(Minghui.org) Liu Wansheng hatte die letzten fünf Monate seiner sechsjährigen Haftstrafe im Krankenhaus verbracht. Nach Ablauf seiner Haftzeit am 22. April 2026 wurde er von den Gefängniswärtern nach Hause entlassen. Er starb eine Woche später im Alter von 71 Jahren.
Liu war aufgrund seines Glaubens an Falun Dafa inhaftiert worden. Der Einwohner von Jinzhou, Provinz Heilongjiang, hatte den größten Teil seiner Haftzeit im Gefängnis Jinzhou verbracht. Dieses ist für die Folter von Falun-Dafa-Praktizierenden berüchtigt, besonders seit Shi 2023 sein Amt als Gefängnisdirektor angetreten hatte.
Auf Shis Anweisung versprach der stellvertretende Gefängnisdirektor Zu Xingzhen den Wärtern, denen es gelang, einen Falun-Dafa-Praktizierenden zur Abkehr seines Glaubens zu bringen, Beförderungen und Geldprämien von bis zu 10.000–20.000 Yuan (etwa 1.200-2.400 Euro). Praktizierenden, die an ihrem Glauben festhielten, durften ihre Angehörigen in keiner Form kontaktieren und lediglich 100 Yuan pro Monat für den täglichen Bedarf ausgeben.
Viele Praktizierende wurden im Gefängnis brutal gefoltert, was bei einigen zum Tod führte. Vor Liu starb der 71-jährige Zhao Jiyuan am 4. Juli 2025 während seiner Haftstrafe von 7,5 Jahren. Der 75-jährige Zhou Yonglin starb am 23. März 2026, nur 62 Tage nach dem Ende einer fünfjährigen Haftstrafe.
Minghui.org hat bereits über Lius Verhaftung, Folter und Tod berichtet. In diesem Artikel werden neue Informationen über die letzten fünf Monate seines Lebens enthüllt.
Fehlende Unterschriften in den Krankenakten
Liu war am 23. April 2020 verhaftet und am 30. September 2020 zu sechs Jahren Haft und einer Geldstrafe von 10.000 Yuan verurteilt worden. Im März 2021 wurde er in das Gefängnis Panjin eingeliefert und später in das Gefängnis Jinzhou verlegt.
Infolge der schlechten Haftbedingungen und der schweren Misshandlungen ging es mit seiner Gesundheit rasch bergab. In den letzten fünf Monaten seiner Haft wurde er sechsmal ins Krankenhaus eingeliefert. Seine Familie durfte ihn kein einziges Mal im Krankenhaus besuchen.
Von seinen sechs Krankenhausakten trug nur eine die Unterschrift eines Gefängniswärters, in den anderen fünf Akten war das Unterschriftsfeld leer. Laut Gesetz sind Krankenhäuser verpflichtet, vor einer stationären Behandlung die Unterschrift des Patienten oder seiner Angehörigen einzuholen.
Liu lag in den letzten Tagen vor seinem Tod im Koma. Demzufolge hätte seine Familie benachrichtigt werden und die Möglichkeit erhalten müssen, die Akten zu unterschreiben. Wäre Liu bei Bewusstsein gewesen, hätte er die Unterschrift möglicherweise verweigert, da die in den Akten vermerkten Angaben seinem tatsächlichen Gesundheitszustand nicht entsprachen. Er konnte seiner Familie nie erzählen, was geschehen war, da er nach seiner Entlassung am 22. April 2026 weiterhin im Koma lag.
„Hirninfarkt“
Am 23. November 2025 wurde Liu nach anderthalbstündiger Übelkeit und Erbrechen in das Zentralkrankenhaus der Stadt Jinzhou eingeliefert. Aus der Krankenakte (siehe Abbildung unten) geht hervor, dass er an diesem Tag um 19:45 Uhr in die Notaufnahme gebracht worden war.
Lius Entlassungsbescheinigung nach seiner ersten Einlieferung ins Krankenhaus am 23. November 2025
Die an Lius Gehirn durchgeführte Computertomographie ergab die Diagnose Hirninfarkt. Aus den oben genannten Krankenakten geht zudem hervor, dass er an sechs weiteren Erkrankungen litt, wie Hepatitis B, Diabetes, hohem Blutdruck, Hypokaliämie (Kaliummangel), Hypernatriämie (Elektrolytstörung) und Hyperfluoridämie (chronische oder akute Überversorgung des Körpers mit Fluorid).
Liu wurde daraufhin stationär aufgenommen. Obwohl er einen Schlaganfall erlitten hatte, brachte man ihn nicht – wie in den Krankenakten vermerkt – auf der Neurologie-Station, sondern auf der Nephrologie-Station unter. Er wurde am 27. November 2025 um 15:15 Uhr entlassen, nur um drei Stunden später erneut in die Notaufnahme desselben Krankenhauses eingeliefert zu werden. Er wurde noch in derselben Nacht ins Gefängnis zurückgebracht.
