in den Jahren, in denen meine Eltern beide im Arbeitslager waren, zu viele davon gegessen habe. Ich wurde traumatisiert, als ich Zeuge war, wie Polizisten unser Haus so oft durchsuchten. Jedes Mal, wenn ich Polizeiautos auf der Straße sehe, erstarre ich vor Angst.

Frühere Verfolgung

Liu hatte im Juli 1996 angefangen, Falun Dafa zu praktizieren. Infolgedessen stellte er seine persönlichen Interessen zurück und erstattete die Beträge zweier strittiger Rechnungen, die seine Lieferanten angeblich von seinem Unternehmen forderten, obwohl das Gericht in einem der Fälle zu seinen Gunsten entschieden hatte.

Nachdem die Kommunistische Partei Chinas 1999 die Verfolgung von Falun Dafa angeordnet hatte, waren er und seine Frau Zhou Hua wiederholt wegen ihres Glaubens angegriffen worden. Sie mussten ihren Online-Shop schließen, was der Familie enorme finanzielle Verluste einbrachte.

Neben Lius Vater starb auch Zhous Mutter vor Kummer, als das Ehepaar wegen seines Glaubens inhaftiert war.

Frühere Verhaftungen und Inhaftierungen

Liu wurde im Juli und September 1999 zweimal verhaftet und jeweils 15 Tage lang festgehalten.

Im Jahr 2001 nahmen Polizisten den Praktizierenden erneut fest. Sie brachten ihn in einen leeren Raum, wo sie ihm die linke Hand hinter dem Rücken in Handschellen legten, während die andere Hand über die rechte Schulter nach unten gezogen und gefesselt wurde (siehe Abbildung unten). Die Polizisten saßen daneben und erfreuten sich an den unerträglichen Schmerzen, unter denen Liu litt. Die Folter dauerte eine Stunde lang.

Folter-Illustration: Hände hinter dem Rücken gefesselt

Nachdem Liu ins örtliche Untersuchungsgefängnis gebracht worden war, schlugen die Gefangenen oft auf ihn ein. Manchmal stießen sie ihm die Ellenbogen in den Rücken. Liu ging zu Boden und krümmte sich auf der Erde vor Schmerzen. Die Polizei ließ ihn 43 Tage in Haft und erpresste 30.000 Yuan (etwa 3.600 Euro) von ihm.

Folter im Arbeitslager

Als Liu am 15. April 2004 abends nach Hause zurückkehrte, verhafteten ihn Beamte zum vierten Mal. Die Polizisten durchsuchten seine Wohnung und verhörten ihn. Drei Tage später brachten sie ihn ins Zwangsarbeitslager der Stadt Jinzhou, wo er drei Jahre verbringen musste.

Nachdem Liu im Arbeitslager eingeliefert worden war, fesselten ihm Wärter alle vier Gliedmaßen in der „Spreizadler“-Position ans Bett. Liu konnte sich nicht bewegen, geschweige denn den Körper drehen. Einen Monat lang war er ans Bett gefesselt.

Folter-Nachstellung: ans Bett gefesselt

Nach der anfänglichen Folter befahlen die Wärter zwei Gefangenen, Liu zu überwachen. Sie hinderten ihn daran, mit anderen zu sprechen. Der Praktizierende wurde gezwungen, täglich um 5 Uhr morgens aufzustehen. Dann musste er bis 22 Uhr regungslos auf einem kleinen Hocker mit einer Sitzfläche von 10 x 30 Zentimeter bei einer Höhe von rund 15 Zentimetern sitzen. Nachts fesselten die Häftlinge Liu ans Bett. Am nächsten Tag ging die Sitzfolter weiter. Wenn er sich widersetzte, prügelten die Gefangenen auf ihn ein und beschimpften ihn.

Folter-Nachstellung: regungslos auf einem kleinen Hocker sitzen

Später trat Liu aus Protest gegen die Verfolgung in Hungerstreik. Die Wärter flößten ihm gewaltsam stark gesalzenen Maisbrei ein. Der Leiter der Arbeitslager-Klinik stand daneben und sagte zu den Wärtern und Gefangenen: „Das ist in Ordnung. Das wird ihn nicht umbringen.“

Als die Folter verschärft wurde, damit Liu seinen Glauben an Falun Dafa aufgibt, fesselten die Wärter seine Beine in der Lotussitz-Position. Die Hände wurden mit Handschellen hinter dem Rücken gefesselt. Dann setzten die Wärter ihm Kopfhörer auf und spielten in voller Lautstärke Propaganda ab, die Falun Dafa verleumdete.

Jeden Tag zögerten die Wärter die Dauer der Folter hinaus. Ein Gefangener saß an Lius Seite, gelegentlich schlugen die Wärter auf seine Beine ein. Die längste Folterdauer, die der Praktizierende in dieser Position verbringen musste, dauerte dreieinhalb Stunden – von morgens bis mittags. Als die Wärter die Fesseln lösten, konnte er seine Beine nicht mehr bewegen. Andere Häftlinge schleppten ihn zurück in die Zelle.

Ein anderes Mal wurde Liu in das Büro der Wärter gebracht. Durch harte Schläge auf den Kopf brach er zusammen. Er fühlte sich krank, seine Kleidung war von kaltem Schweiß durchnässt.

Die Verfolgung seiner Frau

Zhou Hua war etwa am 20. Juli 2002 verhaftet worden, nachdem das Büro 610 der Stadt Jinzhou die örtliche Polizei angewiesen hatte, Falun-Dafa-Praktizierende, die auf der staatlichen Liste standen, festzunehmen und einer Gehirnwäsche zu unterziehen.

Nachdem Zhou in die Gehirnwäsche-Einrichtung gebracht worden war, fragte sie Li Xiejiang, einen Agenten des Büros 610, was er mit den 35.000 Yuan gemacht hatte, die er im Jahr zuvor von ihrem Mann erpresst hatte. Li geriet in Rage; er ließ Zhou umgehend in die Haftanstalt der Stadt Jinzhou einweisen und wies die Polizeistation Jinzhou an, sie zu drei Jahren Zwangsarbeit zu verurteilen. Fünfzehn Tage später wurde sie in das Zwangsarbeitslager Masanjia gebracht. Aus gesundheitlichen Gründen nahm dieses sie nicht auf und sie wurde freigelassen.

Im Juni 2004 wurde Zhou abermals verhaftet, als sie in das Zwangsarbeitslager der Stadt Jinzhou ging, um ihren Mann zu besuchen. Sie wurde in das Zwangsarbeitslager Masanjia eingeliefert, um ihre dreijährige Haftstrafe abzuleisten und mit verschiedenen Methoden gefoltert.

Im Februar 2006 trat Zhou in den Hungerstreik und weigerte sich, die Häftlingsuniform zu tragen. Die Wärter hängten sie daraufhin mehrere Tage lang an den Handgelenken gefesselt auf.

Anfang November 2006 rief Zhou aus Protest „Falun Dafa ist gut“. Sie wurde gefesselt, zwangsernährt und unzählige Male ins Gesicht geschlagen. Als sie sich am 15. Dezember desselben Jahres der Zwangsernährung widersetzte, schlugen die Wärter sie so heftig, dass ihr Mund stark blutete. Sie setzte den Hungerstreik fort und wurde schließlich, dem Tode nahe, freigelassen.

Frühere Berichte:

70-Jähriger, wegen seines Glaubens inhaftiert, erneut im Krankenhaus – Zustand kritisch

Nach sieben Verhaftungen und drei Jahren Arbeitslager mit Folter erneut zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt

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