Liu wurde später noch vier Mal stationär aufgenommen, zuletzt am 12. Dezember 2025, als er sich in einem kritischen Zustand befand. Nach Ansicht seiner Familie verschlechterte sich sein Gesundheitszustand in den folgenden Monaten zunehmend, weil seine tatsächlichen Erkrankungen nicht rechtzeitig medizinisch behandelt worden waren.
Obwohl Liu als Schlaganfallpatient eingestuft worden war, wurden während seiner fünfmonatigen, häufigen Krankenhausaufenthalte nur eine Computertomographie des Gehirns durchgeführt. Weder MRTs noch andere üblicherweise zur Überwachung von Schlaganfallpatienten eingesetzte Untersuchungen waren angewendet worden. Am 20. April 2026, zwei Tage vor seiner Entlassung, hatten die Ärzte eine CT und eine MRT des Gehirns angeordnet. Die Untersuchungen wurden jedoch eine Stunde vor seiner Entlassung ohne Angabe von Gründen abgesagt.
Plötzliches Koma?
In Lius Entlassungsbericht nach seinem sechsten Krankenhausaufenthalt war vermerkt, dass er zum Zeitpunkt seiner Entlassung am 22. April 2026 bei Bewusstsein war.
Als jedoch die Gefängniswärter ihn vom Krankenhaus nach Hause brachten, lag er im Koma. Seine Familie fragte sich, wie ein Mensch, der bei Bewusstsein war, während der rund zehnminütigen Fahrt vom Krankenhaus nach Hause plötzlich ins Koma fallen konnte.
Die Gefängniswärter behaupteten, dass Liu noch immer unter den Folgen eines Schlaganfalls leiden würde. Seine Familie betonte, dass er in den letzten acht Tagen vor seinem Tod keinerlei Schlaganfallsymptome wie Halbseitenlähmung oder Gesichtslähmung gezeigt habe. Dennoch hatte er seit seiner Entlassung im Koma gelegen. Sie bezweifelten, dass ein Schlaganfall, wie vom Gefängnis behauptet, die Ursache für seine Bewusstlosigkeit war.
Diabetischer Fuß?
Lius Familie bemerkte frische Wunden an seinen Handgelenken und Knöcheln. Sie vermuteten, dass er während seiner Krankenhausaufenthalte gefesselt und geknebelt war.
Die Gefängniswärter erklärten die Verletzungen an Lius Handgelenken nicht, behaupteten aber, die Verletzungen an seinen Knöcheln seien auf seinen diabetischen Fuß zurückzuführen.
In der Tat wurde bei Liu während seines ersten Krankenhausaufenthalts Diabetes diagnostiziert. Laut seiner Krankenakte war sein Blutzucker später jedoch mit einem HbA1c-Wert (glykiertes Hämoglobin) von 9,1% gut eingestellt. Der Wert lag zwar über dem Normalbereich von 5,7%, war jedoch nicht die Ursache für die Entzündungen an seinen Knöcheln.
In der Regel entwickelt sich ein diabetischer Fuß erst über eine längere Zeit hinweg. In den ersten drei Krankenhausakten wurde keine Hauterkrankung erwähnt. In der vierten Akte hieß es: „Vor zwei Monaten traten ohne erkennbare Ursache Schwäche in den Gliedmaßen auf, und an den Unterschenkeln hatten sich Hautgeschwüre und Eiter gebildet.“
Lius Familie fragte sich, weshalb das Krankenhaus diese Hauterkrankungen in den ersten drei Akten nicht dokumentiert hatte. Sie vermutete, dass es sich entweder um einen Behandlungsfehler des Krankenhauses handelte oder dass das Gefängnis Druck ausgeübt hatte, um Lius Zustand zu vertuschen.
Ein diabetischer Fuß tritt in der Regel am distalen Ende des Sprunggelenks auf. Bei Liu befanden sich die Verletzungen jedoch oberhalb der Sprunggelenke und waren an beiden Seiten symmetrisch (siehe Fotos unten) – genau an den Stellen, an denen Fußfesseln angebracht werden.
Verletzung an Lius linkem Knöchel
Verletzung an Lius rechtem Knöchel
Obwohl in Lius Krankenakten nichts über die Verletzungen an seinen Handgelenken vermerkt war, entdeckte seine Familie Schürfwunden, die offensichtlich durch längerfristiges Reiben von Handschellen verursacht worden waren.
Verletzungen an Lius rechtem Handgelenk
Die Wunden an Lius Knöcheln und Handgelenken waren groß, tief und frisch. Seine Familie vermutet, dass er sich heftig gewehrt hatte und die Handschellen und Fußfesseln dabei tief in sein Fleisch schnitten.
Indes wies Liu am unteren Rücken, an den Hüften und anderen empfindlichen Stellen seines Oberkörpers kein Wundliegen auf. Laut seiner Krankenakte war er nicht gelähmt, hingegen belegte die Pflegedokumentation, dass er bettlägerig gewesen war. Seine Familie vermutet, dass er sich trotz der Fesseln und Handschellen gelegentlich bewegt und zur Seite gedreht hatte. Dies könnte erklären, warum er trotz der langen Bettlägerigkeit kein Wundliegen entwickelt hatte.
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